Weißt Du noch

  Freitag, 10. November 2023 - 20:30 bis - 22:05
Kategorien: Komoedie, Archiv, Paramount, Flat, 2023
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ARD-Mediathek (4 Minuten): Filmvorstellung und Gespräch mit Senta Berger

rbb Radio eins (13 Minuten): Knut Elstermann interviewt Senta Berger

 

Eintritt: 7,50 €

Deutschland 2022
Kinostart: 21. September 2023
94 Minuten

Regie: Rainer Kaufmann

Darsteller: 
Senta Berger (Marianne) · Günther Maria Halmer (Günter) · Konstantin Wecker (Heinz) · Sushila Sara Mai (Frau Pichelrieder) · Yasin el Harrouk (Firat Burcak) · Mitsou Jung (junge Marianne) · Nikolai Rusu (junger Günter) 

Filmwebseite, Wikipedia, alle Daten zum Film auf Filmportal.de

Kritiken: 
Kritik von Maria Wiesner für die FAZ
Kritik von Anke Sterneborg für EPD-Film (4 von 5 Sternen)
Kritik von Christian Klosz für Spielfilm.de (4 von 5 Sternen)
Kritik von Maximilian Schröter für Film-Rezensionen.de (9 von 10 Sternen)
Kritik von Joachim Kurz für Kino-Zeit.de (3,5 von 4 Sternen) 
Kritik von Walli Müller für NDR-Kultur
Kritik von Katja Kraft für den Münchener Merkur
Kritik von Alexandra Wach für den Filmdienst
Kritik von Björn Schneider für Programmkino.de 
Kritik von Axel Timo Purr für artechock film
Kritik von Markus Tschiedert für Filmstarts.de (3 von 5 Sternen)
Kritik von Christina Krisch für die österreiche Kronenzeitung

Interview von Valerie Dirk mit Senta Berger für den Wiener Standard

ARD-Mediathek (4 Minuten): Filmvorstellung und Gespräch mit Senta Berger

rbb Radio eins (13 Minuten): Knut Elstermann interviewt Senta Berger

Trailer (138 Sekunden):  




ausführliche Kritik von Alexandra Wach für den Filmdienst
Ein seit fünfzig Jahren verheiratetes Paar probiert Pillen aus, mit denen es sich an seine Anfänge erinnert und von einem Neuanfang fantasiert. 

Hat man es bei „Weißt du noch“ von Rainer Kaufmann etwa mit einer Hommage an „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Mike Nichols zu tun? Die erste halbe Stunde ist man beinahe geneigt, das zu glauben. Wie einst Richard Burton und Elizabeth Taylor liefern sich auch Senta Berger und Günther Maria Halmer auf engem Raum eine schonungslose Abrechnung ihrer mehr als 50 Jahre alten Ehe. Die Handlung des Kammerspiels wird über Dialoge und private Home-Videos vorangetrieben, von denen vor allem Senta Berger einen wahren Schatz aus ihrer Jugendzeit angesammelt hat.

Das Elend der Existenz

Ein Fernsehtechniker taucht zweimal kurz auf, vermag mit seinen Comedy-Einlagen die vergiftete Chemie des Paars aber nicht zu stören. Erst kreisen die Gespräche routiniert um Hörgeräte, Impotenz, Kartenspiele mit den besten Freunden, Hüftschmerzen und Hundehaufen, die der Nachbar nicht weggeräumt habe. Dann wird der Ton schärfer. Mann und Frau zanken sich unentwegt, unterstellen sich gegenseitig Selbstmitleid, Lebensangst und eine fortschreitende Demenz, falsche Erziehungsmethoden gegenüber den längst erwachsenen Kindern, zu wenig Aktivität im Alltag und die Schuld an einer überstandenen Krebserkrankung oder einer allzu „durchschnittlichen“ Existenz. Immer wieder baut der eine sein Selbstwertgefühl auf Kosten des anderen auf und versucht seine Sicht der Dinge dozierend durchzusetzen, ohne jegliche Bereitschaft, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen.

Irgendwann, als es darum geht, den Hochzeitstag zu feiern, spricht Marianne Klartext. Die einstige Lehrerin leidet an der Monotonie, in der beide stecken. Der immer gleiche Mix aus Einkaufen, Kochen und Putzen füllt sie nicht aus. Sie vermisst den Sex, beichtet einen drei Jahre alten Seitensprung und möchte wieder verreisen. Der chronisch mürrische Gatte Günter wimmelt ihre Wünsche ab, überrascht sie aber immerhin mit einem Geschenk, das ihre verrostete Beziehung implodieren lässt.

Ein vergiftetes Geschenk

Er hat von einem Freund, den Konstantin Wecker mit Sinn für einen nachhaltigen Kurzauftritt spielt, Pillen erhalten, die für kurze Zeit dabei helfen sollen, das Erinnerungsvermögen erheblich zu steigern. Und tatsächlich können beide plötzlich die Kreuzworträtsel in Sekundenschnelle lösen. Sie erinnern sich auch an alle Details aus der Anfangszeit ihrer Ehe, an Moment des Kennenlernens, die vielen Reisen und das Heranwachsen der Kinder. Marianne holt plötzlich ihre alten Kleider heraus und Günter verbrennt im Garten Aktenordner, in denen die Unterlagen für den Hauskauf oder Kredite für das Studium der Kinder stecken. Für ihn erzählen sie vor allem von der Verantwortung, die er über Jahrzehnte für die Familie tragen musste, obwohl er eigentlich selbst „etwas Großes“ schaffen wollte.

Das ausgelassene Erinnern an ihre Höhen und Tiefen versetzt das Paar unerwartet in Feierlaune und die Handlung in den Märchenmodus. Sie trinken Champagner und tanzen miteinander, schwören sich ewige Liebe und planen endlich wieder zu verreisen. Da sie aber fürchten, dass die romantische Intimität am nächsten Tag verflogen sein könnte, verteilen sie überall Merkzettel, die sie an ihre Pläne und wahren Bedürfnisse erinnern sollen.

Umso größer ist die Erleichterung, als Günter nach dem unbequemen Schlaf auf dem Wohnzimmersofa wieder ganz der Alte ist und einen der Zettel wenig charmant mit dem Satz kommentiert: „Willst du mich umprogrammieren?“ Hält die Realität wieder Einzug, ist das Wunschdenken ist vorbei? Nicht im deutschen Kino, in dem Fernsehredaktionen verlässlich im Drehbuch ihre glättenden Spuren hinterlassen. Nach einem kurzen Blackout zieht sich der Schleier des resignativen Anfangs zurück und das Happy End kann angepeilt werden.