I am Greta

  Donnerstag, 19. November 2020 - 19:30 bis - 21:30

Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, den 13. März, einzustellen und nun, ihn am Donnerstag, den 8. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Auch wenn wir unter den aktuell gültigen Abstandsregeln maximal 26 Plätze (vorausgesetzt es gäbe genügend Dreier-Gruppen) vergeben dürften, haben wir beschlossen, die maximale Anzahl für das Jahr 2020 auf 18 Karten zu begrenzen. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 20 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter
Spiegel vom 17. Oktober: "In Kählers Studie testeten die Forscher den Raumluftfilter eines Gerätes der Firma Trotec und kamen zum Schluss, dass dieser Aerosolpartikel bis auf eine Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometern sehr zuverlässig abfangen kann."

 

 

 

Eintritt: frei

Schweden 2020
Kinostart: 16. Oktober 2020
97 Minuten
FSK: ab 10; f

Regie/Drehbuch/Kamera: Nathan Grossman 
Schnitt: Charlotte Landelius · Hanna Lejonqvist 
Musik: Jon Ekstrand · Rebekka Karijord 


Filmwebseite, Presseheft   

Kritiken:
Kritik von Silvia Hallensleben im Filmmagazin EPD (4 von 5 Sternen)
Kritik von Michael Kienzl im Filmdienst (2 von 5 Sternen)
  
Kritik von Michael Meyns auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)
Kritik von Thomas Assheuer in der Zeit
Kritik von Deike Diening im Tagesspiegel 
Kritik von Rüdiger Suchsland auf artechock film 
 

Trailer (128 Sekunden):



arteshot (5 Minuten):


ausführliche Kritik Filmdienst  
Ein Porträt der schwedischen Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg, das öffentliche Auftritte und private Momente miteinander verbindet.


Einmal spricht Greta Thunberg kurz darüber, wie sie und ihre Eltern früher gelebt haben. Während man alte Videoaufnahmen sieht, erzählt sie von einer Familie, die ständig in der Weltgeschichte herumgereist ist und gedankenlos konsumiert hat. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute fliegen die Thunbergs überhaupt nicht mehr und ernähren sich vegan. Wie genau es zu diesem Wandel gekommen ist, klärt der Dokumentarfilm „I Am Greta“ von Nathan Grossman zwar nicht, macht es zugleich aber unmissverständlich klar: Das Porträt der schwedischen Klimaaktivistin handelt von einer anschwellenden Revolution, die von einer neuen Generation vorangetrieben wird. Meist sind es dabei engagierte junge Frauen, die von der Kamera ins Visier genommen werden und den Raubbau an der Natur nicht mehr hinnehmen wollen.

Eine gnadenlose Standpauke 

Thunberg nimmt in dem Film deshalb immer auch eine Stellvertreterrolle ein. Wenn die Inszenierung die Stationen ihrer kurzen Laufbahn Revue passieren lässt – Besuche bei Emmanuel Macron und Papst Franziskus, Treffen mit anderen Klimaaktivistinnen oder Reden wie etwa auf der UN-Klimakonferenz –, wirkt Greta Thunberg wie das schlechte Gewissen träger Politiker, die das Offensichtliche nicht sehen wollen. Immer wieder lässt sich bei ihren Reden beobachten, wie hochrangigen Sitznachbarn mit gönnerhaft amüsiertem Blick langsam die Gesichtszüge entgleiten, sobald sie realisieren, dass ihnen von dem unscheinbaren Mädchen gerade eine gnadenlose Standpauke gehalten wird. 

So pathetisch Greta Thunberg mitunter bei ihren Vorträgen wird, so bewusst scheint ihr auch zu sein, wie schwer Veränderungen in Gang zu setzen sind. Einmal sitzt sie nach einem Auftritt im EU-Parlament missmutig im Publikum, weil sie merkt, dass ihre Einladung nur eine gutgemeinte Geste war, auf die keine Konsequenzen folgen werden. Der Film zeigt eine Perfektionistin, die ständig versucht, ihren hohen Ansprüchen zu genügen. Als Thunberg beispielsweise eine Rede vorbereitet, besteht sie darauf, dass ein Bindestrich richtig gesetzt sein muss, auch wenn das bei dem anschließenden Vortrag ohnehin keinen Unterschied macht.

So als spräche Thunberg persönlich 

Bezeichnend für die Herangehensweise des Regisseurs ist das, was der Titel nahelegt: dass die Aktivistin selbst durch diesen Film zum Publikum zu sprechen scheint. Während „I Am Greta“ von der Atlantiküberquerung, die Thunberg 2019 mit einer Segelyacht unternahm, gerahmt wird, findet sich dazwischen ein dramaturgisch ziemlich beliebiger Mix aus öffentlichen Auftritten und privaten Aufnahmen. Die zeigen etwa, wie Thunberg mit ihrem Vater Svante herumalbert, mit ihrer Mutter skypt oder aus Hibbeligkeit wild in der Wohnung herumhüpft. Die Kamera konzentriert sich dabei oft auf das Gesicht des Mädchens, während der Hintergrund verschwimmt und Thunberg aus dem Off ihre Gedanken formuliert. Damit stellt der Film immer wieder klar: Dies ist eine Innenperspektive. 

Allerdings ist die Intimität auch trügerisch. So entsteht zwar das Bild eines unermüdlich kämpfenden Mädchens, das dem enormen Druck, der auf ihm lastet, nicht immer gewachsen ist; doch wirklich nahe kommt man Thunberg letztlich nicht. Ihr sprödes Wesen und der häufig etwas hölzerne zwischenmenschliche Umgang, der eine Folge ihres Asperger-Syndroms ist, verleihen ihr zwar etwas Bodenständig-Sympathisches, machen sie aber auch zu einer undankbaren Protagonistin. Während der Film ostentativ vermittelt, dass er etwas Besonderes zeige, hält die meist schweigsame Thunberg die Zuschauer doch konsequent auf Distanz.

„Count Me in. Hasta la vista Baby“

So richtig schlau ist man aus ihr auch am Ende nicht geworden. Als sie auf einen unterstützenden Tweet von Arnold Schwarzenegger mit „Count Me In. Hasta la vista Baby“ antwortet, grübelt man, ob da gerade das normal gebliebene Mädchen am Werk ist, der knallharte Medienprofi oder vielleicht sogar der Vater, bei dem sie sich kurz rückversichert. Doch der Filmemacher interessiert sich für diese Frage schlichtweg nicht. Er gibt sich mit einem diffusen Gefühl von Nähe und einer Abfolge an Allgemeinplätzen zufrieden – und lässt sich gerade dadurch zum Diener von Thunberg machen.

Eine Kritik von Michael Kienzl