Der Klang der Stradivari (Die Kunst des Zusammenspiels)

Der Klang der Stradivari (Die Kunst des Zusammenspiels)

  Freitag, 11. September 2026 - 20:30 bis - 22:10

Ort: Kino achteinhalb

http://weltkino.de/filme/der-klang-der-stradivari

Kategorien: Komoedie, Musikfilm, Frankreich, Weltkino, Scope

Treffer: 446




Eintritt: 7,50 Euro

Frankreich 2025
Originaltitel: Les musiciens (Die Musiker)
Kinostart: 6. August 2026
102 Minuten
FSK: ab 14 Jahren

Regie/Drehbuch: Grégory Magne  

Darsteller:
Valérie Donzelli (Astrid Carlson) · Frédéric Pierrot (Charlie Beaumont) · Mathieu Spinosi (George Massaro) · Emma Ravier (Apolline Dessartre) · Daniel Garlitsky (Peter Nicolescu) · Marie Vialle (Lisa Carvalho) · Nicolas Bridet (Bruder) · François Ettori (Gitarrenbauer) · Valentin Pradier (Louis) 

Filmwebseite, Wikipedia 
Wikipedia über die Stradivari 

Gedanken zum Film auf Basis der hier verlinkten Filmkritiken:

Die Kunst des Zusammenspiels

Vier Stradivari, vier herausragende Musiker und ein Konzert, das es so noch nie gegeben hat: Astrid Carlson möchte den großen Traum ihres verstorbenen Vaters verwirklichen und die kostbaren Instrumente erstmals gemeinsam erklingen lassen. Dafür hat sie vier außergewöhnliche Solisten verpflichtet. Was sie allerdings nicht einkalkuliert hat: Virtuosität ist noch lange keine Garantie für Harmonie.

Denn die vier Musiker bringen nicht nur ihr Können mit, sondern auch ihre Vorgeschichten. Zwischen der Cellistin Lise und dem inzwischen erblindeten Geiger Peter liegen alte Verletzungen. Der selbstbewusste erste Geiger George ist von seinem Können und seinem Status überzeugt, während die junge Bratschistin Apolline ihre Karriere mit den Mitteln der sozialen Medien betreibt. Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Musik und künstlerische Integrität bedeuten. Und so wird aus dem geplanten Zusammenspiel zunächst vor allem ein Kräftemessen. Die Proben drohen zu scheitern, bevor das eigentliche Konzert überhaupt begonnen hat.

Grégory Magne macht daraus kein klassisches Musikerdrama, sondern ein leichtfüßiges und erstaunlich menschliches Kammerspiel. Bemerkenswert ist dabei die musikalische Authentizität: Die Darsteller beherrschen ihre Instrumente tatsächlich, und mit Daniel Garlitsky ist sogar ein professioneller Geiger und Dirigent Teil des Ensembles. Der Filmdienst hebt gerade diese Wirklichkeitsnähe und musikalische Expertise hervor.

Dabei nimmt Magne seine Figuren ernst, ohne ihre Schwächen zu verschweigen. Keiner der vier ist einfach nur sympathisch oder unsympathisch. Jeder hat seine Eitelkeiten, seine Verletzungen und seine eigene Wahrheit. Gerade deshalb entsteht der eigentliche Reiz des Films: Man beobachtet Menschen, die unbedingt sie selbst bleiben wollen – und gleichzeitig lernen müssen, aufeinander zu hören.

Und dann sind da natürlich die Instrumente. Rund 300 Jahre alt, von Antonio Stradivari gebaut und von unschätzbarem Wert. Sie sind der Anlass für das ganze Unternehmen, aber zugleich verleihen sie dem Film etwas beinahe Märchenhaftes. Denn diese kostbaren Instrumente sind nicht einfach Museumsstücke. Sie sollen wieder das tun, wofür sie geschaffen wurden: Musik machen. Die eigens für den Film komponierte Partitur von Grégoire Hetzel wird dabei selbst zu einem Teil der Geschichte. Der Filmdienst findet die Musik sinnlich und geheimnisvoll und bedauert sogar, dass man davon im Film nicht noch mehr zu hören bekommt.

So wird „Der Klang der Stradivari“ am Ende zu einem Film über eine sehr menschliche Frage: Wie wird aus vier Einzelkünstlern ein gemeinsamer Klang? Und lässt sich das, was für ein Streichquartett gilt, vielleicht auch auf das Leben übertragen?

Ein feingeistiger, humorvoller und musikalisch außergewöhnlich authentischer Film – für Menschen, die Kammermusik lieben, aber ebenso für alle, die Freude an einem guten Ensemblefilm haben. Denn manchmal ist die schwierigste Kunst nicht, den richtigen Ton zu treffen, sondern einander überhaupt zuzuhören.

Kritiken: 
Kritik von Ulrich Sonnenschein für EPD-Film (3 von 5 Sternen)
Kritik von Kirsten Liese für den Filmdienst (3,5 von 5 Sternen)
Kritik von Andreas Köhnemann für Kino-Zeit.de (3,5 von 4 Sternen) 
Kritik von Markus Solty für Filmrezensionen.de  (7 von 10 Sternen) 
Kritik von Frank Schmidke für Kunst und Film (5 von 6 Sternen) 
Kritik von Gaby Sikorski für Programmkino.de 
Kritik von Axel Timo Purr für artechock film 
Kritik von Bert Rebhandl für die FAZ
Kritik von Lea Morgenstern für THE SPOT 
Kritik der dpa 
Kritik von Walli Müller für NDR-Kultur 
Kritik von Robert Jungwirth für BR-Klassik 
Kritik von Margret Köhler für die CZ/HAZ/RND (4 von 5 Sternen)

Trailer (101 Sekunden): 

     

Ausführliche Kritik von Kirsten Liese für den Filmdienst
Vier Musiker sollen als Kammerorchester mit Instrumenten von Stradivari ein neues Stück aufführen, was an allerlei Animositäten zu scheitern droht.

In der intimen Welt der Kammermusik kommt es vielfach zu Spannungen. Nahezu alle renommierten Ensembles können ein Lied davon singen. So resümierte der 2023 verstorbene Pianist Menahem Pressler, der Gründer des legendären Beaux Arts Trios, am Ende seines Lebens: Man verbringt als Ensemble wie in einer Ehe viel Zeit zusammen, isst gemeinsam, begibt sich auf Reisen und freut sich an der Musik; man streitet aber auch, und bisweilen kommt es auch vor, dass die Musiker nicht mehr miteinander reden, sondern nur noch mit Zetteln kommunizieren.

Der französische Regisseur Grégory Magne scheint in diesen spezifischen Mikrokosmos beste Einblicke zu haben. Jedenfalls hat er mit „Der Klang der Stradivari“ ein subtiles Werk geschaffen, das sich durch Wirklichkeitsnähe und musikalische Expertise auszeichnet. Wobei es in „Der Klang der Stradivari“ um kein festes Streichquartett geht, das über viele Jahre nach einem einheitlichen Klang und dem gemeinsamen Atem strebt, sondern um vier unterschiedliche Künstler, die für ein einmaliges, außergewöhnliches Projekt zusammentreffen. Sie sollen mit Instrumenten von unschätzbarem Wert, gebaut von dem berühmten Antonio Stradivari, ein Konzert in einer kleinen französischen Kirche gestalten.

Das fehlende Cello

Ihre Auftraggeberin Astrid (Valérie Donzelli) ist eine Musikenthusiastin mit großem Vermögen. Sie gibt sich sehr ehrgeizig, denn noch nie zuvor sind diese 300 Jahre alten Instrumente gemeinsam erklungen. Die Initiatorin treibt ein lang zurückliegender Traum ihres verstorbenen Vaters an, der zwar die Musiker und das zeitgenössische Stück festgelegt hat, das seinem Willen nach zum Klingen kommen sollte, den Plan zu seinen Lebzeiten aber nicht mehr umsetzen konnte. Das Cello, das ihm dafür noch fehlte, ersteigert nun seine Tochter auf einer Auktion.

Zu Problemen kommt es schon im Vorfeld der Proben, als die Cellistin Lisa (Marie Vialle) erfährt, dass die zweite Geige der inzwischen erblindete Peter (Daniel Garlitsky) spielen soll, der sie vor langer Zeit wegen einer attraktiven Stelle in einem Spitzenorchester sitzen ließ. Neben alten Verletzungen sorgen Eitelkeiten, Konkurrenz und ein unterschiedliches Selbstverständnis als Musiker für Konflikte. So stößt es bei den Kollegen auf Ablehnung, dass Apolline (Emma Ravier) ihre Karriere ohne einen einzigen Wettbewerb und ohne Studium an einem Konservatorium allein über Social-Media-Kanäle befördert hat – mit 700 000 Likes für Fotos, auf denen sie halb nackt mit ihrer Bratsche am Strand posiert.

Trotz ihrer charakterlichen Schwächen führt Grégory Magne keinen der Charaktere vor, sondern zeichnet von jedem ein liebevolles Porträt. Ob der Primarius als überheblich wahrgenommen wird oder als ernsthafter Charakter, der sein Können fundierter unter Beweis stellt als Apolline, bleibt dem Betrachter überlassen.

Das Konzert droht zu platzen

Als sich die Fronten verhärten und das Konzert zu platzen droht, holt Astrid den Komponisten des Werks zu Hilfe. Charlie Beaumont (Frédéric Pierrot) ist eine fiktive Figur; die ihm zugeschriebene Partitur stammt von Grégoire Hetzel, der sie eigens für den Film komponierte. Beaumont versteht es nach anfänglichen Bedenken, die Vier nach einigen Eskalationen doch noch dazu zu bewegen, dass sie sich zusammenraufen. Das Stück, das sie dann gemeinsam erarbeiten, tönt im Film moderat in der modernen Tonsprache, sinnlich und geheimnisvoll. Es taugt als eigenständiges Werk durchaus für den Konzertsaal. In einigen Szenen bedauert man es regelrecht, dass keine längeren Ausschnitte aus dieser berührenden Musik zu hören sind.

Die prächtigen Interieurs des alten Schlosses, in denen geprobt wird, bieten den idealen Rahmen für das dicht erzählte Kammerspiel, das von phänomenalen Doppelbegabungen getragen wird. Alle vier Protagonisten beherrschen ihre Instrumente hochprofessionell, sodass sämtliche Szenen, in denen sie beim Musizieren in Großaufnahmen zu sehen sind, glaubwürdig und authentisch wirken. Die Finger finden sich stets an der richtigen Stelle auf dem Griffbrett, die Haltung der Bögen stimmt, es schleicht sich kein Dilettantismus in die Lagenwechsel.

So leichtfüßig wie verspielt

Mit dem russischen Geiger und Dirigenten Daniel Garlitsky wirkt sogar ein podiumserfahrener Musiker mit. Als einziger innerhalb des Ensembles ist er kein ausgebildeter Schauspieler, überzeugt aber in der Rolle eines Blinden, der sich auf einem Waldspaziergang nicht ohne die Orientierungshilfen seiner Mitstreitenden zurechtfindet. Mathieu Spinosi steht ihm nicht nach. Als ausgebildeter Schauspieler und konzerterfahrener Geiger empfiehlt er sich als Idealbesetzung in der Rolle des forschen, tonangebenden Primarius George. Auch die anderen beiden Quartettmitglieder haben mit Marie Vialle und Emma Ravier typgerechte Darstellerinnen gefunden.

Bei allen Dissonanzen, die das Quartett bei seiner Arbeit begleiten, ist „Der Klang der Stradivari“ so leichtfüßig und verspielt komponiert wie ein Streichquartett von Debussy oder Ravel. Vielleicht kann der Film dazu beitragen, der Kammermusik wieder mehr Beachtung zu verschaffen.