Freitag, 06. November 2026 - 20:30 bis - 22:30
Ort: Kino achteinhalb
http://www.majestic.de/adams-acht
Kategorien: Biopic, Historienfilm, Warner, Scope
Treffer: 13
Eintritt: 7,50 Euro
Deutschland 2026
Kinostart: 17. September 2026
124 Minuten
FSK: ab 14 Jahren
Regie: Hannu Salonen
Darsteller:
Oliver Masucci (Karl Adam) · Felix Kammerer (Hans Lenk) · Svenja Jung (Ulla Jahn) · Leonard Kunz (Manfred Rullfs) · Nick Romeo Reimann (Moritz von Groddeck) · Vito Wiesner (Willi Padge) · Axel Milberg (Dr. Walter Wülfing) · Heino Ferch (Erich Buddenhauser) · Katrin Röver (Ursula Adam) · Stephanie Amarell (Rose) · Leon Kleinschmidt (Walter Schröder) · Jakob Schmölzer (Klaus Bittner) · Till Neumann (Stark Kendler) · Oscar Krause (Frank Kendler) · Moritz Wolff (Karl-Heinz Hopp) · Paula Stellar (Bärbel) · Sebastian Thiers (Rudi Fritz)
Wikipedia über Karl Adam
NDR: Ruder-Trainer Adam: Eine streitbare Legende
Tourismus und Stadtmarketing Ratzeburg: Filmstadt Ratzeburg
Filmwebseite, Wikipedia
alle Daten zum Film auf Filmportal.de
Gedanken zum Film auf Basis der hier verlinkten Filmkritiken:
Acht Männer, ein gemeinsames Ziel
Ende der 1950er-Jahre übernimmt Karl Adam, Lehrer in Ratzeburg, eine Rudergruppe, die im etablierten Rudersport kaum jemand ernst nimmt. Adam hat selbst nie gerudert. Er stellt Trainingsmethoden infrage und entwickelt seine eigene Vorstellung davon, wie aus einzelnen Sportlern eine Mannschaft wird. Aus dem Außenseiterteam wird ein Konkurrent, der 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom Gold gewinnt.
Hannu Salonen erzählt die Geschichte als Sportdrama mit hartem Training, Rivalitäten und dem großen Wettkampf. Doch der Film interessiert sich auch für die Menschen im Boot. Sie stammen aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Gemeinsam gewinnen zu können, bedeutet nicht, dass sie einander mögen müssen.
Ein Boot als Abbild der Gesellschaft
Acht Ruderer müssen ihre Bewegungen präzise aufeinander abstimmen. Die Leistung entsteht erst im gemeinsamen Rhythmus. Zwischen dem robusten Manfred Rulffs und dem sensiblen, intellektuellen Hans Lenk liegen Welten. Aus Konkurrenz und Abneigung entsteht Zusammenarbeit – ohne dass daraus Freundschaft werden muss.
Götz Hamann hebt in der Zeit diese Unterschiede hervor und liest den Film als Geschichte einer Gemeinschaft, die ihre Gegensätze nicht einfach auflösen kann. Axel Timo Purr (artechock) erkennt im Boot ebenfalls ein Bild für die deutsche Nachkriegsgesellschaft. Er kritisiert, dass der Film dieses Bild nicht konsequent genug nutzt und Widersprüche zu oft durch erklärende Dialoge einordnet.
Die Vergangenheit sitzt mit im Boot
Adam ist nicht nur der innovative Trainer. Vor Kriegsende hatte er an einer nationalsozialistischen Eliteschule, einer Napola, unterrichtet. Der Film konfrontiert ihn mit dieser Verantwortung und zeigt einen Mann, der sich mit seiner Rolle im Nationalsozialismus auseinandersetzen muss.
Damit bekommt der sportliche Aufstieg eine zweite Ebene. Disziplin und Unterordnung gehören zum Training; nach 1945 stellt sich die Frage, wie eine Gesellschaft sich von ihrer Vergangenheit lösen kann. Adams Idee vom mündigen Sportler, der selbst mitdenkt und entscheidet, steht für einen anderen Umgang mit Autorität. Zugleich bleibt offen, wie weit ein Neuanfang reicht, wenn alte Denkweisen nicht einfach verschwinden.
Die Kritiken setzen unterschiedliche Akzente. Michael Ranze vom Filmdienst würdigt die Verbindung von Schuldfrage und Sportgeschichte. Oliver Heilwagen erkennt die politischen Themen, spricht aber von einer gewissen volkspädagogischen Schlagseite. Purr vermisst, dass der Film die Widersprüche zwischen Adams Vergangenheit und seinen neuen Vorstellungen stärker aushält. So lässt er sich als Geschichte eines Neuanfangs lesen – oder als Erzählung, die schwierige Fragen zu rasch beantwortet.
Zwischen Grenze und Zusammenhalt
Ratzeburg liegt nahe der innerdeutschen Grenze. Die Teilung ist mehr als Kulisse und prägt auch die Liebesgeschichte von Hans Lenk, dessen Freundin in der DDR lebt. Während die Politik Deutschland trennt, soll der Achter bei internationalen Wettkämpfen für das gemeinsame Deutschland antreten.
Der Spiegel erinnert an die damalige Sehnsucht nach einem deutschen Erfolg. Viele Menschen, die den Ruderern zujubelten, hatten vom Rudern wenig Ahnung. Der Sieg wurde zum Zeichen dafür, dass das Land nach Krieg und Niederlage wieder etwas erreichen konnte. Zugleich mussten sich Sportler mit unterschiedlichen Hintergründen erst gegeneinander durchsetzen, um anschließend gemeinsam anzutreten.
Wenn der Sport ins Kino kommt
Viele Kritiken heben die Ruderszenen hervor. Regisseur Hannu Salonen und Kameramann Felix Cramer bringen das Publikum nah an die Körper, die Riemen und die Bewegung des Bootes. Anstrengung und gemeinsamer Rhythmus werden unmittelbar erfahrbar. Bianka Piringer hebt die Spannung hervor; Gaby Sikorski beschreibt den Film als Mischung aus Sport- und Aufsteigerdrama und deutscher Geschichte.
Oliver Masucci prägt den Film als eigenwilligen, leistungsorientierten Adam, der seine Sportler zugleich als selbstständig denkende Menschen behandeln will. Nicht alle Kritiken sind mit der Umsetzung zufrieden: Purr vermisst eine eigenständigere filmische Form, Heilwagen findet den historischen Hintergrund mitunter etwas dick aufgetragen. Andere sehen gerade in der Verbindung von Sport, Zeitgeschichte und persönlicher Entwicklung die Stärke des Films.
„Adams Acht“ erzählt von einem Olympiasieg, aber auch davon, wie Menschen zusammenarbeiten, die sich nicht ausgesucht haben. Ein Achter muss im selben Rhythmus rudern, doch daraus entsteht nicht automatisch Einigkeit. Wie weit das Boot als Bild für eine Gesellschaft trägt – und wo der Film die Widersprüche seiner Geschichte zu glatt auflöst –, lässt sich nach dem Kinobesuch weiterdenken.
Kritiken:
Kritik von Britta Schmeis für EPD-Film (3 von 5 Sternen)
Kritik von Michael Ranze für den Filmdienst (3,5 von 5 Sternen)
Kritik von Bianka Piringer für Kino-Zeit.de (4 von 5 Sternen)
Kritik von Oliver Heilwagen für Kunst und Film (5 von 6 Sternen)
Kritik von Axel Timo Purr für artechock film
Kritik von Gaby Sikorski für Programmkino.de
Kritik von Peter Wenig für das Hamburger Abendblatt
Kritik von Stephan Klemm für die Frankfurter Rundschau
Kritik von Lars-Olav Beier für den Spiegel
Kritik von Götz Hamann für die Zeit
Interview mit Oliver Masucci für den NDR
Schulpädagogisches Begleitmaterial auf Kinofenster.de
Trailer (126 Sekunden):
Interview mit Oliver Masucci (14 Minuten):
Interview mit Axel Milberg (Dr. Walter Wülfing) (5 Minuten):
Ausführliche Kritik von Michael Ranze für den Filmdienst:
Eine Filmbiografie des deutschen Rudertrainers Karl Adam, der Ende der 1950er-Jahre mit physikalischem Know-how und gut ausgewählter Bootsmannschaft in die Weltspitze des Rudersports vorstößt.
Was ist Rudern doch für ein schöner, eleganter Sport! Das gemeinsame Eintauchen der Blätter, das Drehen der Dollen, das Durchziehen der Riemen, der Druck der Beine, die Bewegung auf dem Rollsitz, das Dahingleiten des Bootes – besonders im Achter macht dieses Zusammenspiel visuell eine Menge her: acht Menschen, die im selben Moment dasselbe tun und dabei funktionieren müssen wie ein Uhrwerk, von der Anstrengung in Armen, Beinen und Bauchmuskeln ganz zu schweigen. „Was wollt ihr sein?“, ruft Karl Adam, Deutschlands berühmtester und erfolgreichster Rudertrainer, seinen Männern zu. „Eine Maschine!“, schallt es zurück. Wer jemals eine Regatta verfolgt hat, fünf oder sechs Achter nebeneinander, Fahrt aufnehmend, wird diese Faszination des Ruderns nie vergessen.
Über den Revolutionär des Rudersports
Karl Adam (1912-1976) hat in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre das Rudern in Deutschland revolutioniert. Er hat Ratzeburg zum „Mekka des Rudersports“ gemacht, er gewann zwischen 1959 und 1967 in verschiedenen Bootsklassen sieben Titel bei Welt- und Europameisterschaften und zwei Goldmedaillen bei Olympia. Am legendärsten ist der Sieg bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, weil er so unerwartet kam – zu überlegen waren die Amerikaner in den Jahren zuvor. Von diesem Sieg und dem Weg dorthin handelt nun, nach einem Drehbuch von Stephan Falk und Domenik Pockberger, der Film von Hannu Salonen, den man vor allem als Regisseur von Fernsehserien wie „Oktoberfest 1900“ kennt.
Ratzeburg ist eine schleswig-holsteinische Kleinstadt in der Nähe von Hamburg, die Zonengrenze geht Ende der 1950er-Jahre mitten durch den See. Hier lehrt Karl Adam, charismatisch dargestellt von Oliver Masucci, als Oberstudienrat Mathematik, Physik und Philosophie. „Das Land braucht Lehrer“, sagt einmal jemand. Eigentlich will er den jungen Männern, die ohne Vater aufwachsen, das Boxen beibringen, um ihnen Halt und Perspektive zu geben. Doch der Bürgermeister versagt seine Unterstützung. Darum heuert Adam einfach im kleinen Ruderclub an und versammelt mehrere Jungen um sich, das sogenannte „Lumpenpack“, weil sie vom Elitegedanken anderer westdeutscher Clubs weit entfernt sind. Als studierter Physiker tüftelt er an Winkeln und Abmessungen der Boote, Riemen und Blätter, bewegt die Dollen (die die Riemen umschlossen halten) und verlängert die Länge des Rollsitz-Weges. Denn Adam will sich Respekt verschaffen und die Besten aus ganz Deutschland schlagen. Trainiert wird im Zweier, denn einen Achter kann sich der Club nicht leisten.
Die Vergangenheit ist noch nicht vergessen
Mit einem Leihboot gewinnen sie prompt die Deutsche Meisterschaft in Duisburg – zum Unwillen der Funktionäre des Deutschen Ruderverbands. Bei der Europameisterschaft in Polen schlägt den Sportlern der Hass der Bevölkerung entgegen, die Vergangenheit ist noch nicht vergessen, auch Adam muss sich ihr als ehemaliger Napola-Lehrer stellen. Darin verwoben sind die Liebesgeschichten des Schlagmanns Manfred „Gammel“ Rulffs (gespielt von Leonard Kunz) und des von Felix Kammerer porträtierten, sensiblen Bugmanns Hans „Ari“ Lenk (er wird später ein renommierter Soziologe, Philosoph und Sportwissenschaftler und hat über Adam und seine Zeit als Ruderer mehrere Bücher geschrieben), dessen Freundin auf der anderen Seite des Sees, also in der DDR, wohnt.
Die nun folgende Vorbereitung auf die Olympischen Spiele beleuchtet auch den unbarmherzigen Leistungsgedanken, der jedem Sport zugrunde liegt. Fünf der jungen Männer müssen das Boot verlassen, weil sie zu leicht sind. Weil diese fünf jetzt fehlen, entwickelt Adam die Idee der Bootsgemeinschaft mit anderen Clubs, jetzt sitzen Ruderer aus Kiel mit im Boot. Konflikte um Adams Vergangenheit („Ich hab’s mir zu leicht gemacht!“), die durch kurze Rückblenden ins Jahr 1944 belegt wird, und Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft halten die Handlung kurz auf, ein dramatischer Höhepunkt entsteht dadurch, dass das Sperrgebiet um den Ratzeburger See geräumt werden soll und Lenks Freundin darum umziehen muss.
Schuld, Zeitgeschichte und die Eleganz des Ruderns
Mit der Vielfalt seiner Themen, besonders der Schuld, die Adam auf sich geladen hat, und der bevorstehenden Abschottung der DDR ist Salonens Film reicher und anspruchsvoller als etwa Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“, in dem es auch darum ging, dass sich Deutschland nach 1945 mit sportlichem Erfolg in die Weltgemeinschaft zurückmeldet. „Gerade im Rudersport wird sichtbar, worum es auch gesellschaftlich geht: Teambuilding, Vertrauen und die Erkenntnis, dass man nur gemeinsam stark ist. Ein Achter funktioniert nur, wenn alle im selben Rhythmus arbeiten. Dieses Bild steht sinnbildlich für unsere Gesellschaft. Alle in einem Boot – dieser Gedanke zieht sich durch unseren gesamten Film“, sagt Produzent Ivo Alexander Beck.
Im Vordergrund steht aber der Sport, entstanden im Zusammenspiel mit namhaften Profi-Ruderern. Salonen und sein Kameramann Felix Cramer spüren der Eleganz des Ruderns nach, zeigen die unterschiedlichen Bewegungsabläufe und lassen die Blätter, von unten durchs Wasser aufgenommen, zeitgleich ins Wasser klatschen. „Wir fliegen!“, ruft einer der Acht. Besser kann man die Schönheit des Ruderns nicht umschreiben.