Gott verhüte!

Freitag, 21. November 2014 - 20:30
Treffer: 1573

Eintritt: 5,00 €

Komödie Kroatien/Serbien 2013
Kinostart: 7. August 2014
97 Minuten
FSK: ab 12; f

Regie: Vinko Bresan    
Buch: Mate Matisic, Vinko Bresan    
Kamera: Mirko Pivcevic    
Musik: Mate Matisic    
Schnitt: Sandra Botica    
Darsteller: Kresimir Mikic (Fabian), Drazen Kühn (Marin), Marija Skaricic (Marta), Niksa Butijer (Petar), Lazar Ristovski (Bischof), Stjepan Peric (Vlado), Dara Vukic (Lucija)
Neue Visionen BR Scope 50.000

Kurzkritik Filmdienst

Ein junger katholischer Geistlicher auf einer kroatischen Insel will die geringe Geburtenrate der Inselbevölkerung steigern, indem er mit einigen Unterstützern Kondome manipuliert. Dies führt zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften, einer wachsenden Berühmtheit der Insel, aber auch zu menschlichen Tragödien. Was als heiter-bissige Komödie mit skurrilen Figuren und Seitenhieben auf Nationalismus und rigide Sexualmoral beginnt, wandelt sich zunehmend zum ernsten Drama. Dabei werden pointiert Auswüchse der gegenwärtigen kroatischen Gesellschaft aufs Korn genommen. - Ab 14.

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Pressespiegel 

Trailer:

ausführliche Kritik Filmdienst

In einem weiträumigen Krankensaal steht nur ein Bett. Ein hagerer Mann mit Bart schaut gequält nach oben. Wahnvorstellungen plagen ihn: Der Saal füllt sich mit kleinen Bettchen, in jedem von Ihnen schreit ein Neugeborenes, ein schriller, disharmonischer Chor zorniger Babys. Als der schreckliche Albtraum endet, beichtet er einem jungen Priesterkollegen seine Lebensgeschichte: Fabian wurde auf eine kroatische Mittelmeerinsel versetzt, um den beliebten alten Dorfpriester abzulösen. Aber während der alte Pfarrer immer noch überall in das Dorfleben integriert ist, beim Altherrenfussball, beim Bocciaspiel und besonders als Leiter des Kinderchores der Kirchengemeinde, der bald sogar dem Papst in Rom vorsingen soll, kommt der neue Hirte bei den Schäfchen nicht so richtig an. Erst durch die Beichte des Kioskbesitzers Petar, dessen Gewissen wegen des Verkaufs von Kondomen schwer belastet ist, findet er plötzlich seine persönliche Mission: Er wird gegen die niedrige Geburtenrate kämpfen, denn auf der Insel gibt es weitaus mehr Beerdigungen als Taufen. Fabian beginnt, die Spitzen der Kondome aus Petars Kiosk mit feinen Nadelstichen zu löchern, und holt noch den ultranationalistischen Apothekenbesitzer mit ins Boot, der seinerseits nicht nur die Kondome löchert, sondern auch die Antibabypillen in den Packungen heimlich durch Vitaminpräparate ersetzt. Die Strategie des ungleichen Trios scheint aufzugehen, die Geburtenrate steigt, die Insel kommt sogar ins Fernsehen. Sie wird weltweit als Fruchtbarkeitseiland bekannt und zieht kinderlose Paare aus aller Herren Länder an, die in dem vermeintlich heilkräftigen Meereswasser plantschen möchten. Aber die unfreiwilligen Väter auf der Insel sind nicht unbedingt glücklich. Das erotische Gleichgewicht des Dorfes gerät aus den Fugen, und die Situation eskaliert: Ein Kind wird ausgesetzt, illegal adoptiert, eine schwangere Frau entführt, ein deutscher Tourist stirbt mit seinem Kinderwunsch im eiskalten Adriawasser. Der Apotheker möchte die defekten Kondome nur noch an Kroaten verkaufen, damit sich nicht die Serben und Afrikaner vermehren, und nach dem Tod eines minderjährigen schwangeren Chormädchens merkt Fabian, dass er weit über das Ziel hinaus geschossen ist.
In seinen satten, farbigen Sommerbildern und mit seiner leichten Musik erinnert der Film an klassische mediterrane Komödien aus Frankreich und Italien und lebt von seinen skurrilen Haupt- und Nebenfiguren. »Gott verhüte!« oder im Originaltitel »Svecenikova Djeca« (»Die Kinder des Priesters«) wurde in Kroatien zum Kinohit. Für Regisseur Vinko Bresan ist die dalmatinische Insel, die sein Film porträtiert, eine Miniatur, ein groteskes Spiegelbild der kroatischen Gesellschaft, in der ein rigider Katholizimus und der kroatische Nationalismus Hand in Hand gehen, während die politischen Gegner im Parlament längst heimlich zusammen im Bett liegen. Was als leichte Sommerkomödie mit schwarzem Humor und witziger Gesellschaftskritik beginnt, endet als Drama – doch das Beichtgeheimnis verpflichtet zum Schweigen. Dieser Sprung vom Heiter-Bissigen in die Tragödie ist riskant, aber notwendig: ein harter Verfremdungs­effekt, der nachdenklich macht.
Wolfgang Hamdorf, FILMDIENST 2014/16