Glennkill: Ein Schafskrimi

  Mittwoch, 01. Juli 2026 - 19:30 bis - 21:20
Treffer: 337



Eintritt: 7,50 Euro

England 2026
Kinostart: 14. Mai 2026
110 Minuten
FSK: ab 12 Jahren  

Regie: Kyle Balda  
Drehbuch: Craig Mazin 
Leonie Swann (Roman "Glennkill: Ein Schafskrimi") 

Darsteller: 
Hugh Jackman (George Hardy) · Emma Thompson (Lydia Harbottle) · Nicholas Braun (Tim Derry) · Nicholas Galitzine (Elliot Matthews) · Molly Gordon (Rebecca Hampstead) · Hong Chau (Beth Pennock) · Tosin Cole · Kobna Holdbrook-Smith (Priester) · Conleth Hill (Metzger) · Mandeep Dhillon · Stella Stocker (Dorothea) · Ben Youcef (Joseph) · Joshua Hill (Bertie Hollingshead) · Raj Ghatak (Cornelius Stopford) · James Wright (Barbershop-Kunde) · Oliver Gale (Teenager auf Jahrmarkt) 
 
Filmwebseite, Wikipedia    
 

Kritiken: 
Kritik von Michael Kienzl für den Filmdienst (4 von 5 Sternen)
Kritik von Patrick Heidmann für EPD-Film (4 von 5 Sternen) 
Kritik von Ursula Kähler für den Cicero
Kritik von Robert Wagner für critic.de 
Kritik von Oliver Armknecht für Filmrezensionen.de (8 von 10 Sternen)
Kritik von Bianka Piringer für Spielfilm.de 
Kritik von Bettina Dunkel für NDR-Kultur 
Kritik von Sofia Glasl für die Süddeutsche Zeitung 
Kritik von Cosima Lutz für die Welt 
Kritik von Antje Wessels
 
Trailer (165 Sekunden): 

     

Ausführliche Kritik Michael Kienzl von für den Filmdienst
Krimikomödie um eine Schafherde, die auf der Suche nach dem Mörder ihres Schäfers unter den kauzigen Bewohnern eines irischen Dorfs zahlreiche Verdächtige ausmacht. 

Von den Bewohnern des irischen Dorfs Glennkill gibt es kaum jemanden, mit dem Schäfer George (Hugh Jackman) nicht zerstritten ist. Umso inniger liebt er seine Tiere, mit denen er etwas abgelegen auf einem großen Feld lebt. Die Schafe versteht der vegetarische Eigenbrötler nicht als Nutztiere, sondern als Gefährten, denen er ein komfortables Leben ermöglicht. Regelmäßig liest er ihnen Krimis vor, während ihn die Vierbeiner scheinbar nur ahnungslos dusselig anglotzen.

Regisseur Kyle Balda vermittelt zu Beginn von „Glennkill: Ein Schafskrimi“ den Eindruck, als ob George der Protagonist dieser Geschichte wäre. Von ihm stammt nicht nur die Voice-over; er ist zunächst auch schlichtweg der einzige Mensch, der dafür in Frage käme. Dann wechselt der Film plötzlich zur Perspektive der Schafe, die, im Gegensatz zu den Menschen, die fremde Spezies sehr wohl verstehen und regelrecht süchtig nach Krimis sind. Noch während sie abends gemächlich in die Scheune trotten, rätseln sie aufgeregt, wer der Mörder der von George nicht zu Ende vorgelesenen Geschichte sein könnte. Bald aber spielt der Schäfer nur noch indirekt eine Rolle, denn eines Morgens liegt er ermordet vor seinem Wohnwagen, worauf es seine geliebten Tiere als ihre Pflicht ansehen, den Täter zu finden.

Mördersuche unter kauzigen Bewohnern

„Glennkill“ basiert auf dem gleichnamigen Roman der deutschen Autorin Leonie Swann. Die Adaption nimmt sich aber viele Freiheiten im Umgang mit der Vorlage, nicht zuletzt beim sehr unterschiedlichen Ende. Mit gotischer Architektur, dunklen Holzvertäfelungen und blühenden Vorgärten erschafft der Film eine heimelig putzige Provinzwelt. Die klassische Suche nach dem Mörder unter den kauzigen Bewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat, ist der Kern des Films, aber nicht sein alleiniger Antrieb. Das komische Aufeinandertreffen zwischen menschlicher und tierischer Lebenswelt sowie die Herausforderung für die Schafe, vermeintliche Gewissheiten zu hinterfragen, spielen eine ebenso bedeutende Rolle. Gelegentlich fühlt man sich an den doppelbödigen Humor der „Paddington“-Filme und an „Ein Schweinchen namens Babe“ erinnert, der ähnlich gekonnt das niedlich-emotionale Potenzial der sprechenden Tiere ausreizte.

Seine Komik schöpft „Glennkill“ häufig aus der gestörten Kommunikation zwischen Schafen und Menschen. Die gutgläubigen Vierbeiner grübeln, was Begriffe wie „Gott“ und „Vegetarier“ bedeuten, und begeben sich aufs fremde Dorfterrain, wo sie Gespräche belauschen und die stockende Ermittlungsarbeit mit Hinweisen voranbringen. Die Menschen reagieren auf die blökenden Helfer naturgemäß irritiert. Sind die Zweibeiner unter sich, gelingen der Inszenierung immer wieder schwungvolle Momente voller Situationskomik. Der unerfahrene und höchst ungeschickte Dorfpolizist Tim (Nicholas Braun) emanzipiert sich dabei langsam von der Lachnummer zu einem emotional vielschichtigen Helden. Andere Figuren fallen etwas flachbrüstig aus, etwa die von Emma Thompson gespielte scharfzüngige Anwältin.

Am wohlsten bei den Schafen

Am wohlsten fühlt sich „Glennkill“ bei den Schafen, die aus unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Typen bestehen: der Hauptermittlerin Lilly, dem griesgrämigen Sebastian mit seiner dunklen Vorgeschichte, der trübseligen Mopple, den ständig auf Krawall gebürsteten Rammböcken oder den schamlos süßen Winterlamm, das von der Herde verstoßen wurde, weil es als einziges nicht im Sommer geboren wurde. Die mithilfe von CGI-Animation sprechenden Tiere bewegen sich am Anfang noch ein wenig ruckelig, aber man gewöhnt sich schnell daran und schließt sie ins Herz.

Manchmal ist die Handlung ein wenig pädagogisch und erzählt davon, wie man Ängste überwindet und durch schlechte Erfahrungen wachsen kann. Doch der Film verpackt diese Entwicklung charmant und berührend. Wenn es um Tod und Verlust geht, wird das nicht romantisiert; der Film federt das dunkle Thema aber mit einem Gag ab. Die Wirklichkeit, so müssen die Schafe lernen, ist viel komplizierter als die Handlung in den Krimis. Zumindest einige der Menschen begreifen wiederum, dass hinter den einfältigen Gesichtern der Tiere fühlende und denkende Lebewesen stecken, auch wenn sie nicht immer kluge Gedanken hervorbringen. Ein warmherziger, versöhnlicher, manchmal zu Herzen gehender und oft ziemlich lustiger Genre-Mix für die ganze Familie.