Sonnabend, 03. Oktober 2026 - 20:00 bis - 23:00
Ort: Kino achteinhalb
Kategorien: US-amerikanischer Film, Abenteuerfilm, Literaturverfilmung
Treffer: 71
Eintritt: 7,50 Euro
Großbritannien/USA 2026
Kinostart: 16. Juli 2026
172 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Regie/Drehbuch/Produzent: Christopher Nolan
von Christopher Nolan lief im achteinhalb bislang "Insomnia – Schlaflos" und "Oppenheimer"
Darsteller:
Matt Damon (Odysseus) · Tom Holland (Telemachos) · Anne Hathaway (Penelope) · Zendaya (Athene) · Lupita Nyong'o (Helena / Klytaimnestra) · Robert Pattinson (Antinoos) · Charlize Theron (Calypso) · Jon Bernthal (Menelaos) · Benny Safdie (Agamemnon) · John Leguizamo (Eumaios) · Elliot Page (Sinon)· Himesh Patel (Eurylochos) · Bill Irwin (Polyphem) · Samantha Morton (Kirke/Zirze) · Jesse Garcia · Mia Goth (Melantho) · Logan Marshall-Green (Melanthius) · Jimmy Gonzales (Cepheus) · James Remar (Teiresias) · Andrew Howard (Polites) · Ryan Hurst · Will Yun Lee · Corey Hawkins (Polybus)· Travis Scott (Barde) · Jovan Adepo · Iddo Goldberg · Rafi Gavron
Artikel von Thomas Ribi für die NZZ über das Buch von Raimund Schulz: Odysseus. Mythos und Wahrheit, Stuttgart 2026. 320 S.
Artikel von Jan-Heiner Tück für die NZZ: Das Lied der Sirenen und die Macht des Glaubens: Was den gekreuzigten Christus mit Odysseus verbindet
Artikel von Christine Brink für die NZZ über das Buch von Sarah Iles Johnston: Von Göttern und Menschen. Die griechischen Mythen neu erzählt, C.-H.-Beck-Verlag, München 2025. 558 S
Artikel von Ulf von Rauchhaupt für die FAZ: Homers Irrfahrten: Wo irrte Odysseus wirklich?
Artikel von Melanie Möller für die FAZ: Warum Odysseus heute noch fasziniert
Artikel von Felix Knorr für den Filmdienst: Was „Die Odyssee“ mit den anderen Christopher-Nolan-Filmen verbindet
Artikel von Johan Schloemann für die Süddeutsche Zeitung: Eine Handreichung für die großartigste Heldenerzählung der europäischen Kultur
Artikel von Felix Stephan für die Süddeutsche Zeitung: Ein komplizierter Mann
Die Redaktion von EPD-Film: Christopher Nolan – Was bleibt, was nervt
Wikipedia zum Film
Wikipedia: Der Trojanische Krieg
Wikipedia: Die Odyssee
Kritiken:
Kritik von Marcus Stiglegger für EPD-Film (5 von 5 Sternen)
Kritik von Karsten Munt für den Filmdienst (4 von 5 Sternen)
Kritik von Oliver Heilwagen für Kunst und Film (4 von 6 Sternen)
Kritik von Christopher Diekhaus für Kino-Zeit.de
Kritik von Björn Schneider für Spielfilm.de (3 von 5 Sternen)
Kritik von Oliver Armknecht für Filmrezensionen.de (8 von 10 Sternen)
Kritik von Jens Jessen für die Zeit
Kritik von Ursula Kähler für den Cicero
Kritik von Janick Nolting für Digitalfernsehen.de
Kritik von Janick Nolting für Playerweb.de
Kritik von Axel Timo Purr für artechock film
Kritik von Christian Schmuck für artechock film
Kritik von Paula Ruppert für artechock film
Kritik von Rüdiger Suchsland für Telepolis
Kritik von Stefan Piasecki für das Overton-Magazin
Kritik von Andreas Kilb für die FAZ
Kritik von Thomas Schultze für The Spot
Kritik von Christoph Petersen für Filmstarts.de (4,5 von 5 Sternen)
Kritik von Peter Osteried für Kinofans.com (5 von 5 Sternen)
Kritik von Wolfgang Höbel für den Spiegel
Kritik von Sebastian Clauss für das Philosophie-Magazin
Kritik von Lukas Foerster für critic.de
Kritik von Martin Schwickert für die CZ (RND/HAZ/Madsack)
Kritik von Jan Küveler für die Welt
Kritik von David Steinitz für die Süddeutsche Zeitung
Kritik von Antje Wessels für Wessels Filmkritik
Kritik von Valerie Dirk für den Wiener Standard
Kritik von Chris Schwelb für outnow.ch
Kritik von Tobias Sedlmaier für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ)
Interview von Pamela John mit Regisseur Christopher Nolan für die NZZ
Trailer (145 Sekunden):
Kritik von Robert Hoffmann (24 Minuten):
ZDF Terra X (14 Minuten)
Homers Odyssee: Die Geschichte dahinter
Ausführliche Kritik von Karsten Munt für den Filmdienst:
Wuchtige Adaption der Irrfahrten des Odysseus nach der Eroberung von Troja und seiner Rückkehr nach Ithaka.
Das Pferd ist fast im Sand versunken, als die Troer es finden. Sie töten Sinon (Elliot Page), den Mann, der es bewacht und ihnen mit seinen letzten Atemzügen die Lüge erzählt, die den Untergang von Troja besiegeln wird: dass das Pferd ein Geschenk der geschlagenen Griechen sei. In Troja selbst steht das Pferd nicht, wie auf der Pithos von Mykonos und in diversen Odyssee-Verfilmungen, auf allen Vieren. Es bäumt sich auf, wirft die Vorderhufe gen Himmel, verkörpert das Pathos, die Ambition und den popkulturellen Anstrich, mit dem sich Christopher Nolan der Odyssee anzunähern gedenkt. Was das hölzerne Pferd nur scheinbar verkörpert, ist der Triumph, von dem die Barden in Ithaka erzählen.
Odysseus’ Version der Geschichte ist eine andere. Im Inneren des Pferdes sieht er Kameraden ertrinken, und als die Griechen es verlassen und Trojas Tore aufstoßen, wird kein Sieg geboren, sondern eine Welt begraben. Die List, die Troja zu Fall bringt, ist für den Mann (Matt Damon), der Jahre später von ihr erzählt, die Ursünde, die das Elend in die Welt gebracht hat. In Ithaka und Sparta raunt man vom Verderben, das die „Völker des Meeres“ bringen werden. Der größte Held des trojanischen Krieges aber weiß: Sie selbst sind die Barbaren, deren Namen man voller Angst auf den Inseln der Ägäis wispert. Nolans „Die Odyssee“ schlägt damit nicht nur eine Brücke in die politische Gegenwart des 21. Jahrhunderts; die Verfilmung isoliert Odysseus zudem als den Wissenden.
Die alte Welt ist mit Troja gestorben. Odysseus ist der Einzige, der das versteht. Gerade weil er in diese alte Welt nicht zurückkehren kann. Die Frau, die seine Erkenntnis teilt, ist Helena (Lupita Nyong’o), die hier keine Verräterin ist, sondern, obschon sie in die alte Welt zurückkehrte, keine Heimat gefunden hat. Sie trägt für immer die Spuren des Krieges in ihrem Gesicht, das als das schönste Gesicht von allen gepriesen wird.
Odysseus fordert die Götter heraus, indem er heimzukehren versucht. Dabei ist er nicht der listige Gestaltenwandler und enigmatische Kriegsherr. Er war das Instrument der Zerstörung Trojas, doch nach dem Ende des Krieges ist er reumütig geworden. Er erscheint reflektiert und geläutert. Nüchtern und nie gewillt, in den Blutdurst zu verfallen, den bei Homer allein Athene zu beenden vermag. Eingangs nennt der Film die Welt „A time of apparent magic“ und formuliert darin einen Rest an Zweifel an den seltsamen Wundern in Odysseus’ Erzählung oder gar an den Göttern selbst, von deren zwanghaften Schicksalsverkündungen sich der König Ithakas zu lösen versucht.
Im Unterschied zu Wolfgang Petersen, der in „Troja“ (2001) die Götter komplett aus der Erzählung strich, erzählt Nolans Odyssee von einer willentlichen Abwesenheit der Götter. Die Welt ist dunkel und grausam, weil die Olympier mit Willkür herrschen. Sie handeln oft nur aus Rachsucht und sind am Schicksal der Menschen gänzlich uninteressiert. Allein Athene (Zendaya) ist körperlich anwesend und erscheint als die schützende Gegenwart, die aber nur Odysseus umgibt, während seine Männer ins Verderben stürzen, vom Kyklopen Polyphemos, den Laistrygonen und der Scylla verschlungen, von Kirke verwandelt und von den Sirenen ins Verderben gelockt werden.
Die Gesänge des Mittelteils, die Odysseus hier selbst erzählt, sind das Herzstück dieser wunderbar homerischen und zugleich wundersam geerdeten Adaption. Nolan inszeniert sie als gediegene Fantasterei und verleiht ihr mit überzeichnetem Design in einer betont natürlichen Umgebung eine gedämpft-moderne Grandezza. Der bis an die Schwelle des Hades führende Mittelteil der homerischen Gesänge verschränkt den Mythos elegant mit dem Prosaischen und der Sword-and-Sorcery-Popkultur. Homer ist bei Nolan farblos und bunt zugleich, die Odyssee ein primärfarbenfeindliches und doch in Naturfarben strahlendes Epos, das sich zwischen kleinen Genrestücken in der Höhle des Polyphemos und dem Haus der Kirke sowie dem ultragroßformatigen IMAX-Pathos des endlosen Ozeans und der mythischen Inseln entfaltet.
Im modernisierten Mythos fühlt sich diese Odyssee am wohlsten. Dort, wo Agamemnon als Dämon in schwarzer Rüstung auftritt, dessen Silhouette sich aus der Dunkelheit schält, als der Untergang über Troja hereinbricht, und dessen Hände nicht zögern, die eigene Tochter von den mykenischen Türmen in die Fluten des ägäischen Meeres zu stoßen. Oder wo die Laistrygonen über die Griechen herfallen. Und der Gesang der Sirenen den gebrochenen Odysseus wimmernd am Mast seines Schiffs zusammensinken lässt.
Ithaka ist das prosaische Gegenstück zu Welt der Wunder. Odysseus’ Erzählungen sind hier nur ein Echo, das aus der Ferne heranweht. Vieles hängt dabei an den Darstellern, an Anne Hathaway, die der trauernden Penelope noch durch den schwarzen Schleier hindurch eine sphärische Aura verleiht. Oder an John Leguizamo, der als Homers Lieblingshirte Eumaios eine fantastische Performance gibt. Robert Pattinson verwischt als Antinoos mit seinem gewaltigen Charisma die Grenzen zwischen verführerisch, grausam und armselig. Nur die Rache, die Odysseus dem Epos nach zusteht und auf tragische Weise den Geist der Heimkehr mit dem Rausch des Blutes überpinselt, ist Nolan fremd. Fast widerwillig führt der Film die finale Aktion aus. Zu groß ist der Wunsch des Protagonisten wie des Filmemachers, das lebendig zu machen, was in Troja gestorben ist. Die Griechen nennen es das von Xenios/Zeus behütete Gastrecht; Nolan würde es wahrscheinlich Menschlichkeit nennen.