Montag, 27. August 2029 - 19:30
Ein Dokumentarfilm über das jüdische Sonderkommando in Auschwitz-Birkenau und den einzigen bewaffneten Aufstand im Vernichtungslager ============================================= Aufstand in Auschwitz widmet sich einem Kapitel der Shoah, das selbst historisch Interessierten oft nur in Umrissen bekannt ist: dem Aufstand des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau am 7. Oktober 1944. Diese Häftlinge waren gezwungen, im Zentrum der Vernichtungsmaschinerie zu arbeiten. Sie mussten Menschen in die Gaskammern begleiten, die Spuren des Massenmords beseitigen und wurden gerade deshalb selbst zu unerwünschten Zeugen eines Verbrechens, das jede Vorstellungskraft übersteigt. Diese Männer des Sonderkommandos sind die einzigen, die bezeugen können, was in der Todesfabrik geschieht, wie die Menschen sich ausziehen müssen, um in der Gaskammer mit Zyklon-B ermordet zu werden, wie sie die Toten aus den Gaskammern holen müssen, um sie in eigens dafür entwickelten Hochleistungs-Öfen zu verbrennen. Dann müssen die Männer des Sonderkommandos die Knochen zu Staub vermahlen und in die Weichsel schütten, damit nichts, aber auch gar nichts übrig bleibt von dem verhassten jüdischen Volk. Der Film nähert sich diesem Geschehen nicht über die überwältigende Ikonografie des Nationalsozialismus und auch nicht über eine Ästhetik des Grauens. Die Regisseurin Gabi Schlag sucht einen anderen Weg: den über die einzelnen Menschen, ihre Stimmen, ihre Erinnerungen, ihre Verzweiflung, ihre innere Zerrissenheit und ihren Mut. Gabi Schlag zeigt in Interviews mit Überlebenden und Zeugnissen von Angehörigen, ergänzt durch internationale Historikerinnen und Historiker, ein vielschichtiges Bild jener Männer, die im Wissen um den eigenen Tod beschlossen, sich zu wehren und der normalen Welt das wahre Bild der Todesfabrik zu zeigen. Unterstützt wird sie dabei von animierten graphic novel-Zeichnungen von Vincent Burmeister, die in ihren harten Kontrasten den Alltag von Auschwitz zeigen. Gerade darin liegt die besondere Kraft dieses Films. Er zeigt den Aufstand nicht als isolierten heroischen Akt, sondern als letzten Versuch, Würde zu behaupten, Spuren zu hinterlassen und der Welt von dem zu berichten, was in Auschwitz geschah. Die dokumentarische Erzählung verbindet Zeitzeugenschaft, historische Forschung und eine zurückhaltend eingesetzte graphic-novel-Ästhetik zu einer Form, die das Unsagbare nicht bebildern will, sondern dem Erinnern eine Gestalt gibt. Aufstand in Auschwitz ist ein Film für ein Publikum, das sich der Geschichte nicht im Vorübergehen nähern möchte. Er ist schmerzhaft, ohne auf Schockeffekte zu setzen; präzise, ohne kalt zu sein; und eindringlich, ohne das Leiden in Bilderlust zu verwandeln. In einer Gegenwart, in der historische Gewissheiten brüchig werden und autoritäres Denken wieder an Raum gewinnt, erinnert dieser Film daran, dass Aufklärung mehr sein muss als bloßes Wissen: nämlich die Bereitschaft, hinzusehen, auszuhalten und Verantwortung aus der Geschichte in die Gegenwart zu tragen.