Veranstaltungsarchiv

  • Freitag, 12. April 2024 - 20:30
    Maria nimmt die kleine Tina in ihr Institut auf, die Tochter der Prostituierten Lili d'Alengy. Das Mädchen blüht hier auf, und aus Maria und Lili werden schicksalhafte Verbündete. Erst dank der Prostituierten betritt Maria jene Welt, in der das Geld die Macht verteilt. Die beiden Frauen schmieden ein gemeinsames Netzwerk, das nicht nur Unabhängigkeit ermöglicht, sondern vor allem eine Pädagogik, die an die Autonomie des Geistes glaubt. Anfang des 20. Jahrhunderts betreibt die junge Ärztin Maria Montessori mit einem Kollegen in Rom eine Art pädagogisches Internat, in dem (lern-)behinderte Kinder gefördert werden, und entwickelt eine revolutionäre neue Lernmethode. Zugleich kann sie sich aus gesellschaftlichen Rücksichten nicht zu ihrem Verhältnis mit einem Kollegen und dem gemeinsamen Sohn bekennen. Der sorgfältig fotografierte und gestaltete Historienfilm führt Maria Montessoris Verdienste wie die Grenzen ihrer Emanzipation vor Augen, ohne didaktisch zu werden. In der Spiegelung mit einer zweiten Frau und Mutter treten die rigiden Moralvorstellungen der damaligen Gesellschaft plastisch hervor.
  • Freitag, 05. April 2024 - 15:30
    Eine schizophrene Frau reist mit ihrer Schwester und deren Mann auf einer geführten Tour mit dem Bus nach Paris, wo sie dreißig Jahre zuvor eine unvergessliche Zeit verbrachte. Unterwegs und vor Ort mischt sie mit ihrer schonungslosen Offenheit die Mitreisenden auf, es kommt aber auch zu unerwarteten Annäherungen. Ein tragikomisches Road Movie, grandios gespielt und behutsam inszeniert, das zwischen Empathie und Pathos, Klischees und Wahrhaftigkeit die Balance wahrt. Ebenso berührendes wie verstörendes Wohlfühlkino. (Filmdienst) ================================================== Denn „Rose – Eine unvergessliche Reise nach Paris“ ist einfach alles. Mal lustig, mal traurig, mal ernst, mal komisch, mal voller Esprit und dann wieder melancholisch. Kurz gesagt: Niels Arden Oplev versteht es als Autor und Regisseur sehr gut, das Leben abzubilden. Sicherlich ist Ellen anders als ihre Mitreißenden und wohl auch die meisten Zuschauer, aber was sie und ihre Familie erleben, ist dann doch wieder sehr normal. Und so stürzt Oplev das Publikum in einen Reigen des Gefühls. Am Ende erweist sich der Film als höchst befriedigend, weil man das Gefühl hat, etwas Leichtherziges, aber auch Profundes gesehen zu haben." (Programmkino.de) ============================================= Die bewegende Komödie von BAFTA-Preisträger Niels Arden Oplev ("Verblendung") trifft mitten ins Herz. Mit einer gelungenen Mischung aus Drama und Komödie wurde ROSE in Skandinavien zum Überraschungshit an den Kinokassen. In der Hauptrolle brilliert die großartige dänische Schauspielerin Sofie Gråbøl, bekannt als Kommissarin Lund. Diese Busreise wird so schnell niemand vergessen. Denn als Inger ihre Schwester Ellen und deren Mann Vagn im Herbst 1997 auf einen Kurztrip nach Paris begleitet, läuft nicht alles nach Plan. Inger fällt unter den anderen Reisenden auf. Offen erklärt sie ihre psychologische Situation: sie ist schizophren. Dies zeigt sich vor allem in ihrer Unverblümtheit, die nicht allen gefällt. Schnell gerät die Familie zwischen Unverständnis und Vorurteile. Doch in Paris angekommen wird klar, dass alle so ihr Päckchen mit sich rumtragen. Während eines der mitreisenden Paare in einer Ehekrise steckt, freundet sich Inger mit deren Sohn an, der fasziniert ist von ihrer Direktheit. Und so verwickelt Inger die kleine Reisegruppe in ihr ganz eigenes Abenteuer, dass sie schon bald vor die Wohnungstür einer verschollenen Liebe führt. ­ ­ ­ ­ ­ ­
  • Donnerstag, 04. April 2024 - 19:30
    Dokumentarfilm über das Hamburger "Miniatur Wunderland", das im Jahr 2000 von den Zwillingsbrüdern Frederik und Gerrit Braun eröffnet wurde: eine riesige Anlage, die auch als "größte Modelleisenbahn der Welt" bezeichnet wird und jährlich rund 1,4 Millionen Besucher anzieht. In einer Mischung aus bislang unveröffentlichtem Archivmaterial und neuen Animationen mit Figuren des "Wunderlands" gewährt der Film Einblicke in die Publikumsattraktion, schaut aber auch hinter ihre Kulissen. ====================================== Kilometerweit schlängeln sich die Eisenbahnwaggons im „Miniatur Wunderland“ durch blühende Landschaften und felsige Bergschluchten. Mit der Erschaffung dieses magischen Modelluniversums haben sich die Zwillingsbrüder Frederik und Gerrit Braun ihren Kindheitstraum von der größten Modelleisenbahn der Welt erfüllt. Die 2001 in der Hamburger Speicherstadt eröffnete Ausstellung reicht inzwischen von der Elbphilharmonie bis zur Antarktis und gehört mit mehr als 1,5 Millionen Besuchern im Jahr zu den größten Publikumsmagneten in ganz Europa. WUNDERLAND – VOM KINDHEITSTRAUM ZUM WELTERFOLG bringt diese fabelhafte Traumwelt nun erstmals mit aufwendigen Cinemascope-Aufnahmen als Doku-Event auf die große Leinwand. Die Brüder Braun führen die Kinobesucher:innen darin als animierte Miniaturgestalten durch ihre Wunderlandschaft, die immer wieder erstaunliche Entdeckungen für Jung und Alt bereithält. Mit bisher unveröffentlichtem Archivmaterial wirft der Film den Blick zurück in die Kindheit der Brauns und zeigt ihre frühe Faszination, klassische Alltagssituationen mit viel Liebe zum Detail nachzustellen. Die visuelle Abenteuerreise führt das Publikum darüber hinaus bis nach Südamerika zur Modellbauer-Familie Martinez, die das „Miniatur Wunderland“ mit Rio de Janeiro und dem wild urwüchsigen Patagonien mit leidenschaftlicher Handwerkskunst bereichert. So erwacht Stück für Stück die kleinste Welt der Welt zum Leben, in der alles möglich scheint.
  • Freitag, 29. März 2024 - 20:30
    Ein Berliner Kleinfamilie mit zwei Kindern kämpft mit der Work-Life-Balance, weil der Vater als Mitarbeiter der UN ständig unterwegs und die halbtags beschäftigte Mutter am Ende ihrer Kräfte ist. Zudem entwickelt sich die Tochter langsamer als andere Kinder. Bis diese sich eine Million gemeinsamer Minuten wünscht und alle vier zu einer zweijährigen Weltreise aufbrechen, bei der Job und Privatleben besser zusammenfinden sollen. Das klappt allerdings nur in der Theorie. Die prominent besetzte Bestseller-Verfilmung registriert vor pittoresker Ferienkulisse sehr genau die Widersprüche eines solchen Unterfangens.
  • Freitag, 22. März 2024 - 20:00
    Ein französischer Gastronom und seine Köchin vereint Ende des 19. Jahrhundert die gemeinsame Liebe zur Kochkunst. Aus ihrem Dienstverhältnis ist in vielen Jahren längst mehr geworden, doch die Köchin denkt nicht ans Heiraten, sondern möchte sich ihre Freiheit bewahren. In traumwandlerischen, fast dialogfreien Szenen verweigert sich der Film den vertrauten Dramaturgien des kulinarischen Kinos. Das verführerische Werk ist vielmehr von der heiteren Spannung konzentrierten Tuns durchwirkt und lotet mit sinnlicher Intensität und geschmeidig ineinandergreifenden Choreografien das Entstehen von Festmählern wie das Gelingen lange währender Liebe und Freundschaft aus. – Sehenswert ab 14. ======================== Für Geliebte Köchin erhielt Trần Anh Hùng seine erste Einladung in den Wettbewerb um die Goldene Palme, den Hauptpreis des Filmfestivals von Cannes. Trần Anh Hùng wurde dort als Bester Regisseur ausgezeichnet.
  • Freitag, 15. März 2024 - 20:00
    In einem fiktionalisierten viktorianischen England hat ein Wissenschaftler aus dem Körper einer Toten und dem Gehirn eines Babys eine junge Frau erschaffen, deren Entwicklung er in der Isolation seines Anwesens beobachtet. Je mehr die Kreatur lernt, umso weniger will sie sich mit ihrem Dasein als Studienobjekt zufriedengeben. Nachdem sie ihre Sexualität entdeckt, emanzipiert sie sich aus den patriarchalen Strukturen ihres „Gott-Vaters“, aber auch ihres Liebhabers und anderer Männer. Ein durch und durch sexpositiver Retro-Science-Fiction-Film, der pointiert-komisch, aber auch klug-poetisch über die Conditio humana reflektiert.
  • Sonntag, 10. März 2024
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Oscar, Oscarnominierung, Archiv, Filmpreis, Ganz großes Kino in Celle, 2024
    Die Oscarnominierungen werden am Dienstag, den 23. Januar, bekanntgegeben.
  • Freitag, 08. März 2024 - 20:30
    In den 1940er-Jahren bewohnt die Familie des KZ-Kommandanten Rudolf Höß unweit des Lagers in Auschwitz ein Haus mit Garten. Als Höß versetzt werden soll, droht das Familienidyll zu zerbrechen. Seine Frau weigert sich, ihr „Traumhaus“ zu verlassen. Das Historiendrama fußt auf dem gleichnamigen Roman von Martin Amis und fokussiert auf der Perspektive von Menschen, die als unbeteiligte Zuschauer am Rande des Genozids stehen. – Sehenswert ab 14. ================================== Rudolf Franz Ferdinand Höß (* 25. November 1901 in Baden-Baden; † 16. April 1947 in Auschwitz) war ein deutscher Nationalsozialist, SS-Obersturmbannführer und von Mai 1940 bis November 1943 Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Er wurde als Kriegsverbrecher 1947 zum Tode durch den Strang verurteilt und am Ort des ehemaligen Stammlagers hingerichtet.
  • Freitag, 01. März 2024 - 20:30
    Nachdenklich, bittersüß und urkomisch taucht der turbulente Film «The Holdovers» von Regisseur Alexander Payne («About Schmidt», «Sideways», «Paris je t’aime», «The Descendants» ) in das Leben eines allseits unbeliebten Lehrers und anderer ein und erkundet dabei Licht und Schatten des Daseins. Der so kluge wie unterhaltsame Film über die Schönheit des Mensch-Seins mit Paul Giamatti in der Hauptrolle gilt als einer der Favoriten für die anstehende Oscar-Verleihung 2024. (dpa) ===================== Die mitreißende Tragikomödie The Holdovers lässt ihre Figuren nach Werten in einer erkalteten, stillstehenden Welt suchen. (Janick Nolting für artechock film) ===================== Fazit: „The Holdovers“ ist ein wunderbares Comeback von Alexander Payne. Sicher, originell ist die Tragikomödie um mehrere Menschen, die über Weihnachten in einem Internat gefangen sind, nicht, der Ablauf ist vorhersehbar. Aber das hervorragende Ensemble und die kluge Geschichte, die viele zeitlose Themen anspricht, macht das wett. Dazu gibt es ein schön altmodisches 1970er Setting. (Oliver Armknecht für Filmrezensionen.de) ===================== Zu Recht einer der großen Oscar-Kandidaten (Jan Küveler für die Welt)
  • Freitag, 01. März 2024 - 15:30
    Ein einzelgängerischer Busfahrer in den Fünfzigern beschließt nach einem Herzinfarkt, den Kontakt zu seiner Tochter zu suchen, die er zuletzt als Kind gesehen hat. Da es ihm schwerfällt, sich ihr zu offenbaren, will er an einem Kurs der Tanzlehrerin teilnehmen, muss dafür allerdings erst einmal die Grundlagen des Gesellschaftstanzes lernen. Eine sympathische, gut gespielte Komödie um den Versuch, in der zweiten Hälfte des Lebens die Fehler der ersten auszubügeln. Die Furcht vor Ablehnung und Einsamkeit nimmt der Film ernsthaft, wenngleich auch mit satirischem Biss auf, während vor allem das Verstellungsspiel eines tanzenden Tanzverächters für originelle Pointen sorgt. ====================================== Eigentlich müsste diese melancholische Komödie um einen aus der Zeit gefallenen Macho, der spät väterliche Gefühle entwickelt, ein Starvehikel für Frank Dubosc sein. Aber der Hauptdarsteller, Regisseur und Autor überlässt die trefflichsten Gags seinen Leinwandpartnern; namentlich dem Schriftsteller Michel Houellebecq, der in der Rolle eines Kardiologen als vergnügter Schwarzmaler glänzt.
  • Donnerstag, 29. Februar 2024 - 19:30
    Dokumentarisches Porträt der türkischen Menschenrechtsanwältin Eren Keskin und ihres politischen Engagements.
  • Montag, 26. Februar 2024 - 19:00
    Der Film von 1973 blickte knapp 50 Jahre in die Zukunft - eine Zukunft, die von Überbevölkerung, ökologischer Verwüstung und Ressourcen-Knappheit bestimmt ist. Im Film-New York des Jahres 2022 kämpfen 40 Millionen Menschen um das nackte Dasein. Ein paar Privilegierte wissen noch, was Fleisch und Brot ist. Der Rest der Bevölkerung ernährt sich von öffentlich verteilten oblaten-ähnlichen Nahrungsmitteln, die angeblich aus Algen gewonnen werden. Ein hartgesottener Großstadtpolizist - Charlton Heston spielt den Polizisten Frank Thorn – entdeckt zusammen mit seinem Zimmergenossen – Edward G. Robinson in seiner letzten Rolle – das Geheimnis hinter diesem neuen Nahrungsmittel ... Science-Fiction-Film, der seine Geschichte in der Art eines spannenden Kriminalfalles erzählt. Einer der frühesten ökologischen Thriller. – Ab 16. Im Jahr 1973 war der Bericht des Club of Rome über „Die Grenzen des Wachstums“ gerade ein Jahr alt. „Soylent Green“ schließt daran an und wird zu den ersten ökodystopischen Filmen gezählt. Die reale Gegenwart ist noch nicht so weit wie das 2022 im Film, aber auch unser Planet nähert sich möglicherweise "Kipppunkten": Klimaveränderungen und das Artensterben. Da ist das starke Bevölkerungswachstum mit allen Nebeneffekten. Der philosophische Vortrag und die Diskussion stellen die Frage, wie es soweit kommen konnte.
  • Freitag, 23. Februar 2024 - 20:30
    Ein biografisches Drama über Priscilla Presley und ihre Beziehung zu Elvis Presley, angefangen beim Kennenlernen 1959 in Deutschland über den Umzug nach Graceland bis zur Hochzeit 1967, gefolgt von der Scheidung 1973. Die Liebe, die als romantischer Mädchentraum beginnt, kippt in der Isolation von Graceland zunehmend in ein beklemmendes Wechselbad der Gefühle. Ein in sanften Pastelltönen gehaltenes, auf ruhige Weise gleichwohl sehr präzises Porträt einer zerstörerischen Beziehung, aus der sich die Protagonistin in einem langsamen Emanzipationsprozess löst. In der Titelrolle bewundernswert gespielt, überzeugt der Film auch durch seine Ausstattung, die die verschiedenen Milieus kontrastreich porträtiert. – Sehenswert ab 14. ======================= Elvis ist am Ende auch nur ein Spiesser, der seine Frau zu Hause gängelt – Sofia Coppola verwehrt dem Musiker in «Priscilla» den Nimbus als Revoluzzer und Avantgardist Sofia Coppolas exzellenter Film «Priscilla» dekonstruiert den Mythos Elvis Presley. (Daniel Haas für die Neue Zürcher Zeitung) ======================= Venedig 2023 Beste Darstellerin ("Coppa Volpi"), Cailee Spaeny
  • Montag, 19. Februar 2024 - 19:30
    Der Dokumentarfilm erzählt vom Protest gegen das Projekt "Stuttgart 21". Seit nunmehr 13 Jahren wird an jedem Montag gegen "Stuttgart 21" demonstriert – denn es wird ein "Stuttgart 21 – 2.0" mit über hundert unterirdisch verlegten Bahnkilometern geplant. Die Bürgermeister der Anliegerstädte lehnen dies entschieden ab. Die Kosten würden in dem Zuge auf über 20 Milliarden Euro steigen, seitens des Brand- und Katastrophenschutzes tun sich viele Fragen auf und der Bahnhof bliebe dennoch verkehrspolitisch in vielerlei Hinsicht widersinnig. (Eintritt frei)
  • Freitag, 16. Februar 2024 - 20:30
    Kategorien: Archiv, England, Central, Flat, 2024
    Jahrzehntelang ging Ken Loach zu fast jedem Spiel seines Heimatvereins, des Sechstligisten Bath City ("Der unbedingte Wunsch, zu gewinnen, ist genauso groß wie in höheren Ligen"). Als Regisseur ist der Brite einer der letzten Utopisten des europäischen Kinos, befeuert vom Glauben, dass die Abgehängten und vermeintlichen Loser der britischen Arbeiterklasse eine höhere Liga verdient hätten. Jetzt kommt sein nach eigener Aussage letzter Film ins Kino: The Old Oak spielt in einem früheren Grubenstädtchen im Nordosten Englands, wo der Besitzer des letzten Pubs das Bier für Arbeitslose und pensionierte Bergarbeiter zapft. Als eine Gruppe Geflüchteter in leer stehenden Häusern untergebracht wird, freundet er sich mit einer jungen Syrerin an. Weshalb, so fragen Ken Loach und sein Held, richtet sich die Wut über die britische Sozialkatastrophe in den Achtzigerjahren nach oben – und nun mit rassistischem Furor nach unten? (Katja Nicodemus für die Zeit)
  • Freitag, 09. Februar 2024 - 20:30
    Die wahre Geschichte der unzertrennlichen Von Erich-Brüder, die in den frühen 1980er Jahren in der hart umkämpften Welt des professionellen Wrestlings Geschichte schreiben. Durch Tragödien und Triumphe, im Schatten ihres herrschsüchtigen Vaters und Trainers, streben die Brüder nach Unsterblichkeit auf der größten Bühne des Sports, die größer ist als das Leben. ================================================ Fazit: Eine beeindruckend gefilmte und intensiv gespielte Milieustudie, in der Sean Durkin seine künstlerische Handschrift klar erkennen lässt. (Andreas Köhnemann – 5 von 5 Sternen) ================================================ Stefan Eichardt an den Filmkritiker Axel Timo Purr: Ohne Dein arteshots hätte ich den Streifen nie in Betracht gezogen, jetzt obliegt es mir, die Leute zu überzeugen, da reinzugehen. Muss da morgen ne E-Mail ans Publikum rausschicken, sonst kommt da doch kein Mensch. Was soll ich schreiben? Gibt auffällig wenig Kritiken zu diesem Film. ####### Antwort von Axel Timo Purr: Oh je, aber es tut mir überhaupt nicht leid, und wenn nur 10 kommen, sind 10 für diesen Film gewonnen worden:-) Ich würde schreiben: Das ist einer der Filme, dessen deutschen Trailer man keinesfalls ansehen sollte. Denn in IRON CLAW steht gerade nicht der Sport, in diesem Fall das Wrestling, das keinen Deutschen interessiert, im Zentrum. Sondern der Zerfall und dann die doch völlig überraschende Rettung des Systems Familie in einem neoliberalen Wirtschaftssystem, das natürlich nicht nur Amerika ist, sondern sich auf die ganze Welt übertragen lässt. Es ist ein Film der großen Trauer und des ganz großen Trostes, einer der wohl am meisten unterschätzten Filme des Jahres. Und bislang jeder, der wegen des Themas Wrestlings Vorbehalte hatte, in diesen Film zu gehen, und es dann doch gewagt hat, ist am Ende belohnt worden –versprochen! Und lass mich bitte unbedingt wissen, wie viel Leute sich dann doch getraut haben, in den Film zu gehen und wie er ihnen gefallen hat ...
  • Freitag, 02. Februar 2024 - 20:30
    Kategorien: Archiv, England, Leonine, 2024
    In diesem Drama des britischen Regisseurs Oliver Parker bringen die beiden Schauspiellegenden Michael Caine und Glenda Jackson noch einmal ihr ganzes Talent zur Entfaltung. Sie stellen ein Ehepaar dar, das seit 70 Jahren zusammen ist und nun in einem britischen Altenheim lebt. Von dort stiehlt sich Bernie Jordan heimlich fort, um als Kriegsveteran auf einer Feier in der Normandie der Landung der Alliierten im Juni 1944 zu gedenken. Der von einer wahren Geschichte inspirierte Film über Kriegstraumata, Alter, Gebrechlichkeit und lebenslange Liebe berührt mit sanftem Charme und leisem Humor. (Bianka Piringer)
  • Freitag, 02. Februar 2024 - 15:30
    Vor langer Zeit hat das Schicksal die Schwestern Marina (Elia Galera) und Anna (Eva Martín) voneinander getrennt. Ihre Kindheit verbrachten sie gemeinsam auf Mallorca, wo der Duft von Zitronenblüten die Luft erfüllt. Während Anna das Inselparadies nie verlassen hat, ist Marina als Ärztin um die Welt gereist. Doch als eine unbekannte Wohltäterin den Schwestern ihre Bäckerei vermacht, muss Marina in ihre Heimat zurückkehren. Das Anwesen soll verkauft werden. Anna hofft so, ihre Schulden loszuwerden – und ihren untreuen Ehemann gleich mit! Marina plant indessen einen Neuanfang. Neben Adoptionsstress und Verlobungsversprechen steht vor allem das lange aufgeschobene Wiedersehen mit ihrer Schwester auf dem Plan. Der Zauber der kleinen Bäckerei hält, was er verspricht: Während sie den wahren Gründen für ihre mysteriöse Erbschaft nachspüren, kommen Marina und Anna sich wieder näher... und schon bald weht der süße Geruch von frischgebackenem Brot durch die Straßen, der alte Geheimnisse aufwirbelt und den Sommer für die beiden Schwestern zu einer unvergesslichen Reise in die Vergangenheit werden lässt.
  • Donnerstag, 01. Februar 2024 - 19:30
    Von 2008 bis 2018 führte der Dokumentarist Luke Holland über 300 Interviews mit ehemaligen NS-Tätern, SS-Offizieren, Wehrmachtsoldaten, Beamten und Funktionären, die er nach ihren Erinnerungen und ihrer Rolle im Dritten Reich befragte. Die hochbetagten Männer und Frauen präsentieren ihre Version der Geschichte, manchmal mit Bedauern, meist aber ohne große Hemmungen. Nur bei Fragen nach Schuld und Verantwortung werden die Antworten absurd oder aggressiv. Verbunden mit analytisch montiertem Archivmaterial entsteht ein ernüchterndes Dokument kollektiver Entschuldung, das eindringlich dafür plädiert, sich mit der gewaltvollen Vergangenheit zu konfrontieren, um aus den erkennbaren Mustern für die Zukunft zu lernen. - Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 26. Januar 2024 - 20:30
    Eigentlich wollte der erfolgreiche Londoner Unternehmer Andrew Blake Urlaub in Frankreich machen, wo er einst seine Frau Diana kennenlernte und glückliche Tage verbrachte. Doch der Empfang in der Ferienresidenz ist nicht sehr freundlich und statt als Gast findet er sich irrtümlich von der Hausherrin als Butler auf Probe eingestellt. Andrew spielt mit. Bald serviert er unter der strengen Aufsicht der exzentrischen Haushälterin Odile der verwitweten Gutsherrin das Frühstück, beantwortet ihre Post und macht sich bei Arbeiten im Haus nützlich. In seiner neuen Komödie verfilmt Regisseur Gilles Legardinier seinen Bestsellerroman. Mit trockenem Humor und leiser Melancholie inszeniert er John Malkovich, der als Monsieur Blake die Kostbarkeit des Lebens neu entdeckt. Einfach wunderbar ist das Wiedersehen mit Fanny Ardant, der Grande Dame des französischen Films. „Die Begegnung Ardant-Malkovich entpuppt sich als exzellente Idee.“ – Femme Actuelle
  • Freitag, 19. Januar 2024 - 20:30
    Hirayama reinigt öffentliche Toiletten in Tokio. Er scheint mit seinem einfachen, zurückgezogenen Leben vollauf zufrieden zu sein und widmet sich abseits seines äußerst strukturierten Alltags seiner Leidenschaft für Musik, die er von Audiokassetten hört, und für Literatur, die er allabendlich in gebrauchten Taschenbüchern liest. Durch eine Reihe unerwarteter Begegnungen kommt nach und nach eine Vergangenheit ans Licht, die er längst hinter sich gelassen hat. PERFECT DAYS ist eine tief berührende und poetische Betrachtung über die Schönheit der alltäglichen Welt und die Einzigartigkeit eines jeden Menschen. ========================= Ein Mann im mittleren Alter arbeitet als Toilettenreiniger in Tokio, wo er öffentliche Bedürfnisanstalten sauber hält. Auf dem Weg zur Arbeit hört er Musik auf Kassetten, er liebt Bücher und fotografiert gerne Bäume, besucht eine Badeanstalt und seine Stammkneipe. Mit seinem einfachen Leben scheint er zufrieden zu sein, doch eine Reihe von zufälligen Begegnungen erinnert ihn immer wieder auch an seine Vergangenheit. Wim Wenders entfaltet seine filmische Hommage an sein Vorbild Yasujiro Ozu in eindrucksvoller Seelenruhe, in der Ansätze dramatischer Zuspitzungen hinter den sanften Gleichmut der Bilder zurücktreten müssen. Detailgenau in der Lebenswelt der Hauptfigur, weitet sich der Film zur liebevollen Kinofantasie eines Lebens, das sich in der Form, die es sich selbst gibt, genug ist. – Sehenswert ab 14. (Filmdienst)
  • Freitag, 12. Januar 2024 - 20:30
    Regisseur Denis Imbert adaptiert die autobiografische Erzählung von Sylvain Tesson, in der der Fußmarsch durch ein entlegenes Frankreich zu mehr als nur einer physischen Bewährungsprobe wird.
  • Donnerstag, 11. Januar 2024 - 19:30
    Anlässlich des 100. Geburtstags von Maria Callas ist ihr historischer Auftritt zum ersten Mal in Farbe, 4K Auflösung und mit Dolby Atmos Sound vollständig restauriert exklusiv auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Es sollte ein unvergesslicher Abend werden. Maria Callas, die Diva par excellence und das Gesicht der Oper im 20. Jahrhundert, gab ihr Debüt in Paris mit diesem legendären, einmaligen Auftritt am 19. Dezember 1958 an der prachtvolle n Pariser Opéra. Es war ein großes gesellschaftliches Ereignis, an dem ”Le Tout Paris” teilnahm (darunter der französische Präsident Coty, Jean Cocteau, der Herzog und die Herzogin von Windsor, Charlie Chaplin, Brigitte Bardot und viele andere). Callas betrat die berühmte Bühne in ihrer elegantesten Designer Garderobe und trug Juwelen im Wert von einer Million Dollar. Sie eröffnete den Abend mit ihrer Paraderolle, Casta Diva” aus Norma”, gefolgt von der eindringlichen Miserere” Szene aus Verdis ”Der Troubadour”, bevor sie die Stimmung mit dem schelmischen ”Una voce poco fa” aus ”Der Barbier von Sevilla” auflockerte. Der Höhepunkt des Abends kam in der zweiten Hälfte : eine vollständig inszenierte Aufführung des zweiten Aktes von ”Tosca”. Tosca ist ein leidenschaftliches Operndrama um Liebe und Eifersucht, das einige der ikonischsten Momente der Oper überhaupt enthält. Callas´ mittlerweile legendäre Interpretation von ”Vissi d´arte” war schon zu ihren Lebzeiten sehr beliebt, wie die im Film festgehaltene begeisterte Reaktion des Publikums zeigt, die zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Aufführung führte. Callas zusammen mit ihrem brillanten Sparringspartner Tito Gobbi als Scarpia genießt diesen Auftritt sichtlich und liefert eine monumentale, virtuose Darbietung. Das Repertoire dieser Aufführung zeigt die Callas von ihrer besten Seite, sowohl gesanglich als auch als Operndarstellerin. Visuelle Elemente waren in ihrer Kunst ebenso wichtig wie die stimmlichen Dimensionen. Anlässlich des 100. Geburtstags von Maria Callas im Dezember 2023 ist dieses Konzert zum ersten Mal vollständig in Farbe in 4K Ultra HD und mit Dolby Atmos Sound zu erleben. Sorgfältig restauriert von den kürzlich wieder entdeckten originalen 16mm Rollen und einer neu entdeckten Tonquelle aus Maria Callas´ Privatarchiv, ist dies eine einzigartige Gelegenheit, diesen historischen Auftritt wie nie zuvor auf der großen Kinoleinwand zu erleben. Produziert von dem Team, das auch den preisgekrönten Film "Maria by Callas” schuf.
  • Am Sonntag, 07. Januar 2024
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Archiv, Filmpreis, Ganz großes Kino in Celle, 2024
    Unsere sechs Filme bringen es zusammen auf 25 Nominierungen.
  • Freitag, 05. Januar 2024 - 15:30
    Die junge Millie (Danielle Macdonald) ist eine brillante Fondsmanagerin. Dennoch gibt sie ihren Job auf, kehrt ihrem Freund und London den Rücken, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen: Millie möchte unbedingt Opernsängerin werden! Dafür reist sie in die einsamen schottischen Highlands, um bei der renommierten, aber gefürchteten Gesangslehrerin und ehemaligen Operndiva Meghan (Joanna Lumley) intensiven Gesangsunterricht zu nehmen. Dort lernt Millie auch Max kennen, einen weiteren Schüler von Meghan, der ebenfalls für den bevorstehenden Gesangswettbewerb trainiert.
  • Sonntag, 17. Dezember 2023 - 16:00
    Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte, die amüsiert und zu Tränen rührt, ist seit über 30 Jahren ein unverzichtbarer „Kult" und gehört mittlerweile zu Weihnachten wie "Dinner for one" zu Silvester. Die Herdmann-Kinder – da ist sich der ganze Stadtteil einig – sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten: Sie lügen, rauchen Zigarren, legen Feuer, verprügeln sich und andere Kinder, bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer Monsterkatze in der Rekordzeit von drei Minuten völlig leer fegen. Und ausgerechnet diese Horde, die schlimmste Heimsuchung seit Menschengedenken – mischt die Vorweihnachts-Verschnarchtheit einer Kleinstadt auf: Sie beschließen, am Krippenspiel teilzunehmen. Sie pressen den andern Kindern sämtliche Hauptrollen ab und die Schlimmste von allen – Eugenia – übernimmt die Rolle der Maria. Natürlich erwartet jeder das übelste Krippenspiel (Hedwig, die Allerschlimmste, als Verkündigungsengel: He, euch ist ein Kind geboren!") aller Zeiten, aber letztlich kommt alles ganz anders ...
  • Freitag, 15. Dezember 2023 - 20:00
    Sandra, eine deutsche Schriftstellerin, ihr französischer Ehemann Samuel und ihr Sohn Daniel leben in einem kleinen Ort in den französischen Alpen. An einem strahlenden Tag wird Samuel am Fuße ihres Chalets tot im Schnee gefunden. War es Mord? Selbstmord? Oder doch nur ein tragischer Unfall? Der Polizei erscheint Samuels plötzlicher Tod verdächtig, und Sandra wird zur Hauptverdächtigen. Es folgt ein aufreibender Indizienprozess, der nach und nach nicht nur die Umstände von Samuels Tod, sondern auch Sandras und Samuels lebhafte Beziehung im Detail seziert. Beim diesjährigen Festival von Cannes wurde Regisseurin Justin Triet – als dritte Frau in der Geschichte des Festivals – für ANATOMIE EINES FALLS mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Im Ringen um die Frage, was wirklich geschah, entspinnt Triet auf raffinierte Weise ein packendes Beziehungsdrama, das die Widersprüche im Privaten der harten Realität des Justizsystems gegenüberstellt. Sandra Hüller glänzt erneut mit ihrem außergewöhnlichen und höchst nuancierten Spiel und wurde in Cannes von der deutschen und internationalen Presse gefeiert. ================================ EPD-Film – 5 von 5 Sternen. Fünf Sterne gibt es zwei-dreimal im Jahr: Justine Triet verwebt auf faszinierende Weise ein Beziehungsdrama mit einem philosophisch fundierten Prozess-Thriller. Sandra Hüller triumphiert schauspielerisch als Frau, die im Verdacht steht, ihren Mann ermordet zu haben. Justine Triet gewann mit ihrem Beziehungsdrama die Goldene Palme in Cannes. Sandra Hüller spielt die Angeklagte in einem philosophisch fundierten Prozessthriller, der das schlussendliche Urteil dem Kino­zuschauer überlässt. ================================ Jetzt muss Sandra Hüller den Oscar bekommen (Lena Karger in der Welt) ================================ Süddeutsche Zeitung: Ein Mann liegt tot im Schnee, über ihm ein offenes Fenster. Seine Frau Sandra war als einzige im Haus, als es passierte, es gibt Ungereimtheiten. Justine Triet lässt nun die Staatsanwaltschaft klären, was passiert ist, das Gericht seziert zunehmend eine Ehe und die schier bodenlosen Abgründe in ihr – aber wird man darüber zur Mörderin? Sandra Hüller, in der Rolle der Angeklagten, trägt und vertieft den Film. Irgendwie schafft sie es, weil die Aufklärung der Todesursache schwierig bleibt, zwei Frauen gleichzeitig zu spielen: die Mörderin und die Unschuldige, die Täterin und das Opfer falscher Anschuldigungen. Ein Filmereignis, für das es in Cannes die Goldene Palme gab. ============================== FAZ: Mit welch spielerischer Leichtigkeit Sandra Hüller diesen Laserfokus aushält, wie sie das gesamte Bleigewicht dieses Films trägt, der sich ganz auf sie verlässt, diese Doppelrolle in einer einzigen Figur – man würde an dieser Stelle gern ein paar Zeilen voller Ausrufezeichen einfügen. Aber weil das Ärger mit der Chefredaktion gibt, schreiben wir es vielleicht doch einfach hin: Sandra Hüller spielt herausragend, selbst für ihre Verhältnisse. In der nun anstehenden Oscar-Saison ist mit ihr zu rechnen. Sie ist eine Naturgewalt, zart und verletzlich, berechnend und reserviert, irgendwie geht das bei ihr alles gleichzeitig ============================== Das amerikanische Filmmagazin The Hollywood Reporter titelte im September 2023 mit Sandra Hüller und fragte: Schauspielerin des Jahres?
  • Donnerstag, 14. Dezember 2023 - 19:30
    Komödie um eine Afghanin, die in Afghanistan für die US-Army als Übersetzerin gearbeitet hat und jetzt in Kalifornien für eine chinesische Kleinbäckerei Sprüche für Glückskekse (z.B.: "Wenn das Leben Dir einen Korb gibt, dann geh damit einkaufen.") entwirft. =========================== Stefan Eichardt: Andrea, eine kinobegeisterte Journalistin aus Köln mit der ich mich regelmäßig über Kinofilme austausche, schrieb mir am 2. Dezember: "Dieser Film ist ein Kleinod. Schwarz-weiß, 4:3, alles im goldenen Schnitt und ich könnte dir jetzt noch einen Roman über das Sound Design erzählen. Die Hauptdarstellerin ist großartig und ganz und gar authentisch. Es gibt zahlreiche Filme, die von erlittenen Traumata, Krieg, Verlust von Heimat, Einsamkeit und Depressionen erzählen, aber dieser hier lässt dich nicht hilf- und hoffnungslos zurück, sondern verspricht die Aussicht auf künftiges Glück. Er ist wunderbar komisch, absurd und mitunter anachronistisch langsam. Ich fühlte mich an Jarmusch und Kaurismäki erinnert, vielleicht aber auch nur, weil er schwarz-weiß ist. Dieser Film ist sein eigener Glückskeks. Und für mich jetzt noch vor "Anatomie eines Falls" der Film des Jahres." Und am 5. Dezember schrieb sie mir nach Lesen unserer Webseite: "Die Filmkritik von Michael Ranze ist wunderbar und wird dem Film ganz und gar gerecht. (Sind Jarmusch und Kaurismäki wirklich Jalalis Vorbilder? Echt jetzt?) Deine Schwester sollte den Film auch gucken. Ich erwäge, ihn mir ein zweites Mal anzusehen. Das habe ich lange nicht getan." Nach Andreas Mail vom 2. Dezember stand für mich fest, dass ich den Film so schnell wie möglich sehen muss, rief bei Trigon-Film in Ennetbaden (Schweiz) an und zurrte alles fest.
  • Freitag, 08. Dezember 2023 - 20:30
    Die Verfilmung des Jahrhundertromans von Robert Seethaler Die österreichischen Alpen um 1900. Niemand weiß genau, wie alt der Waisenjunge Andreas Egger ist, als er ins Tal auf den Hof vom Kranzstocker (Andreas Lust) kommt. Dem gottesfürchtigen, aber gewalttätigen Bauern taugt er allenfalls als billige Hilfskraft. Allein die alte Ahnl (Marianne Sägebrecht) bringt ihm etwas Fürsorge entgegen. Als sie stirbt, hält den inzwischen erwachsenen Egger (Stefan Gorski) nichts mehr zurück. Strotzend vor Kraft und Entschlossenheit schließt er sich einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Seilbahnen baut, die auch Elektrizität und Touristen ins Tal bringen soll. Mit seinem Ersparten pachtet Egger vom Wirt (Robert Stadlober) eine schlichte Holzhütte hoch oben in den Bergen, wo er sich und seiner großen Liebe Marie (Julia Franz Richter) ein Zuhause schafft. Doch das gemeinsame Glück ist nur von kurzer Dauer. Der Zweite Weltkrieg bricht aus, Egger wird einberufen, gerät in sowjetische Gefangenschaft und kehrt erst viele Jahre später ins Tal zurück. Dort ist Marie noch ein letztes Mal ganz nah bei ihm und der alte Egger (August Zirner) blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.
  • Freitag, 01. Dezember 2023 - 20:30
    „Es gibt keine Geheimnisse in diesem Haus. Hörst du? … Wenn ein Haus Geheimnisse birgt, birgt es auch Scham.“ ================== Vier Geschwister, eine Mutter, zerrissen zwischen Fürsorge und Hilflosigkeit, ein fluchender Vater und jeden Morgen eine nasse Matratze – so sieht das Leben der schweigsamen Cáit aus. Die Eltern halten es für das Beste, wenn sie den Sommer auf der Farm naher Verwandter verbringt. Cáit kennt die beiden nicht. Das Haus ist hell und sauber, zum Anwesen führt eine Allee mit üppig-grünen Bäumen. Hier herrscht eine respektvolle Stille. Liebevoll umsorgt von Eibhlín fühlt sich Cáit geborgen. Nach anfänglicher Zurückhaltung vertieft sich auch die Beziehung zu Seán, der mit ihr die Kälber füttert. Die Matratze bleibt trocken. Und doch scheint der Farm inmitten der kargen, schönen irischen Landschaft ein Geheimnis anzuhaften, auf dessen Spuren sich Cáit mit neu gewonnenem Mut und Vertrauen begibt. ====================================== Als erneut Nachwuchs ins Haus steht, wird ein von der Familie vernachlässigtes irisches Mädchen über die Sommerferien zu Verwandten geschickt. Dort erfährt es eine Wärme und Zuneigung, die es aus ihrer schmerzhaften Erstarrung befreien. Und doch gibt es auch in der Idylle der irischen Provinz Schmerz und Verlust. Der leise, zurückhaltende Film über eine Kindheit und die Poesie eines Sommers benötigt nur wenige Dialoge und nähert sich mit sensibler Bildsprache der Wahrnehmung seiner Hauptfigur an. Wohltuend unaufdringlich fügt das Drama dem Kino eine seltene Erzählung über die Perspektive eines jungen Mädchens hinzu. (Sebastian Seidler im Filmdienst – 4,5 von 5 Sternen) ====================================== Mit seiner Poesie und tröstlichen Wärme hallt "The Quiet Girl" lange nach. (Bianka Piringer für Kino-Zeit)
  • Freitag, 01. Dezember 2023 - 15:30
    Fazit verschiedener Filmkritiken, die sich alle dem märchenhaften Charme dieses Geschichte nicht entziehen können: ================================= Mut zu altmodisch naiver Unterhaltung. Mit Inbrunst hebt die Geschichte einer Londoner Putzfrau der 1950er Jahre, die sich in Paris ein Haute-Couture-Kleid von Dior kaufen will, in die Gefilde eines wahr werdenden Wunschtraums ab. Lesley Manville spielt die Hauptfigur überzeugend als reines Klischee einer herzensguten, einfachen Frau, der die Sympathien zufliegen. Isabelle Huppert glänzt in der Rolle der Directrice des Modehauses, die der unwillkommenen Kundin die kalte Schulter zeigt. ================================= Dies ist ein enorm charmanter Film, der zum Teil in Budapest gedreht wurde, das für Paris herhalten musste, da die Stadt an der Seine von ihrer Architektur zum Teil schon zu modern geworden ist. Nichts an diesem Film ist wirklich überraschend, aber das macht ihn auch so heimelig. Ein Film, bei dem man sich wohlfühlen kann, der von einer Welt erzählt, die es so vielleicht nie gegeben hat, die aber ein gewisses märchenhaftes Flair ausstrahlt. ================================= Der Film ist warmherzig, aber nicht naiv. Er bewegt sich in den klassischen Bahnen des Erzählkinos mit einer vertrauten Heldinnenreise und ist dabei doch nie langweilig und reizlos, sondern voller Charme und Empathie. ================================= „Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ erzählt die Geschichte der beliebten Romanreihe neu, ohne etwas an dieser oder dem Setting zu ändern. Die Tragikomödie um eine englische Putzfrau, die nach Paris reist, um dort ein Dior-Kleid zu kaufen, ist hübsch anzusehendes und sehr gut besetztes Zuckerwatte-Kino mit wenig Inhalt oder Sinn für Realismus, dafür aber einem hohen Wohlfühlfaktor. ================================= Fazit: Eine in der Hauptrolle großartig gespielte und im besten Sinne altmodische Dramödie mit einer märchenhaften Story, die von der Erfüllung eines Traums erzählt.
  • Freitag, 24. November 2023 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Archiv, England, Warner, 2023
    Philippa (Sally Hawkins) hat es nicht leicht: in ihrem Agenturjob wird sie ständig übersehen, ihre Söhne gehen langsam eigene Wege und sie steckt mitten in der Scheidung von John (Steve Coogan), mit dem sie sich eigentlich ganz gut versteht. Nach einem Theaterbesuch entwickelt sie eine Faszination für König Richard III. und setzt sich zum Ziel, seine verschollenen, sterblichen Überreste zu finden. Sie will nicht wahrhaben, dass der umstrittene Monarch wirklich ein so verachtenswertes Monster war, wie ihn Shakespeare darstellte. Ihre Suche ist der Ausgangspunkt für eine abenteuerliche Reise, auf der die unscheinbare Philippa gegen große Widerstände ihrer Intuition folgt und es mit angesehenen Historikern aufnimmt, um der Welt die wahre Geschichte von Richard III. zu erzählen. Nach ihrem Publikumserfolg PHILOMENA haben sich der gefeierte Regisseur Stephen Frears (DIE QUEEN, HIGH FIDELITY), Jeff Pope (Drehbuch) und Steve Coogan (Drehbuch und Darsteller) erneut zusammengefunden, um mit typisch britischem Humor die wahre und bewegende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau zu erzählen: die zweifach Oscar-Nominierte Sally Hawkins (SPENCER, SHAPE OF WATER) spielt Philippa Langley, die 2012 die verschollenen sterblichen Überreste von König Richard III. fand und damit die Geschichtsschreibung veränderte. THE LOST KING erzählt mit britischem Humor Philippas Suche als zutiefst menschliche Reise, als Triumph einer Frau, die sich von der männerdominierten akademischen Welt nicht von ihrem Weg abbringen lässt und damit eine unglaubliche Entdeckung macht.
  • Donnerstag, 23. November 2023 - 19:30
    Der Tod von Steffen Meyn im Hambacher Forst ging im Herbst 2018 durch alle Medien. Zuvor versuchte das Land NRW den von Aktivisten besetzten Wald zu räumen – mit einem Polizeieinsatz, den Gerichte später für illegal erklären. Dabei kam es zu einem tragischen Unglück. Der Filmstudent Steffen Meyn, der die Räumung von einem der Baumhäuser aus filmisch dokumentierte, stürzte in die Tiefe und verstarb noch vor Ort. VERGISS MEYN NICHT besteht zu großen Teilen aus dem Material, das Steffen über zwei Jahre hinweg im Hambacher Wald gedreht hat. Mithilfe seiner 360° Kamera begleiten wir ihn durch die Baumhäuser und sind hautnah bei den Räumungsversuchen der Polizei dabei. Durch Steffens offene Art lernen wir Aktivisten kennen, die bereit sind ihren Körper der Abrodung entgegenzustellen. Dabei wird deutlich: Steffen ist fasziniert und begeistert von dem utopischen Miteinander, ringt aber auch um eine Haltung zu den radikalen Maßnahmen der Besetzung. Durch das außergewöhnliche Filmmaterial und Interviews mit Aktivisten, die Steffen über die letzten zwei Jahre seines Lebens begleitet haben, schafft der Dokumentarfilm nie gesehene Einblicke in die aktivistische Gemeinschaft – und traut sich gleichzeitig, Widersprüche, Zweifel und Fragen zuzulassen: Warum gehen die Aktivist*innen so weit? Wieso gefährden Menschen ihren Körper und ihr Leben für politische Zwecke? Und wo trifft Utopie auf schmerzhafte Realität? Uraufführung Berlinale 2023. Ausgezeichnet als Bester Dokumentarfilm, 32. FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern 2023.
  • Freitag, 17. November 2023 - 20:30
    Als sich Ingeborg Bachmann (Vicky Krieps) und der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (Ronald Zehrfeld) 1958 in Paris begegnen, ist es der Anfang einer leidenschaftlichen und zerstörerischen Liebesgeschichte. Vier Jahre lang führen beide eine aufreibende Beziehung, die in Paris beginnt und über Zürich nach Rom führt. Doch künstlerische Auseinandersetzungen und die verschlingende Eifersucht von Max Frisch beginnen die Harmonie zu stören und treiben Ingeborg Bachmann langsam in den Zusammenbruch. Auch Jahre später lässt Ingeborg Bachmann die Erinnerung an ihre Liebe zu Max Frisch nicht los. Bei einer Reise in die Wüste Ägyptens versucht sie ihre Beziehung zu Max Frisch zu verarbeiten und sich langsam davon zu lösen. Nach Rosa Luxemburg und Hannah Arendt widmet sich Margarethe von Trotta in INGEBORG BACHMANN – REISE IN DIE WÜSTE erneut einer weiblichen Lichtgestalt des 20. Jahrhunderts: Unverändert gilt die österreichische Lyrikerin, die vor 50 Jahren im Alter von nur 47 Jahren unter tragischen Umständen aus dem Leben schied, als einsame literarische Größe. Mit Vicky Krieps (CORSAGE, BERGMAN ISLAND) und Ronald Zehrfeld (BARBARA) in den Hauptrollen, zeichnet von Trotta nach eigenem Drehbuch die toxische Beziehung von Ingeborg Bachmann und dem Schweizer Literaten Max Frisch nach, in einem ebenso eleganten wie aufwühlenden Film, der unter großem Aufwand in sechs verschiedenen Ländern entstand. Seine Weltpremiere feierte der Film im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale.
  • Freitag, 10. November 2023 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Archiv, Paramount, Flat, 2023
    Verliebt, verlobt, verheiratet. Die ganz große Liebe. Für immer. So beginnt es. Aber wieso endet es meist anders? Dass das schönste Gefühl der Welt, diese Musik im Herzen, so oft vergeht und vergessen wird? Marianne und Günter, seit über 50 Jahren verheiratet, wissen es nicht. Die Kinder sind aus dem Haus, geblieben ist freudlose Routine und eine gewisse Resignation. Und dann ist da noch die Sache mit ihrem Gedächtnis: in letzter Zeit scheinen sie zunehmend vergesslicher zu werden. So wie Günter offenbar heute ihren Hochzeitstag vergessen hat. ============================== »Weißt du noch« ist ein Kammerspiel, in dem ununterbrochen geredet wird, zunächst ganz beiläufig alltäglich, dann zunehmend anregend und prickelnd. Das Wunder dieses Films besteht darin, wie Senta Berger und Günther Maria Halmer, die über diverse Serien und Filme hinweg auch schon eine lange Zeit fiktiv verheiratet waren, diese kleine, große Geschichte zum Strahlen bringen. »Weißt du noch?«, beginnen sie einander zu fragen, und die Erinnerungen wecken den alten Zauber, vom Urlaub an der Amalfi-Küste, von der Reise in die Champa­gne. Und dann zieht Marianne das rote Kleid an, in dem sie beim Segeln zum ersten Mal mit Günther tanzte, und man fragt sich, ob es dasselbe sein könnte, von dem Senta Berger mal beim deutschen Filmpreis mit Stolz erzählte, dass es ihr immer noch passe. Die Kinomagie und die Realität, sie verbinden sich hier aufs Allerschönste.(EPD-Film) =========================================== Fazit: "Weißt du noch" funktioniert, weil sich seine einzelnen Komponenten - allesamt auf hohem Niveau - zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen: Ein intelligentes Drehbuch mit Tiefe, eine clevere Regie und zwei äußert talentierte und spielfreudige Hauptdarsteller machen den Film zu einem sehenswerten Porträt des Alters und des "Gemeinsam-alt-Werdens". (Christian Klosz)
  • Donnerstag, 09. November 2023 - 19:30
    Zwischen den Jahren 1984 bis 2006 kreuzen sich die Wege einer israelischen und einer libanesischen Familie entlang der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern. Ein vielschichtiges, in langen Rückblenden erzähltes Familien- und Kriegsdrama, in dessen finalem Kapitel sich eine Israelin und eine Libanesin gemeinsam gegen das drohende Unheil stemmen. Das aufwühlende Epos kreist um Flucht und Vertreibung und fokussiert vor allem auf die desaströsen Folgen des Krieges für familiäre Strukturen und den Zusammenhalt der Menschen. ========================================== „Tel Aviv – Beirut“ ist ein historisches Drama vor dem Hintergrund des israelisch- libanesischen Konflikts in den Jahren 1984 bis 2006. Der Film erzählt von der epischen Reise zweier Familien auf beiden Seiten der Grenze, deren Schicksale durch den Krieg im Libanon miteinander verwoben sind. Im Zentrum der sich über 20 Jahre erstreckenden Geschichte stehen zwei Frauen, eine Libanesin und eine Israelin, die sich inmitten des Krieges zusammenfinden und sich gemeinsam auf eine Reise begeben, um einen geliebten Menschen zu retten. Zusammenhalt und Hoffnung im Angesicht der erschütternden Realität des Krieges: Mit „Tel Aviv – Beirut“ ist der französisch-israelischen Regisseurin Michale Boganim ein intimes und zutiefst berührendes Kinoerlebnis gelungen – ein eindringlicher Film voll roher Kraft und großer Poesie.
  • Freitag, 03. November 2023 - 20:30
    Kunst und Film: Aki Kaurismäki übertrifft sich selbst: Fallende Blätter ist ein meisterhaftes Spätwerk, eine komische und bittere Rückkehr in eine ausgestoßene Welt //// Filmdienst: Ein lakonisch-minimalistisches Meisterwerk als zeitloses Plädoyer für Zuneigung und Solidarität. //// Süddeutsche Zeitung: Eine hinreißende Liebesgeschichte des finnischen Kultregisseurs Aki Kaurismäki: die Tragikomödie "Fallende Blätter". //// Kunst und Film: Zarte Romanze vom Meister der Lakonie: Regisseur Aki Kaurismäki macht, was er immer macht, aber das ganz ausgezeichnet. Seine Geschichte über eine Liebe mit Hindernissen besticht durch ausgefeilte Bilder, herzzerreißende Musik und expliziten Humanismus. //// Filmstarts.de: Dieser Rücktritt vom Rücktritt ist ein absoluter Glücksfall fürs Kino! In „Fallen Leaves“ macht der finnische Meister-Melancholiker Aki Kaurismäki zwar nur einmal mehr exakt das, was man nach seiner 40-jährigen Kino-Karriere von ihm erwartet – aber das mit einer tragikomischen, zutiefst berührenden Brillanz, die alles andere als repetitiv, sondern absolut einzigartig und zeitlos ist. //// Wiener Standard: Aki Kaurismäkis "Fallende Blätter" lässt harte Kritikerherzen schmelzen //// titel thesen temperamente: Glück auf finnisch. Fallende Blätter ist ein filmisches Gedicht. Große Poesie. Alles ist sehr finnisch: Der Humor, mit wenigen Worten viel zu sagen, die Trinkfreude, aber all das verwandelt sich in etwas sehr Universelles.
  • Freitag, 03. November 2023 - 15:30
    Für ein Mädchen, das behütet in einem Dorf im Westerwald bei seiner Großmutter aufwächst, ändert sich das Leben an jenem Tag, nachdem seine Oma von einem Okapi geträumt hat. Jahre später verliebt sie sich als junge Frau, trägt aber die Last der Vergangenheit weiter in sich. Um diese Kerngeschichte herum drapiert die Romanverfilmung zahlreiche schrullige Figuren und entfaltet dank einer sorgsamen Inszenierung kongenial die Balance aus Ironie und Intimität. Mit pointierten Dialogen und sparsamer Musikuntermalung demonstriert der Film, wie ungeschönt und schwerelos sich von Tod und Liebe erzählen lässt. – Sehenswert ab 14.
  • Donnerstag, 02. November 2023 - 19:30
    Balkrishna Vithaldas Doshi (1927-2023) zählt zu den einflussreichsten Pionieren der modernen Architektur in Indien. Ausgehend von der modernen Formensprache Le Corbusiers, für den er als junger Architekt tätig war, entwickelte er sein eigenes ästhetisches Vokabular, im Einklang mit lokalen (klimatischen wie sozialen) Bedürfnissen und indischen Traditionen. Mit seinem Büro realisierte er mehr als 100 Bauten in Indien, viele davon für den sozialen Wohnungsbau. 2018 wurde er mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Der Film begleitet den charismatisch-umtriebigen Architekten bei der Führung durch seine wichtigsten Bauwerke. – Ab 14. (Filmdienst) ================================================= Balkrishna Doshi ist 1927 geboren, aber er war der jüngste Architekt der Welt. Alles, worüber junge Architekten heute diskutieren, setzte er schon vor Jahrzehnten um. Seit den 60er Jahren baute er nachhaltig, seit den 80er Jahren sozial, 2018 erhielt er den Pritzker Architecture Prize. Ein einfühlsames Portrait eines großen Architekten, das die innige Verbindung von Mensch und gebauter Umwelt beleuchtet, ein Blick auf den Menschen und auf das Indien, das Doshis Bauten geprägt haben. – Im Januar 2023 verstirbt BV Doshi hochbetagt „als ein glücklicher Mensch“, wie Regisseur Jan Schmidt-Garre schreibt
  • Freitag, 27. Oktober 2023 - 20:30
    Die junge Millie (Danielle Macdonald) ist eine brillante Fondsmanagerin. Dennoch gibt sie ihren Job auf, kehrt ihrem Freund und London den Rücken, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen: Millie möchte unbedingt Opernsängerin werden! Dafür reist sie in die einsamen schottischen Highlands, um bei der renommierten, aber gefürchteten Gesangslehrerin und ehemaligen Operndiva Meghan (Joanna Lumley) intensiven Gesangsunterricht zu nehmen. Dort lernt Millie auch Max kennen, einen weiteren Schüler von Meghan, der ebenfalls für den bevorstehenden Gesangswettbewerb trainiert. ============================================== Fazit: Gegensätze ziehen sich an, was eine von Danielle Macdonald gespielte Fondsmanagerin nicht nur in die Welt der Oper zieht, sondern auch ihr Herz für einen von Hugh Skinner verkörperten Eigenbrötler höherschlagen lässt. Überhaupt bietet Ben Lewins "Verrückt nach Figaro" viel fürs Herz. Eine romantische Wohlfühlkomödie bei schönstem schottischen Schmuddelwetter. (Falk Straub)
  • Freitag, 20. Oktober 2023 - 20:30
    Eine schizophrene Frau reist mit ihrer Schwester und deren Mann auf einer geführten Tour mit dem Bus nach Paris, wo sie dreißig Jahre zuvor eine unvergessliche Zeit verbrachte. Unterwegs und vor Ort mischt sie mit ihrer schonungslosen Offenheit die Mitreisenden auf, es kommt aber auch zu unerwarteten Annäherungen. Ein tragikomisches Road Movie, grandios gespielt und behutsam inszeniert, das zwischen Empathie und Pathos, Klischees und Wahrhaftigkeit die Balance wahrt. Ebenso berührendes wie verstörendes Wohlfühlkino. (Filmdienst) ================================================== Denn „Rose – Eine unvergessliche Reise nach Paris“ ist einfach alles. Mal lustig, mal traurig, mal ernst, mal komisch, mal voller Esprit und dann wieder melancholisch. Kurz gesagt: Niels Arden Oplev versteht es als Autor und Regisseur sehr gut, das Leben abzubilden. Sicherlich ist Ellen anders als ihre Mitreißenden und wohl auch die meisten Zuschauer, aber was sie und ihre Familie erleben, ist dann doch wieder sehr normal. Und so stürzt Oplev das Publikum in einen Reigen des Gefühls. Am Ende erweist sich der Film als höchst befriedigend, weil man das Gefühl hat, etwas Leichtherziges, aber auch Profundes gesehen zu haben." (Programmkino.de) ============================================= Die bewegende Komödie von BAFTA-Preisträger Niels Arden Oplev ("Verblendung") trifft mitten ins Herz. Mit einer gelungenen Mischung aus Drama und Komödie wurde ROSE in Skandinavien zum Überraschungshit an den Kinokassen. In der Hauptrolle brilliert die großartige dänische Schauspielerin Sofie Gråbøl, bekannt als Kommissarin Lund. Diese Busreise wird so schnell niemand vergessen. Denn als Inger ihre Schwester Ellen und deren Mann Vagn im Herbst 1997 auf einen Kurztrip nach Paris begleitet, läuft nicht alles nach Plan. Inger fällt unter den anderen Reisenden auf. Offen erklärt sie ihre psychologische Situation: sie ist schizophren. Dies zeigt sich vor allem in ihrer Unverblümtheit, die nicht allen gefällt. Schnell gerät die Familie zwischen Unverständnis und Vorurteile. Doch in Paris angekommen wird klar, dass alle so ihr Päckchen mit sich rumtragen. Während eines der mitreisenden Paare in einer Ehekrise steckt, freundet sich Inger mit deren Sohn an, der fasziniert ist von ihrer Direktheit. Und so verwickelt Inger die kleine Reisegruppe in ihr ganz eigenes Abenteuer, dass sie schon bald vor die Wohnungstür einer verschollenen Liebe führt. ­ ­ ­ ­ ­ ­
  • Freitag, 13. Oktober 2023 - 20:30
    Das Spielfilmdebüt von Charly Hübner! Nach einer unruhigen Nacht klingelt es bei Reiner an der Tür. Davor steht Morten de Sarg, der eigentlich sein Tod ist. Zu seiner Verwunderung gelingt es ihm nicht, Reiner sterben zu lassen, stattdessen klingelt es erneut. Sophia ist mit ihrem Ex-Freund zum Geburtstag seiner Mutter Lore verabredet. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, die sie schliesslich zu Reiners sieben Jahre alten Sohn Johnny führt, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. – Das alles unter der strengen Aufsicht von Gott und Erzengel Michaela. ​ SOPHIA, DER TOD UND ICH ist eine irrsinnige, lustige, berührende und anrührende Geschichte über all das, was im Leben wirklich zählt. Mit Dimitrij Schaad, Anna Maria Mühe, Marc Hosemann, Lina Beckmann, Charly Hübner · Rocko Schamoni und Johanna Gastdorf. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman des Musikers Thees Uhlmann. ====================================== Fazit: Eine zutiefst sympathische Literaturverfilmung, die den Stoff mit originellen Einfällen und einem tollen Ensemble auf die Leinwand bringt. (Andreas Köhnemann) ======================================= Fazit: Charly Hübner setzt mit seinem Spielfilm-Regiedebüt direkt ein Ausrufezeichen! Der „Mittagsstunde“-Star würzt die eh schon lebensklug-komische Romanvorlage von Thees Uhlmann mit jeder Menge trockenem norddeutschen Humor, einer makabren Melancholie sowie inszenatorischen Ambitionen, die man aus dem deutschen Komödien-Kino ansonsten nicht unbedingt gewöhnt ist. (Christoph Petersen) ===================================== Stell dir vor, du besuchst mit deiner Ex und dem Tod deine Mutter. „Sophia, der Tod & ich“ macht aus dieser kuriosen Anfangssituation ein tragikomisches Roadmovie, das mal völlig überzogen ist, mal ganz nah am menschlichen Alltag. Wer sich auf diese starken Schwankungen einlassen kann, findet hier einen wunderbaren Film, wie man ihn im deutschen Kino zu selten zu sehen bekommt. (Oliver Armknecht)
  • Freitag, 06. Oktober 2023 - 20:30
    Kategorien: Archiv, 24Bilder, Scope, 2023
    Ein Berliner Mietshaus wird aufgrund eines nicht erklärten Vorfalls von der Polizei abgeriegelt. Gerüchte machen die Runde, Personen werden verdächtigt. Zudem ist die Nachbarschaft ohnehin gespalten, da das Haus kurz vor dem Verkauf steht und der neue Hausverwalter sie gegeneinander auszuspielen scheint. In Form einer Versuchsanordnung diagnostiziert das multiperspektivisch aufgebaute Drama ein soziales Klima, das von Entsolidarisierung, Spaltung und Rassismus geprägt ist. Die Hausgemeinschaft erscheint dabei als Mikrokosmos der Gesellschaft.
  • Freitag, 06. Oktober 2023 - 15:30
    Ausschlafen möchte er, Fahrrad fahren und vegan leben. Das sind die Pläne des Neu-Pensionärs Peter (Stefan Kurt), seine Frau kommt darin leider nicht vor: Alice (Esther Gemsch) hat andere Träume, sie möchte endlich etwas erleben, ausgehen und die Welt erkunden. Die beiden Mittsechziger aus der Zürcher Mittelschicht sind seit Ewigkeiten verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder, ausgerechnet im Ruhestand wird es aber unruhig. Während er seinen besten Kumpel mit auf eine romantische Kreuzfahrt nimmt, tanzt sie alleine zu Siebzigerjahre-Discohits. Als es zur Aussprache kommt und er einen ehelichen Nichtangriffspakt schließen will, sagt sie: "Ich will aber nicht in Ruhe gelassen werden!" (Süddeutsche Zeitung) =========================== Als Zuschauer ist man blendend unterhalten, weil man sich wiedersieht in den Figuren, egal wie alt man selbst sein mag.
  • Freitag, 29. September 2023 - 20:30
    Seoul: Die beiden zwölfjährigen Nora und Hae Sung sind unzertrennliche Freunde. Bis Noras Familie nach Toronto auswandert und sich die beiden aus den Augen verlieren. 20 Jahre später beschließt Hae Sung, seine Kindheitsfreundin für ein paar Tage in New York zu besuchen. Nora lebt dort als angehende Autorin und ist bereits seit sieben Jahren glücklich mit Arthur verheiratet. Das Wiedersehen konfrontiert die beiden mit ihrer tiefen Verbundenheit, unausweichlichen Fragen nach Liebe, Schicksal und den Entscheidungen, die ein Leben ausmachen... Mit PAST LIVES gibt die in New York lebende südkoreanisch-kanadische Autorin Celine Song ihr Kinodebüt als Regisseurin und Drehbuchautorin. Mit großem Feingefühl inszeniert sie die autobiografisch gefärbte Geschichte zweier Freunde, die durch den Lauf des Lebens getrennt werden und sich nach zwei Jahrzenten wieder begegnen. ================= Das südkoreanische Kino, aus dem seit Jahren erfrischende Impulse kommen, geht mit dem alten Hollywood spazieren, das hier so geheimnisvoll aus der Kraft seiner Geschichte leuchten darf wie die Freiheitsstatue. Solange solche Filme erscheinen, auf Leinwänden, wo sie hingehören, sind Abgesänge auf das Kino verfrüht. – Die Dialoge dieses Films sollten Drehbuchstudenten verpflichtend abschreiben. (Philipp Bovermann für die Süddeutsche Zeitung)
  • Donnerstag, 28. September 2023 - 19:30
    Am 28. September, um 19.30 Uhr, wird im Kino achteinhalb der 90-minütige Dokumentarfilm "Das Kombinat" gezeigt, der an diesem Tag seinen bundesweiten Kinostart hat. Der Film begleitet über neun Jahre die neu gegründete Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) namens "Kartoffelkombinat" im Umland von München. Gemüse und andere Feldfrüchte werden dort biologisch angebaut und ohne Transport- und Marketingkosten den Verbrauchern zur Verfügung gestellt. Das Projekt soll zudem faire Löhne für alle am Produktionsprozess Beteiligten generieren. Finanziert wird dies in Form einer Genossenschaft, deren Mitglieder einen Mitgliedsbeitrag zahlen und ihre Gemüsekisten an einer der Verteilstellen in München und Umgebung abholen. In Deutschland gibt es mittlerweile weit über 400 SoLaWi-Höfe. Der Abend findet in Kooperation mit dem BUND Celle, dem SoLaWi-Hof Aller/Oker und der Kultur Trif(f)t (wo sich die SoLaWi-Verteilstelle für Celle befindet) statt. Direkt im Anschluss an den Film werden Nadja und Martin Rautenberg von der SoLaWi Aller/Oker ihre SoLaWi vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Die Gäste sind zu Gemüsesticks eingeladen. Der Eintritt ist frei; um Reservierung über die Webseite www.kino-achteinhalb.de wird gebeten.
  • Donnerstag, 28. September 2023 - 19:30
    Wenn ein brummiger Einsiedler und der dauerquasselnde Unternehmer aufeinandertreffen, wird stark mit Kontrasten gespielt. Das macht Spaß und lockt mit idyllischen Aufnahmen aus den Bergen. Die französische Landschaften zeigen sich stets von ihrer besten Seite in Éric Besnards Filmen. Die Kamera, meist geführt von Jean-Marie Dreujou, schwelgt ausgiebig in ihrer pastoralen Anmut, die vorteilhaft in jeder Witterung erstrahlt. Das Ambiente wird mithin zur Botschaft, die sich selbst dann mitteilen würde, wenn man den Ton abstellt: Es gilt, die Natur und ihre Gaben zu bewahren. In »Die einfachen Dinge« ist dies auch ein heimliches Element des Plots. Der Unternehmer Vincent Delcourt (Lambert Wilson) führt ein Leben auf der Überholspur. Gerade erst hat er erfolgreich sein Dating-Portal »Fast Match« lanciert, zwei koreanische Firmen gerettet und nebenbei noch am Marathon teilgenommen. Als eines Tages jedoch sein Cabriolet in den Bergen streikt, wird seine Existenz unversehens entschleunigt. Zum Glück tritt der wortkarge Eremit Pierre (Grégory Gadebois) auf den Plan, der den Motorschaden zu beheben verspricht und in dessen Chalet sich der schwatzhafte Gestrandete bei einem zünftigen Omelette stärken kann. Einige Tage später kehrt der ungebetene Gast zurück, den inzwischen eine Sinnkrise nebst Panik­attacken ergriffen hat, und sucht Zuflucht in der Einsiedelei. Pierre lässt es widerwillig geschehen; Vincent ist allerdings auch keiner, der ein »Nein« akzeptiert.
  • Freitag, 22. September 2023 - 20:00
    Fraglos ist Oppenheimer (bei aller Kritik) ein lohnens- und sehenswerter Film. Aber was ist der programmatische Ansatz den an der Kasse zweit erfolgreichsten Film des Jahres 2023 (hinter Barbie) zwei Monate nach Kinostart noch einmal zu zeigen? Oppenheimer ist ein Film, der einen mittels seiner Verschachtelungen, seines Ton, seiner Kamera, seiner Ästhetik ein fesselndes, überwältigendes Kinoerlebnis à la Christoper Nolan bietet. Ist der Film ein "Wow", ist er Überwältigungskino, ein Meisterwerk, ist er eine manipulative US-amerikanische Geschichtsklitterung oder alles zugleich? Viele Fragen tun sich für ein interessiertes Publikum um dieses Kinoereignis auf. Um besser zu verstehen, wie dieses Kinoerlebebnis funktioniert, möchten wir mit einigem Abstand nach einem ersten Sehen in den Kammer Lichtspielen, den Film vor allem selbst ein zweites Mal sehen und laden, um es etwas stereotyp zu formulieren, dazu ein.
  • Freitag, 15. September 2023 - 19:30
    Im Frühjahr 2023 öffnet das Rijksmuseum in Amsterdam seine Tore für die größte Vermeer-Ausstellung der Geschichte. Drei Tage nach Eröffnung waren alle 450.000 Karten für die Ausstellung im Rijksmuseum in Amsterdam ausverkauft! Das Interesse ist weltweit enorm. Hier kommt die ausgebuchte Ausstellung zu uns auf die Kinoleinwand. Die große Retrospektive in Amsterdam präsentiert eine Reihe von Leihgaben aus aller Welt und versammelt Vermeers bekannteste Meisterwerke, darunter Mädchen mit dem Perlenohrring, Der Geograph, Dienstmagd mit Milchkrug, Straße in Delft, Briefschreiberin und Dienstmagd sowie Frau mit Waage. Der neue Film der Reihe Exhibition on Screen lädt uns zu einer exklusiven, vom Direktor des Rijksmuseums und dem Kurator begleiteten Besichtigung der Ausstellung ein – eine wirklich einmalige Gelegenheit! Neben dem Zusammentragen von Vermeers Werken haben das Rijksmuseum und das Mauritshuis in Den Haag seine Kunst, seine künstlerischen Entscheidungen, die Ausgangspunkte für seine Bildkompositionen und die Entstehungsgeschichte seiner Gemälde intensiv erforscht. 28 der wahrscheinlich noch existierenden 37 Gemälde des holländischen Meisters Johannes Vermeer (1632-1675) sind zu sehen. Der Film läuft im achteinhalb auf englisch mit deutschen Untertiteln.
  • Donnerstag, 14. September 2023 - 19:00
    Jeder schreibt für sich allein: Der Autor Anatol Regnier hat 2022 ein Buch veröffentlicht, das das Leben und Wirken von Schriftsteller*innen in Nazideutschland betrachtet. In Zusammenarbeit mit Regnier adaptierte Dominik Graf das gleichnamige Buch und übersetzte es in einen knapp dreistündigen, vielstimmigen Essayfilm, der sich akribisch mit den widersprüchlichen Biografien von Hans Fallada, Gottfried Benn, Erich Kästner, Ina Seidel und Will Vesper auseinandersetzt. Was hielt kritische Autoren wie Kästner, dessen Bücher in Flammen aufgingen, davon ab, nach der Machtübernahme Hitlers zu emigrieren? Welche heute anerkannten Künstler sympathisierten damals mit den Nazis? Welche inneren und äußeren Widersprüche provozierte das Leben und Arbeiten unter dem Regime – auch für Institutionen wie die Akademie der Künste? Anhand von Interviews (u. a. mit dem Autor Florian Illies, der Kunstkritikerin und -historikerin Julia Voss und dem Filmproduzent Günter Rohrbach) und bis in die Gegenwart hinein diskutiert der Film die Frage nach dem Vertrauen in die Kunst und in Künstler – sowie in letzter Konsequenz das komplexe Verhältnis zwischen ästhetischen Positionen und politischem Handeln. (Woche der Kritik) ======================================== Worüber bislang nicht geschrieben wurde: Die Berlinale hat auch den neuen Film von Dominik Graf abgelehnt. Und das ist nichts Anderes als ein Skandal!! Dies nicht etwa, weil etwa Dominik Graf ein Anrecht hätte, mit jedem seiner Firma auf der Berlinale gezeigt zu werden – so etwas hat nur Christian Petzold – sondern weil dieser Film ein Stich ins Herz unserer derzei­tigen deutschen Debatten und Probleme ist. Es ist ein histo­ri­scher Film, ein Doku­men­tar­film, er heißt Jeder schreibt für sich allein und basiert auf dem gleich­na­migen Buch von Anatol Regnier. Es ist ein Film, der von Kompro­missen und von Oppor­tu­nismus, von mora­li­schen Abgründen und Empa­thie­lo­sig­keit handelt, von Verhal­tens­lehren der Kälte und der Wärme, von Bücher­ver­bren­nungen und Arran­ge­ments. Es ist ein Film, der Linien zieht zu unseren eigenen Verhält­nissen, zum Tota­li­ta­rismus der Gegenwart – und zwar dem in den west­li­chen Demo­kra­tien – und zum Terro­rismus der jüngeren Vergan­gen­heit, von Willi Vesper zu Bernhard Vesper, dem Mann von Gudrun Ensslin, der Linien zieht von Gottfried Benn zu Günter Rohrbach, von Erich Kästner zu Dominik Graf selber, zu unseren Eltern und Großel­tern und unserer eigenen Zukunft. Es ist ein großer Film, der schön und extrem schmerz­haft ist, jeden­falls für mich. Und nicht nur für mich, da bin ich sicher. Und der allein schon deswegen unbedingt verdient, dass ihn jeder sieht. Glück­li­cher­weise kann man ihn sehen, nächste Woche. Nicht auf der Berlinale, aber während der Berlinale, parallel zu ihr in der »Woche der Kritik«. Gratu­la­tion an das Team um Dennis Vetter, dass sie diesen Film bekommen haben und dass sie ihn genommen haben. Und weil sie ihn genommen haben, bin ich sicher, dass auch ihre anderen Filme sich lohnen. Wir werden über den Film ausführ­lich berichten, aber nicht heute. Nur empfehlen wollen wir ihn schon jetzt. Jeder, der kann, sollte sich schleu­nigst Karten besorgen für eine der beiden Berliner Vorstel­lungen Schon am kommenden Montag ist Graf in Berlin zu Gast bei einer Runde in der Akademie der Künste. Um nichts Gerin­geres als das Wesen des Kinos soll es da gehen. Na dann… Der Titel »Content versus Film« schon sagt das Wich­tigste: Film ist eben kein »Content«. (Rüdiger Suchsland)
  • Freitag, 08. September 2023 - 20:30
    Fünfzehn Jahre nach einer ersten Begegnung treffen die 70-jährige Shauna (gespielt von der 73-jährigen französischen Schauspielikone Fanny Ardant) und der 45-jährige Pierre wieder aufeinander. Diesmal kommt die Liebe wie ein Blitz über sie, auch wenn die äußeren Umstände nicht gerade dafür sprechen: Shauna hat schon länger mit der Romantik abgeschlossen und Pierre führt ein glückliches Familienleben. Shauna zögert zuerst wegen des Altersunterschieds doch Begehren und Gefühle füreinander sind zu intensiv. ============================================================= Tardieu hat das Projekt von der isländisch-französischen Filmemacherin Sólveig Anspach übernommen, die 2015 verstarb, ehe es zur Realisierung kommen konnte. Das ursprüngliche Drehbuch von Anspach basierte auf Erlebnissen von deren Mutter. Tardieu hat daraus eine sehr wahrhaftige Liebesgeschichte gemacht, die allen Beteiligten gerecht wird. Die sinnlichen Bilder der Kamerafrau Elin Kirschfink, die etwa in der Darstellung der irischen Landschaft zu Beginn von David Leans Melodram Ryans Tochter (1970) inspiriert sind, vollziehen die Emotionen der Figuren einnehmend nach. Eben diese tragen dazu bei, dass Im Herzen jung durch seinen stillen Aufruhr Eindruck bei uns zu hinterlassen vermag. – Fazit: Ein intensives, toll fotografiertes Liebesdrama mit komplexen Figuren und einem exquisiten Ensemble. (Andreas Köhnemann) =========================== Fanny Ardant und Melvil Poupaud lassen dieses Experiment sehr lebensnah werden und weisen es zugleich als ein Kinoereignis aus. Fanny Ardant ist unübersehbar ein Star, sie gehört zu den Legenden des französischen Kinos, groß geworden ist sie in Filmen von François Truffaut und Alain Resnais, heute ist sie in einer Liga mit Catherine Deneuve. ( Bert Rebhandl)
  • Montag, 04. September 2023 - 19:30
    Der Dokumentarfilm erzählt vom Protest gegen das Projekt "Stuttgart 21". Seit nunmehr 13 Jahren wird an jedem Montag gegen "Stuttgart 21" demonstriert – denn es wird ein "Stuttgart 21 – 2.0" mit über hundert unterirdisch verlegten Bahnkilometern geplant. Die Bürgermeister der Anliegerstädte lehnen dies entschieden ab. Die Kosten würden in dem Zuge auf über 20 Milliarden Euro steigen, seitens des Brand- und Katastrophenschutzes tun sich viele Fragen auf und der Bahnhof bliebe dennoch verkehrspolitisch in vielerlei Hinsicht widersinnig. (Eintritt frei)
  • Freitag, 01. September 2023 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Archiv, 24Bilder, Scope, 2023
    Paula lebt als Nebendarstellerin in einer streng hierarchisch organisierten Filmfiguren-Welt, in der die Menschen in Hauptfiguren, Nebendarsteller und Menschen, deren Szenen als Filmfehler dem Schnitt zum Opfer fielen, unterteilt werden. Paula hat nur limitierte Dialoge ohne wirkliche Emotionen und möchte ein Leben mit einer eigenen Story, mit aufregenden Szenen und voller Musik. Paula besucht daher die Schule für Hauptfiguren. Dort ist sie die Klassenbeste – beherrscht Dinge wie Zeitlupe und panisches Schreien perfekt. In der Abschlussprüfung muss sie nun beweisen, dass sie das Zeug zur Hauptfigur hat.
  • Freitag, 01. September 2023 - 15:30
    Maria (die wie immer wunderbare Karin Viard) muss einen beruflichen Neuanfang starten. Als Reinigungskraft in der Pariser Académie des Beaux-Arts öffnet sich ihr die Welt der Kunst, die neue Lebensfreude entfacht. Eine Berührende und inspirierende, französische Feelgood-Komödie über Sehnsüchte, geheime Leidenschaften und neue Anfänge. ================== Fazit: "Maria träumt" ist ein kunstvoller Film über Kunst; über die darstellende Kunst, die Kunst des Lebens und die Kunst der Liebe. Liebevoll geschrieben, fabelhaft gespielt und ironisch erzählt, ist dem vom Schauspiel kommenden Regieduo Lauriane Escaffre und Yvo Muller die bislang beste Wohlfühlkomödie des noch jungen Jahres geglückt. Kunstkennern wie Kunstbanausen gleichermaßen zu empfehlen! (Falk Straub) ================== Fazit „Maria träumt“ ist eine charmante und sympathische Liebeskomödie um eine Putzfrau und einen Hausmann, die sich in einer Kunstakademie kennenlernen. Das ist unterhaltsam und zudem ein positiver Appell, immer offen für Neues zu bleiben. (Oliver Armknecht)
  • Donnerstag, 31. August 2023 - 19:30
    Der Dokumentarfilm porträtiert Menschen, die gezielt aus den Strukturen konventioneller Landwirtschaft aufbrechen. Ihr Konzept lautet Solidarische Landwirtschaft. Mit Agrar-Gemeinschaften sind sie bestrebt, einen lokalen Versorgungskreislauf zu etablieren, der sich an Ökologie und Gemeinwohl orientiert und zudem das Verhältnis von Konsumenten und Produzenten neu definieren will. (Eintritt frei)
  • Freitag, 25. August 2023 - 20:30
    Ein einzelgängerischer Busfahrer in den Fünfzigern beschließt nach einem Herzinfarkt, den Kontakt zu seiner Tochter zu suchen, die er zuletzt als Kind gesehen hat. Da es ihm schwerfällt, sich ihr zu offenbaren, will er an einem Kurs der Tanzlehrerin teilnehmen, muss dafür allerdings erst einmal die Grundlagen des Gesellschaftstanzes lernen. Eine sympathische, gut gespielte Komödie um den Versuch, in der zweiten Hälfte des Lebens die Fehler der ersten auszubügeln. Die Furcht vor Ablehnung und Einsamkeit nimmt der Film ernsthaft, wenngleich auch mit satirischem Biss auf, während vor allem das Verstellungsspiel eines tanzenden Tanzverächters für originelle Pointen sorgt. ====================================== Eigentlich müsste diese melancholische Komödie um einen aus der Zeit gefallenen Macho, der spät väterliche Gefühle entwickelt, ein Starvehikel für Frank Dubosc sein. Aber der Hauptdarsteller, Regisseur und Autor überlässt die trefflichsten Gags seinen Leinwandpartnern; namentlich dem Schriftsteller Michel Houellebecq, der in der Rolle eines Kardiologen als vergnügter Schwarzmaler glänzt.
  • Donnerstag, 24. August 2023 - 19:00
    Der Film rückt die Anfänge des Holocaust, die so genannte Arisierung der deutschen Gesellschaft, ins Zentrum und fragt, wie eine solche himmelschreiende Gleichgültigkeit möglich war, die Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und Vernichtung zur Folge hatte. Dabei legt der Regisseur die Finger auf die Wunde und thematisiert die unbequeme Frage, inwieweit die Zivilbevölkerung Nazi-Deutschlands zum Profiteur der systematischen Ausraubung des Judentums wurde. Ein unbequemer Dokumentarfilm, dessen Rechercheschwerpunkte in Köln und München liegen. ================================================ Was man beschönigend die "Arisierung" nennt, war in Wahrheit einer der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts, begangen an einem Teil der eigenen Bevölkerung. Nicht die Gestapo war es, die in jüdische Wohnungen eindrang, und den gesamten Besitz zu beschlagnahmen, vom Bankkonto bis zur Unterwäsche: Es waren deutsche Finanzbeamte. Großes ging an die Finanzbehörden, Kleines über "Versteigerungen aus nicht arischem Besitz" an die lieben Nachbarn.
  • Freitag, 18. August 2023 - 19:30
    Die erfolglose Schauspielerin Madeleine Verdier wird überraschend des Mordes an einem berühmten Produzenten bezichtigt. Auf Anraten ihrer besten Freundin, der arbeitslosen Anwältin Pauline, soll Madeleine sich schuldig bekennen, allerdings auf Notwehr plädieren. Es folgt ein Aufsehen erregender Prozess, in dem die beiden jungen Frauen eindrucksvoll die ewiggestrigen Männer vorführen. Madeleine wird freigesprochen und als neuer Star mit lukrativen Rollenangeboten überhäuft. Doch dann taucht eine Zeugin des Verbrechens auf, die die Wahrheit um jeden Preis enthüllen will. Nach 8 FRAUEN und DAS SCHMUCKSTÜCK begeistert François Ozon erneut mit einer stilvollen Komödie und lässt sein großartiges Ensemble um Isabelle Huppert, Dany Boon sowie die hochtalentierten Jungstars Nadia Tereszkiewicz und Rebecca Marder zur Höchstform auflaufen. MEIN FABELHAFTES VERBRECHEN ist ein glamouröses Filmvergnügen voller scharfzüngiger Dialoge und brisanter Anspielungen auf die Geschlechterdebatte. =================================== Fazit: Mit leichter Hand inszeniert, ist François Ozons neuer Film nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine sehr unterhaltsame und elegante, auf den zweiten Blick sogar durchaus tiefgründige Komödie. Die luxuriöse Ausstattung und das gut aufgelegte Ensemble, in dem sich Alt- und Jungstars treffen, wetteifern dabei mit einem augenzwinkernd aktuellen Plot, der ebenso witzig wie boshaft die #MeToo-Debatte zitiert. (Gaby Sikorski)
  • Freitag, 30. Juni 2023 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Archiv, Schweiz, Central, 2023, SE
    Dank fein austarierter Dialoge und bezaubernd nuancierter Spiellust wird eine legere Einladung zum Apero unter Nachbarn zum vergnüglich bösen, dezent komischen, brillant getimten und immer wahrhaftigen Paartherapietheater, und das so melancholisch nachdenkliche wie befreiend lustige Schweizer Remake einer spanischen Erfolgskomödie zum erfrischenden Vergnügen. ================================= Fazit: Sabine Boss' neue Komödie ist in der Schweiz bereits ein Hit. Nun bekommt auch das deutsche Kinopublikum die Gelegenheit, hautnah mitzuerleben, was zwei Schweizer Paare in ihrem Schlafzimmer umtreibt. Eine höchst vergnügliche Bettgeschichte über pikante Angebote und frustlösende Veränderungen (Falk Straub)
  • Freitag, 23. Juni 2023 - 20:30
    Kategorien: Archiv, Musikfilm, Filmwelt, Scope, 2023
    Nele ist eine Träumerin. Aus ihrem tristen Alltag flüchtet sie sich immer wieder in die beseelte Welt der Oper und Musik. Fast wie unsichtbar schlägt sich die junge Frau, die eigentlich aus einem kleinen Dorf in Estland kommt, in einer deutschen Großstadt als Multijobberin durch. Sie lebt in einer Studentinnen WG und verdient ihr Geld in einem Call-Center und als Garderobiere an der Staatsoper. Doch sie trägt ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit mit sich, das ihr immer wieder blutige Alpträume beschert. Nele verliebt sich in den kleinkriminellen Straßentänzer Kolya. Sie ist Orpheus. Er ist Eurydike. Ihr Ausdrucksmittel ist der Gesang, er artikuliert sich durch seinen Tanz. Für ihre große Liebe steigt sie hinab in die Unterwelt, stellt sich ihren alten Dämonen und lernt wieder zu vertrauen. Ein Opern-Pasticcio zwischen Puccini, Händel und Christian Steiffen. ============================ Es musizieren das Bayerisches Staatsorchester und der Chor der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Antonio Fogliani, Stefan Soltesz, Ivor Bolton. "Was anfängt wie ein klassischer Betrugsversuch, entpuppt sich als poetisches Kennenlernen zweier Filmfiguren, und das in einer traumhaften Zauberwelt zwischen Jacques Offenbach, Fred Astaire und LA LA LAND. ORPHEA IN LOVE ist eine bemerkenswerte Melange aus Elementen, die wir nicht nur aus dem Kino kennen, sondern vor allem auch aus der Oper: wo im Kino in der Regel Musical- bzw. Popsongs angestimmt werden, werden hier von den Protagonist:innen technisch höchst anspruchsvolle Arien dargeboten. Wenn sich Oper und Kino derart umarmen, ist ein Künstler vom Range Axel Ranischs nicht fern: der 39-jährige Regisseur hat nicht nur anerkannte Kinofilme wie ICH FÜHL MICH DISCO und ALKI ALKI gedreht, sondern inszeniert auch regelmäßig für die Bühne, zuletzt Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ an der Staatsoper Stuttgart. Seinen ersten eigenen Opernabend durfte er bereits 2013 für die Bayerische Staatsoper gestalten, der er seither verbunden geblieben ist." (Filmfest München) ============================ "Es wird über den Tod hinaus geliebt und auf Teufel komm raus gesungen im neuen Film von Axel Ranisch. Mit der ­Großstadtphantasie ­»Orphea in Love« ist dem ­Regisseur in Kooperation mit der Bayerischen Staatsoper eine hinreißende Fusion aus Kino und Musiktheater gelungen." (Thomas Abeltshauser) ============================ Der ganz große, umfassende stimmliche Triumph von Mirjam Mesak. Wundervoll. Wie ganz wenige Sängerinnen besitzt sie eine umfassende emotionale Wahrheit. Nie ist das Strahlen ihrer Stimme unbekümmert, stets sind da auch Skepsis, Sehnsucht, die Ahnung eines Wehs. Eine ganz wundervolle Künstlerin. Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl
  • Dienstag, 20. Juni 2023 - 19:30
    Sara Mardini und ihre jüngere Schwester Yusra stammen aus einer Familie von Hochleistungssportler:innen in Syrien. Der Krieg im Land unterbricht den Traum, olympische Schwimmerin zu werden, und zwingt die Schwestern 2015 zur Flucht. Als auf der Flucht über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland der Motor des überfüllten Schlauchbootes versagt, springen die Schwestern ins Wasser und helfen bei der Rettung aller Geflüchteten, indem sie das Boot drei Stunden auf Kurs halten bis sie das rettende Ufer von Lesbos erreichen. Die Geschichte macht auf der ganzen Welt Schlagzeilen. Mit 20 ist Sara berühmt. Danach trennen sich die Wege der Schwestern: Yusra schwimmt bei den Olympischen Spielen, während Sara nach Lesbos zurückkehrt, um sich ehrenamtlich zu engagieren und anderen Geflüchteten zu helfen. Im Jahr 2018 aber wird sie verhaftet und einer Reihe von schweren Straftaten beschuldigt - darunter Beihilfe zur illegalen Einreise (Schleusung), Geldwäsche, Betrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Nach über drei Monaten in einem Hochsicherheitsgefängnis in Griechenland wird Sara auf Kaution freigelassen und wartet seitdem auf ihre Verhandlung - ihr drohen 20 Jahre Haft. Über vier Jahre hat die FilmemacherinCharly Wai Feldman Saras Kampf um Gerechtigkeit und um eine neue Zukunft in Berlin begleitet.
  • Freitag, 16. Juni 2023 - 20:30
    Was stiftet Sinn im Leben, was ist erstrebenswert? Am Ende seiner Tage will ein Beamter die verbleibende Zeit nutzen, sich einen Traum zu erfüllen. Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro überträgt Akira Kurosawas Klassiker »Ikiru« überzeugend ins London der 1950er. ============================== Die großen Namen, die mit diesem Drama von Regisseur Oliver Hermanus verbunden sind, lösen das Versprechen hervorragender Unterhaltung mit Tiefgang ein. Bill Nighy spielt mit hoher Authentizität einen alternden Londoner Beamten der Nachkriegszeit, der schon lange jegliche Lebensfreude eingebüßt hat. Den nahenden Krebstod vor Augen, wagt er ein paar Schritte aus dem gewohnten Trott heraus. Dieses Remake eines Films von Akira Kurosawa, für welches der Schriftsteller Kazuo Ishiguro das Drehbuch schrieb, spricht auf bewegende Weise philosophische Fragen des Menschseins an. (Bianka Piringer)
  • Freitag, 09. Juni 2023 - 20:30
    Peter Osteried für Programmkino.de: "Mit mehr als 2 Jahren Verzögerung kommt er in die deutschen Kinos. Angesichts der immensen Qualität des Films kann man sich nur fragen, wieso das so lange gedauert hat. Denn die Romanverfilmung ist ausgesprochen spritzig, rasant erzählt und wartet mit ein paar amüsanten Wendungen auf. „Meine Schwester, ihre Hochzeit und ich“ ist eine echte, kleine Perle – ein Film, bei dem man aus dem Schmunzeln und Lachen nicht mehr rauskommt." ===================================================== Eine kreativ gestaltete, sympathisch gespielte Literaturverfilmung mit einem facettenreichen Protagonisten. Meine Schwester, ihre Hochzeit & ich zudem eine schöne romantische Komödie mit reichlich Dialogwitz und einer stimmigen Chemie zwischen dem Leinwandpaar. (Andreas Köhnemann)
  • Freitag, 02. Juni 2023 - 20:30
    Kategorien: Archiv, Filmagentin, Flat, 4:3, 2023, SE
    Eine engagierte Lehrerin will an ihrer neuen Schule alles richtig machen und schaltet sich in die schulische Untersuchung eines Diebstahls ein, was allerdings schnell zu einer Reihe von Verwerfungen führt, die wie in einer klassischen Tragödie immer schlimmer werden. Das außergewöhnliche, im engen 4:3-Format gefilmte Drama konzentriert sich ganz auf die Pädagogin, die sich an ihren moralischen Ansprüchen zu überheben droht, führt aber auch das Publikum aufs Glatteis. Der spannungsgeladene, mit subtilem Humor inszenierte Film kreist um Be- und Verurteilungen in einer sich perfekt wähnenden Gesellschaft, die sich darüber selbst ein Bein stellt. – Sehenswert ab 14
  • Freitag, 26. Mai 2023 - 20:30
    Fazit: Weder streng noch mythologisch aufgeladen geht es zu in Christian Petzolds Sommerfilm "Roter Himmel". Während drei junge Menschen in einem Häuschen an der Ostsee die unbeschwerte Stimmung genießen, gelingt es dem vierten nicht, in einen spannungsfreien Dialog mit ihnen zu treten. Romantische Gefühle verstärken seinen inneren Konflikt, während die Waldbrände näher rücken. Ein Gedicht von Heinrich Heine verleiht diesem hervorragend gespielten, von träger Leichtigkeit erfüllten Film poetische Tiefe. (Bianka Piringer) Aber: „Love’s gonna make us blind“, wie es die zweite Zeile des großartigen Songs verstehen will. Blind für das hier drinnen wartende Glück der Liebe selbst, blind für die da draußen wartende Katastrophe. Blind für den Zustand der Natur, der nicht mehr einfach als Erhabenheit abgebildet werden kann, wie es vielleicht die Romantik noch konnte, weil der Mensch dann erst begann, ihre Kraft gegen sie zu wenden. =================================== Nach "Undine" ist "Roter Himmel" der zweite Film Petzolds, in dem er sich mit der deutschen Romantik beschäftigt. Sein Stadium der Auseinandersetzung kennzeichnet auch, dass er Paula Beer mit "Der Asra" ein Gedicht von Heinrich Heine vorlesen lässt, der ja als einer der letzten Vertreter der Romantik und zugleich als Überwinder der Romantik gilt.
  • Donnerstag, 25. Mai 2023 - 19:00
    Aus der Sicht von drei interviewten Elternpaaren vermittelt der Film wesentliche Informationen darüber, was bei Geburten wirklich wichtig ist. Authentische Berichte, verständlich vorgetragenes Wissen von Expertlnnen und wichtige Hinweise zur Klinikgeburt machen den Film zu einer erstklassigen Informationsquelle für schwangere Frauen, Eltern, die ein weiteres Kind erwarten, Jugendliche und junge Erwachsene.
  • Freitag, 19. Mai 2023 - 20:30
    Der französische Komiker, Schauspieler und Filmemacher Dany Boon erlangte internationale Bekanntheit mit beschwingten, oft auf Slapstick setzenden Humorarbeiten wie „Willkommen bei den Sch’tis“. Dass er nicht nur den Clown geben, sondern auch ernste und leise Töne anschlagen kann, beweist er nun unter der Regie von Christian Carion in der Tragikomödie Im Taxi mit Madeleine. Was recht beschaulich und unverfänglich beginnt, bekommt auf einmal einen unerwartet abgründigen Dreh, ohne dass der Film vollends ins Schwermütige kippen würde. Die Balance zwischen bedrückenden und heiter-warmen Momenten gelingt – vor allem dank Boon und seiner stark aufspielenden Kollegin Line Renaud. (Christopher Diekhaus) =============================== Fazit: Eine Taxifahrt durch Paris als Rückblick auf ein ganzes Leben. Das funktioniert erstaunlich gut dank der beiden großartigen Darsteller Line Renaud und Dany Boon, die perfekt aufeinander eingespielt sind. Sie sorgen für eine beinahe heitere Stimmung in einem Film, in dem es um ein bewegendes Frauenschicksal geht. Eine so anrührende wie humorvolle Reise durch ein Menschenleben (Gaby Sikorski) =============================== Aus seinem vierten gemeinsamen Film mit dem großen französischen Altstar Line Renaud macht Dany Boon eine Hommage nicht nur an die 94-Jährige persönlich, sondern an ihre ganze Generation (Birgit Roschy)
  • Freitag, 12. Mai 2023 - 20:30
    Premiere für einen vergessenen Völkermord: Dieser Spielfilm ist der erste über das deutsche Kolonialreich – am Beispiel des Genozids an den Herero. Ihn bereitet Regisseur Lars Kraume bewundernswert differenziert auf; samt Sündenfall der Ethnologie für rassistische Ziele. (Kunst & Film) =================== Dass Deutschland seine Kolonialgeschichte auf dem afrikanischen Kontinent politisch, aber eben durchaus auch filmisch aufarbeitet, ist überfällig, und allein deswegen ist Lars Kraumes neuer Film wichtig. Auch dass die erschütternde Geschichte über den Genozid an den Herero und Nama aus Täterperspektive und mittels eines nicht zum Helden taugenden Protagonisten erzählt wird, ist die einzig richtige Herangehensweise. (EPD-Film) =================== Ein deutscher Ethnologe wird 1896 in Berlin mit einer Herero-Frau konfrontiert, die den Vorstellungen einer evolutionistischen Rassentheorie widerspricht. Als es wenig später in der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ zum Krieg kommt, lässt er sich im Dienst des Völkerkundemuseums in den Genozid an Herero und Nama verwickeln. Statt auf opulente Massenszenen setzt das historische Drama auf eine überschaubare Gruppe von Personen und verfolgt das Schicksal des Protagonisten, dessen Idealismus nicht nur keine Gräuel verhindert, sondern in mehreren Zeitsprüngen bis 1920 vollständig korrumpiert wird. (Filmdienst)
  • Donnerstag, 11. Mai 2023 - 19:30
    Im Jahr von Loriots 100. Geburtstag präsentieren Bettina und Susanne von Bülow zusammen mit Regisseur Peter Geyer LORIOTS GROSSE TRICKFILMREVUE. Für den Film wurden 31 geliebte Trickfilme, die ursprünglich für das Fernsehen gemachten wurden, im Sinne Loriots behutsam neu gezeichnet, zum Teil erstmals koloriert und ins Kinoformat übertragen. "Die Ente bleibt draußen!", "Der Hund kann gar nicht sprechen." Zwei Herren im Bad, ein sprechender Hund, die Tücken eines Fernsehabends oder ein zu hart gekochtes Frühstücksei. Die Figuren und Szenen aus Loriots Trickfilmen begleiten und erfreuen uns seit über fünf Jahrzehnten. LORIOTS GROSSE TRICKFILMREVUE präsentiert nun sein gesammeltes Trickfilmwerk in neuem Glanz, erstmals im Kino. Ein urkomischer Streifzug entlang von 31 geliebten Trickfilmklassikern, die jetzt in noch nie gesehener Brillanz auf der großen Leinwand neu erlebt werden können. Eine einzigartige Wiederbegegnung mit Loriot ===================================================== Zum 100. Geburtstag des deutschen Humoristen Vicco von Bülow alias Loriot (1923-2011) versammelt ein Kompilationsfilm 31 seiner gezeichneten Sketche, die überwiegend in den 1970er-Jahren für das Fernsehen entstanden. Die restaurierte und farbkorrigierte Zusammenstellung erlaubt Wiederbegegnungen wie Neubegegnungen mit Loriots einzigartigem Humor, der durch sein exaktes Timing und seine künstlerische Vielseitigkeit auch aus dem zeitlichen Abstand heraus noch begeistert. Die Eigenwilligkeit seiner Zeichnungen und die originellen, hintersinnigen, teils auch bissigen Inhalte beweisen zudem einen erstaunlich zeitlosen politischen Reiz. (Filmdienst)
  • Freitag, 05. Mai 2023 - 20:30
    Leidenschaft ist überbewertet – und hat mit Liebe erst recht nichts zu tun! Zumindest Charlotte (Sandrine Kiberlain) sieht das so. Legenden der Leidenschaft passen für sie nicht mehr ins 21. Jahrhundert – guter Sex ist schließlich auch ohne Gefühle möglich. Dementsprechend endet das erste Date mit dem verheirateten Familienvater Simon (Vincent Macaigne) bei ihr im Schlafzimmer. Der ist völlig baff. In 20 Jahren Ehe hat er sich zwar oft unverbindliche Affären ersehnt, aber nie die richtige Frau dafür getroffen – bis jetzt. Scheidungsdruck und ernstzunehmende Gefühle sind von der beziehungsverdrossenen Charlotte nicht zu befürchten. Die beiden schließen einen Pakt: Vergnügen erwünscht, Gefühle verboten. Nur solange es gutgeht. Denn die heimlich Liebenden sind nicht nur im Bett auf einer Wellenlänge, sondern lassen auch in innigen Gesprächen alle Hüllen fallen. Die gemeinsamen Stunden werden länger, die Abstände zwischen den Treffen kürzer. Schon bald müssen Charlotte und Simon einer unbequemen Wahrheit ins Auge blicken: Sie sind vielleicht mit der Leidenschaft fertig, die Leidenschaft aber noch nicht mit ihnen... Über die Kunst des Seitensprungs, das Ende der Leidenschaft und die wirklich wahre Dramaturgie der Liebe: Regisseur Emmanuel Mouret präsentiert mit TAGEBUCH EINER PARISER AFFÄRE eine Sprache der Liebe, wie sie witziger, romantischer und verspielter nicht sein könnte. Versehen mit kunstvoller Situationskomik und geschmückt in die schönsten Farben des Frühlings: der klügste und schönste Liebesfilm seit langem. ============== Keine Gefühle, nur Sex: Mit Witz und Romantik zeigt Emmanuel Mouret in seinem Liebesdrama den Versuch einer Affäre mit Ausschlussklausel – als alleinerziehende Mutter und verheirateter Familienvater brillieren Sandrine Kiberlain und Vincent Macaigne. (Kunst & Film) ============== Eine alleinerziehende Mutter und ein verheirateter Familienvater lassen sich auf eine Affäre ein, die keine Verpflichtungen beinhalten soll. Über mehrere Monate versuchen sie, ihrer Liaison zwischen Offenheit und Versteckspiel immer neue Impulse zu verschaffen. Auf Dauer aber lässt sich ihre hermetische Zweisamkeit nicht aufrechterhalten. Geschmeidige romantische Komödie mit geistreichen Dialogen und einem exzellenten Darstellerduo, das über viele kurze Sequenzen hinweg die Paardynamik abwechslungsreich und spannend hält. Der Film konzentriert sich auf die Hauptfiguren, stellt moralische Aspekte zurück und überlässt sich ganz seiner sympathischen Leichtigkeit. Elegante Liebeskomödie um eine abgeklärte Frau, die nicht an die Liebe glaubt, und einen verheirateten Familienvater, die miteinander eine Affäre eingehen, bei der tiefere Gefühle außen vor bleiben sollen. (Filmdienst) ============== Charlotte (Sandrine Kiberlain) und Simon (Vincent Macaigne) finden sich sehr modern und emotional aufgeräumt - sie beginnen eine Affäre, die beide nur bereichern soll, ohne Schaden für seine Ehe oder ihren Freiheitsdrang. Das geht selbstverständlich schief, weil Gefühle sich nicht aufräumen lassen. Emmanuel Mouret hat diese kleine Philosophie des Begehrens wunderbar geschrieben und inszeniert. Hier wird viel gequasselt, und manchmal ist das sehr komisch, gelegentlich einfach wahr: (Susan Vahabzadeh:– Süddeutsche Zeitung)
  • Mittwoch, 03. Mai 2023 - 19:30
    Zwei 13-jährige Jungen verbindet eine tiefe Freundschaft, die einen schweren Schlag erfährt, als sie auf die Oberschule kommen und mit ungekannten Fragen und Gerüchten über ihre Unzertrennlichkeit konfrontiert werden. Dies führt bei dem einen zur Flucht in die Lüge und (Selbst-)Verleugnung, bei dem anderen zum Rückzug in sich selbst und einem aggressiven Verhalten gegenüber seinem Freund. Erschütterndes Drama über das Zerbrechen einer engen Kinderfreundschaft in der Konfrontation mit der Gesellschaft an der Schwelle zur Pubertät. Vor allem im ersten Teil detailgenau und sehr eng an den sensibel gespielten Hauptfiguren, bietet der zweite Teil eher Schlaglichter einer Schockstarre angesichts eines Leids, das weder mit Worten noch mit Taten wiederaufgehoben werden kann. - Sehenswert ab 12.
  • Donnerstag, 27. April 2023 - 19:30
    Nach einem autobiografischen Bericht erzählt das packende Migrationsdrama, wie zwei schwimmbegeisterte Schwestern aus Damaskus 2015 vor dem Bürgerkrieg in Syrien über den Balkan nach Deutschland fliehen. In Berlin versucht die Jüngere, ihren Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro doch noch zu verwirklichen. Der chronologisch erzählte Film entwirft ein facettenreiches Porträt, in dem Werte wie Mut, Willensstärke, Zivilcourage und Emanzipation gefeiert werden. Einige Redundanzen werden durch überzeugende Darstellerleistungen und eine kraftvolle Bildsprache wettgemacht.
  • Freitag, 21. April 2023 - 20:30
    Eine junge britische Dokumentarfilmerin kann nicht verstehen, dass ihr pakistanisch-stämmiger Jugendfreund sich auf eine arrangierte Ehe einlassen will. Kurzentschlossen begleitet sie ihn nach Lahore, um seine traditionelle Eheschließung mit der Kamera zu dokumentieren. Die romantische Komödie folgt zwar den Versatzstücken des Genres, besitzt mit dem Themenkreis um Suchen und Finden der Liebe in unterschiedlichen Kulturen aber auch einen ganz eigenen Touch. Der Humor bewegt sich zwischen lautem Witz und leiser Ironie, wobei sich die beiden Hauptdarsteller geschickt die Bälle zuspielen.
  • Donnerstag, 20. April 2023 - 19:00
    Die kurze Liebesbegegnung zwischen einer französischen Filmschauspielerin und einem japanischen Architekten in der Stadt Hiroshima wird zur Rückerinnerung an das Kriegsende in Japan und in Frankreich sowie zu einer Reflexion über das Vergessen. Hiroshima ist dabei mehr als Schauplatz und Kulisse, sondern wirkt in einer furchtbaren Bedeutung als Ort des Atombombenabwurfs in ein differenziertes seelisches Geschehen hinein. Ein Film von bemerkenswerter Eigenart, mit großen psychologischen und künstlerischen Qualitäten, tief pessimistisch in seinem Menschenbild. – Sehenswert ab 16.
  • Freitag, 14. April 2023 - 20:00
    Steven Spielbergs Film DIE FABELMANS ist ein zutiefst persönliches Porträt einer amerikanischen Kindheit und zugleich eine cineastische Hommage an die (Familien-) Beziehungen, die das Leben und die Karriere des Filmemachers geprägt haben. Die Leidenschaft von Sam Fabelman (Gabriel LaBelle) ist das Filmemachen – ein Interesse, das seine kunstbegeisterte Mutter Mitzi (Michelle Williams) schätzt und fördert. Sams Vater Burt (Paul Dano) hingegen, ein erfolgreicher Ingenieur, befürwortet Sams Arbeit zwar, hält sie aber für nicht mehr als ein Hobby. Doch die Faszination für bewegte Bilder lässt den jungen Sam nicht mehr los. In immer aufwendigeren Filmproduktionen setzt der Nachwuchsregisseur seine Schwestern und Freunde in Szene. Doch als die Fabelmans umziehen und es zu Turbulenzen innerhalb der Familie kommt, muss sich Sam mehr denn je auf seine Liebe zum Kino und die Macht der Filme besinnen, um seine Träume nicht aus den Augen zu verlieren. =========================== Meisterlich verschränkt Spielberg biografisches Material mit den erprobten Ideen seines Kinos, um daraus virtuos rekontextualisierte Erinnerungsfantasien zu schmieden. Die Mischung aus persönlicher Note und ästhetischem Echo lässt den Film insbesondere fürs kenntnisreiche Publikum zur Entdeckungsreise werden: Mit einem Hauch von "Krieg der Welten", wenn Mutter Mitzi das Familienauto durch den Tornado manövriert, oder einer Spur "E.T.", wenn Sam und seine Pfadfinder-Freunde sich auf Fahrrädern ins Abenteuer stürzen. Die Selbstbezüge scheinen verdeutlichen zu wollen, wie sehr das Erleben dysfunktionaler Familienverhältnisse die Arbeiten des jungen Filmemachers geprägt hat. Vom entfremdeten Vater in "Unheimliche Begegnung der dritten Art" bis zum ewig ungebundenen Archäologen Indiana Jones lassen Spielbergs Helden ein Unbehagen gegenüber Verantwortung erkennbar werden, das augenscheinlich von den Erfahrungen mit der zerrütteten Ehe der Eltern des Regisseurs herrührt. ( Rajko Burchardt im Perlentaucher)
  • Freitag, 07. April 2023 - 20:00
    Die Position einer gefeierten Dirigentin, die als erste Chefdirigentin die Berliner Philharmoniker leitet, gerät während der Proben zur 5. Sinfonie von Gustav Mahler ins Wanken, weil nach dem Selbstmord einer ehemaligen Studentin Vorwürfe gegen sie wegen übergriffigen Verhaltens laut werden. In kühl-eleganten Bildern entwirft das um die schillernde, exzellent gespielte Frauenfigur konzipierte Drama ein vielschichtiges Porträt des Klassik-Musikbetriebs, in dem es um missbräuchliche Machtstrukturen und deren korrumpierende Wirkung, aber auch um kreative Prozesse und das Sich-in-Beziehung-Setzen von Musikern mit Kompositionen geht. – Sehenswert ab 16. ==================== Mit TÁR erzählt Regisseur, Autor und Produzent Todd Field die faszinierende Geschichte von Lydia Tár (Cate Blanchett), die als erste weibliche Chefdirigentin ein großes deutsches Orchester leitet. Lydia Tár (die zweifache Oscar®-Preisträgerin Cate Blanchett) hat es geschafft. Die begnadete Dirigentin hat sich in der von Männern dominierten klassischen Musikszene durchgesetzt und befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Mit ihrem Orchester plant sie eine mit Spannung erwartete Einspielung von Gustav Mahlers Fünfter Sinfonie. Doch während der Proben gerät die Welt der Star-Dirigentin immer mehr ins Wanken: Nicht nur die Beziehung mit ihrer Konzertmeisterin (Nina Hoss) gestaltet sich zunehmend kompliziert, auch frühere Lebensentscheidungen, Anschuldigungen und ihre eigenen Obsessionen drohen sie einzuholen. In den darauffolgenden Wochen entgleitet ihr die Kontrolle über ihr eigenes Leben immer mehr … TÁR zeichnet das Bild einer hochkomplexen Frauenfigur und gleichzeitig ein provokatives Porträt des klassischen Musikbetriebs. Außerdem sind in TÁR u.a. Noémie Merlant ("Porträt einer jungen Frau in Flammen"), Julian Glover ("Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück") und Mark Strong ("1917") zu sehen. Die Cellistin Sophie Kauer gibt in TÁR ihr Debüt als Schauspielerin. Cate Blanchett wurde für ihre Rolle in TÁR u.a. mit einem Golden Globe, dem BAFTA Award als "Beste Hauptdarstellerin" sowie Venedig 2022 Beste Darstellerin ("Coppa Volpi"),
  • Donnerstag, 06. April 2023 - 20:30
    Der Dokumentarfilm spielt an einer circa 210 Jahre alten und 17 Meter hohen Stieleiche, die im Wald von Sologne steht. Er begleitet den Baum und seine tierischen Bewohner während eines Kalenderjahres. An der Eiche leben Eichelhäher, Eichhörnchen, Eichelbohrer oder Kastanienbohrer, Waldmaus, Äskulapnatter, Buntspecht, Kleiber, Rotkehlchen, Kohlmeise und Blaumeise; in der Umgebung leben Wildschwein, Nutria, Reh, Hirsch, Fuchs, Wasserfrosch, Schleiereule und Habicht. Die Ereignisse werden nicht kommentiert, sondern zum Teil mit Musik unterlegt. ==================================== Die Dreharbeiten dauerten eineinhalb Jahre. Die Crew verbrachte rund 100 Tage in der Nähe des Baumes. Eine Verfolgungsjagd von Eichelhähern durch einen Habicht, die im Film 1 Minute und 20 Sekunden ausmacht, war das Ergebnis von 15 Tagen Arbeit. ============= In grandiosen Bildern voller Sinnlichkeit und Poesie erzählt die Doku DIE EICHE - MEIN ZUHAUSE mit atemberaubender Nähe die Geschichte eines Baumes und seiner tierischen Bewohner, wie Eichhörnchen, Eichelhäher und Co. Der Naturfilm gibt seltene Einblicke in eine wunderbar vibrierende Welt und kommt dabei ganz ohne Erzählstimme aus. "Was für ein Film! Unterhaltsam, spannend, rührend und lehrreich." ZDF heute journal
  • Montag, 03. April 2023 - 20:30
    Seit sich Thierry Hamelin aus den Berufsleben zurückgezogen hat und die Kinder aus dem Haus sind, hat er nur noch eine Obsession − tausende alte Familienfotos zu digitalisieren. Thierry ist von der Idee begeistert, seine Familie hingegen genervt. Alle haben ohnehin mit sich selbst genug zu tun: Die Tochter als überlastete Anwältin, der Sohn immer noch Suchend nach dem Weg im Leben. Ein Familienurlaub soll helfen... ======================================= Fazit: "Akropolis Bonjour" ist eine handwerklich gut gemachte französische Komödie, die Leichtigkeit mit durchaus ernsthaftem Interesse an den Figuren und ihren Problemen verbindet. Einige Lacher, Feelgood-Vibe und ein gutes Gespür für Zwischenmenschliches machen den Film zwar nicht außergewöhnlich, aber zu einem soliden Exemplar, das gute Unterhaltung bietet, ohne dabei in Kitsch oder Klamauk abzudriften. (Christian Klosz) ============================ Ein französischer Rentner und seine Familie unternehmen einen sentimentalen Ferientrip nach Griechenland, um an einen glücklichen Sommerurlaub im Jahre 1998 anzuknüpfen. Insgeheim will der Mann seine scheidungswillige Ehefrau auf dieser Reise wieder zurückerobern. Die kurzweilige Wohlfühlkomödie variiert versiert die erzählerischen Schablonen des romantischen Ferienfilms und streut einige originelle Gags in die kuriose Mischung aus Slapstick, temporeichen Dialogen und platten Witzen. Die recht vorhersehbare Dramaturgie wird durch ein spielfreudiges Ensemble aufgefangen.
  • Freitag, 31. März 2023 - 20:30
    Vor langer Zeit hat das Schicksal die Schwestern Marina (Elia Galera) und Anna (Eva Martín) voneinander getrennt. Ihre Kindheit verbrachten sie gemeinsam auf Mallorca, wo der Duft von Zitronenblüten die Luft erfüllt. Während Anna das Inselparadies nie verlassen hat, ist Marina als Ärztin um die Welt gereist. Doch als eine unbekannte Wohltäterin den Schwestern ihre Bäckerei vermacht, muss Marina in ihre Heimat zurückkehren. Das Anwesen soll verkauft werden. Anna hofft so, ihre Schulden loszuwerden – und ihren untreuen Ehemann gleich mit! Marina plant indessen einen Neuanfang. Neben Adoptionsstress und Verlobungsversprechen steht vor allem das lange aufgeschobene Wiedersehen mit ihrer Schwester auf dem Plan. Der Zauber der kleinen Bäckerei hält, was er verspricht: Während sie den wahren Gründen für ihre mysteriöse Erbschaft nachspüren, kommen Marina und Anna sich wieder näher... und schon bald weht der süße Geruch von frischgebackenem Brot durch die Straßen, der alte Geheimnisse aufwirbelt und den Sommer für die beiden Schwestern zu einer unvergesslichen Reise in die Vergangenheit werden lässt.
  • Freitag, 24. März 2023 - 20:30
    Ein verwitweter Rentner schikaniert in einer Reihenhaussiedlung von Pittsburgh seine Nachbarn. Just in dem Moment, als er sich wegen seiner Einsamkeit das Leben nehmen will, zieht gegenüber eine mexikanische Familie ein. Der neuen Nachbarin gelingt es mit viel Charme und Hartnäckigkeit, den Gefühlspanzer des grantigen alten Mannes aufzubrechen. Unterhaltsames Remake des schwedischen Films „Ein Mann namens Ove“ (2015), das weniger kratzbürstig und doppelbödig ausfällt, aber mit einem glänzenden Hauptdarsteller und einer temperamentvollen Gegenspielerin punkten kann.
  • Donnerstag, 23. März 2023 - 19:30
    Von der Hamburger Punkszene ins Zentrum des globalen Kunstmarkts: Daniel Richter ist einer der höchstbezahlten deutschen Maler. Die Cinemascope-Doku von Regisseur Pepe Danquart beobachtet geduldig im Atelier und in der Außenwelt, wie ein großformatiger Gemäldezyklus entsteht. Wofür ist Malerei in Zeiten der Digitalisierung eigentlich noch gut? Was unterscheidet ein gutes Bild von einem schlechten – jenseits des persönlichen Geschmacks? Und wie verhält sich ein Maler mit gegenkultureller Punk-Vergangenheit auf dem durch und durch von Geld bestimmten Parkett des globalen Kunstmarkts? Um solchen Fragen auf den Grund zu gehen, hat Regisseur Pepe Danquart drei Jahre lang Daniel Richter begleitet. Dabei entstand ein Film, der mehr sein will als ein bloßes Künstlerporträt oder eine Hommage. (Holger Heiland – Kunst & Film) ================================= Pepe Danquart porträtiert einen der bedeutendsten Maler der Gegenwart auf eine Weise, die die Sinnhaftigkeit abstrakter Malerei und deren gesellschaftliche Funktion deutlich macht ( Ulrich Sonnenschein – EPD-Film)
  • Freitag, 17. März 2023 - 20:00
    In den 1820er-Jahren sucht ein junger Dichter aus der französischen Provinz den Erfolg in Paris. Seine ersten Erfahrungen sind enttäuschend, bis er mit scharf geschriebenen Kritiken als Journalist zu Ruhm gelangt. Indem er sich immer mehr dem käuflichen gesellschaftlichen System verschreibt, verliert er jedoch seine Integrität als Künstler und erliegt seinem eigenen Ehrgeiz wie auch missgünstigen Gegenspielern. Die kongeniale Adaption des gleichnamigen Gesellschaftsromans von Honoré de Balzac überträgt dessen Wirkungskraft auf die Leinwand, betont aber zugleich dessen universelle Elemente. Das intelligente Drehbuch, formale Meisterschaft und versierte Darsteller verleihen dem Film eine außergewöhnliche Lebendigkeit, Dichte und Aussagekraft. - Sehenswert ab 14. ======================================================= Frankreich im 19. Jahrhundert: Der junge und hoffnungsvolle Lucien (Benjamin Voisin) widmet seine ganze Leidenschaft der Dichtkunst. Doch in der heimatlichen Provinz, umringt von seiner Arbeiterfamilie, ist sein Talent nutzlos. Die Chance der ländlichen Enge zu entkommen, bietet sich, als seine heimliche Geliebte Louise (Cécile de France) nach Paris geht. Er verlässt Hals über Kopf die familiäre Druckerei und versucht fortan an der Seite seiner Geliebten, die auch seine Mäzenin ist, in der märchenumwobenen Stadt Paris Fuß zu fassen und in der Gesellschaft aufzusteigen. In den Intellektuellenkreisen von Paris fällt sein Talent auf fruchtbaren Boden. Lucien erhält Anerkennung, Geld und Macht. Der windige Chefredakteur einer auflagenstarken Zeitung, Étienne Lousteau (Vincent Lacoste), bringt ihn in die richtigen Kreise. Schnell avanciert Lucien zur „Edelfeder“ des Blattes, seine Theaterrezensionen sind gefürchtet. Sogar der wichtigste Verleger der Stadt, Dauriat (Gérard Depardieu), umgarnt den Schriftsteller, um sein erstes Buch herauszubringen. Doch der Erfolg provoziert Neid und Missgunst. Als sich Lucien in die bildschöne Schauspielerin Coralie (Salomé Dewaels) verliebt, wendet sich das Blatt: ein Rückschlag folgt dem anderen und hinter den Kulissen offenbaren sich ihm die wahren Mechanismen der gesellschaftlichen Macht: Profit, Schein und Fake News. Die anfängliche Naivität ist bald verflogen und Lucien lernt schnell, dass das Leben in Paris einer menschlichen Komödie gleicht, in der einfach alles und jeder käuflich ist, solange man weiß, welche Stricke man im Hintergrund ziehen muss und über entsprechende Zahlungsmittel verfügt. Lucien durchläuft eine bittere Schule des Lebens und muss sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Basiert auf dem Roman "Illusions perdues" von Honoré de Balzac. Mit insgesamt 7 Awards ist VERLORENE ILLUSIONEN von Xavier Giannoli der große Gewinner der diesjährigen Césars: Bester Film; Bester Nebendarsteller (Vincent Lacoste); Bester Nachwuchsdarsteller (Benjamin Voisin); Bestes adaptiertes Drehbuch; Bestes Szenenbild; Beste Kostüme und Beste Kamera.
  • Freitag, 10. März 2023 - 20:30
    Martin McDonagh (Regisseur von "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri") erzählt in der einzigartigen Landschaft der irischen Árainn Islands eine märchenhafte Fabel über Freundschaft, Verrat und Einsamkeit. . ============================= Golden Globe für die beste Komödie/Drehbuch/Hauptdarsteller – insgesamt 127 Filmpreise plus 329 Nominierungen.
  • Donnerstag, 09. März 2023 - 19:30
    Kategorien: Archiv, mindjazz, 2023
    Acht Berichte von Frauen zwischen 30 und 75 Jahren, die alle um ihre Erfahrungen mit der Mutterschaft kreisen, sind die Grundlage eines konzeptkünstlerischen Dokumentarfilms. Die Schauspielerin Anke Engelke bewegt zu den Texten in wechselnden Kostümierungen und an unterschiedlichen Orten die Lippen, sodass zwischen Text und Situation immer wieder eine Reibung aus der Gleichzeitigkeit von Kongruenz und Kontrast entsteht. Durch die inhärente Theater-Metapher vermittelt der Film zudem plastisch, dass das Thema Mutterschaft wie kaum ein anderes im Rampenlicht gesellschaftlicher Diskurse steht und zugleich im Verborgenen stattfindet. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 03. März 2023 - 20:30
    Wenige Monate vor dem Amtsantritt von Ronald Reagan freundet sich der jüngste Sohn einer jüdischen Mittelstandsfamilie in Queens mit einem schwarzen Jungen aus seiner Schule an. Die Regelverstöße der Freunde offenbaren aber bald, wie Rassismus und Privilegien die Kinder in völlig unterschiedliche gesellschaftliche Sphären verorten. Das autobiografische Familiendrama erzählt von den Dualitäten und Komplexitäten, die eine jüdische Familie innerhalb der sozialen Verwerfungen der 1980er-Jahre erlebt. Dabei gibt der Film nie die Perspektive eines Jungen auf, der sich vergeblich gegen die unverständlichen und ungerechten Strukturen zu wehren versucht. - Sehenswert ab 14. ============================================= Mit ZEITEN DES UMBRUCHS präsentiert Regisseur James Gray ("Ad Astra – Zu den Sternen") ein zutiefst persönliches Coming-of-Age-Drama über Familie, Freundschaft und die für Viele aussichtslose Suche nach dem amerikanischen Traum. New York im Spätsommer 1980: Paul (Banks Repeta) ist das jüngste Mitglied einer gut situierten jüdischen Familie. Doch zwischen seiner viel beschäftigten Mutter Esther (Anne Hathaway), seinem bemühten, aber strengen Vater Irving (Jeremy Strong) und seinem streitsüchtigen Bruder Ted (Ryan Sell) fühlt er sich oft einsam und verloren. Allein sein liebevoller Großvater Aaron (Anthony Hopkins) scheint ihn wirklich zu verstehen und seine Interessen zu fördern. Zu Beginn des neuen Schuljahres lernt Paul den Schwarzen Jonathan (Jaylin Webb) kennen, einen "Sitzenbleiber", der in ärmlichen Verhältnissen bei seiner kranken Großmutter lebt. Er freundet sich mit dem älteren Jungen an, der allen Problemen zum Trotz fest an Werte wie Ehrlichkeit und Loyalität glaubt. Doch es dauert nicht lange, bis Paul immer mehr bewußt wird, dass nicht jeder in dieser Welt die gleichen Chancen hat. Bei seiner Weltpremiere auf den Filmfestspielen in Cannes erhielt James Grays teils autobiografisches Drama stehende Ovationen. ZEITEN DES UMBRUCHS erzählt sensibel vom Aufwachsen im Amerika Anfang der 80er Jahre – einem Amerika, das geprägt ist von allgegenwärtigem Rassismus, elitären Machtgefügen und tiefgreifenden Vorurteilen. Dabei zeigt der Film ein ungleiches System auf, in dem nicht alle Menschen gleichberechtigt behandelt werden.
  • Donnerstag, 02. März 2023 - 19:30
    Visuell bestechender Dokumentarfilm über Vögel und zwei Menschen, die sich ganz ihrem Schutz und der Faszination für die gefiederten Wesen verschrieben haben. ========= Es ist höchste Zeit: In den letzten 60 Jahren hat Deutschland fast die Hälfte seiner Vögel verloren. Trotzdem ist für uns kein Tier so allgegenwärtig. Es gibt unzählige Arten von Vögeln, überall sind sie zu finden, nicht zu überhören, auffallend – und oft auffallend schön. Sie sitzen in Hecken und Bäumen, auf Dächern und Balkonen. Doch während der Himmel für sie keine Grenzen hat, wird ihr Lebensraum auf der Erde knapp. VOGELPERSPEKTIVEN betrachtet das vielfältige Vogelleben in faszinierenden Bildern und zeigt, wie wichtig Vögel für die Erde, den Kreislauf der Natur und deshalb auch für die Menschheit sind. Wir machen uns auf zu einer emotionalen und inspirierenden Erkundungsreise und erleben Arten- und Naturschutz in Aktion.
  • Freitag, 24. Februar 2023 - 20:30
    Lyrischer Film über ein elfjähriges Mädchen und seinen Vater, die gemeinsam einen Sommerurlaub erleben, in den sich nach und nach Irritationsmomente einschleichen.============= Wikipedia: Aftersun ist ein Film von Charlotte Wells aus dem Jahr 2022. Rückblickend erinnert sich eine Erwachsene, wie sie als elfjähriges Mädchen die Sommerferien mit ihrem jungen Vater an einem türkischen Badeort verbrachte. In ihrem Spielfilmdebüt verbindet Wells Camcorder-Aufnahmen mit realen und imaginären Erinnerungen. Die Hauptrollen übernahmen Paul Mescal und Frankie Corio. Aftersun wurde vielfach ausgezeichnet und gewann Kritikerumfragen für den besten Film beziehungsweise Debütfilm des Jahres. Hauptdarsteller Mescal wurde außerdem eine Oscar-Nominierung zuerkannt.
  • Donnerstag, 23. Februar 2023 - 19:30
    Das dokumentarische Essay greift ein fragmentarisches Buchprojekt des Schriftstellers Roger Willemsen auf und führt dessen „Zukunftsrede“ über Erkenntnismangel und Erfahrungslosigkeit der Gegenwart mit Beiträgen von sechs Wissenschaftlern und Forscherinnen fort, die das Thema Klimawandel aus unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven umkreisen.
  • Dienstag, 21. Februar 2023 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Frankreich, Piffl, Scope
    Eine talentierte französische Köchin, die seit ihrer Kindheit von einem eigenen Restaurant träumt, verdingt sich aus finanzieller Not als Kantinenchefin in einem Heim für unbegleitete Migranten. Aus den lernbereiten Jugendlichen formt sie nach und nach eine schlagkräftige Küchenbrigade. Eine kurzweilige, an ein reales Vorbild angelehnte Feel-Good-Sozialdramödie, die auf eine Mischung aus jungen, spielfreudigen Migranten und professionellen Darstellern setzt und geschickt die Balance zwischen gesellschaftskritischen Tönen und sanfter Komik wahrt. - Sehenswert ab 14. (Filmdienst)
  • Dienstag, 21. Februar 2023 - 19:30
    In den 1870er-Jahren wird das Uhrmacherstädtchen Saint Imier im schweizerischen Jura zum Zentrum des Anarchismus. Unter anderem kreuzen sich die Wege von Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, einem russischen Geographen, und einer Arbeiterin in einer Uhrenfabrik, die sich bald einer anarchistischen Arbeiterbewegung anschließt. Mit einem ausgefeilten Bildkonzept, das auf Dezentralisierung setzt, geht der Film den Verbindungen von Uhrenarbeit, Anarchismus, Fotografie und globaler Kommunikation nach. Die außergewöhnliche Inszenierung fängt dabei ein historisches Moment ein, in dem die Welt noch offen war für alternative Konzepte von Arbeit und Zeit. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 17. Februar 2023 - 20:30
    Maria (die wie immer wunderbare Karin Viard) muss einen beruflichen Neuanfang starten. Als Reinigungskraft in der Pariser Académie des Beaux-Arts öffnet sich ihr die Welt der Kunst, die neue Lebensfreude entfacht. Eine Berührende und inspirierende, französische Feelgood-Komödie über Sehnsüchte, geheime Leidenschaften und neue Anfänge. ================== Fazit: "Maria träumt" ist ein kunstvoller Film über Kunst; über die darstellende Kunst, die Kunst des Lebens und die Kunst der Liebe. Liebevoll geschrieben, fabelhaft gespielt und ironisch erzählt, ist dem vom Schauspiel kommenden Regieduo Lauriane Escaffre und Yvo Muller die bislang beste Wohlfühlkomödie des noch jungen Jahres geglückt. Kunstkennern wie Kunstbanausen gleichermaßen zu empfehlen! (Falk Straub) ================== Fazit „Maria träumt“ ist eine charmante und sympathische Liebeskomödie um eine Putzfrau und einen Hausmann, die sich in einer Kunstakademie kennenlernen. Das ist unterhaltsam und zudem ein positiver Appell, immer offen für Neues zu bleiben. (Oliver Armknecht)
  • Donnerstag, 16. Februar 2023 - 19:30
    Der Film "Dancing Pina" zeigt, wie junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt die Werke der legendären Choreografin neu entdecken. ============================ Zwei unterschiedliche Tanzensembles studieren frühe Arbeiten der 2009 verstorbenen Choreografin Pina Bausch ein, „Iphigenie auf Tauris“ an der Semperoper in Dresden, „Le Sacre du Printemps“ an einer Tanzakademie in Senegal. Die Kamera macht den Tanz als grafisches Ereignis sichtbar, während die Montage in ihrem gemessenen und unprätentiösen Rhythmus selbst an Bauschs Choreografien erinnert. Spannung gewinnt der Film dabei vor allem aus den Bewegungen selbst, ihrem Pendeln zwischen Versuch, Gelingen und Scheitern, zwischen Einzelkampf und orchestriertem Ganzen. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 10. Februar 2023 - 20:30
    SHE SAID, der neue Film von Emmy-Gewinnerin Maria Schrader ("Ich bin dein Mensch", "Vor der Morgenröte"), erzählt vom riskanten Weg zweier Journalistinnen, die 2017 im Zuge der Weinstein-Affäre den weitreichenden Machtmissbrauch gegenüber Frauen im US-amerikanischen Filmgeschäft aufdeckten und die #MeToo-Bewegung ins Rollen brachten. Megan Twohey und Jodi Kantor brechen das große Schweigen in Hollywood: Sie entlarven Business-Meetings in Hotelzimmern als sexuelle Übergriffe und stoßen auf ein Netz aus Repression, Erpressung und Angst. Mit ihrer mutigen Recherche geben sie nicht nur den betroffenen Frauen ihre Stimme zurück, sondern stoßen eine weltweite Welle der Solidarität an. Die zweifach Oscar®-Nominierte Carey Mulligan und Zoe Kazan verkörpern die New-York-Times-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor, die mit ihrer Reportage, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, die amerikanische Gesellschaft unwiderruflich veränderten. SHE SAID ist ein Beweis für die Macht des investigativen Journalismus und ein Zeugnis für die hartnäckige Suche von Reporter*innen und Redakteur*innen nach der Wahrheit. Es ist eine der wichtigsten Geschichten einer Generation, erzählt von mutigen Frauen, die sich trotz großer persönlicher Risiken dazu entschlossen, sich zu wehren. Die deutsche Regisseurin Maria Schrader legt mit SHE SAID ihre erste Hollywood-Arbeit vor. Sie wurde bereits für ihre Serie "Unorthodox" mit dem Emmy prämiert. Das Drehbuch stammt von Oscar®-Gewinnerin Rebecca Lenkiewicz ("Ida"). Als Vorlage dienten den Oscar®-prämierten Produzenten die Recherchen von Jodi Kantor, Megan Twohey und Rebecca Corbett für die New York Times und der New-York-Times-Bestseller „She Said: Breaking the Sexual Harassment Story That Helped Ignite a Movement“ von Jodi Kantor und Megan Twohey.
  •   Dienstag, 07. Februar 2023 - 19:30 bis Dienstag, 07. Februar 2023 - 20:30
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Gesellschaft fuer Christlich-Juedische Zusammenarbeit e.V. Celle, Kooperation, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Theater, Freie Buehne Wendland, 2023, NS
    Dokumentarisches Theater auf der Basis belegter Quellen: Was war da los im Wendland vor bald einhundert Jahren? Wer war das „der Judeheinzi“, seine Mutter Ottilie Mansfeld, der Großvater Siegmund und die vielen anderen? Wohin sind sie verschwunden? Noch immer gibt es Spuren dieser Lüchower Familie. Hermine Katz stöbert sie auf, auf den Dachböden unserer Häuser, in Erinnerungen in Archiven…
  • Freitag, 03. Februar 2023 - 20:30
    Für ein Mädchen, das behütet in einem Dorf im Westerwald bei seiner Großmutter aufwächst, ändert sich das Leben an jenem Tag, nachdem seine Oma von einem Okapi geträumt hat. Jahre später verliebt sie sich als junge Frau, trägt aber die Last der Vergangenheit weiter in sich. Um diese Kerngeschichte herum drapiert die Romanverfilmung zahlreiche schrullige Figuren und entfaltet dank einer sorgsamen Inszenierung kongenial die Balance aus Ironie und Intimität. Mit pointierten Dialogen und sparsamer Musikuntermalung demonstriert der Film, wie ungeschönt und schwerelos sich von Tod und Liebe erzählen lässt. – Sehenswert ab 14.
  • Montag, 30. Januar 2023 - 19:30
    Am Beispiel von fünf Aktivistinnen und Aktivisten aus den USA, Chile, Deutschland und Südafrika beschwört ein Dokumentarfilm die Bedeutung des aktiven Widerstands gegen Unrecht. In einer Mischung aus Agitprop und historischer Dokumentation will er aufrütteln und Mut machen, für die Ideale und Visionen einer besseren Welt zu kämpfen. Dabei steigert sich der Pamphletcharakter und befeuert die Lösung gegenwärtiger Probleme durch Rebellion, Kampf und Revolte. Auch wenn der Film nur knapp an der direkten Aufforderung zur Gewalt vorbeischrammt, gelingt es ihm doch, einen Diskurs über Ideen und Chancen für künftige Veränderungen zu eröffnen.
  • Freitag, 27. Januar 2023 - 20:00
    In den 1820er-Jahren sucht ein junger Dichter aus der französischen Provinz den Erfolg in Paris. Seine ersten Erfahrungen sind enttäuschend, bis er mit scharf geschriebenen Kritiken als Journalist zu Ruhm gelangt. Indem er sich immer mehr dem käuflichen gesellschaftlichen System verschreibt, verliert er jedoch seine Integrität als Künstler und erliegt seinem eigenen Ehrgeiz wie auch missgünstigen Gegenspielern. Die kongeniale Adaption des gleichnamigen Gesellschaftsromans von Honoré de Balzac überträgt dessen Wirkungskraft auf die Leinwand, betont aber zugleich dessen universelle Elemente. Das intelligente Drehbuch, formale Meisterschaft und versierte Darsteller verleihen dem Film eine außergewöhnliche Lebendigkeit, Dichte und Aussagekraft. - Sehenswert ab 14. ======================================================= Frankreich im 19. Jahrhundert: Der junge und hoffnungsvolle Lucien (Benjamin Voisin) widmet seine ganze Leidenschaft der Dichtkunst. Doch in der heimatlichen Provinz, umringt von seiner Arbeiterfamilie, ist sein Talent nutzlos. Die Chance der ländlichen Enge zu entkommen, bietet sich, als seine heimliche Geliebte Louise (Cécile de France) nach Paris geht. Er verlässt Hals über Kopf die familiäre Druckerei und versucht fortan an der Seite seiner Geliebten, die auch seine Mäzenin ist, in der märchenumwobenen Stadt Paris Fuß zu fassen und in der Gesellschaft aufzusteigen. In den Intellektuellenkreisen von Paris fällt sein Talent auf fruchtbaren Boden. Lucien erhält Anerkennung, Geld und Macht. Der windige Chefredakteur einer auflagenstarken Zeitung, Étienne Lousteau (Vincent Lacoste), bringt ihn in die richtigen Kreise. Schnell avanciert Lucien zur „Edelfeder“ des Blattes, seine Theaterrezensionen sind gefürchtet. Sogar der wichtigste Verleger der Stadt, Dauriat (Gérard Depardieu), umgarnt den Schriftsteller, um sein erstes Buch herauszubringen. Doch der Erfolg provoziert Neid und Missgunst. Als sich Lucien in die bildschöne Schauspielerin Coralie (Salomé Dewaels) verliebt, wendet sich das Blatt: ein Rückschlag folgt dem anderen und hinter den Kulissen offenbaren sich ihm die wahren Mechanismen der gesellschaftlichen Macht: Profit, Schein und Fake News. Die anfängliche Naivität ist bald verflogen und Lucien lernt schnell, dass das Leben in Paris einer menschlichen Komödie gleicht, in der einfach alles und jeder käuflich ist, solange man weiß, welche Stricke man im Hintergrund ziehen muss und über entsprechende Zahlungsmittel verfügt. Lucien durchläuft eine bittere Schule des Lebens und muss sich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Basiert auf dem Roman "Illusions perdues" von Honoré de Balzac. Mit insgesamt 7 Awards ist VERLORENE ILLUSIONEN von Xavier Giannoli der große Gewinner der diesjährigen Césars: Bester Film; Bester Nebendarsteller (Vincent Lacoste); Bester Nachwuchsdarsteller (Benjamin Voisin); Bestes adaptiertes Drehbuch; Bestes Szenenbild; Beste Kostüme und Beste Kamera.
  • Freitag, 20. Januar 2023 - 20:30
    Ein arbeitsloser Schauspieler übernimmt einen Theaterkurs für Gefängnishäftlinge. Diese präsentieren sich erst wenig motiviert, bis der neue Kursleiter „Warten auf Godot“ mit ihnen einstudiert, mit dessen Plot um die Absurdität des Daseins sie sich identifizieren können. Was als Gefängnisprojekt beginnt, bringt der Truppe auch Einladungen an renommierte Bühnen ein, doch droht ihr der Erfolg bald zu Kopf zu steigen. Eine optimistisch-warmherzige, bodenständig bleibende Komödie mit sorgfältig gezeichneten rauen Figuren. Der aus der Reibung der Charaktere entstehende Wortwitz begeistert ebenso wie die enthusiastische Leidenschaft fürs Theaterspiel. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 13. Januar 2023 - 20:30
    Kategorien: Archiv, Flat, 2023
    Im nächtlichen Leipzig ereignen sich parallel zueinander und teilweise überlagernd drei Geschichten um vorsichtige Annäherungen: zwei ältere Frauen knüpfen in einer Bahnhofskneipe Kontakt zueinander, ein Wachmann und eine Geflüchtete aus der Ukraine werden zu Vertrauten, ein Imbissbesitzer und eine zum Islam Konvertierte lernen einander kennen. Allen Erzählungen des Films gemeinsam sind eine bezwingende Poesie, die aus dem Abenteuer des Alltäglichen erwächst, Offenheit für Figuren mit nicht geradlinig verlaufender Vergangenheit und erfrischend klischeefreie Milieudarstellungen. Getragen von einem herausragenden Ensemble entsteht ein kleines Filmwunder in einem traumsicher gehaltenen Schwebezustand. (Filmdienst) ================================================ Es sind leise Begegnungen am Rande der Stadt, die abseits der Großstadtlichter Leipzigs die Schwere des Alltags für einen Moment vergessen lassen. Nacht für Nacht kehren die Unscheinbaren an die Orte ihrer Sehnsucht zurück: Imbissbesitzer Jens verliebt sich bei der nächtlichen Zigarette im Treppenhaus in seine Nachbarin Aischa, während Wachmann Erik auf seinem Routine-Rundgang durch das Ausländerwohnheim Gefühle für die junge Marika entwickelt. Auch Reinigungskraft Christa sucht nach Ende ihrer Schicht Trost an der Seite von Friseurin Birgitt. Drei Geschichten, ein gemeinsamer Wunsch: ein Funken Liebe, ein Hauch von Zuneigung und das Gefühl der Geborgenheit.  Regisseur Thomas Stuber ("In den Gängen") verfilmte basierend auf Clemens Meyers gleichnamigem Erzählband "Die stillen Trabanten" drei ausgewählte Kurzgeschichten und beweist, dass das große Glück in den kleinsten Momenten verborgen liegt. Martina Gedeck, Nastassja Kinski, Albrecht Schuch, Lilith Stangenberg, Peter Kurth und Charly Hübner führen den eindrucksvollen Cast des melancholischen Episodenfilms an. Genau der richtige Film für die Weihnachtszeit. "Es ist nicht einfach, »einfache« Menschen zu zeichnen (und zu spielen!), doch Stuber und Meyer gelingt das mit Bravour. Und nach diesem Film wissen wir, dass auch Malocher Träume und Visionen haben und eigentlich ganz zarte Menschen sind. Schon allein das macht »Die stillen Trabanten« zu einem kleinen Juwel." (epd-film)
  • Freitag, 06. Januar 2023 - 15:30
    Sara wird die perfekte Wohnung angeboten: geräumig, sehr hell, luxuriös und so preiswert. Es gibt nur ein Problem: Sie kann erst einziehen, wenn die derzeitige Besitzerin, die ältere Lola, stirbt. ======================= Eine Geschäftsfrau, die eine Trennung von ihrem Mann erwägt, findet in Sevilla eine sehr günstige Wohnung. Der Haken daran ist, dass die alte Besitzerin nach dem Verkauf bis zu ihrem Tod dort wohnen bleiben will. Die beiden charakterlich sehr unterschiedlichen Frauen reiben sich anfangs aneinander, kommen einander aber zusehends doch näher. In den Hauptrollen ausgezeichnet gespielte Tragikomödie, die mit feiner Melancholie von Wohnungsnot, Existenzängsten in Wirtschaftskrise und Leistungsgesellschaft, Einsamkeit und Vereinzelung erzählt. Der Schauplatz Sevilla erscheint dabei realistisch und ohne pittoreske Klischees. ======================= Der Verfilmung des Theaterstücks »100 m²« sieht man seinen Ursprung zwar noch an, doch die scharfen Dialoge zwischen zwei Frauen aus zwei Generationen verfangen ebenso auf der Leinwand wie auf der Bühne.
  • Freitag, 16. Dezember 2022 - 20:30
    Filme wie „See How They Run“ gibt es viel zu selten. Solche, die ein gewisses, altmodisches Flair haben. Deren Figuren Seele haben, die im Umgang miteinander einfach spritzig sind. Ja, auch Who-done-it-Krimis, bei denen man miträtseln kann, wer der Killer ist. Hier geht es um einen Mord, der nach einem Theaterstück stattfindet. Die Ermittlung führen ein altgedienter Polizist und eine Anfängerin, die gerne zu vorschnellen Schlüssen kommt. Das ist amüsant, zum Schmunzeln, und einfach grandios gespielt. (Programmkino.de)
  • Donnerstag, 15. Dezember 2022 - 19:00
    Philosophisches Kino heißt: Vortrag durch Dr. Achim Sohns, der die philosophische Struktur des Films offenlegt – Film sehen – Film diskutieren (Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.). ================================================== Was bedeutet es für das menschliche Selbstbewusstsein, seine Selbstwahrnehmung, wenn sich Maschinen in selbstreferentiellen Prozessen autonom entwickeln, anfangen autonom mit ihm zu kommunizieren, und wenn Menschen künstliche von Maschinen oder rein gentechnisch gefertigte Bestandteile, Maschinenteile, in sich tragen? Wird der emphatische Homo ludens, der spielende Mensch, überflüssig oder bilden die neuen Verbindungen eine neue Realität und Qualität? ================================================== "Ich bin dein Mensch" behandelt die Frage, ob sich ein Mensch in eine Künstliche Intelligenz verlieben kann. Philosophisch: Wie weit die allgegenwärtigen neuen Techniken das alltägliche Empfinden der Menschen durchdringen und verändern werden. ================================================== Eine ebenso intelligente wie sarkastische Archäologin aus Berlin wird ausgewählt, um drei Wochen lang mit einem humanoiden Roboter zusammenzuleben, der als ihr idealer Partner programmiert wurde. Sie soll beurteilen, ob Maschinenwesen künftig Bürgerrechte erhalten können. Ein ebenso stiller wie feinsinniger Science-Fiction-Film mit leisem Humor. Mit einer sorgfältigen, auf kleinste Gesten, Blicke, Körperhaltungen und Sätze konzentrierten Inszenierung kreist er um die Frage, wo die Grenze zwischen Mensch und Maschine verläuft und findet unerwartete Antworten.
  • Freitag, 09. Dezember 2022 - 20:30
    Ausschlafen möchte er, Fahrrad fahren und vegan leben. Das sind die Pläne des Neu-Pensionärs Peter (Stefan Kurt), seine Frau kommt darin leider nicht vor: Alice (Esther Gemsch) hat andere Träume, sie möchte endlich etwas erleben, ausgehen und die Welt erkunden. Die beiden Mittsechziger aus der Zürcher Mittelschicht sind seit Ewigkeiten verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder, ausgerechnet im Ruhestand wird es aber unruhig. Während er seinen besten Kumpel mit auf eine romantische Kreuzfahrt nimmt, tanzt sie alleine zu Siebzigerjahre-Discohits. Als es zur Aussprache kommt und er einen ehelichen Nichtangriffspakt schließen will, sagt sie: "Ich will aber nicht in Ruhe gelassen werden!" (Süddeutsche Zeitung) =========================== Als Zuschauer ist man blendend unterhalten, weil man sich wiedersieht in den Figuren, egal wie alt man selbst sein mag. (Blickpunkt:Film)
  • Donnerstag, 08. Dezember 2022 - 19:30
    Kurz vor Kriegsende 1945 werden ein elfjähriger Junge und seine Mutter in München ausgebombt und fliehen in deren niederbayerisches Heimatdorf. Doch auch dort holt sie der Krieg ein und konfrontiert sie mit einer Gemeinschaft, bei der schon die Kinder die Mechanismen von Ausgrenzung und Ausschluss verinnerlicht haben. Ein eindringliches, authentisches Porträt von Enge und Versuchung, das aus kindlicher Perspektive die Gründe zeigt, warum die Hauptfigur ihren Weg in der Anpassung sucht, bis sie mit einer Gewissensfrage konfrontiert wird.
  • Dienstag, 06. Dezember 2022 - 19:30
    Packendes Migrationsdrama über einen jungen Schwarzen aus Ghana, der es in Europa zu Wohlstand und Ansehen bringen will: Die zwei Brüder Kojo (Eugene Boateng) und Kofi (Jude Arnold Kurankyi) wachsen auf der Elektroschrott-Müllhalde Agbogbloshie in Ghanas Hauptstadt Accra auf. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie im Betrieb ihres Vaters (Adjetey Anang) mit dem Sammeln von Metallen, die sie aus westlichem Elektroschrott gewinnen. Eines Tages macht Kojo eine Begegnung mit einem Borga (Elikem Kumordzie) aus Deutschland, die sein Leben für immer verändern wird. Als sich 10 Jahre später die Chance ergibt, selber nach Deutschland zu gehen, zerreißt das Familienband und für Kojo beginnt eine fünfjährige Irrfahrt über die Kontinente. In Deutschland angekommen bemerkt er schnell, dass sein Traum nur ein Mythos ist. Er wird nicht mit offenen Armen empfangen. Aber eine Rückkehr kommt nicht in Frage! Sein Lichtblick ist Lina (Christiane Paul), doch auch bei ihr versucht er das Bild zu erfüllen, von dem er denkt, dass es alle von ihm erwarten – das Bild des Borgas. Das ghanaische Wort Borga hat seinen Ursprung in dem deutschen Wort Hamburg. Es bedeutet so viel wie „Der reiche Onkel aus dem Ausland“.
  • Freitag, 02. Dezember 2022 - 20:30
    Fazit verschiedener Filmkritiken, die sich alle dem märchenhaften Charme dieses Geschichte nicht entziehen können: ================================= Mut zu altmodisch naiver Unterhaltung. Mit Inbrunst hebt die Geschichte einer Londoner Putzfrau der 1950er Jahre, die sich in Paris ein Haute-Couture-Kleid von Dior kaufen will, in die Gefilde eines wahr werdenden Wunschtraums ab. Lesley Manville spielt die Hauptfigur überzeugend als reines Klischee einer herzensguten, einfachen Frau, der die Sympathien zufliegen. Isabelle Huppert glänzt in der Rolle der Directrice des Modehauses, die der unwillkommenen Kundin die kalte Schulter zeigt. ================================= Dies ist ein enorm charmanter Film, der zum Teil in Budapest gedreht wurde, das für Paris herhalten musste, da die Stadt an der Seine von ihrer Architektur zum Teil schon zu modern geworden ist. Nichts an diesem Film ist wirklich überraschend, aber das macht ihn auch so heimelig. Ein Film, bei dem man sich wohlfühlen kann, der von einer Welt erzählt, die es so vielleicht nie gegeben hat, die aber ein gewisses märchenhaftes Flair ausstrahlt. ================================= Der Film ist warmherzig, aber nicht naiv. Er bewegt sich in den klassischen Bahnen des Erzählkinos mit einer vertrauten Heldinnenreise und ist dabei doch nie langweilig und reizlos, sondern voller Charme und Empathie. ================================= „Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ erzählt die Geschichte der beliebten Romanreihe neu, ohne etwas an dieser oder dem Setting zu ändern. Die Tragikomödie um eine englische Putzfrau, die nach Paris reist, um dort ein Dior-Kleid zu kaufen, ist hübsch anzusehendes und sehr gut besetztes Zuckerwatte-Kino mit wenig Inhalt oder Sinn für Realismus, dafür aber einem hohen Wohlfühlfaktor. ================================= Fazit: Eine in der Hauptrolle großartig gespielte und im besten Sinne altmodische Dramödie mit einer märchenhaften Story, die von der Erfüllung eines Traums erzählt.
  • Donnerstag, 01. Dezember 2022 - 19:30
    Dokumentarisches Porträt über die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und ihr faszinierend vielfältiges Werk. ================================================================ Wunderkind, Skandalautorin, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Sprachterroristin, Enfant terrible, geniale, verletzliche Künstlerin – zum allerersten Mal wird hier in einem Kinofilm die Geschichte von Leben und Werk der unvergleichlichen Elfriede Jelinek erzählt, der ersten österreichischen Schriftstellerin, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. ================================================================ Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek arbeitet seit den 1960er-Jahren an einem vielschichtigen Werk, das Lyrik, Prosa, Theater- und Hörspiele, Essays, Libretti, Drehbücher und Übersetzungen umfasst. 2004 wurde sie als erste österreichische Autorin mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Das materialreiche Porträt versammelt Interviews, Archivbilder und neu eingesprochene Off-Texte aus Jelineks Werk, wobei ihr Umgang mit Sprache im Zentrum steht. In Gestalt der Collage findet der Film auf überzeugende Weise eine formale Entsprechung für die Montagetechniken von Jelinek. – Sehenswert ab 14
  • Freitag, 25. November 2022 - 20:30
    Eine ältere Frau hat alle Freude am Leben verloren, seitdem ihr Mann sie verlassen hat. Das ändert sich, als ein polnischer Arbeiter aushilfsweise den Job der Putzfrau übernimmt. Obwohl sie ohne ihn bald verkümmern würde, behandelt sie ihn nicht immer wohlwollend und kann sich nicht gegen das Stirnrunzeln ihrer Umgebung zur Wehr setzen. Erst als der Mann nach einer Demütigung den Kontakt abbricht, beginnt bei ihr ein Erkenntnisprozess. Das mit lakonischem Humor gespickte Porträt einer vernachlässigten Frau balanciert perfekt zwischen Stimmungslagen und Selbstbehauptung, wobei sich Satire und Gesellschaftsporträt, Vorurteile, Lebensdrama und saturierte Wohlstandsgefälligkeit die Waage halten. =============================================================== „Da kommt noch was“ ist eine wunderbar leise Komödie, die ihr Pulver nicht vorschnell verschießt, sondern den Biss der Satire nur sanft zwicken lässt. Insofern ist es ganz sinnig, dass der eigentlich plausible Originaltitel „Monday um zehn“ zum Filmstart in eine vieldeutigere und verheißungsvollere Version umgedichtet wurde. Damit ist nicht zu viel versprochen.-- =============================================================== Der Film erfasst das Umfeld seiner Protagonistin präzise und mit klugem Witz. Von den Dialogen über die Figurenzeichnung bis hin zur Interpretation von Ulrike Willenbacher und Zbigniew Zamachowski ist alles vollauf gelungen!
  • Donnerstag, 24. November 2022 - 19:30
    Anfang der 1960er-Jahre führt eine Höhlenexpedition eine Forschergruppe im unberührten kalabresischen Hinterland nahezu 700 Meter in die Tiefe. Zeitgleich wird im wohlhabenden Norden von Italien gerade das höchste Gebäude Europas fertiggestellt. Der Filmemacher Michelangelo Frammartino nimmt die Rekonstruktion einer historischen Expedition in den Abisso del Bifurto zum Ausgangspunkt einer dokumentarischen Fiktion über die Koexistenz von Landschaft, Tier und Mensch, Höhle und Kinoraum. In majestätischen, empfindsamen Tableaux und ohne Dialoge entfaltet sich eine gleichermaßen immersive wie kontemplative Erfahrung zwischen Forschung und Meditation. – Sehenswert ab 14. ===================================== Die Rekonstruktion einer historischen Höhlenexpedition als Ausgangspunkt einer meditativen dokumentarischen Fiktion über die Koexistenz von Landschaft, Tier und Mensch, Höhle und Kinoraum.
  • Dienstag, 22. November 2022 - 19:30
    Um das Grundnahrungsmittel Brot wird seit einigen Jahren zunehmend ein Kult gemacht. Doch obwohl die traditionelle Handwerksbäckerei eine Renaissance erfährt, kaufen die meisten Menschen ihr tägliches Brot im Supermarkt. Der Dokumentarfilm streift soziale, gesundheitliche und ökologische Aspekte des Brotbackens: Er blickt in kleine Bäckereibetriebe, wo noch mit den Händen geknetet und das Handwerk als Kunst gepflegt wird, schaut aber auch in die Produktionshallen großer Konzerne, wo mit neuester Technologie und künstlichen Aromen Brotimitate für den Massenmarkt entstehen. ===================================== Kein anderes Lebensmittel besitzt in unserer Kultur einen so fundamentalen Stellenwert wie Brot. Doch wissen wir eigentlich, was wir täglich essen? Harald Friedls neuer Dokumentarfilm BROT erzählt von der traditionellen Kunst des Brotbackens, die von engagierten HandwerksbäckerInnen mit neuem Leben erfüllt wird, und von großen Konzernen, die mit modernster Technologie ihrem Industriebrot zu Aroma und Geschmack verhelfen. Vor allem aber zeigt er, was Brot ausmacht und wie sich die sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Bedingungen in Brot verkörpern. Nach diesem Film werden Sie BROT mit anderen Augen sehen.rot. ===================================== „Bilder, die einem abwechselnd das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen oder kalte Gruselschauer den Rücken herunterschicken“ (Die Zeit) ===================================== „BROT ist ein Film, den man riechen und schmecken müsste.“ (Süddeutsche Zeitung ===================================== „Eine sinnliche Reise.“ (ORF)
  • Freitag, 18. November 2022 - 20:30
    Die Energie dieser burlesken Komödie, in der ein IT-­Experte, eine Friseurin und ein blinder ­Archivar auf der Suche nach einem adoptierten Kind unfreiwillig den Staat herausfordern, zieht einen in ihren Bann. =========== „Was dein Herz dir sagt – Adieu ihr Idioten!“ war ein riesiger Kassenerfolg in Frankreich und erhielt zahlreiche Kritikerpreise. Und doch ist die Tragikomödie um eine sterbende Mutter auf der Suche nach ihrem verlorenen Sohn und einen lebensmüden Programmierer kein Crowdpleaser. Da trifft absurder Humor auf herzzerreißende Tragik, eine unwirkliche Welt auf ein menschliches Zentrum, das einen bis zum Schluss gefangen hält – und darüber hinaus. =================================================== Albert Dupontels burleske Tragödie ist eine einfallsreiche Hommage an Terry Gilliams »Brazil« und wurde 2021 mit sieben Césars ausgezeichnet ========================== ADIEU IHR IDIOTEN! mit Virginie Efira in der Hauptrolle wurde im Jahr 2021 mit sechs Césars ausgezeichnet (u.a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Kamera) und hatte in Frankreich über 2 Millionen Besucher. ========================0 Eine gelungene Satire auf die moderne Welt mit einem Hauch von Bonnie & Clyde, ein Road Movie steckt auch noch drin und eine Buddystory mit ein paar Slapstick-Elementen um drei vollkommen gegensätzliche Personen, die das Schicksal zusammenbringt: die Friseurin Suze, der IT-Nerd JB und der blinde Archivar Blin. Zu dritt machen sie sich auf die Suche nach Suzes verlorenem Sohn, verfolgt von der Polizei und von dem Wissen, dass sie eigentlich Versager sind. Die erfreulich durchgeknallte Tragikomödie ist vieles, z. B. ziemlich anspruchsvoll, aber eines ganz gewiss nicht: langweilig. Virginie Efira („Birnenkuchen und Lavendel“) führt das brillante Darstellerensemble an, Albert Dupontel als JB und Nicholas Marié als Blin sind ihre Partner in einem gagreichen Film voller Überraschungen, mit prachtvoll coolen Dialogen und vielen wunderbar fiesen, kleinen Details. Dafür gab es einen regelrechten Preisregen bei der César-Vergabe u. a. für Regie, Drehbuch und den Film insgesamt.
  • Dienstag, 15. November 2022 - 19:30
    Eine junge Berliner Altenpflegerin mit iranischen Wurzeln wird Opfer eines rassistischen Angriffs, den sie nur mit Mühe überlebt. Danach ist ihr Selbstbewusstsein massiv angeknackst. Es kostet sie viel Energie, Wut und Angst, um die Ohnmachtsgefühle zu besiegen und den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zurückzufinden. Das sensibel inszenierte Drama erzählt in fast dokumentarischer Unmittelbarkeit und mit großer Glaubwürdigkeit eine bewegende Geschichte von Selbstermächtigung, Resilienz und Zugehörigkeit. Zugleich positioniert sich der Film gegen rechte Tendenzen und plädiert für eine offene Gesellschaft. - Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 11. November 2022 - 20:30
    Kategorien: Archiv, Frankreich, Camino, 2022
    Eine erfolgreiche Pariser Verlegerin um die 60 begegnet nach langer Zeit ihrer ersten großen Liebe wieder. In melancholischen Erinnerungen versunken, kreisen ihre Gedanken fortan um die zahlreichen Enttäuschungen ihres Lebens. Dabei taucht immer wieder die Ahnung eines traumatischen Verlusts auf, der aber zu schmerzhaft ist, um ihn sich einzugestehen. Es obliegt primär der Präsenz der überzeugenden Hauptdarstellerin, ein pittoresk ausgestattetes Spiegelkabinett voller verdrängter Erinnerungen zusammenzuhalten, dessen nicht immer zuverlässige Fragmente wechselhafte Schlaglichter auf ihr Leben werfen. - Ab 14. ========================================== Isabelle Huppert und Lars Eidinger spielen ein Liebespaar im wunderbar melancholischen, versponnenen Film "Die Zeit, die wir teilen". (Süddeutsche Zeitung)
  • Donnerstag, 10. November 2022 - 19:00
    Philosophisches Kino heißt: Vortrag durch Dr. Achim Sohns, der die philosophische Struktur des Films offenlegt – Film sehen – Film diskutieren (Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.). ================================================== Was bedeutet es für das menschliche Selbstbewusstsein, seine Selbstwahrnehmung, wenn sich Maschinen in selbstreferentiellen Prozessen autonom entwickeln, anfangen autonom mit ihm zu kommunizieren, und wenn Menschen künstliche von Maschinen oder rein gentechnisch gefertigte Bestandteile, Maschinenteile, in sich tragen? Wird der emphatische Homo ludens, der spielende Mensch, überflüssig oder bilden die neuen Verbindungen eine neue Realität und Qualität? ================================================== "Ex machina" handelt von der Möglichkeit und dem "Freiheitsdrang" der Künstlichen Intelligenz, einer neuen "Singularität" (Ludwig Wittgenstein, Nick Bostrom). ================================================== Ein junger Programmierer wird für die Teilnahme an einem bahnbrechenden Experiment im Bereich künstliche Intelligenz ausgewählt. Er soll die menschlichen Qualitäten einer atemberaubenden Roboterfrau testen. Er zieht dafür für eine Woche in die einsam gelegene Villa seines Chefs, der auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz forscht. Durch geschickte Fragen soll er herausfinden, ob eine bildschöne Androidin über Gefühle und Sehnsüchte verfügt. Bald gerät er in ein komplexes Beziehungsdreieck, weil Schöpfer und Kreatur ihre jeweils eigene Agenda verfolgen. Meisterlich inszenierter Science-Fiction-Film, der anspruchsvoll und spannend die Bedingungen und Folgen künstlicher Intelligenz zum Thema macht. Die kühle und strenge Gestaltung überzeugt dabei ebenso wie die elegante Kameraarbeit, die gezielt mit Lichtwechseln und Schärfeverlagerungen arbeitet.
  • Freitag, 04. November 2022 - 20:30
    Eine Hebamme ist beim kirchlichen Abendmahl so sehr vom Messwein begeistert, dass sie anderntags eine Weinhandlung besucht und sich prompt in den älteren Weinhändler verguckt. Um ihn wiederzusehen, regt sie eine öffentliche Weinprobe an. Allmählich verlieben sich die beiden ineinander, doch unbewältige Erfahrungen aus der Vergangenheit stehen ihrem Glück im Weg. Leichte, gut gespielte Boulevardkomödie. Die Liebe zu erlesenen Weinen, generiert sowohl absurd-komische als auch nachdenkliche Szenen. =================== Jacques (Bernard Campan), ein mürrischer Mitfünfziger und schon viel zu lange Single, betreibt einen kleinen Weinladen und pflegt zu seinen Weinen eine innigere Beziehung als zu Menschen. Die charmante Hebamme Hortense (Isabelle Carré) hat zwar ein großes Herz, aber niemandem mit dem sie es teilen kann außer ihrer Katze und ihrer verbitterten Mutter. Durch Zufall landet Hortense eines Tages in Jacques´ Weinladen: zwei Welten – die unterschiedlicher nicht sein könnten – prallen aufeinander und doch merken beide, dass da was ist, am jeweils anderen, das sie nicht loslässt. Zunächst scheint das Glück auf ihrer Seite, doch dann nehmen Missverständnisse ihren Lauf und als beide dann noch von ihrer Vergangenheit, unerfüllten Träumen und großen Hoffnungen eingeholt werden, ist Chaos vorprogrammiert.
  • Donnerstag, 03. November 2022 - 19:30
    Der Film "Dancing Pina" zeigt, wie junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt die Werke der legendären Choreografin neu entdecken. ============================ Zwei unterschiedliche Tanzensembles studieren frühe Arbeiten der 2009 verstorbenen Choreografin Pina Bausch ein, „Iphigenie auf Tauris“ an der Semperoper in Dresden, „Le Sacre du Printemps“ an einer Tanzakademie in Senegal. Die Kamera macht den Tanz als grafisches Ereignis sichtbar, während die Montage in ihrem gemessenen und unprätentiösen Rhythmus selbst an Bauschs Choreografien erinnert. Spannung gewinnt der Film dabei vor allem aus den Bewegungen selbst, ihrem Pendeln zwischen Versuch, Gelingen und Scheitern, zwischen Einzelkampf und orchestriertem Ganzen. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 28. Oktober 2022 - 20:30
    Ingwer, 47 Jahre alt und Dozent an der Kieler Uni, fragt sich schon länger, wo eigentlich sein Platz im Leben sein könnte. Als seine „Olen“ nicht mehr allein klarkommen, beschließt er, dem Leben in der Stadt den Rücken zuzukehren, um in seinem Heimatdorf Brinkebüll im nordfriesischen Nirgendwo ein Sabbatical zu verbringen. Doch den Ort seiner Kindheit erkennt er kaum wieder: auf den Straßen kaum Menschen, denn das Zusammenleben findet woanders statt, keine Dorfschule, kein Tante-Emma-Laden, keine alte Kastanie auf dem Dorfplatz, keine Störche, auf den Feldern wächst nur noch Mais, aus gewundenen Landstraßen wurden begradigte Schnellstraßen. Als wäre eine ganze Welt versunken. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Knicks und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und seine Eltern mit dem Gasthof sitzen ließ? Wann verschwand die Mttagsruhe mit all ihren Herrlichkeiten und Heimlichkeiten? Sönke Feddersen, de Ole, hält immer noch stur hinter seinem Tresen im alten Dorrrug die Stellung, während Ella, seine Frau, mehr und mehr ihren Verstand verliert. Beide lassen Ingwer spüren, dass er sich schon viel zu lange nicht um sie gekümmert hat. Und nur in kleinen Schritten erkennt er, dass er noch längst nicht alle Geheimnisse entblättert hat. Lars Jessens Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Dörte Hansen ist eine große Erzählung über die Menschen des Nordens
  • Donnerstag, 27. Oktober 2022 - 19:30
    Dokumentarische Reise durch die Welt der Wagnerianer von Venedig über Lettland, Israel, Abu Dhabi und die USA bis nach Japan. Im Zentrum des Films steht das Festspielhaus in Bayreuth und die Arbeit hinter den Kulissen. ============================================ Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) gehört zu den umstrittensten Künstlern der Weltgeschichte, der mit seiner gigantomanischen Musik polarisierte und als bösartiger Antisemit in die Geschichtsbücher einging. Von seinen Anhängern wird er jedoch mit fast religiöser Inbrunst verehrt. Der Dokumentarfilm spürt der Wagner-Leidenschaft von Bayreuth und Venedig bis nach Japan und sogar Israel nach und zeigt viele Facetten unter den „Wagnerianern“ auf. Zudem macht er die Vorteile einer offenen Auseinandersetzung mit kontroversen Kulturgütern deutlich. - Ab 14
  • Montag, 24. Oktober 2022 - 19:30
    Wer glaubt, dass man das Thema der sozialen Ghettos in Deutschland nicht mehr variieren kann, sollte sich diesen Film ansehen, der eine queere Thematik ohne jede Verrenkung damit verbindet. (EPD-Film) =================== Sehr lässig, sehr komisch – und damit ein seltenes Ereignis im deutschen Kino: Das Debüt des Regisseurs Florian Dietrich zeigt einen jungen Mann, der seine Freiheit gegen deutsche Behörden behaupten muss. (DER SPIEGEL 38/2021) =================== Nominierung Deutscher Filmpreis für Farba Dieng in der Katgorie "Beste männliche Hauptrolle"
  • Freitag, 21. Oktober 2022 - 20:00
    Neuverfilmung und zugleich erste deutsche Adaption des berühmten Antikriegsromans von Erich Maria Remarque aus dem Jahr 1929: Paul Bäumer und seine Klassenkameraden Albert und Müller melden sich im Ersten Weltkrieg von der Schulbank weg an die Front, aufgeputscht von patriotischen Idealen und Abenteuerlust. Nach kurzem Drill in der Kaserne werden die Teenager nach Frankreich verschickt, und kaum in den Schützengräben angekommen, sind sie mit dem Krieg als furchtbarem Gemetzel konfrontiert. Der Glaube an den ehrenvollen Kampf fürs Vaterland geht in Kugelhagel und allgegenwärtigem Tod und Grauen unter, auch Vorurteile über Recht und Unrecht des Krieges und über den Feind lösen sich auf. Bald zählt nur noch der blanke Wille zu überleben. Nachdem bereits einige seiner engsten Freunde und Kameraden gefallen sind, muss Paul beim Heimaturlaub erkennen, dass dort niemand seine Verbitterung nachvollziehen kann. ============================================== "Die aufwändig realisierte Literaturverfilmung setzt teilweise andere Akzente als der Roman und die Erstverfilmung aus dem Jahr 1930 und greift zusätzliche politische Themen auf, wie die Friedensverhandlungen im Salonwagen von Compiègne (1918). Der neue Film des aus Wolfsburg stammenden Regisseurs Edward Berger ist der deutsche Oscar-Kandidat für 2023.
  • Freitag, 14. Oktober 2022 - 20:30
    Als die Karriere einer Ballerina nach einem Unfall auf Eis liegt und vor dem Aus steht, muss eine junge Französin ihr Leben neu ausrichten. In einem Kulturzentrum in der Bretagne schließt sie sich zögerlich einer modernen Tanzcompagnie an und beginnt eingefahrene Vorstellungen zu hinterfragen. Der heitere Film handelt von einer Selbstsuche, bei der die ernsten Themen mit humoristischen Einlagen und skurrilen Nebenfiguren aufgelockert werden. Zwar bleibt die solide Inszenierung überwiegend auf vertrautem Terrain, überzeugt aber mit der Entscheidung, von der langsamen Veränderung der Hauptfigur mit fesselnden Tanzszenen zu erzählen. – Ab 14. ================================================ Elise wird bei einem Auftritt im Alter von 26 Jahren verletzt. Obwohl man ihr sagt, dass sie nicht mehr tanzen kann, versucht sie, eine neue Richtung im zeitgenössischen Tanz zu finden. ============================ Fazit: Auch Cédric Klapischs neue Tragikomödie ist ein waschechter Wohlfühlfilm und noch dazu ein ausgezeichneter. Anders als andere Tanzfilme ist Klapischs Annäherung an diese Kunstform weder düster noch intrigant, sondern bleibt bis zur letzten Minute leichtfüßig. Hofesh Shechters Musik und Choreografien sind Weltklasse, und Hauptdarstellerin Marion Barbeau ist eine Entdeckung. Ein Tanzfilm über das Leben, die Liebe und Leidenschaft. Umwerfend und urkomisch! Falk Straub – Spielfilm.de ============================== In Frankreich war „Das Leben ein Tanz“ ein großer Kinoerfolg. Cédric Klapisch hat in Interviews vermutet, das könnte daran liegen, dass das Publikum nach zwei Corona-Jahren besonders gierig auf Geschichten über Bewegung und Begegnung sei. Aber „En corps“ ist einfach ein sehr guter Film. FAZ =========================================================================== So hat man Ballett lange nicht im Kino gesehen. Der Film „Das Leben ein Tanz“ vom französischen Regisseur Cédric Klapisch vibriert regelrecht. Tagesspiegel
  • Donnerstag, 13. Oktober 2022 - 19:00
    Philosophisches Kino heißt: Vortrag durch Dr. Achim Sohns, der die philosophische Struktur des Films offenlegt – Film sehen/Film diskutieren (Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.). ================================================== Was bedeutet es für das menschliche Selbstbewusstsein, seine Selbstwahrnehmung, wenn sich Maschinen in selbstreferentiellen Prozessen autonom entwickeln, anfangen autonom mit ihm zu kommunizieren, und wenn Menschen künstliche von Maschinen oder rein gentechnisch gefertigte Bestandteile, Maschinenteile, in sich tragen? Wird der emphatische Homo ludens, der spielende Mensch, überflüssig oder bilden die neuen Verbindungen eine neue Realität und Qualität? ================================================== "Blade Runner" behandelt – begleitet von der Jahrhundertmusik von Vangelis – das Über-Menschliche im menschlichen Klon, die menschliche Hybris und noch viel mehr (Nietzsche, Descartes). ================================================== 2019: Blade Runner (staatlicher Kopfgeldjäger) Deckard (Harrison Ford) muss vier Replikanten (Androiden) verfolgen und versuchen, sie zu eliminieren, weil sie ein Raumschiff gestohlen haben und zur Erde zurückgekehrt sind, um ihren Schöpfer zu finden. Deckard ist halb Cop, halb Detektiv. Ein Kopfgeldjäger. Roy Batty ist halb Mensch, halb Maschine. Oder ist doch alles anders?
  • Dienstag, 11. Oktober 2022 - 15:00
    Eine temperamentvolle, unangepasste Zehnjährige verliebt sich in einen neuen Mitschüler, wobei es ihr schwer fällt, mit den neuen Empfindungen umzugehen. Hin- und hergerissen zwischen Schwärmerei und Eifersucht handelt sie impulsiv, aber auch verletzend und verstrickt sich in manche Lüge sowie in eine Intrige. Eine ebenso temperamentvolle wie einfühlsame (Kinder-)Liebesgeschichte, die mitunter am Rand einer Katastrophe entlang schrammt, bevor am Ende alles gut wird. Vorzüglich inszeniert und gespielt, begegnet der Film seiner fantasiebegabten Protagonistin stets auf Augenhöhe und nimmt ihre Gefühle und Fantasien, Sorgen und Ängste jederzeit ernst.
  • Freitag, 07. Oktober 2022 - 20:30
    Sara wird die perfekte Wohnung angeboten: geräumig, sehr hell, luxuriös und so preiswert. Es gibt nur ein Problem: Sie kann erst einziehen, wenn die derzeitige Besitzerin, die ältere Lola, stirbt. ======================= Eine Geschäftsfrau, die eine Trennung von ihrem Mann erwägt, findet in Sevilla eine sehr günstige Wohnung. Der Haken daran ist, dass die alte Besitzerin nach dem Verkauf bis zu ihrem Tod dort wohnen bleiben will. Die beiden charakterlich sehr unterschiedlichen Frauen reiben sich anfangs aneinander, kommen einander aber zusehends doch näher. In den Hauptrollen ausgezeichnet gespielte Tragikomödie, die mit feiner Melancholie von Wohnungsnot, Existenzängsten in Wirtschaftskrise und Leistungsgesellschaft, Einsamkeit und Vereinzelung erzählt. Der Schauplatz Sevilla erscheint dabei realistisch und ohne pittoreske Klischees. ======================= Der Verfilmung des Theaterstücks »100 m²« sieht man seinen Ursprung zwar noch an, doch die scharfen Dialoge zwischen zwei Frauen aus zwei Generationen verfangen ebenso auf der Leinwand wie auf der Bühne.
  • Donnerstag, 06. Oktober 2022 - 19:30
    Voller Empathie porträtiert das Regieduo Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier drei außergewöhnliche Chorleiterpersönlichkeiten und entfaltet so die Magie des gemeinsamen Singens.
  • Freitag, 30. September 2022 - 20:30
    Kategorien: Komoedie, Archiv, Schweiz, Warner, Scope, 2022
    Der Leiter eines Schweizer Bestattungsunternehmens fährt bei einer Fahrt nach Montpellier auf einer Landstraße einen Fahrradlieferanten an und wird ihn von da an nicht mehr los. Der Mann leidet an zerebraler Kinderlähmung, entpuppt sich trotz seiner unkoordinierten Bewegungen aber als Hobby-Philosoph, der ständig ein passendes Zitat auf den Lippen hat. Tragikomödie über eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, bei der sich die Figuren durch ihre unterschiedliche Beschäftigung mit dem Tod näherkommen. Der charmante und anspruchsvolle Film kreist auch um die Frage, was Glück und ein erfülltes Leben ausmachen, und überzeugt auch in den Nebenepisoden. – Sehenswert ab 14
  • Donnerstag, 29. September 2022 - 19:30
    Niederländerin Geertruida Wijsmuller-Meijer (1896-1978), bekannt geworden als „Tante Truus“, rettete während der Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Transporten nach England mehr als 10.000 jüdische und „nicht-arische“ Kinder. Zu den geretteten Kindern, die heute zwischen 85 und 98 Jahre alt sind, gehört auch der 1924 in Celle geborene Kurt Roberg. ================================================================= Die beiden Regisseurinnen kamen nach der Premiere in Kontakt mit zwei weiteren "Kindern von Truus", die ihr Überleben dem Mut und Einfallsreichtum von Truus Wijsmuller verdanken. Einer von ihnen ist der in Celle geborene Kurt Robert, der 1939 in die Niederlanden zu seinem Onkel flüchtete. Dieser hatte einen zufälligen Kontakt mit Joop Wijsmuller, Ehemann von Truus. Und so entkam Kurt Roberg 1941 mit 12 weiteren Kindern aus dem besetzten Europa. ================================================================= Die beiden Regisseurinnen haben in diesem Jahr ein Interview mit dem 98-jährigen Kurt Roberg geführt und filmisch dokumentiert. Eine 15-minütige Zusammenfassung dieses Interviews wird vor dem Film „Truus‘ Children“ gezeigt.
  • Freitag, 23. September 2022 - 20:30
    Funkensprühende Dialoge, perfektes Timing, Penélope Cruz und Antonio Banderas in selbstironischer Höchstform – in dieser herrlich überdrehten Metakomödie über das Filmemachen stimmt einfach alles.
  • Donnerstag, 22. September 2022 - 19:30
    Seit 1970 wird im grenzüberschreitenden Nationalpark Bayerischer Wald die Natur sich selbst überlassen. Was lange Zeit heftig umstritten war, ist inzwischen ein weithin anerkanntes Konzept, das in zahlreichen Ländern Nachahmer fand. Der Dokumentarfilm vereint in nahezu perfekter Balance Emotionen und Fakten über das größte geschützte Waldgebiet Europas und zeigt die reiche Tier- und Pflanzenwelt der Landschaft. Die Kraft der Natur steht dabei gegen den Kontrollzwang des Menschen, der sich in dieser Region mit der Rolle des Beobachtenden und Lernenden zufriedengeben muss. – Sehenswert ab 12.
  • Freitag, 16. September 2022 - 20:30
    Kammerspiel um eine der wichtigsten Fragen des Lebens: Wie komme ich zu gutem Sex? Emma Thompson spielt eine pensionierte Lehrerin, die sich nach Jahrzehnten einer frustrierten Ehe einen Callboy leistet. Wichtiger als der Sex erweist sich dabei einmal mehr das Reden von Frau zu Mann – nicht nur über Sex. Obwohl in diesem Film um eine pensionierte Lehrerin und einen Callboy mehr gesprochen als gekuschelt wird, ist er ungeheuer erregend.
  • Donnerstag, 15. September 2022 - 19:30
    Bettina Wegner, geboren 1947 in Westberlin, aufgewachsen in Ostberlin, mit 36 Jahren ausgebürgert, seither „entwurzelt“. Der Werdegang der Liedermacherin gehört zu den spannendsten Lebensläufen des 20. Jahrhunderts. Es ist der Weg von einem Kind, das Stalin glühend verehrte, über eine hoffnungsfrohe Teenagerin, die mit ihren eigenen Liedern eine Gesellschaft mit bauen möchte, hin zu einer beseelten Künstlerin mit einer unerschütterlichen humanistischen Haltung. ===================================================== Seit 50 Jahren auf der Bühne: Liedermacherin BETTINA WEGNER. Der Werdegang der Liedermacherin (Sind so kleine Hände) gehört zu den spannendsten Lebensläufen des 20. Jahrhunderts. Ihren Lebenswg kreuzten z.B. Menschen wie Thomas Braasch, Wolf Biermann, Gregor Gysi, Oskar Lafontane, Joan Baez. ===================================================== Die DDR-Sängerin Bettina Wegner wurde 1983 zwangsweise aus der DDR ausgebürgert, nachdem sie schon viele Jahre lang an der Ausübung ihrer Kunst gehindert worden war. Der Dokumentarfilm rekapituliert nicht nur die Biografie einer überzeugten Sozialistin und ihre einflussreichen Lieder, sondern forscht intensiv ihrem Lebensgefühl der Entwurzelung nach, das bis heute nicht aus ihrem Leben verschwunden ist. Die besondere Form der ostdeutschen Folksongs, ihr Pathos und das enorme Vertrauen in die Wirkung der Worte, zeugt noch immer vom Glauben an die verbindende Kraft der Sprache. – Sehenswert ab 14
  • Freitag, 09. September 2022 - 20:30
    Landstreicher Charlie als Retter eines Millionärs, der nur im Suff Freundschaft und Großzügigkeit zeigt, und als selbstloser Verehrer eines blinden Blumenmädchens, für dessen Heilung er sogar zu arbeiten bereit ist, das er jedoch verliert, als es sein Augenlicht zurückgewinnt. Eine ironische und sozialkritische Tragikomödie voller Menschlichkeit, Güte und Optimismus, die zwischen 1928 und 1931 entstand. Obwohl sich inzwischen der Tonfilm etabliert hatte, blieb Chaplin beim stumm gedrehten und mit musikalischen Effekten untermalten Film und feierte damit einen seiner größten Publikumserfolge. – Sehenswert ab 10. (Filmdienst)
  • Donnerstag, 08. September 2022 - 19:30
    Im Wien der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelt ein visionärer und bahnbrechender Sigmund Freud die Psychoanalyse, bis er 1938 von den Nationalsozialisten ins Exil nach London gezwungen wird. Ein intimes Porträt, das auf Freuds Korrespondenzen und Texten basiert und auch aus der Perspektive seiner Tochter Anna erzählt. Anhand seltener Archivbilder und seiner Briefe wird ein Porträt Sigmund Freuds gezeichnet, das seine Beziehung zu seiner Familie und seinen Freunden offenbart.
  • Freitag, 15. Juli 2022 - 20:30
    Ein armer Junge aus einem indischen Dorf entdeckt seine Liebe zum Kino und beschließt allen Widerständen zum Trotz, selbst die Kunst des filmischen Erzählens zu erlernen. Mit großem Einfallsreichtum und Witz experimentieren er und seine Freunde mit altem Filmmaterial und einem alten Projektor, bis die Digitalisierung dem einen Riegel vorschiebt. Eine autobiografisch geprägte und auch nostalgisch überhöhte Liebeserklärung an den Erlebnisort Kino, die die Faszination des projizierten Lichts und die Magie der bewegten Bilder in sinnlichen Sequenzen erfahrbar macht, ohne sich in Sentimentalitäten zu verlieren.
  • Freitag, 01. Juli 2022 - 20:30
    Eine junge Norwegerin tut sich schwer damit, ihren Platz im Leben zu finden, hat ihr Studium abgebrochen und arbeitet in einer Buchhandlung. Auch in Beziehungen ist sie sprunghaft, sodass die Bindung an einen älteren Comiczeichner sie überfordert und zu einem Mann ihres Alters treibt, dessen Energie wiederum eigene Probleme hervorbringt. Ein sanft ironisches, leicht erzähltes, dabei aber tiefgründiges und prägnantes Drama um die Selbstfindung einer jungen Frau in einer undurchsichtigen Welt. Mit großer Sensibilität arbeitet der Film den Einfluss technologischer und sozialer Umbrüche auf die Figuren heraus, verfällt dabei aber nicht in Kulturpessimismus, sondern bleibt lebensbejahend und voller untergründigem Humor. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 24. Juni 2022 - 20:30
    Fünf Jahre lang dauerte der Kampf der Bremer Hausfrau Rabiye Kurnaz, bis ihr Sohn Murat, der kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als Terrorist verdächtigt und ohne Anklage im Gefangenenlager Guantanamo interniert wurde, wieder freikam. Das beherzte Drama zeichnet mit viel Esprit und Verve das Ringen der couragierten Frau mit dem lockeren Mundwerk nach, wobei der Film in ihrem trockenen Rechtbeistand einen humorvollen Kontrapunkt findet und überdies das Versagen der deutschen Behörden anprangert. In den Hauptrollen überwältigend gespielt. – Filmdienst ===================================================================================== Die Süddeutsche Zeitung titelt: "Meisterwerk" ("dem das Kunststück gelingt, ein vom Schicksal zusammengewürfeltes Paar aus dem wirklichen Leben in ein Traumpaar des Kinos zu verwandeln.")
  •   Sonntag, 19. Juni 2022 - 16:30 bis Sonntag, 19. Juni 2022 - 18:45
    Emma züchtet und schlachtet Schweine auf ihrem heruntergekommenen, hoffnungslos verschuldeten Bauernhof, der kurz vor der Zwangsversteigerung steht. Seit Jahren betet sie vor dem Schlafengehen: “Lieber Gott, mach mich reich oder glücklich.” – von "und" war eigentlich nie die Rede. Aber eines Nachts wird Emma von einem lauten Knall geweckt – nicht mal eine halbe Stunde später hat sie eine Tüte voller Geld unter ihrer Matratze und einen bewusstlosen Mann auf ihrem Bett liegen – Max. Er hat seinem Freund Hans Schwarzgeld und einen Ferrari geklaut, mit dem er in der Kurve von der Landstraße abgekommen und so auf Emmas Hof gelandet ist. Der Beginn einer skurrilen und herzzerreißenden Liebesgeschichte.
  • Freitag, 10. Juni 2022 - 20:30
    Im Chaos einer Notaufnahme treffen ein Gelbwesten-Demonstrant und eine wohlsituierte Zeichnerin aufeinander: In einem Wahnsinnstempo thematisiert Catherine Corsini Pflegenotstand und die Spaltung der Gesellschaft. (Britta Schmeis) =========== Gesellschaft in der Druckkammer: Politisches Kino, wie man es in Deutschland gar nicht kennt. (Rüdiger Suchsland) =========== Catherine Corsinis Krankenhauskomödie ist ein höchst vergnügliches und hellsichtiges Kammerspiel über die französischen Zerwürfnisse (Dunja Bialas)
  • Freitag, 03. Juni 2022 - 20:30
    Der Brite Louis Wain (1860-1939 – dargestellt von Benedict Cumberbatch) zählt zwar nicht zu den bedeutenden Malern der Welt, doch seine oft vermenschlichten Bilder von Katzen erfreuten sich im viktorianischen England großer Beliebtheit. Der biografische Film fokussiert auf Wains künstlerisches Werk und seine labile Gemütsverfassung, die ihn im Alter in die Armut führte. Die Inszenierung des biografischen Films lebt ganz von der Kunst des Hauptdarstellers, der den exzentrischen Katzenmaler zu eindringlichem Leben erweckt.
  • Freitag, 27. Mai 2022 - 20:30
    Kategorien: Archiv, Frankreich, 24Bilder, 2022, SE
    Zwei soziale Welten und zwei ungleiche Frauen prallen in dem schillernden Universum der Pariser Haute Couture aufeinander. Die erfahrene Direktrice Esther steht kurz vor dem Ruhestand und bereitet für Dior ihre letzte Haute Couture Kollektion vor. In der Metro wird sie bestohlen, doch die Diebin hat ein schlechtes Gewissen und möchte die erbeutete Handtasche zurückgeben. So lernen sich Esther und die rebellische junge Jade aus den Banlieue kennen. Trotz des Diebstahls möchte Esther dem Mädchen ein Chance bieten: eine Praktikumsstelle in dem Haute Couture-Atelier. Für Esther ist es die letzte Gelegenheit ihre Überzeugung an eine junge Frau weiterzugeben: Es muss Schönheit erschaffen werden, denn sie ist von größter Notwendigkeit in einer instabilen Welt. Doch auch hinter den Wänden des Ateliers brodelt es. ============== HAUTE COUTURE zeigt einen authentischen Blick hinter die Kulissen eines Haute Couture-Ateliers und blickt auf die aufwendigen, mit viele Liebe zum Detail gefertigten Handarbeiten, die hinter den atemberaubenden Entwürfen liegen. Gleichzeitig gelingt der Regisseurin ein sensibles Porträt zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, dargestellt von der großartigen Nathalie Baye und Lyna Khoudri. Für die Dreharbeiten holte sich die Regisseurin die erfahrene Kostümbilderin Justine Vivien an Bord, die viele Jahre für Dior Héritage im Atelier gearbeitet hat und beratend zur Seite stand.
  • Montag, 23. Mai 2022 - 19:00
    Ein Dorf stirbt, wenn es keine Treffpunkte mehr gibt, keinen Markt und keinen Bäcker. Die Filmemacherin Antje Hubert begegnet Menschen, die das Landleben aufblühen lassen, weil sie sich dem Trend entgegenstellen, der alle zu den Discounter-Hallen auf der grünen Wiese treibt. Dass ein Dokumentarfilm über bewussten Konsum unser Leben ändern wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht erkennen wir, wie wertvoll ein Tante-Emma-Laden – oder wie in diesem Fall in Müden/Örtze ein Tante-Hanna-Dorfladen – doch sein kann. Und merken, dass ein einfaches Glas Rotwein dort ganz fantastisch sein kann. (Süddeutsche Zeitung)
  • Freitag, 20. Mai 2022 - 20:30
    Ein New Yorker Radioreporter muss sich um den frühreifen Sohn seiner Schwester kümmern und nimmt ihn mit auf eine Interview-Tour quer durch das ganze Land, bei der er junge Menschen nach ihren Ängsten und Hoffnungen befragt. Während des Trips lernt er nicht nur viel Neues über sich, sondern muss mit seinem Neffen auch eine für beide befriedigende Beziehung aushandeln. Der stille, in Schwarz-weiß gedrehte Film entwirft ein wahres Panorama des Lebens und schafft mit leichter Hand Raum für alle wichtigen Fragen. Ein zutiefst humanistisches Meisterwerk, das so intelligent wie melancholisch flexible Formen der Vergemeinschaftung erkundet und nachdrücklich für die Kraft des zugewandten Gesprächs plädiert. (Filmdienst) === Dieser Film ist so leise und zart, dass man wohl brüllen müsste, wie großartig er ist, damit er nicht untergeht im Getöse der Zeit. (Süddeutsche) === "Ich habe soeben den schönsten Film über Eltern und Kinder aller Zeiten gesehen – überhaupt ist COME ON, COME ON ein Meisterwerk." (Der Spiegel) === »C'mon C'mon« berührt existenzielle Themen auf eine nahbare, unverstellte Weise. Es geht um das Erinnern und Vergessen, die schönen Momente, die irgendwann nur noch Fragmente sind. Mit seinen Aufnahmen, erzählt Johnny einmal, kann er das Alltägliche unvergänglich machen. Genau das gelingt auch Mills, in seinem zauberhaften Film.(EPD) === Der Meister des autofiktionalen US-Independent-Kinos überzeugt mit Come on, Come on erneut auf allen Ebenen – derartig kluges und zärtliches Kino gibt es viel zu selten. – Mike Mills' erstaunlicher, unvergleichlicher Film (artechok) === Regisseur Mike Mills gelingt ein sensibles Psychogramm in Schwarzweiß – mit perfekter Balance zwischen Witz und Ernst. (Kunst & Film)
  • Donnerstag, 19. Mai 2022 - 19:30
    Neno, Saniye und Hêvîn sind drei kurdische Frauen aus drei Generationen. Alle stammen ursprünglich aus Dörfern im Osten der Türkei und leben jetzt in Berlin. Jede Frau erzählt ihre Geschichte. Serpil Turhans Film „Köy“ (türkisch für Dorf), handelt von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Sicherheit – und von der Freiheit des Ichs. ===== Drei kurdische Frauen verschiedener Generationen erzählen in Interviews, die in einem Zeitraum von drei Jahren entstanden sind, von sich und ihrem Leben in Deutschland und der Türkei. Die älteste ist die Großmutter der Regisseurin und hat sich in ihrem Leben mit viel Mut über etliche Widrigkeiten hinweggesetzt. Die beiden jüngeren kämpfen auf ihre Weise als Frauen und Individuen gegen überkommene Traditionen, Vorurteile der deutschen Mehrheitsgesellschaft und politische Repression. Ihre Geschichten von Familie, Selbstbestimmung und dem Pendeln zwischen zwei Ländern legen offensichtliche Ähnlichkeiten, aber auch individuelle und familiäre Unterschiede in (post-)migrantischen Biografien offen.
  • Freitag, 13. Mai 2022 - 20:30
    Im Herzen des tibetischen Hochlands begibt sich Natur- und Wildlife-Fotograf Vincent Munier zusammen mit dem Schriftsteller Sylvain Tesson auf die Suche nach dem Schneeleoparden. Nur noch wenige Exemplare der gefährdeten und scheuen Art sind in freier Wildbahn anzutreffen. Tagelang durchstreifen die beiden Männer das Gebirge, lesen Spuren, werden mit der Landschaft eins. Geduldig harren sie aus, beobachten und fotografieren. Ihre langsame Jagd nach dem Schneeleoparden entwickelt sich dabei zu einer inneren Reise, einem stillen Dialog über den Platz des Menschen in einer verschwindenden Welt. Herausgekommen ist ein Film von überwältigender Schönheit, der in Frankreich ein Millionenpublikum begeistert. Tesson hat seine Erfahrungen im Buch "Der Schneeleopard" (Rowohlt Verlag, über Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste) verarbeitet, der 3-malige "BBC Wildlife Photographer of the Year" Munier seine atemberaubenden Fotografien im Bildband "Zwischen Fels und Eis" (Knesebeck Verlag) auf Papier gebannt. Die Musik steuerten Nick Cave und Warren Ellis zum Film bei. César 2022: Ausgezeichnet als Bester Dokumentarfilm
  • Freitag, 06. Mai 2022 - 20:30
    Der magische Realismus des Film lässt einem das Allerungewöhnlichste wie das Allernormalste sehen. Die achtjährige Nelly freundet sich mit der gleichaltrigen Marione an. Nelly erkennt in Marion ihre Mutter. In Marions Mutter trifft Nelly ihre gerade verstorbene Großmutter in jungen Jahren und kann zu dieser nun am Ende »Au Revoir« sagen und sich gebührend verabschieden, was sie bei ihrer verstorbenen Großmutter verpasst hatte. Der Film zeigt zwei kleine Mädchen, die einander und aneinander glauben und erzählt von dem Band von Müttern zu ihren Töchtern. Das Leben wird gern als Kreislauf beschrieben – hier erscheint es als Staffellauf. ================ Im Kino ist alles möglich. Und alles erlaubt. Man kann jetzt als Zuschauer deuten, inter­pre­tieren, man kann diese Wendung ins Phan­tas­ti­sche als ein naives oder roman­ti­sches Märchen auffassen, als eine Form magischer Realismus, man kann dem Ganzen eine psycho­ana­ly­ti­sche oder therapeutische Deutung geben und sich sagen, dass Nelly sich das alles nur einbildet. Aber ganz so einfach ist es nicht – nur ist es völlig egal, wie man sich die Sache letzt­end­lich erklärt; und am besten lässt man alles auf sich beruhen und nimmt es mit ähnlicher Selbst­ver­ständ­lich­keit wie die acht­jäh­rige Haupt­figur. Petite Maman steht auch fast exem­pla­risch für eine bestimmte Form des Kinos, die wir zur Zeit verloren haben, obwohl sich viele Zuschauer nach ihr sehnen: Filme, die Ernst und Unernst verbinden, die das Wirkliche und das Phan­tas­ti­sche verbinden, die grund­sätz­liche Fragen nach dem Sinn des Lebens stellen und die diese Fragen, je grund­sätz­li­cher sie werden, umso leichter und heiterer stellen, nicht schwerer. Immerhin darf man konsta­tieren, und das ist schon ein großes Glück des Zuschauens: Petite maman kommt diesen zurzeit vermissten Filmen nahe wie leider nicht sehr viele im augen­blick­li­chen Kino. Mit Petite Maman zeigt Sciamma, dass sie tief in die Kinder­seele eintau­chen kann und ein großes Verständnis für soziale Dynamik und Kinder­wahr­neh­mung besitzt. Wo verlieren wir unsere Jugend? Wo verlieren wir den Menschen, der wir waren? Diese Zeit kann nicht nach­ge­holt werden. Gerade weil wir immer ein Kind bleiben. ================ Erinnern heißt für mich nicht nur, die Vergangenheit aufzusuchen. Es kann auch bedeuten, neue Erinnerungen zu schaffen. Ich möchte, dass die Leute meine Filme anschauen und das Gefühl haben, sie bauen gerade Erinnerungen auf. Viele meiner Erinnerungen stammen aus dem Kino. Nicht nur von den Filmen, sondern davon, wie ich mich gefühlt habe, als ich im Kino war. Bevor ich eine reale Person geliebt habe, war ich in viele Filmfiguren verliebt. Deshalb ist es auch egal, ob Nelly die Geschichte in „Petite Maman“ nur träumt oder wirklich erlebt. Der Effekt ist derselbe. (Regisseurin Céline Sciamma) ================ Ihre Mutter ist nur kurz zu sehen, sie erscheint wortkarg, introvertiert. Als Nelly deren jüngerem Ich im nahen Wald begegnet, könnte dies auch eine Wunschfantasie nach Nähe sein. Sciamma inszeniert das aber realistisch, wie eine Parallelspur. Auf der gibt es kein Rätsel zu klären, nur Möglichkeiten anzunehmen: Dasselbe Haus, dieselben herbstlichen Farben, selbst überraschende Überschneidungen der Welten – also das Wiedersehen mit der jüngeren Oma – sind plötzlich möglich. Die Treffen erlauben es Nelly, ihre Mutter als Gleichgesinnte zu betrachten. Sciamma entwirft einen zarten Dialog, der sich nicht ans Alter, an soziale Normen halten muss. Von ernsthaften Erwachsenengesprächen unter Kindern wechselt der Film zurück in spielerisches Miteinander. In Rollenspielen meint man dann aber, etwas von den Sehnsüchten der beiden herauszuhören. Darin liegt auch die findige Politik dieses kleinen Films – er flacht Hierarchien tatsächlich ab und schafft es für Kinder und Erwachsene gleichermaßen auf Augenhöhe zu sein. (Wiener Standard)
  • Donnerstag, 05. Mai 2022 - 19:00
    Der Film „Die sichere Geburt – Wozu Hebammen?“ folgt der Spur der natürlichen Geburt. Er zeigt, wie komplex die Geburt ab dem Moment abläuft, ab dem das Kind das Signal gibt, geboren zu werden und durch was alles die Geburt gestört werden kann. Er zeigt, wie eine natürliche Geburt aus einer gesunden Schwangerschaft resultiert, wenn die Frau selbstbestimmt gebären kann und so wenig wie nötig eingegriffen wird. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen wird der Film zeigen, dass wir Hebammen brauchen und zwar sehr viel mehr, als wir heute noch haben für Vorsorge, Geburtsvorbereitung, Geburtsbegleitung, Nachsorge und als Familienhebammen.
  • Freitag, 29. April 2022 - 20:30
    Eine finnische Studentin, die in Moskau Archäologie studiert, und ein russischer Minenarbeiter lernen sich auf einer Zugreise durch den winterlichen russischen Norden näher kennen. Juho Kuosmanen zart-poetischer Film handelt davon, wie Grenzen, Klassen und Nationalitäten durchlässig werden und erhielt hierfür am 17. Juli 2021 in Cannes den Großen Preis der Jury. ==================== Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine holt die Geschichte Abteil Nr. 6 nun ein. Die Kinokette CineStar sagte die Premiere in einem ihrer Säle mit Verweis auf den russischen Hauptdarsteller ab – und ruderte wieder zurück. Festivals luden den Film aus, obgleich Schauspieler Juri Borissow am ersten Tag der russischen Ukraine-Invasion in einer Petition seine Gegnerschaft zum Krieg erklärte, so wie auch Natalia Drosd, die russische Co-Produzentin. ================== Der ansonsten nicht zimperliche Tagesspiegel: Die Eisenbahnkomödie "Abteil Nr. 6" im Kino Laura und der gute Russe. In Cannes prämiert und in Deutschland fast auf dem Index gelandet: Die finnische Eisenbahnkomödie "Abteil Nr. 6" erzählt eine Freundschaftsgeschichte. Bloß gut, dass der kurzzeitig von der Cinestar-Kette erwogene Boykott-Reflex, „Abteil Nr. 6“ aus dem Kino in der Kulturbrauerei zu verbannen, schnell wieder verworfen wurde. Die warmherzige Freundschaftsgeschichte des finnischen Regisseurs Juho Kuosmanen nicht zu starten, weil der russische Darsteller Yuriy Borisov eine Hauptrolle spielt, ist nun garantiert der falsche Weg, um Aggressor Russland eins auszuwischen. Gerade in diesen Zeiten sind Kultur und Film aufgerufen, differenzierte Erzählungen zu liefern, die Klischees auflösen, statt sie zu reproduzieren oder Vorbehalte gar zu verstärken. Ein Anspruch, den das im Vorkriegsjahr 2021 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete Zug-Roadmovie mit traumwandlerischer Sicherheit erfüllt.
  • Freitag, 22. April 2022 - 20:30
    Unter der Regie von Éric Besnard (Birnenkuchen mit Lavendel) wird die Geschichte eines leidenschaftlichen Kochs am Vorabend der Revolution von 1789 zum Fest für die Sinne. Grégory Gadebois spielt den wortkargen, fleißigen Mann vom Lande auf fesselnde Weise als Verliebten, der sich in Zurückhaltung üben muss. Denn die Frau, die ihm in der Küche zur Seite steht, ist auf Abstand bedacht und verfolgt eigene Pläne. Die zarte Romantik und die genussvolle Inszenierung der Kochkunst vor dem Hintergrund eines Epochenwandels sind die Zutaten eines lohnenden Kinoerlebnisses. (Bianka Piringer) ========================== Französisches Flair pur, spürbare Passion für gute Küche und eine köstliche Wohlfühl-Erzählhaltung: „À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen“ ist ein wahrlich genüsslicher Film. (Antje Wessels)
  • Freitag, 15. April 2022 - 20:30
    Eine erfolgreiche Fotografin und ein Teenager, die sich ein Zimmer in dem Krankenhaus teilen, in dem sie beide ihr erstes Kind zur Welt bringen, freunden sich miteinander an. Als die Fotografin später herausfindet, dass sie nicht die leibliche Mutter ihres Kindes ist, weil in der Klinik ihr Baby und das der Freundin vertauscht wurden, wird das zur seelischen Zerreißprobe. Ein vorzüglich gespieltes und inszeniertes vielschichtiges Melodram um Mutterschaft in ihren biologischen, sozialen und psychologischen Facetten, festgemacht an der Geschichte einer komplexen Frauenfreundschaft und dem Beziehungsnetzwerk, das beide Frauen prägt. Dabei geht es auch um alte Traumata und verdrängten historischen Ballast, der in die Gegenwart nachwirkt und dem es mit Mut zur Wahrheit zu begegnen gilt. – Filmdienst --------------------- Die Wurzeln seiner Gegenwart in dieser Zeit nimmt Almodóvar mit Parallele Mütter in den Blick. Er tut es mit der Gelassenheit und dem souveränen Gestus eines Künstlers, der eine Form gefunden hat, in der man die Vergangenheit behandeln kann, ohne von ihr gleich gefesselt zu sein. Ganz Europa kann sich an Parallele Mütter ein Beispiel nehmen. – Wiener Standard -------------- Wieder spielt auch Penélope Cruz die Haupt­rolle. Cruz und Almodóvar sind seit nunmehr fast drei Jahr­zehnten mehr als Muse und Mentor, nämlich künst­le­ri­sche Partner auf Augenhöhe. Auch das zeigt dieser schöne, aufwüh­lende, unter­halt­same Film ausge­zeichnet. – artechock Film
  • Freitag, 08. April 2022 - 20:30
    Als Kenneth Branagh in Nordirlands Hauptstadt Belfast aufwuchs, brachen dort 1969 bürgerkriegsähnliche Unruhen zwischen Protestanten und Katholiken aus. Fünf Jahrzehnte später blickt der nunmehr berühmte Regisseur zurück.
  • Freitag, 01. April 2022 - 20:30
    Der neue Film von Pablo Larraín ist ein Kunstwerk. Kein Biopic über Lady Diana, sondern eine phantastisch inszenierte «Saga». Sie erzählt von der Prinzessin als einer Gefangenen in einer bizarren Parallelwelt, aber ebenso von Selbstermächtigung. (Neue Zürcher Zeitung) – – – – – – – – – „Spencer“ ist kein Produkt der britischen Filmindustrie. Regisseur ist der Chilene Pablo Larrain (Berlinale-Gewinner mit „El Club“), Produzent die Berliner Firma Komplizen-Film (von ihr stammt „Toni Erdmann“), Hauptdarstellerin die Kalifornierin Kristen Stewart, und gedreht wurde in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg. Und so ist der Blick auf die „Prinzessin der Herzen“ ein völlig anderer, als er in einem englischen Film gewesen wäre. Ein Teil der königlichen Familie zu sein bedeutet hier zuallererst, dass man Regeln beachtet. Wer das nicht tut, wird sehr subtil vernichtet. Genauer: Man macht es so, dass die Person anfängt, sich selbst zu vernichten.
  • Freitag, 25. März 2022 - 20:30
    Die Geschichte eines Jungen im turbulenten Neapel der 1980er Jahre. Paolo Sorrentinos (Ewige Jugend, La Grande Bellezza) persönlichster Film ist eine Geschichte über Schicksal und Familie, Sport und Kino, Liebe und Verlust: Während sich 1984 ganz Neapel über Gerüchte ereifert, dass der argentinische Fußballstar Diego Maradona zum Verein der Stadt wechseln könnte, ahnt ein junger, filmbegeisterter Mann noch nicht, dass sein behütetes Leben mit Mutter, Vater, Bruder und skurriler Großfamilie bald eine Wende nimmt. Venedig „Großer Preis der Jury“ und Oscar 2022 (27. März) nominiert als "Bester Internationaler Film".
  • Freitag, 18. März 2022 - 20:30
    Karoline Herfurth gelingt mit „Wunderschön“ ein Kaleidoskop der inneren Zufriedenheit, die oft, aber nicht immer mit dem Äußeren zu tun hat. Damit löst sich die Regisseurin thematisch passend von der puren Fixierung auf Körperästhetik und fasst das Thema wesentlich größer auf. Hierfür kreiert sie lebensechte Charaktere und packt sie in bisweilen absichtlich filmisch überhöhte Alltagssituationen, die ebenso lustig wie traurig sein können. Das Endergebnis ist ein sich aufrichtig, authentisch und leidenschaftlich anfühlender Mix aus Komödie und Drama, der viele Menschen zum Lachen und Weinen bringen wird. – Antje Wessel
  • Donnerstag, 17. März 2022 - 19:30
    Eine deutsche Geschichte lautet der Untertitel von Annekatrin Hendels Dokumentation „Familie Brasch“, was gut den weiten Bogen trifft, der vom Dritten Reich, über die DDR bis in die Gegenwart führt. Viele Themen und Konflikte lassen sich an den Biographien der Braschs festmachen, viele Geschichten und Anekdoten erzählen, was Hendels Film zu einem reichen, faszinierenden Film über Deutschland macht. – Michael Meyns
  • Donnerstag, 10. März 2022 - 20:00
    Mutiger, sehr offen gehaltener Film über Leben und Arbeiten des Schriftstellers, Filmemachers und Übersetzers Thomas Brasch (1945-2001), der erst in der DDR, dann aber auch in der BRD an den Widersprüchen der gesellschaftlichen Verhältnisse verzweifelte. Leben und Werk Braschs werden zu einem großen, aber stets fragmentarischen Erzählbogen verschränkt, der letztlich weniger auf die Biografie als vielmehr auf die Essenz seines Denkens zielt und damit auf die deutsche Geschichte und Kunst des 20. Jahrhunderts. Unbekümmert radikal erzählt, herausragend fotografiert und von einem großartigen Ensemble in Szene gesetzt. - Sehenswert ab 16. (Ulrich Kriest)
  • Mittwoch, 09. März 2022 - 19:30
    Berlin 1943/44. Zwischen Bombenkrieg und nationalsozialistischer Verfolgung erleben zwei junge Frauen ihre große Liebe. Für die eine, verheiratet, unpolitisch und Mutter von vier Kindern, wird diese verbotene Liebe zur entscheidenden Erfahrung ihres Lebens. Für ihre Freundin, eine unerschrockene extravagante Jüdin, die für eine Untergrund-Organisation arbeitet, ist es ein Spiel mit dem Feuer – aber auch ihre letzte Chance, dem mörderischen Regime ein erfülltes Stück Leben abzutrotzen. Der Film basiert auf Erica Fischers 1994 erschienener Erzählung „Aimée & Jaguar“, in der die Autorin die aufwühlenden Lebenserinnerungen der Berlinerin Lilly Wust verarbeitet hat. Ein außergewöhnliches Zeugnis einer großen Liebe in einer fürchterlichen Zeit.
  • Freitag, 04. März 2022 - 20:30
    Jurybegründung des Förderpreis Neues Deutsches Kino: Mit seinem großen Gestaltungswillen und seiner genresicheren Leichtigkeit hat uns 'Das schwarze Quadrat' überzeugt. In einem irrwitzigen Tempo mit einem großartigen Ensemble aus faszinierenden und liebenswürdigen Schlitzohren inszeniert Autodidakt Peter Meister die Screwballkomödie um ein absolutes Kunstwerk: das Gemälde 'Das schwarze Quadrat' von Kasimir Malewitsch. Kunst spielt hier auf unterschiedlichsten Ebenen eine Rolle und enthüllt so manches verborgene Talent sowohl der Protagonisten und Antagonisten. Das gelungene Zusammenspiel aller Gewerke entführt uns in die kammerspielartige Welt eines Kreuzfahrtschiffes, auf dem alle Beteiligten auf humorvolle Art gezwungen werden, ihre bisherigen Lebensentwürfe zu hinterfragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie echte Maler, wahrhaftige Musiker, Kunstliebhaber oder Kunsträuber, Verführungs- oder Lebenskünstler sind. ============================================================== Inhalt: Stell Dir vor Du willst Dich verstecken, aber Du musst auf die Bühne... Die Kunsträuber Vincent (Bernhard Schütz) und Nils (Jacob Matschenz) sind kurz vor dem Ziel: In ihrer Kreuzfahrt-Kabine liegt das 60 Millionen Dollar teure Gemälde "Das schwarze Quadrat", das sie an Bord ihrem Auftraggeber übergeben sollen. Sie haben vorher nur noch einen kleinen unvorhergesehenen Termin, und zwar auf der Showbühne des Schiffes. Während sie sich durch ihr Programm als Elvis- und David-Bowie-Imitatoren quälen, nutzen Unbekannte die Gelegenheit und stehlen das "Schwarze Quadrat"! Vincent, der verhinderte Maler, fertigt mit etwas eigenwilligen Methoden eine exakte Kopie des Malewitsch an – und als auch die abhanden kommt, gleich noch eine zweite. Währenddessen zieht sich die Schlinge um das Gauner-Duo zu: Nils wird enttarnt, und Vincent merkt vor lauter Verliebtheit nicht, dass seine Bekanntschaft von der Bordbar, die ungemein kunstsinnige Martha (Sandra Hüller), nur deshalb seine Nähe sucht und ihm Modell sitzt, weil auch sie nur eines will – "Das schwarze Quadrat"…
  • Donnerstag, 10. Februar 2022 - 15:00
    Ein Junge leidet an Krebs und verweigert angesichts des bevorstehenden Todes den Kontakt mit Erwachsenen, bis eine seltsame Ex-Wrestlerin über ihn stolpert und sich eine symbiotische Freundschaft entwickelt. Ein magisch-realistischer Film über das Sterben eines Kindes, der der Unfähigkeit der Erwachsenen, sich der Unfassbarkeit des Todes zu stellen, die Welt der Kinder entgegen hält. Mal sehr emotional, mal humorvoll lässt er seine eindrücklich gespielten Figuren im Angesicht des bevorstehenden Endes das Leben neu lernen, wobei er auch eine religiöse Perspektive eröffnet. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 17. Dezember 2021 - 20:30
    In einer fiktiven französischen Stadt ist der Redaktionssitz des Magazins „The French Dispatch“, des europäischen Ablegers eines US-amerikanischen Blattes. Nach dem Tod des Gründers und Chefredakteurs im Jahr 1975 soll das Magazin eingestellt werden. Unterschiedliche Journalisten lassen in kuriosen Storys, bei denen es u.a. um die Exzentrik der Kunstszene und die Studentenunruhen der 1968er geht, für die finale Ausgabe ein letztes Mal den Geist des Magazins hochleben. Eine nostalgische Hommage an eine liberale Form der Welterkenntnis und Weltaneignung, den feuilletonistischen Blick und den Qualitätsjournalismus, spielerisch umgesetzt durch ein spielfreudiges Star-Ensemble und ein wahres Füllhorn an poetischen Angeboten in der visuellen Gestaltung. ----------------------------------- Rüdiger Suchsland: Die ist ein großar­tiger, sehr lustiger und perfekt gemachter Film. Dieses Meis­ter­werk des Episo­dischen beweist auch: Anderson ist eben nicht nur manie­rierte Ober­fläche, auf die auch viele Vertei­diger Andersons seine Filme gerne redu­zieren. Sondern er formu­liert in diesem Fall sogar eine poli­ti­sche Botschaft: Die Vertei­di­gung von Freiheit und Inef­fi­zienz, von Ennui und Blasiert­heit. Dieser Film ist ein einziger Genuss!
  • Donnerstag, 16. Dezember 2021 - 20:30
    Als eine junge Frau aus der Wohngemeinschaft mit ihrer Freundin auszieht, bricht eine über Jahre gewachsene Einheit auf und hinterlässt auch im Leben benachbarter Figuren Risse. Ein elaboriertes Beziehungskarussell, in dem Menschen, Tiere, Dinge, Blicke, Handlungen, Worte, Klänge und Farben wie Scharniere ineinandergreifen. Eine mal komische, mal abgründige Erzählung über fehlbare Beziehungen, unerfülltes Begehren, Nähe und Einsamkeit. - Sehenswert ab 16.
  • Freitag, 10. Dezember 2021 - 20:30
    Der charismatische Rancher Phil Burbank (Benedict Cumberbatch) flößt seinen Mitmenschen häufig Angst und Ehrfurcht ein. Als sein Bruder eine neue Frau (Kirsten Dunst) und ihren Sohn nach Hause mitbringt, schikaniert Phil sie zunächst. Doch dann eröffnet sich ihm selbst die Möglichkeit auf Liebe. Auf dem Filmfest von Venedig wurde Jane Campion mit dem „Silbernen Löwen“ für die Beste Regie ausgezeichnet. =========================================== In den 1920er-Jahren bewirtschaften zwei Brüder eine große Ranch in Montana. Als der eine sich mit einer Witwe verheiratet, macht sein dominant auftretender Bruder erst dieser und dann ihrem sensiblen Sohn das Leben zur Hölle. Doch dann ändert er plötzlich sein Verhalten und gebärdet sich als Beschützer des Jungen. Der Spätwestern hinterfragt vor der beeindruckenden Kulisse rauer Landschaften das Männlichkeitsbild des Cowboys und wie es von dem sozialen Wandel im 20. Jahrhundert beeinflusst wird. Meisterliche Darsteller erwecken hochkomplexe Figuren in einer Geschichte zum Leben, die genreeigene Vorstellungen von Stärke und Schwäche einer umfassenden Neuinterpretation unterzieht. – Sehenswert ab 16.
  • Donnerstag, 09. Dezember 2021 - 19:00
    Der Dokumentarfilm "Tagebuch einer Biene" folgt dem Leben einer einzigen Biene, von Geburt an. Dank neuer Kamera-Makro-Technik gelingen spektakuläre Aufnahmen aus einem faszinierenden Mikro-Kosmos. ------------ Wir halten das Leben eines Insekts für kurz und unbedeutend. Was kann man schon in einem sechswöchigen Insektenleben erleben? Und sind Bienenvölker nicht der Inbegriff des Kollektivs – tausende tumbe Arbeitsbienen im Dienste einer Königin? Die neueste Wissenschaft allerdings zeichnet ein ganz anderes Bild: Bienenvölker sind nicht so homogen wie wir glauben, sondern voller unterschiedlicher Individuen mit sehr verschiedenen Aufgaben, Fähigkeiten und sogar Vorlieben. Auch unter Bienen gibt es mutige, feige und – ja – faule Exemplare. Und jede einzelne Biene stellt sich den Herausforderungen ihres Lebens – Hornissen bekämpfen, Blumen und den geeigneten Ort zum Nestbau finden. Dabei zeigen sie außerordentliche Intelligenz und soziale Fähigkeiten: Bienen helfen sich gegenseitig bei Gefahren und fliegen am liebsten in den gleichen Teams hinaus in die Welt. Aber wehe, sie werden vom Regen überrascht – ein einziger Regentropfen könnte tödlich sein… Ein Bienenleben mag nur sechs Wochen dauern, aber für die Bienen ist dies ein ganzes Leben.
  • Freitag, 03. Dezember 2021 - 20:30
    In seiner grotesken Komödie beschäftigt sich das französische ­Filmemacherduo Gustave Kervern/Benoît Delépine mit dem Fluch des Internets: Dafür gab es auf der Berlinale 2020 einen Silbernen Bären und zahlreiche Publikumspreise ------------- Drei Nachbarn aus einer Wohnsiedlung haben sich in den Fallstricken der digitalen Welt verfangen und geraten immer tiefer in finanzielle und psychische Abhängigkeiten. Um ihre ärgsten Probleme aus der Welt zu schaffen, beschließen sie, ihre Daten bei den großen Internetkonzernen zu löschen, stoßen bei der Umsetzung ihres Plans jedoch auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten. Eine durch eine Vielzahl von gelungenen Gags und spielfreudige Darsteller sehr unterhaltsame Satire auf digitale Hörigkeit und die Auswüchse des Online-Konsums.
  • Donnerstag, 02. Dezember 2021 - 19:30
    Die Musikerin und Filmemacherin Janna Ji Wonders erforscht mit feinem Gespür für Bildrhythmen und erzählerische Dramatik die Geschichte ihrer Familie, die fünf Generationen umgreift und sich auf die Frauen konzentriert. Der Familien-„Stammsitz“, ein Ausflugscafé am Walchensee in Oberbayern, wird zum magischen Ort einer Chronik, die aus reichlich sprudelnden Archivquellen geradezu intim Lebenslinien nachzeichnet und zugleich epochentypisch durchsichtig macht. Alle Frauen der Familie mussten sich gegen patriarchale Widerstände behaupten, egal welchen Lebensentwürfen sie folgen. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 26. November 2021 - 20:30
    Wer glaubt, dass man das Thema der sozialen Ghettos in Deutschland nicht mehr variieren kann, sollte sich diesen Film ansehen, der eine queere Thematik ohne jede Verrenkung damit verbindet. (EPD-Film) ------------------ Sehr lässig, sehr komisch – und damit ein seltenes Ereignis im deutschen Kino: Das Debüt des Regisseurs Florian Dietrich zeigt einen jungen Mann, der seine Freiheit gegen deutsche Behörden behaupten muss. (DER SPIEGEL 38/2021)
  • Donnerstag, 25. November 2021 - 19:30
    Mit ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Work Hard – Play Hard“ setzte die Regisseurin Carmen Losmann sich mit den Wirkungen des modernen Human Ressource Managements auseinander. Mit OECONOMIA, der auf der Berlinale 2020 seine Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde, setzte sie ihre eindringlichen Recherchen zu den zerstörerischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur. – Ein Film von brennender Aktualität.
  • Freitag, 19. November 2021 - 20:30
    Romantische Tragikomödie um ein Paar in den Dreißigern, das sich den entscheidenden Fragen stellt: Zusammenbleiben, Kind, Heirat. ------------- „Nö“: So heißt die hinreißende neue Kinokomödie von Dietrich Brüggemann, Mitinitiator der Aktion „Allesdichtmachen“. Und obwohl das Skript älter ist als das Coronavirus, geht es sogar ums Impfen. Und um eine Liebe zwischen Grün und Gelb. (Kritik von Hanns-Georg Rodek in der Welt) ------------------------------------ Nach Heil nun Nö: Wieder gelingt Dietrich Brüg­ge­mann ein elek­tri­sie­rend aktuelles Deutsch­land­pan­orama. Auf unnach­ahm­lich uner­schro­ckene Weise nimmt der gebürtige Münchner und Mit-Initiator von #alles­dicht­ma­chen stets die ganze Gesell­schaft samt ihrer Talkshow-, Geschlechts­de­fi­ni­tions- und sonstigen Neurosen in den Fokus. »Nö«, antwortet die Schau­spie­lerin Dina – gespielt von Anna Brüg­ge­mann, die mit ihrem Bruder auch das Drehbuch schrieb – ihrem Freund, dem Chirurgen Michael (Alexander Khuon), auf die Frage, ob sie sich nicht doch lieber trennen wollten. Er habe nämlich das Gefühl, sagt er im Halb­dunkel des Bettes, »wir ziehen hier ein Programm durch, was eine schwei­gende imaginäre Gruppe von uns erwartet«. In 15 Tableaus, die mit über­bor­dender Spiel­freude ins Surreale abheben, entwirft Brüg­ge­mann den Lebens­lauf einer Liebe. Diese bewährt sich durch vielerlei Krisen hindurch, ausgelöst vom gefühl­s­kalten Schwie­ger­vater (Hanns Zischler gibt einen gran­diosen Patri­ar­chen) und seiner gefühls­du­se­ligen Frau (Isolde Barth), einem erwa­chenden und prompt mora­li­sie­renden Patienten auf dem OP-Tisch oder einem Kinder­ge­burtstag im Klet­ter­pa­ra­dies, bei dem der kleine Ottokar keine Getrei­de­pro­dukte verträgt. Es ist genau dieser freche Freigeist, der dem aktuellen deutschen Kino so not- wie wohltut. (Katrin Hill­gruber - artechock film)
  • Donnerstag, 18. November 2021 - 19:30
    Ein Schweineleben: Viktor Kossakovsky richtet in seinem Dokumentarfilm den Blick auf die Kreatur, in hochästhetischem Schwarz-Weiß, mit langen Einstellungen und viel Empathie. Die Hauptrolle spielt eine Sau und ihr Wurf, es tauchen aber auch Hühner und Kühe auf. (Alexandra Seitz – EPD-Film, 5 von 5 Sternen)
  • Freitag, 12. November 2021 - 20:30
    Nach dem „Anschluss“ Österreichs gerät ein jüdischer Anwalt in die Fänge der Gestapo, die Zugang zu den Konten des österreichischen Adels will. Als der Jurist sich weigert, wird er in einem Luxushotel über Monate in Isolationshaft gesteckt, wo ihm nur die Schachpartien aus einem Lehrbuch Abwechslung verschaffen. Die Neuverfilmung der berühmten Novelle von Stefan Zweig erweitert die Vorlage ins Fantastisch-Psychotische, wobei sie die Vorlage zugleich ins Bildungsbürgerliche verschiebt. Eine ambitionierte Literaturverfilmung, in der vor allem die Darsteller überzeugen. (Filmdienst) ---------- Brettspiel gegen den Irrsinn: Ein NS-Opfer überlebt Isolationshaft mit Denksport. Stefan Zweigs Klassiker verfilmt Regisseur Philipp Stölzl neu – als so kühnes wie beklemmendes Psychogramm mit einem überragenden Oliver Masucci in der Hauptrolle (Kunst & Film)
  • Donnerstag, 11. November 2021 - 19:30
    Der diesjährige Cannes-Gewinner sprengt so ziemlich alle Kategorien. Ist es ein Genrefilm? Ist es ­abgehobenes Kunstkino? Geht es mehr um Serienmord, um Maschinenliebe oder einen ver­lorenen und wiedergefundenen Sohn? In jedem Fall ist der Film eine Erfahrung. Ein Gespräch mit... Julia Ducournau
  • Freitag, 05. November 2021 - 20:30
    Historischer Hintergrund: Der Deckname "Curveball" steht bis heute für eine gewaltige Blamage. Rafed Aljanabi erzählte dem Bundesnachrichtendienst Lügen über Massenvernichtungswaffen im Irak. Die USA benutzten diese Aussagen, um 2003 den Krieg zu rechtfertigen. ---- Film: Wie eine Hintergrund-Reportage zum Afghanistan-Abzug: Das aberwitzige Lügengebäude, das der BND vor dem Irakkrieg 2003 auftürmte, nimmt Regisseur Johannes Naber genüsslich auseinander. Als brillante Polit-Satire & schwarzhumorige Geheimdienst-Farce – die leider nur allzu wahr ist.
  • Freitag, 29. Oktober 2021 - 20:30
    Eine begnadete französische Rosenzüchterin kommt mit ihrer kleinen Gärtnerei kaum mehr über die Runden, will ihren Hof in Burgund aber nicht einem Großbetrieb in den Rachen werfen. Dafür akzeptiert sie sogar Hilfskräfte, die ihr das Sozialamt zur Resozialisierung schickt, und schreckt zur Not auch vor kriminellen Mitteln nicht zurück.
  • Freitag, 29. Oktober 2021 - 17:30
    2020 erschüttert Corona das Weltgeschehen. Die Klima-Krise? Verdrängt aus dem öffentlichen Diskurs! Die jugendlichen Aktivist*innen von Fridays for Future sehen sich ihrer wirkungsvollsten Protestformen beraubt. Aber sie geben nicht klein bei. Unermüdlich forschen sie nach neuen Möglichkeiten, die Politiker*innen zum Umdenken zu bewegen. Doch von rechts hagelt es Anfeindungen und auch der innere psychische Druck ist immens. Regisseurin Kathrin Pitterling gelingt mit ihrem Dokumentarfilm ein spektakulärer Blick inside Fridays for Future und gewinnt das Vertrauen ihrer wunderbaren jungen Protagonist*innen und fängt sie in ihren wagemutigsten und verletzlichsten Momenten ein. --- Informative Langzeitbeobachtung der Berliner „Fridays for Future“-Sektion, die interessante Einblicke ins Innere der Klimaaktivisten eröffnet.
  • Freitag, 22. Oktober 2021 - 20:30
    Filmische Fortsetzung des Buches „In der Männer-Republik: Wie Frauen die Politik eroberten“ (2020), in dem mit viel Archivmaterial und aktuellen Interviews der steinige Weg von Frauen nachgezeichnet wird, die die Bonner Republik nicht den Männern überlassen wollten. Die vorzüglich recherchierte Dokumentation aus den Untiefen des selbstherrlichen Patriarchats setzt den Vorkämpferinnen der parlamentarischen Gleichbehandlung ein Denkmal. In den chronologisch angeordneten tragikomischen Erinnerungen spiegelt sich eine misogyne Ära, die schlicht fassungslos macht. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 15. Oktober 2021 - 20:30
    „Erwachsener“ Coming-of-Age-Film über einen vereinsamten Herrenschneider, der mangels Nachfrage in der Wirtschaftskrise seinen Laden in Athen aufgeben muss. Notgedrungen fertigt der 50-Jährige mit Hilfe einer handwerklich talentierten Nachbarin preiswerte Brautkleider und gewinnt so in den ärmeren Vorstädten Athens neue Kundschaft. Vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise schildert der charmante Debütspielfilm in leisen komödiantischen Szenen den Aufbruch eines Außenseiters, der sich noch einmal neu erfindet, wobei er teils märchenhafte Töne anschlägt. ––––– 4 von 5 Sternen (Filmdienst) =========================================================================== Der kleine Film aus Griechenland behandelt zwar nur das Schicksal eines Schneiders in Krisenzeiten, ist gleichzeitig aber ein tiefgreifendes Porträt von großer allgemeiner Bedeutung. ––––– 4 von 5 Sternen (EPD-Film)
  • Freitag, 08. Oktober 2021 - 20:30
    Ein 80-jähriger Mann (Anthony Hopkins) weigert sich trotz seines hohen Alters, seine komfortable Wohnung in London zu verlassen oder eine Pflegekraft zu engagieren. Doch er leidet an Demenz und ist zunehmend verwirrt. Bis sich herausstellt, dass er bereits bei seiner Tochter (Olivia Colman) und ihrem Ehemann wohnt und dringend auf die Hilfe einer Krankenschwester angewiesen ist. Packendes Drama um Demenz und Identitätsverlust, das konsequent aus Sicht der Titelfigur erzählt ist. Die Verwirrung des Protagonisten überträgt sich somit unmittelbar auf den Zuschauer. In der Hauptrolle vielschichtig und bravourös gespielt, überzeugt vor allem der Schnitt, der trotz aller Täuschungen und Widersprüche nie die Übersicht verliert. - Sehenswert ab 14.
  • Donnerstag, 07. Oktober 2021 - 19:00
    Gedreht im Sommer 2019 in Hannover und Region. Eine zentrale Episode des Films spielt auf dem Antikhof 3 Eichen in Bröckel. ----------------------------------------------- Die Rote Reihe in Hannover, eine Straße mit Geschichte, war sie doch, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Heimat des Massenmörders Fritz Haarmann. 100 Jahre nach dessen grauenvollen Taten findet dort Mimis Geburtstagsparty statt. Als die Feier sich dem Ende neigt entschließen sich die Gäste, mit Hilfe eines Ouija Boards, mit den Geistern Kontakt aufzunehmen. Die Stimmung kippt als Mimis Freund Markus und sein ehemaliger bester Freund Robert aneinander geraten. In den folgenden Tagen häufen sich die mysteriösen Vorfälle und plötzlich kommt es zu einer Reihe von Morden. Markus, Redakteur der Lokalzeitung, und seine Kollegen versuchen ebenso herauszufinden wer dafür verantwortlich ist, wie die Polizei. War es wirklich der Geist eines siebenjährigen Jungen, mit dem sie kommunizierten und kann ihnen das durchgeknallte Medium weiterhelfen? -------------------------------------------------- Warte, warte nur ein Weilchen! ist ein Gruselthriller, der in 95 Minuten viele spannende Momente, lustige Filmzitate und jede Menge Lokalkolorit enthält.
  • Dienstag, 05. Oktober 2021 - 19:00
    In ihrem Regiedebüt „Swimmingpool am Golan“ macht sich die 41-jährige Schauspielerin Esther Zimmering auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie, deren unterschiedliche Zweige nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an ganz unterschiedlichen Orten Blüten trieben. Zimmering gelingt es erstaunlich präzise, die kollektive Geschichte in Gestalt der Aufbau-Utopien von Israel wie der DDR sehr eng mit ihrer eigenen Entwicklung zu verbinden und die komplexe Familiengeschichte von 1933 bis in die Gegenwart nachzuzeichnen. (Wolfgang Hamdorf für den Filmdienst) ------------------------------ Eine persönliche Geschichte erzählt Esther Zimmering in »Swimmingpool am Golan«: So neugierig wie behutsam verfolgt sie die Spuren ihrer jüdischen Familie zwischen DDR und Israel, Sozialismus und Zionismus, und spürt dabei aber weit über das Familiäre hinausweisend den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts nach. Dabei entdeckt sie in manchen Widersprüchen erstaunliche Gemeinsamkeiten. (Patrick Seyboth für epd-Film) ------------------- Esther, das ist doch ein jüdischer Name. Und außerdem bist du ne rote Socke.“ Drei Tage nach dem Mauerfall wurde die zwölfjährige Esther Zimmering in ihrer Identität erschüttert. Von da an wusste sie: Es gibt in der untergehenden DDR auch Nazis und nicht nur aufrechte Kämpfer für Fortschritt und Weltfrieden. Eine erste Irritation hatte sie schon vorher erlebt: Als ihr Vater ihr nicht sagen durfte, wo er arbeitete – er war Arzt bei der NVA der Nationalen Volksarmee. Fast 30 Jahre später erzählt Esther Zimmering, inzwischen eine bekannte Schauspielerin die Geschichte ihrer Kindheit und Familie in ihrer ersten Regiearbeit: „Swimmingpool auf dem Golan“. Es sind verschlungene Pfade der Erinnerung und Rekonstruktion, des Aufdeckens von Familiengeheimnissen, von Vergessenem und Verleugnetem: Die Geschichte von Juden in der DDR, von einer Berliner Familie, von der nur wenige vor 1939 den Weg ins rettende Exil nach England und Palästina schafften. Zimmering ist unbedingt persönlich. Fragende frische Filme. Und es ist die Leistung der Berliner Produzenten Nora Ehrmann und Paul Zischler und der Montage von Friedrike Anders, die Unmengen Archivmaterial und die mäandernden Suchbewegungen zusammenzuhalten und zu einem konzisen Film zu fügen. Es sind solche fragenden Filme und frischen Perspektiven, die den Reiz des Programms des Festivals Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken ausmachen – die Überschreitung der schieren Tatsachen in Richtung eines Schwebezustands zwischen Wirklichkeit und Phantasie. (Rüdiger Suchsland in der Berliner Zeitung)
  • Freitag, 01. Oktober 2021 - 20:30
    Eine Familie koreanischer Herkunft zieht 1983 von Los Angeles in den Osten nach Arkansas, um dort ein neues Leben anzufangen. Der Vater will Farmer werden und koreanisches Gemüse anbauen. Doch seine Ehefrau sieht in seinem riskanten Unterfangen die Zukunft ihrer Kinder gefährdet, zudem wird die Familie nicht umstandslos akzeptiert. Mit enormer Empathie für seine Figuren erzählt der Film von der Suche nach dem gelobten Land und modernisiert subtil die Siedler-Geschichte Nordamerikas im Zeichen von Interkulturalität und neuen gesellschaftlichen Dynamiken.-— Sehenswert ab 14.
  • Donnerstag, 30. September 2021 - 17:00
    Der Künstler Karl Schaper wurde vor allem bekannt durch seine überdimensionalen, holzgeschnitzten Briefe und die erdachte Korrespondenz mit toten und lebenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik oder Märchen. Für die Darstellung seiner Ideen hat er sich stets mit den verschiedensten künstlerischen Gestaltungsmitteln und Ausdrucksformen auseinandergesetzt. Schapers Kunst ist überwiegend gesellschaftskritisch und engagiert und doch war er kein politischer Künstler. In zahlreichen seiner Werke verbinden sich aktuelle Geschehnisse mit Themen aus Geschichte und Mythologie, so dass der Werkgedanke ins Universelle ausgeweitet wird. Schaper ist ein nachdenklicher, mahnender Chronist, der die Dinge ins Bild setzt und somit für die Nachwelt dokumentiert. Karl Schaper ist einer der eindrucksvollsten regionalen Künstler seiner Generation und dieses Filmprojekt ist eine Würdigung anlässlich seines 100jährigen Geburtstages. ====================================================================================================== Das Atelier in Apelnstedt, bei Wolfenbüttel, ist das Zentrum, das sich öffnet und den Maler, Bildhauer, Grafiker und Objektkünstler Karl Schaper wieder in seinen Werken sichtbar werden lässt. Der Film zeigt einen Überblick über das große Schaffen des fast vergessenen Künstlers, der in diesem Jahr 100 geworden wäre. Zeitzeugen erinnern an ihn, seine engagierte und gesellschaftskritische Kunst, gepaart mit seiner einmaligen Art, mit Witz und Ironie. Ein Künstler, der in seinen Werken den Bogen von der kleinen zur großen Welt, von Apelstedt bis zur Arche Noah zieht. Karl Schaper sagte über seine Kunst: "Meine Waffe ist der Spiegel, ist die Falle, ist das sentimentale Taschentuch der Vergangenheit. Alle Waffen sind gefährlich, auch für den, der sie anwendet."
  • Freitag, 24. September 2021 - 20:30
    Vier Lehrer an einer dänischen Schule lassen sich von der Idee eines natürlichen Alkoholdefizits anstecken und versuchen ihre verbrauchte Lebensenergie mit Wein und anderen Aufputschmitteln wieder anzufachen. Das geht zumindest anfangs auf, steigert sich aber schnell bis zum Delirium. Die schwarze Komödie seziert facettenreich die Bedingungen des Alkoholismus in Wohlstandsgesellschaften und wahrt dabei gleichermaßen Abstand zur sentimentalen Buddy-Komödie wie zum moralinsauren Drama. Eine glänzend inszenierte und gespielte Tragikomödie über die sozialen und gesundheitlichen Gefahren des Alkohols. -— Sehenswert ab 14.
  • Dienstag, 21. September 2021 - 19:30
    Filmische Aufbereitung der Recherche zur Biografie von Ernst Otto Karl Grassmé, den die Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren als schizophren diagnostizieren und zwangssterilisieren ließen. Seiner Ermordung entging er, weil er sich in einer Moorlandschaft versteckte und dort das Dritte Reich überlegte. Doch auch in der Nachkriegszeit blieb ihm eine Wiedergutmachung verwehrt. Durch den assoziativen Umgang mit Bild und Ton gelingt eine formal hochinteressante Mischung aus Porträt, Historie, Alltags- und Kulturgeschichte. – Ab 14.
  • Freitag, 10. September 2021 - 20:30
    Siebter Teil der Filmreihe um den niederbayerischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer, bei dem die kriminalistische Handlung – der Mord an einem lokalen Erotik-Webcam-Girl – erneut nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im Zentrum stehen die Irrungen und Wirrungen im Leben des tiefenentspannten Ermittlers, die einmal mehr durch Freunde und Familie munter vorangetrieben werden. Der vergnügliche Film ist ein Glanzstück in der Reihe nach den Kriminalromanen von Rita Falk. Neben dem pointensicheren Drehbuch und der flotten Inszenierung überzeugt einmal mehr das hervorragend aufeinander eingespielte Ensemble. – Sehenswert ab 14.
  • Donnerstag, 09. September 2021 - 19:30
    1959 unternahm der Schriftsteller Pier Paolo Pasolini eine Reise entlang der italienischen Küste, von Ventimiglia bis Triest. Daraus entstand eine Reportage über die nivellierende Transformation der italienischen Nachkriegsgesellschaft. 60 Jahre später wiederholt der Filmemacher Pepe Danquart diese Reise, um den Blick von Gestern mit der Gegenwart zu konfrontieren. Der Befund dieses dunkel-luftigen Road Movies ist von erschütternder Trostlosigkeit, die nicht nur Pasolinis Pessimismus bei weitem übertrifft, sondern gleichzeitig von der Zukunft Südeuropas unter den Bedingungen einer kommenden Weltordnung erzählt. -— Sehenswert ab 14. ------------------------------------------ 60 Jahren nach Pier Paolo Pasolini wiederholt Pepe Danquart dessen Reise entlang der Küsten Italiens und entwirft ein ernüchterndes Bild Südeuropas.
  • Freitag, 03. September 2021 - 20:30
    Eine Frau aus dem Mittleren Westen der USA hat nach der großen Rezession in Folge des Bankencrashs 2008 alles verloren. Sie packt ihre Sachen und bricht mit ihrem Van zu einem Leben als Auto-Nomadin auf. ------------------------------ Mit der großartigen Frances McDormand – unter anderem bekannt aus:Three Billboards outside Ebbing, Missouri
  •   Donnerstag, 19. August 2021 - 15:00 bis - 16:40
    Die ehrgeizige Tochter des Teufels will endlich die in der Hölle erlernte Theorie in die Praxis umsetzen und wird von ihrem Vater ins Umfeld einer Öko-Familie auf dem Land versetzt, wo sie die brave Tochter zu Missetaten anstiften soll. Dabei gerät die Nachwuchsteufelin selbst bald in emotionale Nöte, als sie sich in den Schulrebellen verliebt und das mit aller Macht zu unterdrücken versucht. Eine trefflich besetzte, mit authentisch-altersgerechten Dialogen glänzende Teenie-Komödie, die trotz ihrer Konzepthaftigkeit als charmante Abwandlung des Mephisto-Motivs in Bann zu ziehen versteht. – FSK: ab 6 - pädagogische Empfehlung des Filmdienst: ab 12 Kathrin Häger für den Filmdienst
  •   Sonntag, 15. August 2021 - 16:00 bis Sonntag, 15. August 2021 - 18:00
    Emma züchtet und schlachtet Schweine auf ihrem heruntergekommenen, hoffnungslos verschuldeten Bauernhof, der kurz vor der Zwangsversteigerung steht. Seit Jahren betet sie vor dem Schlafengehen: “Lieber Gott, mach mich reich oder glücklich.” – von "und" war eigentlich nie die Rede. Aber eines Nachts wird Emma von einem lauten Knall geweckt – nicht mal eine halbe Stunde später hat sie eine Tüte voller Geld unter ihrer Matratze und einen bewusstlosen Mann auf ihrem Bett liegen – Max. Er hat seinem Freund Hans Schwarzgeld und einen Ferrari geklaut, mit dem er in der Kurve von der Landstraße abgekommen und so auf Emmas Hof gelandet ist. Der Beginn einer skurrilen und herzzerreißenden Liebesgeschichte.
  •   Sonnabend, 14. August 2021 - 19:00 bis Sonnabend, 14. August 2021 - 21:00
    Dreimal ausverkauft bisher und nun zum vierten und fünften Mal in Celle und nicht so ganz nebenbei am Samstag die hunderste Vorführung von "Emmas Glück"! Stefan Eichardt vom Kino achteinhalb sagt: "Emma" ist wirklich ein Glücksfall, wo einfach verdammt vieles passt und sich zu einem unvergesslichen, beglückenden Theaterabend fügt."
  • Dienstag, 03. August 2021 - 15:00
    Ein britisches Mädchen wird nach dem Tod ihrer Eltern 1947 aus Indien auf das düstere Landgut ihres Onkels in England geschickt. Da sich niemand für sie interessiert, erkundet sie das große Anwesen, schließt Freundschaft mit ihrem kranken Cousin und entdeckt einen geheimen Garten voller Farbenpracht und magischer Pflanzen. Beeindruckende, werkgetreue Neuverfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs, die der Faszination der Vorlage nachspürt und den Garten als grenzenlose Welt gestaltet, in der sich stetig alles zu verändern scheint.
  • Dienstag, 20. Juli 2021 - 19:30
    „Vorzeit" mit dem Untertitel „Eloge auf Griechenland" ist der erste Film der geplanten „Griechenland Saga" des in Celle geborenen und aufgewachsenen Filmregisseurs Harald Bergmann. Ursprünglich sollte es darin um die Frühzeit des Landes und die Hochkultur der Minoer gehen; vor Ort entschied sich der Filmemacher jedoch, den Blick auf das gegenwärtige, krisengebeutelte Griechenland zu weiten.
  • Freitag, 30. Oktober 2020 - 20:30
    Die Straßenhündin Laika war das erste Lebewesen, das vom Weltall aus auf die Erde blickte. Der essayistische Dokumentarfilm denkt Laikas Geschichte, die mit dem qualvollen Hitzetod in ihrer Raumkapsel zu Ende ging, als einen melancholischen Mythos weiter. Archivbilder vom Training anderer Weltraumhunde und Aufnahmen von ihren Nachfahren in den Straßen von Moskau vermengen sich zu einer faszinierenden Erforschung der Conditio humana aus der Perspektive von Lebewesen, die in ihrem Schatten leben.
  • Freitag, 23. Oktober 2020 - 20:30
    Ein tragikomischer Erzählteppich über die „conditio humana“, bestehend aus zahlreichen kleinen Szenen, die durch eine Erzählerinnenstimme verbunden sind. Angesiedelt in der für Roy Andersson typischen kulissenhaften, in blassen Grau- und Beige-Tönen gestalteten Welt erleben diverse Figuren kleine und große, tragische und banale Alltagsdramen und ab und an kleine Glücksmomente. Vom Priester, dem der Glaube abhandengekommen ist, bis zum um sein Leben flehenden Mann vor der Hinrichtung, vom Vater, der seiner kleinen Tochter den Schuh zubindet, bis zu spontan tanzenden Mädchen durchmisst der Film melancholisch-satirisch die Absurditäten und Schönheiten der menschlichen Existenz. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 16. Oktober 2020 - 20:30
    Ein in der Haft bekehrter junger Mann wird nach Ostpolen aufs Land geschickt, wo er sich in einem Sägewerk bewähren soll. In dem fremden Dorf gibt er sich als Priester aus und übernimmt die Stelle des erkrankten Pfarrers, was sich als Glücksfall entpuppt, da er nach einem tragischen Unglück die aufgebrachte Atmosphäre mit unkonventionellen Mitteln zu befrieden versucht. Das mit kühler Sachlichkeit inszenierte Drama erinnert an die Filme von Robert Bresson und entwirft ein differenziertes Zeitbild der polnischen Gesellschaft, die mit moralisch-ethischen Herausforderungen ringt. – Sehenswert ab 14.
  • Freitag, 09. Oktober 2020 - 20:30
    Die französische Filmdiva Fabienne (Catherine Deneuve) mimt in ihren Memoiren vortrefflich die Rolle der hingebungsvollen, liebenden Mutter. Ihre Tochter Lumir (Juliette Binoche) hingegen hat ganz andere Erinnerungen an die Kindheit mit einer Frau, die sich stets im Licht der Öffentlichkeit sonnte. Als die Drehbuchautorin mit Ehemann Hank (Ethan Hawke) und dem gemeinsamen Kind aus New York nach Paris zurückkehrt, versucht sie, ihre Mutter mit den verdrehten Wahrheiten in deren Autobiographie zu konfrontieren. Ein emotionales Familiendrama mit feinem Humor – der neue Film von Hirokazu Koreeda (Shoplifters – Familienbande, Like Father, Like Son, Unsere kleine Schwester).
  • Dienstag, 06. Oktober 2020 - 15:30
    Die Geschichte eines alten Ganoven im ländlichen Texas der 1980er-Jahre, der nonchalant und nicht ohne Mitgefühl für seine Opfer Banken ausraubt und 17 Mal aus Gefängnissen ausgebrochen ist. In seinem angeblich letzten Film entwirft der US-Schauspieler Robert Redford das facettenreiche Porträt eines charismatischen Gauners, dem sogar die von ihm Bestohlenen zugestehen, dass er immer ein Gentleman gewesen sein. Ein zwischen hintersinniger Komik und lyrisch akzentuiertem Realismus schwebendes Alterswerk, das sehr gelungen den Redford-Mythos vom Sundance Kid in einer seinem Alter und der Zeit angepassten Form wiederbelebt. (von Franz Everschor – Filmdienst) –––––––––––––––––––––––––––– Eine Geschichte, die man nicht erfinden könnte. Tatsächlich ist sie in den Achtzigerjahren ungefähr so auch passiert: Forrest Tucker (Robert Redford) ist ein Bankräuber, und nicht einmal, als er sich in Jewel (Sissy Spacek) verliebt, kann er den Kreislauf seines Lebens durchbrechen - Banken ausrauben, geschnappt werden, aus dem Knast ausbrechen. David Lowerys leise, nostalgische Komödie lebt vom charmanten, minimalistischen Spiel Robert Redfords, der schon angekündigt hat, dies werde sein sein letzter Auftritt auf der Leinwand sein. (von Susan Vahabzadeh – Süddeutsche Zeitung)
  • Dienstag, 01. September 2020 - 15:30
    Ost-Berlin, im Jahr 1989. Die junge, schwangere Anne ist fest entschlossen, durch einen Trick illegal, aber trotzdem ganz "offiziell" aus der DDR auszureisen: Ein gefälschter West-Pass soll ihr das Tor in die Bundesrepublik öffnen. Zu diesem Zweck reist sie mit ihrem rebellischen Freund August zur Montagsdemonstration nach Leipzig – sehr zum Unmut ihres Vaters Otto, seines Zeichens ein berühmter DDR-Staatsschauspieler. Als Otto erfährt, dass dieses Mal Soldaten mit Gewalt gegen die Proteste vorgehen sollen, will er das Schlimmste verhindern. Da er ein begnadeter Erich-Honecker-Imitator ist, verkleidet er sich kurz entschlossen als Regierungschef Honecker und will ins Zentralkomitee spazieren, um den Schießbefehl zurückzunehmen. Aber es kommt anders: Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet er in Wandlitz bei Margot Honecker. Zwar gelingt es ihm, mit seiner Maskerade sogar die Honecker-Gattin zu täuschen, allerdings muss er nun schleunigst einen Weg finden, um aus der Sache wieder herauszukommen.
  •   Mittwoch, 11. März 2020 - 20:00 bis - 22:00
    Ort: Nordwall 46, 29221 Celle, Deutschland Kategorien: Jan/Tine, Kooperation, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Kunst & Buehne, Cinespanol, Musik, 2020
    Jan und Tine von unserem CinEspanol, beide waren mehrmals für längere Zeit in Argentinien, organisieren einen Gastauftritt der Band "A Love Electric" (ALE) in KUNST & BÜHNE.
  • Montag, 09. März 2020 - 19:30
    Links, rechts, militant, staatszerstörend, chaotisch – das Bild der „Gilets jaunes“ in der Presse ist diffus, aber oft negativ. Jeder stellt die „Gelbwesten“ in eine andere Ecke. Die Verwirrung ist groß. Aber niemand kann die Geschichte glaubhafter erzählen als die Aktivist*innen selbst. Jetzt gibt es Gelegenheit, den Film zu sehen, in dem sich die Gelbwesten selbst portraitieren. Ein Film, der bereits über 175.000 Zuschauer in Frankreich durch seine Menschlichkeit, Genauigkeit und Sensibilität begeistert hat! "J'veux du soleil" (dt: 'Ich möchte in der Sonne stehen') Dokumentarfilm von Francois Ruffin über die französischen Gelbwesten.
  • Freitag, 06. März 2020 - 20:30
    „So kann es mit den Eltern einfach nicht weitergehen!“, denkt sich Maxime (Michaël Cohen). Sein Vater Victor (Daniel Auteuil) wird zunehmend zu einer Nervensäge, die mit sich, der Welt und dem Alter über Kreuz liegt. Seine Frau Marianne (Fanny Ardant) ist das genaue Gegenteil. Victors ewige schlechte Laune wird ihr schließlich zu viel. Sie setzt ihn kurzerhand vor die Tür. Victor braucht definitiv Hilfe! Und Maxime hat eine Idee. Sein Freund Antoine (Guillaume Canet) hat eine Firma, „Time Travellers“, die gut betuchten Kunden ermöglicht, in einem raffiniert eingerichteten Filmstudio in eine Zeit ihrer Wahl zu reisen. Victor willigt ein. Er entscheidet sich für das Jahr 1974, den exakten Tag, an dem er sich in seine Frau Marianne verliebt hatte. Anfangs skeptisch, lässt er sich immer mehr in den Bann der Erinnerungen ziehen. Und die Kulisse aus Neonlichtern, Schlaghosen und Zigarettenrauch wird zu einer Reise, in der die betörende Schauspielerin Margot (Doria Tillier) die Grenze zwischen damals und heute verschwimmen lässt …
  • Donnerstag, 05. März 2020 - 19:30
    Zwei Männer, ein Leuchtturm, Einsamkeit und Wahnsinn: Robert Eggers' atmosphärisches Kammerspiel verbindet Motive des Gruselkinos, des metaphysischen Melodrams und der Komödie zu einem eigenwilligen, kaum klassifizierbaren Filmwerk. Eine Liga für sich: die beiden Darsteller Unheimlich oder unheimlich komisch? In Robert Eggersʼ neuem Film nach »The Witch« (2015) treiben sich Willem Dafoe und Robert Pattinson als Leuchtturmwärter gegenseitig in den Wahnsinn. Und Eggers zeigt erneut stilistisch großen Eigenwillen Fantasy-Horrorfilm um einen älteren Leuchtturmwächter und seinen jungen Gehilfen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts auf einer winzigen Insel vor der Küste Maines gegenseitig beharken, weil die lange Isolation an ihrer mentalen Verfassung rüttelt. Ende des 19. Jahrhunderts setzt ein junger Mann an der Küste Neuenglands auf eine einsame Insel über, um als Gehilfe eines Älteren den Leuchtturm zu warten. Lange Zeit sprechen die Männer nicht miteinander, bis ein Sturm tagelang verhindert, dass ein Versorgungsschiff anlegt, um Lebensmittel zu bringen und den verzweifelten Assistenten abzulösen. Das verstörende Drama ist in Schwarz-weiß und in einem fast quadratischen Format gedreht, was die klaustrophobische, durch tiefe Kontrabass-Streicher ins Unheimliche tendierende Atmosphäre verstärkt. Die Darsteller hingegen liefern sich in ausgefeilten, mitunter komischen Dialogen ein immer stärker eskalierendes Duell. ---- mit Willem Dafoe und Robert Pattinson
  • Dienstag, 03. März 2020 - 15:30
    Das Musical des 31-jährigen Regisseurs Damien Chazelle mit dem selbstironischen Bezug "La La Land" im Titel gewann 241 Filmpreise und wurde für 276 weitere nominiert. Bei der "Golden Globe"-Verleihung 2017 brach "La La Land" mit 7 Golden Globes den bisherigen Rekord von "Einer flog über das Kuckucksnest" (1976 - 6 Golden Globes).
  • Sonntag, 01. März 2020 - 16:00
    Die Tiere der Mossy Bottom Farm um das aufgeweckte kleine Schaf Shaun werden von einem kleinen außerirdischen Mädchen besucht, dessen Raumschiff in der Nähe abgestürzt ist. Die Begegnung mit dem Alien führt zu einer Reihe von Abenteuern, doch müssen die Schafe und ihr Hütehund schließlich darauf hinarbeiten, ihre Besucherin wieder auf dem Weg nach Hause zu helfen. Aus einer Reihe von Sketchen geformter Knetanimationsfilm im klassischen Stil der Aardman-Studios als zweites Kinoabenteuer von Shaun, dem Schaf. Mit unbändigem Detailreichtum und etlichen einfallsreichen Zitaten erzählt der charmante Film aus kindlicher Perspektive von Solidarität und Freundschaft. – Sehenswert ab 8.
  • Freitag, 28. Februar 2020 - 20:30
    Ladj Ly schickt in seinem Spielfilmdebüt einen Provinzpolizisten in den sozialen Brennpunkt einer Pariser Vorstadt, wo er unmittelbar Ausschreitungen und den Machtkampf zwischen Gangs und Staatsgewalt erlebt. Packendes, authentisches Drama und Frankreichs Oscar-Kandidat: »Les Misérables« - Frankreichs Oscarkandidat über die Gewalt zwischen Gangs und Polizei in einem Pariser Vorort spielt gekonnt mit Bezügen auf Victor Hugos »Les Misérables«
  • Dienstag, 25. Februar 2020 - 19:30
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Eintritt frei, Kooperation, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Rosa-Luxemburg-Club Celle, Vortrag, Diskussion, 2020
    BlackRock, Vanguard und State Street – allein die drei größten Finanzkonzerne verwalten Finanzvermögen im Wert von 15 Billionen US-Dollar (Das sind rund 2.000 US-Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung – vom Neugeborenen in Ruanda bis zur Greisin in Japan.). Mit Anteilen an fast allen großen Unternehmen und dem Kapital für politisches Lobbying über Partei- und Ländergrenzen hinweg haben sie eine bisher ungekannte Machtfülle. Jens Berger (NachDenkSeiten) hat ein neues Buch geschrieben und fragt: Welche Folgen hat es, wenn ganze Industrien von wenigen Finanzinstituten dominiert werden? Bringt die Finanzlobby unser ohnehin schon kaputtgespartes Rentensystem zum Kollaps? Welche Rolle spielen BlackRock-Gründer Larry Fink und sein deutscher Chef-Lobbyist Friedrich Merz? Berger wirft ein Schlaglicht auf die heimliche Herrschaft der Finanzeliten und ihre beflissenen Gehilfen in Wirtschaft und Politik – und er zeigt, was jetzt getan werden muss, um das Schlimmste vielleicht noch zu verhindern.
  • Freitag, 21. Februar 2020 - 20:30
    Immer wieder zieht Joseph die Notbremse. Und immer wieder sagen sie ihm, er solle das lassen. Die Sozialarbeiter Bruno und Malik (Vincent Cassel, Reda Kateb) bringen viel Geduld auf für jugendliche Autisten, für Verweigerer, Problemfälle und Notbremsenzieher. Doch in Zeiten von Rationalisierung und Effizienz finden sie dafür immer weniger Verständnis. Ein sozialkritisches Lehrstück ist der neue Film des "Ziemlich beste Freunde"-Duos Olivier Nakache und Éric Toledano zum Glück aber nicht, dafür macht er zu viel Spaß, ist gefühlvoll und mitreißend. (Josef Grübl - Süddeutsche Zeitung)
  • Donnerstag, 20. Februar 2020 - 19:00
    Passiver Widerstand: Weil er den NS-Kriegsdienst aus Glaubensgründen verweigerte, wurde der österreichische Bauer Franz Jägerstätter 1943 hingerichtet. Sein Schicksal verfilmt Regisseur Terrence Malick als brillante Reflexion über Prinzipientreue. (Renée-Maria Richter auf Kunst und Film) ––––– mit August Diehl + Valerie Pachner + Tobias Moretti + Bruno Ganz + Ulrich Matthes + Martin Wuttke + Alexander Fehling + Franz Rogowski + Sophie Rois + Maria Simon
  • Am Montag, 17. Februar 2020
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Film, Archiv, Schulkino, 2020
    Jede Schule kann aus über 100 Filmen (siehe Katalog), denjenigen auswählen, den sie sehen möchte. Die Anfangszeiten sind mit dem Kino achteinhalb frei vereinbar. Buchungen sowie Tausch der Filmtitel sind bis zum 7. Februar möglich. Der Eintritt beträgt 4 Euro.Jede Schule kann aus dem Katalog über 100 Filmen, denjenigen auswählen, den sie sehen möchte. Buchungen sind bis Ende der ersten Februar Woche möglich. Der Eintritt beträgt 4 Euro.
  • Sonntag, 16. Februar 2020 - 17:00
    Der Dokumentarfilm begibt sich in Indien auf Spurensuche nach den Ursprüngen des modernen Yoga und seines "Vaters" T. Krishnamacharya (1890-1989), der aus überlieferten Praktiken das entwickelte, was bis heute als Yoga praktiziert wird. Eine vielschichtige Annäherung an den Guru, sein Leben und seine spirituelle Philosophie, die durch ihr Bemühen um Verständnis und eine kluge Montage besticht. Über das Thema "Yoga" hinaus entwirft der Film ein nuanciertes, facettenreiches Bild des modernen Indien. (Teils O.m.d.U.) - Ab 14.
  • Sonnabend, 15. Februar 2020 - 18:00
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: deutscher Film, Tragikomoedie, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, 2020
    Am Freitag, den 20. Januar, 1995 lief unsere erste öffentliche Filmvorführung (damals noch in Altenhagen). Diesen Samstag möchten wir mit unserem Publikum auf das fünfunfzwanzigjährige Bestehen des „achteinhalb – Kino & Kultur e.V.“ anstoßen. Kulinarisch laden wir Sie/Euch zu Fingerfood & Sekt und Kaffee & Kuchen ein, cineastisch zu Kurzfilmen, die wir bei der Kurzfilmagentur HH geliehen haben.
  • Freitag, 14. Februar 2020 - 19:30
    Polizeihauptmeister Karl Simon leitet ein SEK in Düsseldorf. Bei einem Einsatz gegen die Mafia entkommt ein Verdächtiger. Doch Simon hat seinen ehemaligen Kollegen Heinz Schaefer wiedererkannt. Dieser soll vor Jahren Selbstmord begangen haben, nachdem er in einer Verzweiflungstat sein behindertes Kind getötet hatte. Die Suche nach dem „Phantom“ erweist sich für Simon und seine Kollegen als lebensgefährlich. Denn mit aller Macht versuchen die Verantwortlichen, ein Komplott von Politik und organisiertem Verbrechen zu vertuschen … Vor 25 Jahren erlebte die deutsche Spielart des italienischen Giallos ihre Erstaufführung. Für den Director’s Cut hat Dominik Graf seinen harten Polizei-Thriller nun um drei Szenen ergänzt. Das Restaurierungsteam der Bavaria Film fügte diese Szenen, die nicht mehr auf 35-mm-Material zur Verfügung standen, aus der Magnetbandaufzeichnung der Rohschnittfassung in die ursprüngliche Kinofassung ein. Dabei mussten sie an das hochwertige, digital bearbeitete 4K-Material angeglichen werden. Insbesondere die Tonbearbeitung der bisher nie gemischten Szenen verlangte viel Aufmerksamkeit.
  • Donnerstag, 13. Februar 2020 - 19:00
    Der Name achteinhalb ist inspiriert von dem gleichnamigen Film Federico Fellinis aus dem Jahre 1962. „Otto e mezzo (achteinhalb)“ handelt über die Schaffenskrise eines Filmregisseurs. Es war der 8 ½ Film des Regisseurs Fellini (einen seiner vorherigen Filme hatte er in Co-Regie produziert). Auch Fellini musste für sein Filmprojekt einen Namen finden. Der Arbeitstitel des Films während der Produktion hieß „la bella confusione“; der französische Filmtheoretiker Christian Metz schrieb: „8½ ist der Film, in dem 8½ entsteht“. All dies passte gut zum Celler Kinoprojekt: Wir waren ursprünglich acht Aktivisten (und mindestens ein halber, der unterstützte, war stets im Hintergrund dabei), wir verfügten über kein programmatisches Konzept oder andere inhaltliche Zielvorstellungen, sondern alles war „work in progress“, war improvisiert – und wir fingen erst mal an, Filme zu zeigen und zu sehen, was sich entwickelt. Der Name sollte daher nicht vorgeben, was man vorhat, sondern das, was man tut, sollte dem Namen seinen Inhalt verleihen. Der Beginn der Kinoabende wurde folgerichtig auf 20.30 Uhr gelegt, der Eintritt betrug seinerzeit 8,50 DM (was laut Inflationsrechner heutzutage ca. 7,50 Euro entsprechen würde).
  • Freitag, 07. Februar 2020 - 20:30
    Wie eine Agatha-Christie-Verfilmung auf Speed – „Knives Out“ ist eine phänomenal besetzte Krimifarce, die das Genre zu gleichen Teilen bedient und ad absurdum führt. Das macht Spaß, lädt zum Mitraten ein und wird von Rian Johnson obendrein in hochelegante Bilder gekleidet, in der nicht nur der fantastische Cast bestens zur Geltung kommt, sondern auch die vielen Twists und Wendungen in einem perfekten Licht erstrahlen. (Antje Wessels) ––––––– Krimis sind enorm beliebt, nur im Kino gibt es sie kaum. «Knives Out» ist die brillante Ausnahme. (Denise Bucher – Neue Züricher Zeitung)
  • Dienstag, 04. Februar 2020 - 15:30
    Eigener Text Kino achteinhalb: Der gebürtige Engländer Stan Laurel (1895 – 1965) und der US-Amerikaner Oliver Hardy (1892 – 1957) bildeten in den dreißiger Jahren das beliebteste Komiker-Duo der Welt. Ihren letzten Film drehten sie 1951 – ihren vorletzten 1945. Sechzig Jahre alt und weitestgehend in Vergessenheit geraten begeben sie sich 1953 auf eine strapaziöse, achtmonatige Tour durch Großbritannien, in der sie ihre Sketche live auf der Bühne spielen und versuchen, an alte Erfolge anzuknüpfen. Zu Beginn ihrer Tour kreuz und quer durchs Land sind die Zuschauerräume enttäuschend leer. Doch nach einigen Wochen beginnt der Funke auf ihr Publikum überzuspringen. Es gelingt ihnen durch den Charme und die Brillanz ihrer Aufführungen, alte Fans zurückzugewinnen und neue zu begeistern: Die Tour wird zu einem Riesenerfolg vor ausverkauften Sälen in den renommiertesten Theatern des Landes. Doch gesundheitliche Probleme und jahrelang unausgesprochene Kränkungen belasten den weiteren Verlauf der Tour. – Ein im besten Sinne anrührender Film, der einem die besondere Komik des Duos nahebringt und in dem Steve Coogan und John C. Reilly als Stan & Ollie brillieren. ––––––– Manch einer verwechselt den Humor von Stan & Ollie mit Slapstick. Zu Beginn des Stummfilms betätigten sich viele Leinwandkomiker im Slapstick. Dort wurde eine brachiale, körperbetonte (Prügeleien, Verfolgungsjagden, Tortenschlachten) aber auch anarchistische Komik zelebriert – wobei nicht wenige Lacher aus Schadenfreude resultierten. Dieser körperbetonte Humor war aber nicht der von Stan & Ollie. Klassisch für Laurel & Hardy ist z. B. "Wie du mir, so ich dir": Das im Original "Tit for tat" genannte Stilmittel wird immer wieder neu variiert, indem die beiden sich gegenseitig Schaden zufügen und dieses jeweils mit einer stoischen Fassung über sich ergehen lassen, bevor sie zum Gegenschlag ausholen. ––––––– Die meisten kennen "Stan & Ollie" sicherlich als "Dick & Doof": 1973 bis 1986 lief im ZDF "Väter der Klamotte" und von 1975 bis 1979 "Männer ohne Nerven". In beiden Formaten wurden Kurzfilme aus dem Genre Slapstick präsentiert – das Ganze lebte vor allem von den eingesprochenen Kommentaren des großartigen Kabarettisten Hans Dieter Hüsch. Dort wurden die beiden als "Dick & Doof" präsentiert. –––– In dem Zusammenhang möchten wir an ein weiteres Komikerduo erinnern, das zu dieser Zeit auch seinen festen Sendeplatz im ZDF hatte und ebenfalls von Hans Dieter Hüsch kommentiert wurde: die beiden Dänen Pat & Patachon. Pat (Carl Schenenstrom) und Patachon (Harald Madsen) waren zwischen 1921 und 1940 Europas beliebtestes Komikerpaar. Regisseur Lau Lauritzen schuf das Duo nach dem Vorbild „Don Quichotte und Sancho Pansa“. - 19/73.669
  • Am Montag, 06. Januar 2020
    Ort: Hannoversche Straße 30E, 29221 Celle, Deutschland (nicht Postanschrift!) Kategorien: Filmpreis, Ganz großes Kino in Celle
    Unsere bisher terminierten acht Filme bringen es zusammen auf zwei Golden Globe plus 11 weitere Nominierungen.
  • Sonntag, 22. Dezember 2019 - 16:00
    Ort: Nordwall 46, 29221 Celle, Deutschland Kategorien: oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Theater, szenische Lesung, Kunst & Buehne, 2019
    Jeder Gast erhält zur Begrüßung ein Glas Apfel-Amaretto-Tee (jedes weitere Glas 1 Euro). Dazu gibt es Butterkuchen von Baxmann für 1 Euro das Stück.
  • Sonntag, 22. Dezember 2019 - 11:00
    Ort: Nordwall 46, 29221 Celle, Deutschland Kategorien: Kooperation, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Theater, szenische Lesung, Kunst & Buehne, 2019
    Anke Engelsmann liest: "Die Weihnachtsgans Auguste" von Friedrich Wolf –––––––––––––––– "Lotta kann fast alles" von Astrid Lindgren –––––––––––––––– "Es klopft bei Wanja in der Nacht" von Tilde Michels
  • Sonnabend, 21. Dezember 2019 - 20:00
    Ort: Nordwall 46, 29221 Celle, Deutschland Kategorien: oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Theater, szenische Lesung, Kunst & Buehne, 2019
    Diese ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte, die amüsiert und zu Tränen rührt, ist seit über 30 Jahren ein unverzichtbarer „Kult" und gehört mittlerweile zu Weihnachten wie "Dinner for one" zu Silvester. Die Herdmann-Kinder – da ist sich der ganze Stadtteil einig – sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten: Sie lügen, rauchen Zigarren, legen Feuer, verprügeln sich und andere Kinder, bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer Monsterkatze in der Rekordzeit von drei Minuten völlig leer fegen. Und ausgerechnet diese Horde, die schlimmste Heimsuchung seit Menschengedenken – mischt die Vorweihnachts-Verschnarchtheit einer Kleinstadt auf: Sie beschließen, am Krippenspiel teilzunehmen. Sie pressen den andern Kindern sämtliche Hauptrollen ab und die Schlimmste von allen – Eugenia – übernimmt die Rolle der Maria. Natürlich erwartet jeder das übelste Krippenspiel (Hedwig, die Allerschlimmste, als Verkündigungsengel: He, euch ist ein Kind geboren!") aller Zeiten, aber letztlich kommt alles ganz anders ... Anke Engelsmann, Gründungsmitglied der Bremer Shakespeare Company und des TAB (Theater aus Bremen), war jahrelang Stammgast der sonntäglichen Veranstaltungsreihe "Teatime – Texte & Törtchen" des Kino achtenhalbs in KUNST & Bühne – sie gastierte nicht nur mit den Herdmanns, aber stets vor restlos ausverkauftem Haus. Das Publikum drängelte sich Jahr für Jahr zur fast schon traditionellen Weihnachtslesung "Hilfe, die Herdmanns kommen". Von 2001 bis 2006 las Anke jedes Jahr zu Weihnachten die Herdmanns. Sie wurde 2002 von Claus Peymann fürs Berliner Ensemble (BE) engagiert und war dort die letzten Jahre das Ensemblemitglied mit den meisten Vorstellungen – so dass Peymann nicht mehr bereit war, sie für Celle freizustellen. Jetzt hat Anke endlich wieder den Freiraum für einen Besuch in Celle.
  • Donnerstag, 19. Dezember 2019 - 19:00
    Kategorien: interne Veranstaltung
  • Am Sonntag, 25. August 2019
    Das Kino achteinhalb zeigt im Rahmen des Sommerfests 20 Jahre CD-Kaserne von 11 Uhr bis 17 Uhr Kurzfilme für Kinder und Junggebliebene im achteinhalb.
  • Donnerstag, 01. August 2019 - 15:00
    Fortsetzung des Animationsfilms „Ralph reicht's“, in der die Welt der digitalen Figuren durcheinandergewirbelt wird, als der Betreiber der Spielhalle einen Internetzugang einrichtet. Auf ihrer Erkundungstour durch das Netz erkennt die Rennfahrerin Vanellope, wie sehr sie sich nach mehr Freiheit sehnt, während ihr Freund Randale-Ralph die altvertrauten Strukturen seines bisherigen Lebens schätzt und braucht. Die humorvolle Auseinandersetzung mit Mechanismen der Online-Welt verwandelt sich darüber zu einer berührend-klugen Geschichte über Freundschaft und wie viel Nähe und Übereinstimmung sie braucht. – FSK ab 6 Jahre – pädgogische Empfehlung des Filmdienst: ab 12 Jahre