Anthropozän – Die Epoche des Menschen

  Donnerstag, 15. Oktober 2020 - 19:30 bis - 21:00

Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, dem 13. März, einzustellen und nun, ihn am Freitag, dem 9. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Auch wenn wir unter den aktuell gültigen Abstandsregeln maximal 26 Plätze (vorausgesetzt es gäbe genügend Dreier-Gruppen) vergeben dürften, haben wir beschlossen, die maximale Anzahl für das Jahr 2020 auf 18 Karten zu begrenzen. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 19 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter

 

In Kooperation mit Fridays for Future Celle

 

Eintritt: frei


Dokumentarfilm Kanada 2018
Kinostart: 10. September 2020
87 Minuten
FSK: ab 0; f
FBW: Prädikat besonders wertvoll  

Regie: Jennifer Baichwal · Edward Burtynsky · Nicholas de Pencier
Drehbuch: Jennifer Baichwal

Kamera: Jennifer Baichwal
Musik: Rose Bolton · Norah Lorway
Schnitt: Roland Schlimme 

Filmwebseite

Kritiken:
Kritik von Silvia Hallensleben im Filmmagazin EPD (3 von 5 Sternen)
Kritik von Swantje Seberg auf Kunst und Film (3 von 6 Sternen)
Kritik von Sofia Glasl im Filmdienst (4 von 5 Sternen)
  
Kritik von Michael Meyns auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)
Kritik von Joshua Schultheis auf critic.de 
Kritik von Bianka Piringer auf Spieflilm.de (3 von 5 Sternen)
Kritik von Falk Straub auf Kino-Zeit.de 

 

Buchtipp
Erle C. Ellis
Anthropozän - Das Zeitalter des Menschen – eine Einführung
ISBN 978-3-96238-177-6
256 Seiten, € 18
www.oekom.de%2Fbuch%2Fanthropozaen-9783962381776&usg=AOvVaw0rNircEGEaZ3clL5S313Vk
In der Diskussion um die globalen Krisen ist ein Begriff allgegenwärtig: der des »Anthropozän«.
Erle C. Ellis erläutert, was es mit dem Begriff auf sich hat, welche Umweltveränderungen maßgeblich sind und
warum so heftig um dieses Narrativ gestritten wird – eine kompakte wie umfassende Einführung.



Trailer (132 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst  
Dokumentarfilm über das „Anthropozän“, die gegenwärtige Epoche der Erdgeschichte, in der die Menschheit den Planeten nach ihrem Bild und Nutzen umformt. 

Der Mensch ist ein Parasit, das wird im Dokumentarfilm „Die Epoche des Menschen“ deutlich. Die geologischen Veränderungen, die durch den homo sapiens dem Planeten zufügt werden, sind mittlerweile unumkehrbar und umfassender als alle Naturgewalten zusammen. Deshalb schlug die 2009 gegründete interdisziplinäre „Anthropocene Working Group“ vor, der geologischen Zeitskala das Erdzeitalter des Anthropozäns hinzuzufügen, um diesen Einfluss zu etikettieren. Als Beginn solle Mitte des 20. Jahrhunderts festgelegt werden, da die Globalisierung und die vom Menschen hervorgerufenen geologischen Disruptionen Hand in Hand gehen.  


Fakten und Bilder sprechen für sich 

Die Dokumentarfilmerin Jennifer Baichwal, der Kameramann Nicholas de Pencier und der Fotograf Edward Burtynsky dokumentieren in ihrem Film diesen Epochensprung anhand lose verbundener Vignetten, die Einzelphänomene beleuchten und deren gegenseitige Verkettung andeuten. In kurzen Einleitungen zu jedem Phänomen werden im Voice-over Statistiken und wissenschaftliche Berichte zitiert. Ohne Wertung. Die Fakten und Bilder sollen für sich sprechen. Der Film beginnt mit lodernden Flammenbergen im kenianischen Nairobi-Nationalpark: Elfenbein im Wert von 150 Millionen Dollar wird hier medienwirksam verbrannt, um den Hehlern das Geschäft zu verderben und auf die Ausrottung ganzer Tierarten und Lebensräume durch Wilderer hinzuweisen. 


Hier wird der Raubbau an natürlichen Ressourcen jeglicher Art dokumentiert: Elfenbein, Edelmetalle, aber auch Baumaterialien wie Marmor. Auch die Verschmutzung durch komplizierte Gewinnungsprozesse wird protokolliert, etwa bei der Nickelproduktion in Norilsk, der „schmutzigsten Stadt Russlands“. Hinter den Badenden an einem Fluss türmt sich eine schnaubende Industrielandschaft auf, die ein zuverlässiger Arbeitgeber ist und deshalb nicht nur geduldet, sondern im jährlichen Sommerfest auch gefeiert wird.  

„Die Epoche des Menschen“ ist der letzte Teil einer interdisziplinären Trilogie, die sich menschengemachten Naturphänomenen widmet – „Manufactured Landscapes“ (2006) beschäftigte sich mit Terraforming, und Watermark (2013) mit der Bedeutung des Wassers für den Planeten, die Menschen und ihre Kultur. „Die Epoche des Menschen“ verbindet nun beide Blicke und ergänzt sie um eine Vielzahl an Phänomenen. Den Filmemachern geht es dabei um den Zusammenhang zwischen dem großen Ganzen und Einzelbeispielen.  

Gewaltige Panoramas, präzise Details  

Die Kameraarbeit von Nicholas de Pencier spielt dabei eine essentielle Rolle, denn die Kombination aus gewaltigen Panoramen und präzisen Detailaufnahmen macht es erst möglich, das Ausmaß der Eingriffe in die Natur und den dadurch bedingten Dominoeffekt zu überblicken. Andererseits ist es dennoch möglich, das Drama einzelner Zerstörungen wahrzunehmen. Wenige der hier gezeigten Phänomene sind für Menschen, die sich für Umweltschutz interessieren, wirklich neu, doch die Akkumulation verdeutlicht ein globales Problem, das niemand mehr ausblenden kann.  


Auf diese Weise wird schnell deutlich, in welchem Anmaßung ökonomische Belange über alle anderen gestellt werden – über Flora und Fauna, über Ozeane und selbst über Ortschaften, die etwa von Braunkohleunternehmen aufgekauft und umgesiedelt werden, um an die Rohstoffe zu kommen. Dass dann monströse Bagger von über hundert Meter Länge und 12.000 Tonnen Gewicht den Abbau vornehmen, wirkt so unwirklich, als kämen sie direkt aus einem dystopischen Endzeitfilm. 

„Die Epoche des Menschen“ setzt sich von klassischen Naturdokumentationen deutlich ab, weil der Film eben nicht die Schönheit der Natur feiert, sondern auch die Verdrängungsmechanismen aufzeigt, die dazu führen, dass die Menschheit einfach so weitermacht wie bisher. Wer will schon wahrhaben, dass auch unser Recyclingmüll irgendwo auf der Erde landet und in unwirklichen Hügellandschaften einen eigenen Lebensraum aus Techno-Fossilien bildet, in dem hunderte Menschen leben und arbeiten?  

Der blinde Fleck im Umgang mit der Natur 

Den Beauty-Shots in Naturdokus stellt der Film die dystopische und perfide Schönheit dessen gegenüber, was die systematische Zerstörung und Disruption der Erde dem Globus antun. Die Close-up-Kamerafahrten durch russische Minen, in denen Pottasche abgebaut wird, ähneln in ihren rot-weißen Gesteinsverwirbelungen einem psychedelisch wabernden Bildschirmschoner. Ähnlich leuchten die Verdunstungsbecken in der Atacama-Wüste an der südamerikanischen Pazifikküste in unnatürlich knalligen Farben zwischen Neongelb, Orange und Helltürkis – wie eine überdimensionierte Pool-Landschaft. Hier wird Lithium gewonnen. Die giftige Brühe täuscht in ihrem schimmernden Farbenreichtum leichthin über die Gefahr für Grundwasser und Ozeane hinweg. Immer wieder ertappt man sich beim bewundernden Staunen ob der wundersamen Schönheit, die nur durch massive Zerstörung entstehen kann. Das macht „Die Epoche des Menschen“ zu einem wichtigen Film, denn er versucht genau diesen blinden Fleck im Umgang mit der Erde zu beleuchten. 


Eine Kritik von Sofia Glasl