Mittwoch, 29. April 2026 - 19:30
Ein Familien-Idyll im Frankreich der 1950er Jahre: Michel (Didier Bourdon), mittelmäßig, ist Bankangestellter und Ernährer, seine “bessere Hälfte” Hélène (Elsa Zylberstein), mit Dauerwelle, aber aufsässig, kümmert sich um Haushalt und Kinder. Das patriarchale Paradies scheint perfekt, bis ein Kurzschluss der gerade eingezogenen Waschmaschine die beiden ins Jahr 2025 katapultiert. Plötzlich sind die Rollen neu verteilt. Während sich Hélène aller Ahnungslosigkeit zum Trotz erstaunlich gut als karriere-intensive Powerfrau schlägt, muss sich Michel als Hausmann im Smart-Home abmühen. Statt Unterwerfungsrhetorik braucht Michel nun Empowerment, Hélène genießt die Freiheit der Emanzipation. Doch die schöne neue Welt hat so ihre Tücken: der virtuelle Sprachassistent ist ein sturer Bock, die Möbel muss man sich selbst zusammenschrauben, der Hundekot wird vom Boden aufgehoben und die eigene Tochter möchte ihre Freundin heiraten. Fazit: Angesichts konservativer Kräfte, die am liebsten zu einem Leben wie in den 1950er-Jahren zurückkehren möchten, kommt dieser Film gerade richtig. Die französische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Vinciane Millereau liefert mit ihrem Langfilmdebüt "Die progressiven Nostalgiker" eine boulevardeske Gesellschaftskomödie ab, die vermittels einer Zeitreise die Rollen der Geschlechter hinterfragt, ohne dabei zu ernst und schwerfällig zu geraten. Auch wenn der Film nur an der Oberfläche kratzt, ist er vor allem dank der blendend aufgelegten Hauptdarstellern unterhaltsam. Jetzt reicht es dem entmachteten Familienoberhaupt. Es geht zurück in die gute alte Zeit und zwar sofort! Wenn er nur wüsste, wie man die smarte Waschmaschine auf Zeitrückreise programmiert... In DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER ist die Freiheit immer nur einen Flügelschlag von der guten alten Zeit entfernt. Regisseurin Vinciane Millereau beweist ein großartiges Gespür für die Absurditäten unserer Zeit. Mit rotzfrechem Humor, präzisem Sarkasmus und herrlicher Situationskomik nimmt DIE PROGRESSIVEN NOSTALGIKER die Heilsversprechen unserer Gegenwart aufs Korn und erzählt von der wunderbaren Relativität der Geschichte. ========================================= Fazit: Früher war vielleicht mehr Lametta, aber es war keinesfalls alles besser. Die unterhaltsame Komödie über ein Ehepaar, das aus dem Jahr 1958 ins Heute katapultiert wird, kombiniert Witz und Nostalgie mit viel freundlichem Boulevard-Humor. Tatsächlich entpuppt sie sich immer mehr als zwar überaus vergnügliche, aber nebenbei durchaus nachdenkenswerte Betrachtung über den unaufhaltsamen Wandel, über das, was wirklich zählt … und natürlich karierte Caprihosen. (Gaby Sikorski) ========================================= Fazit In „Die progressiven Nostalgiker“ landet ein Paar aus den 50ern in der Gegenwart und tut sich mit der sich gewandelten Welt schwer. Das Aufeinandertreffen von konservativen und fortschrittlichen Weltsichten mag nicht sonderlich subtil sein. Spaß macht die Komödie aber schon und ist dabei schön anzusehen. (Oliver Armknecht) ========================================= Getragen wird die amüsante Inszenierung vor allem vom Hauptdarstellerduo Didier Bourdon und Elsa Zylberstein. Es ist ein Vergnügen, diesem eingespielten Team zuzusehen, das angesichts des erlittenen Kulturschocks mit bestechender Spielfreude agiert. Dass eine unbedarfte Hausfrau als Bankchefin ohne jede Fachkompetenz sogleich befördert wird, ist zwar ebenso wenig plausibel wie die Behauptung, dass ein erzkonservativer Macho ohne jeden Anflug von Widerspruch und ohne jede Anleitung einen modernen Haushalt managen kann. Angesichts der schauspielerischen Leistungen lassen sich einige Glaubwürdigkeitsmängel in der Figurenzeichnung jedoch leicht verschmerzen. (Reinhard Kleber) ========================================= Fazit: Angesichts konservativer Kräfte, die am liebsten zu einem Leben wie in den 1950er-Jahren zurückkehren möchten, kommt dieser Film gerade richtig. Die französische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Vinciane Millereau liefert mit ihrem Langfilmdebüt "Die progressiven Nostalgiker" eine boulevardeske Gesellschaftskomödie ab, die vermittels einer Zeitreise die Rollen der Geschlechter hinterfragt, ohne dabei zu ernst und schwerfällig zu geraten. Auch wenn der Film nur an der Oberfläche kratzt, ist er vor allem dank der blendend aufgelegten Hauptdarstellern unterhaltsam. (Falk Straub) ========================================= Die progressiven Nostalgiker sind keine subtile Gesellschaftssatire, sondern eine offensive, manchmal schrille, oft sehr komische Abrechnung mit Patriarchat und Nationalismus. Der Film will lachen lassen, er will provozieren, er will Haltung zeigen und macht all das mit einer Lust am Unsinn, die im europäischen Mainstreamkino eher selten geworden ist. (Axel Timo Purr) ========================================= Und die Zeitreise der französischen Ehepaares hat für heutige Zuschauer tatsächlich auch einen progressiv nostalgischen Effekt: Man ertappt sich dabei, wie man sich zwischendurch mal – nur sehr kurz, aber immerhin – in die Ruhe der 50er Jahre zurücksehnt, in eine Zeit, die wir gar nicht erlebt haben. Walter Benjamin nannte das eine rückwärtsgewandte Utopie. Ein unterhaltsames ungewöhnliches Filmerlebnis! (Rüdiger Suchsland)