Veranstaltungsarchiv
- Freitag, 12. September 2025 - 20:30Edward ist Schriftsteller, Mitte Dreißig und steht endlich kurz vor seinem literarischen Durchbruch. Wenn da nicht seine Mutter wäre, mit der er zusammen wohnt und um die er sich liebevoll kümmert. Die willensstarke Dame hat einen entwaffnenden Charme – und ihre sehr eigenen Vorstellungen vom Zusammenleben mit ihrem Sohn. Und dann ist da noch Edwards Verlag, der ihn auf eine große Lesereise in die USA schicken will. Das Letzte, was er jetzt brauchen kann, sind seine besten Freunde, die spontan zu einem Pride-Urlaub nach Spanien aufbrechen und ihre Mütter kurzerhand auch noch bei ihm abladen. An einem turbulenten Wochenende muss Edward seine aufstrebende Karriere und die Betreuung von vier exzentrischen, streitlustigen und vollkommen unterschiedlichen Damen unter einen Hut bringen. Diese herzerwärmende und liebevolle Komödie von Darren Thornton – inspiriert vom gefeierten italienischen Film „Das Festmahl im August“ – begleitet eine ungewöhnliche Wahlfamilie, die lernt, das Leben in all seinen Facetten zu umarmen. Der Film feierte seine Weltpremiere auf dem London Film Festival 2024, wo er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. ================== Fazit: Eine hübsche Wohlfühlkomödie, die sich – oberflächlich betrachtet – um das Verhältnis zwischen Müttern und Söhnen dreht. In Wahrheit geht es um Macht und Abhängigkeit und um die Notwendigkeit, diese Problematik zu erkennen, um sich davon zu lösen. Und natürlich geht es um Irland, wo der Glaube an Geister beinahe so wichtig ist wie die katholische Kirche. Vielleicht sogar noch wichtiger. (Gaby Sikorski)
- Freitag, 01. Dezember 2023 - 20:30Kategorien: Europaeischer Filmpreis, Oscarnominierung, Archiv, Literaturverfilmung, Irland, Neue Visionen, Flat, 2023„Es gibt keine Geheimnisse in diesem Haus. Hörst du? … Wenn ein Haus Geheimnisse birgt, birgt es auch Scham.“ ================== Vier Geschwister, eine Mutter, zerrissen zwischen Fürsorge und Hilflosigkeit, ein fluchender Vater und jeden Morgen eine nasse Matratze – so sieht das Leben der schweigsamen Cáit aus. Die Eltern halten es für das Beste, wenn sie den Sommer auf der Farm naher Verwandter verbringt. Cáit kennt die beiden nicht. Das Haus ist hell und sauber, zum Anwesen führt eine Allee mit üppig-grünen Bäumen. Hier herrscht eine respektvolle Stille. Liebevoll umsorgt von Eibhlín fühlt sich Cáit geborgen. Nach anfänglicher Zurückhaltung vertieft sich auch die Beziehung zu Seán, der mit ihr die Kälber füttert. Die Matratze bleibt trocken. Und doch scheint der Farm inmitten der kargen, schönen irischen Landschaft ein Geheimnis anzuhaften, auf dessen Spuren sich Cáit mit neu gewonnenem Mut und Vertrauen begibt. ====================================== Als erneut Nachwuchs ins Haus steht, wird ein von der Familie vernachlässigtes irisches Mädchen über die Sommerferien zu Verwandten geschickt. Dort erfährt es eine Wärme und Zuneigung, die es aus ihrer schmerzhaften Erstarrung befreien. Und doch gibt es auch in der Idylle der irischen Provinz Schmerz und Verlust. Der leise, zurückhaltende Film über eine Kindheit und die Poesie eines Sommers benötigt nur wenige Dialoge und nähert sich mit sensibler Bildsprache der Wahrnehmung seiner Hauptfigur an. Wohltuend unaufdringlich fügt das Drama dem Kino eine seltene Erzählung über die Perspektive eines jungen Mädchens hinzu. (Sebastian Seidler im Filmdienst – 4,5 von 5 Sternen) ====================================== Mit seiner Poesie und tröstlichen Wärme hallt "The Quiet Girl" lange nach. (Bianka Piringer für Kino-Zeit)
- Freitag, 10. März 2023 - 20:30Kategorien: Oscarnominierung, Komoedie, Archiv, Golden Globe, Irland, Walt Disney, Scope, 2023Martin McDonagh (Regisseur von "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri") erzählt in der einzigartigen Landschaft der irischen Árainn Islands eine märchenhafte Fabel über Freundschaft, Verrat und Einsamkeit. . ============================= Golden Globe für die beste Komödie/Drehbuch/Hauptdarsteller – insgesamt 127 Filmpreise plus 329 Nominierungen.
- Freitag, 17. März 2017 - 20:30Kategorien: Komoedie, 2017, Film, Archiv, Spielfilm, europaeischer Film, Liebesfilm, Historienfilm, Literaturverfilmung, Irland„Love & Friendship“ basiert auf dem Briefroman „Lady Susan“ der britischen Schriftstellerin Jane Austen („Stolz und Vorurteil“). - Die schöne Witwe Lady Susan Vernon besucht das Anwesen ihrer Verwandtschaft, um dort die in der gehobenen Gesellschaft kursierenden, skandalträchtigen Gerüchte über ihre Affären auszusitzen. Während sie sich dort versteckt hält, schmiedet sie Pläne, um für sich selbst sowie für ihre heiratsfähige, aber widerwillige Tochter Frederica jeweils einen passenden Ehemann zu suchen und dadurch ihrer beider Zukunft zu sichern. Lady Susan erregt die Aufmerksamkeit gleich dreier Männer: sowohl des jungen und attraktiven Reginald DeCourcy als auch des reichen, aber etwas einfältigen Sir James Martin sowie des äußerst gut aussehenden, jedoch verheirateten Lord Manwaring. Dieser Umstand verkompliziert die Angelegenheiten deutlich.
- Freitag, 28. März 2008 - 20:30Kategorien: Oscar, Film, Archiv, Filmpreis, Spielfilm, europaeischer Film, Liebesfilm, Musikfilm, Irland, evtl. SK, evtl. Open AirEin liebeskranker irischer Straßenmusiker gewinnt die Liebe einer unscheinbaren Rosenverkäuferin, einer tschechischen Exilantin, die sich als Klaviervirtuosin entpuppt. Der sympathisch unterhaltende Musikfilm belebt mit zwei engagierten Schauspielern das Genre des Backstage-Musicals neu und stellt den mittlerweile im Kino üblichen Ausstattungsorgien eine angenehme Bodenhaftung entgegen.
- Sonnabend, 31. Juli 1526 - 20:30Kategorien: Oscar, Liebesfilm, Musikfilm, Irland„Dieser kleine Film hat mir genügend Inspiration geschenkt, um damit durchs ganze Jahr zu kommen.“ (Steven Spielberg) =================================================== In Once, einer irischen Independent- und Low Budget-Produktion – in nur 17 Tagen mit einer Videokamera in Dublin gedreht – treffen zwei Menschen aufeinander, deren Lebenshintergründe unterschiedlicher nicht sein können. Ein Straßenmusiker verdaut das Ende seiner große Liebe mit Hilfe eigener Songs, eine tschechische alleinerziehende Einwanderin verdient wie er ihr Geld auf der Straße und wie er hat auch sie eine gewesene Beziehung zu verarbeiten. Sie verkauft Blumen und irgendwann geht sie Putzen. Die beiden begegnen sich – wo anders als auf der vordergründig einzigen Schnittstelle ihres Lebensauf der Straße. Sie entdecken die Gemeinsamkeiten, er repariert ihren Staubsauger, sie machen zusammen Musik, sie gehen auf eine Party, sie fahren auf einem alten Motorrad seines Vaters für ein paar Stunden an die irische See und nehmen mit ein paar anderen Leuten die Musik auf, die sie lieben. Dann endet alles so normal und doch überraschend, einer zarten Spiegelung gebündelter alltäglicher Authentizität gleich, dass man sich fragt, wie Regisseur John Carrey dieses überhaupt nicht märchenartige Märchen so märchenhaft zu erzählen versteht. Zum einen mag das daran liegen, dass Carrey einen Teil der Geschichte eines Freundes erzählt und dass er den Film mit eben diesem Freund, dem Musiker Glen Hansard besetzt hat, der früh die Schule verlassen und sich als Straßenmusiker durchgeschlagen hat, die irische Folkpop-Band The Frames gründete und irgendwann Regisseur Carrey mit ins Boot der inzwischen bekannten Band holte, der sich dann aber doch gegen eine Karriere als Bassist und für den Film, aber nicht gegen die Freundschaft mit Hansard entschieden hat. Was aber wahrscheinlich diesen Film noch mehr trägt als die inspirierende Freundschaft von Regisseur und Hauptdarsteller ist die Musik. In einer wundervollen Szene sitzt Hansard im Bus und singt in kurzen Sequenzen der verzaubert lauschenden Markéta Irglová die Geschichte seiner vergangenen Beziehung vor, in einer anderen versuchen sie sich in einem Musikalienladen an einem Duett, er an der Gitarre, sie am Klavier und erklären in wenigen Minuten, wofür ein Film normalerweise eine Stunde benötigt – das Entstehen einer Beziehung. Aber so wenig der Film trotz märchenhafter Momente Märchen ist, so wenig ist er trotz der Musik Musical. Die Lieder, in ganzer Länge ausgespielt, sind Fortführung und gleichzeitig Untertitelung der Dialoge, des filmischen Ausdrucks. Und so wenig wie man Bob Dylans Texte verstehen muss, weil ihr Inhalt durch Musik und Stimme transportiert wird, so wenig muss man die Lieder dieses Films verstehen. Von Laienschauspielern in dokumentarischer Authentizität gespielt und von Profimusikern ebenso leidenschaftlich gesungen, gelingt es dem Film durch diese Symbiose den Zuschauer selbst zum Instrument und Therapierten zu transformieren und ungeahnte Melodien zum klingen – und weinen zu bringen. Dylan muss die Verbindung zu seiner eigenen Musik gespürt haben – 2007, kurz nach dem Release des Films in den USA, hat er Glen Hansard und Markéta Irglová eingeladen, ihn bei einigen Auftritte seiner Never-Ending-Tour zu begleiten. (Axel Timo Purr)