Elegant und humorvoll entwickelt Éric Besnard eine Geschichte, die in schöner Beiläufigkeit erst nach und nach ihre Geheimnisse preisgibt. Und die sollen hier natürlich keineswegs verraten werden. Dass Pierre nicht nur ein ganz besonderer Mensch ist – hypersensibel und liebenswert offen, mit Liebe zur Natur und zu bunten Klebepunkten sowie mit einer großen Begeisterung für Primzahlen und interessante Wolkenformationen – erfährt man recht schnell. Nicht nur durch seine Vorliebe für Mathematik und Computer, durch Ehrlichkeit und Zurückhaltung, auch in seinen eher tapsigen Kommunikationsversuchen und mit seinem welpenhaften Charme erinnert er an Sheldon Cooper, den Chef-Nerd aus der Big Bang Theorie. Doch bei Pierre ist das Asperger-Syndrom eine milde Form des Autismus, noch deutlich stärker ausgeprägt, was ihn gelegentlich in Schwierigkeiten bringt. Im Verlauf der Handlung wird langsam klar, dass Pierre möglicherweise unter Vormundschaft gestellt werden könnte und sein Heim bei dem liebenswerten Antiquar Jules verlassen muss.
Geschickt umschifft Éric Besnard alle Klischees und webt eine feinziselierte Geschichte mit vielen Überraschungen und – vor allem – mit wunderbar gezeichneten Charakteren, die dafür sorgen, dass aus der ungewöhnlichen Handlung eine glaubwürdige Story wird. Dabei gelingt ihm das Kunststück, Pierre als einen eigentlich ganz normalen Menschen zu zeigen, der kein Handycap hat, sondern eher ein paar liebenswürdige Eigenheiten. So gibt es keine Witze auf Pierres Kosten und nicht einmal ansatzweise so etwas wie Diskriminierung, sondern durchgängig eine angenehm herzliche Situationskomik mit sehr viel Feingefühl für Stimmungen. Hier passt alles zusammen: die traumschönen Bilder von Lavendelfeldern und blühenden Obstbäumen, ein intelligenter Plot und eine tolle Besetzung bis in die Nebenrollen. Hervé Pierre spielt den sympathischen Antiquariatsbuchhändler Jules, dessen Laden wie aus der Zeit gefallen ist – hier ist Pierre aufgewachsen, und so wie Louises Hof ist das genau das richtige Nest für einen übersensiblen Menschen, der Rückzugsorte braucht. Hiam Abbass spielt die zunächst leicht zickige Psychologin, die sich am Ende als vernünftig und ganz umgänglich erweist. Wirklichen Glanz erhält der Film allerdings durch die beiden Hauptdarsteller Virginie Efira und Benjamin Lavernhe. Zwischen den beiden stimmt die Chemie vollkommen. Es knistert manchmal ein wenig und sehr diskret, aber im gerade richtigen Maß. Pierre ist auf den ersten Blick tapsig und etwas unbeholfen, ungeübt in der Kommunikation mit anderen Menschen, doch Louise scheint ihn zu beflügeln. Benjamin Lavernhe zeigt die Entwicklung eines Mannes, der unfähig ist, andere zu berühren oder sich berühren zu lassen, und stattdessen in der Lage ist, Dinge zu liebkosen und in seiner Sprache Liebe auszudrücken. Louise spürt das, und vielleicht ist es genau das, was sie sucht und braucht. Virginie Efira lässt ihrer Heldin viel Zeit – Louise ist keinesfalls auf Männerjagd, sie neigt auch nicht zur Missionierung und macht keine Anstalten, Pierre zu verführen. Eigentlich ist sie eher zart als zupackend und von einer Sanftheit, die Pierre magisch anzuziehen scheint. Dabei geht es nicht um Sex, sondern um etwas ganz Altmodisches: um Seelenverwandtschaft und gegenseitige Akzeptanz.
Besnard hat sein hübsches Drehbuch über eine Beziehung zwischen zwei ganz besonderen Menschen mit viel Feingefühl und dankenswerterweise vollkommen kitschfrei inszeniert. Die Komödie sorgt auf angenehme Weise für gute Laune, sie verschönert den Tag und das Leben. Und sie ist wie die Birnenkrapfen im Film, die „Merveilles“ aus dem Titel: leicht und locker.
Gaby Sikorski für Programmkino.de (Gilde deutscher Filmkunsttheater)
Geschickt umschifft Éric Besnard alle Klischees und webt eine feinziselierte Geschichte mit vielen Überraschungen und – vor allem – mit wunderbar gezeichneten Charakteren, die dafür sorgen, dass aus der ungewöhnlichen Handlung eine glaubwürdige Story wird. Dabei gelingt ihm das Kunststück, Pierre als einen eigentlich ganz normalen Menschen zu zeigen, der kein Handycap hat, sondern eher ein paar liebenswürdige Eigenheiten. So gibt es keine Witze auf Pierres Kosten und nicht einmal ansatzweise so etwas wie Diskriminierung, sondern durchgängig eine angenehm herzliche Situationskomik mit sehr viel Feingefühl für Stimmungen. Hier passt alles zusammen: die traumschönen Bilder von Lavendelfeldern und blühenden Obstbäumen, ein intelligenter Plot und eine tolle Besetzung bis in die Nebenrollen. Hervé Pierre spielt den sympathischen Antiquariatsbuchhändler Jules, dessen Laden wie aus der Zeit gefallen ist – hier ist Pierre aufgewachsen, und so wie Louises Hof ist das genau das richtige Nest für einen übersensiblen Menschen, der Rückzugsorte braucht. Hiam Abbass spielt die zunächst leicht zickige Psychologin, die sich am Ende als vernünftig und ganz umgänglich erweist. Wirklichen Glanz erhält der Film allerdings durch die beiden Hauptdarsteller Virginie Efira und Benjamin Lavernhe. Zwischen den beiden stimmt die Chemie vollkommen. Es knistert manchmal ein wenig und sehr diskret, aber im gerade richtigen Maß. Pierre ist auf den ersten Blick tapsig und etwas unbeholfen, ungeübt in der Kommunikation mit anderen Menschen, doch Louise scheint ihn zu beflügeln. Benjamin Lavernhe zeigt die Entwicklung eines Mannes, der unfähig ist, andere zu berühren oder sich berühren zu lassen, und stattdessen in der Lage ist, Dinge zu liebkosen und in seiner Sprache Liebe auszudrücken. Louise spürt das, und vielleicht ist es genau das, was sie sucht und braucht. Virginie Efira lässt ihrer Heldin viel Zeit – Louise ist keinesfalls auf Männerjagd, sie neigt auch nicht zur Missionierung und macht keine Anstalten, Pierre zu verführen. Eigentlich ist sie eher zart als zupackend und von einer Sanftheit, die Pierre magisch anzuziehen scheint. Dabei geht es nicht um Sex, sondern um etwas ganz Altmodisches: um Seelenverwandtschaft und gegenseitige Akzeptanz.
Besnard hat sein hübsches Drehbuch über eine Beziehung zwischen zwei ganz besonderen Menschen mit viel Feingefühl und dankenswerterweise vollkommen kitschfrei inszeniert. Die Komödie sorgt auf angenehme Weise für gute Laune, sie verschönert den Tag und das Leben. Und sie ist wie die Birnenkrapfen im Film, die „Merveilles“ aus dem Titel: leicht und locker.
Gaby Sikorski für Programmkino.de (Gilde deutscher Filmkunsttheater)