Eltern

Freitag, 28. Februar 2014 - 20:30
Treffer: 1144

Eintritt: 5,00 €

Komödie Deutschland, 2013
Kinostart: 14. November 2013
96 Minuten
FSK: ab 0; f
Produktion: Dirk Engelhardt, Matthias Miegel, Andreas Banz
Regie: Robert Thalheim    
Buch: Jane Ainscough    
Kamera: Henner Besuch    
Schnitt: Stefan Kobe    
Verleih: DCM, 14W/53.000

Darsteller: Charly Hübner (Konrad), Christiane Paul (Christine), Paraschiva Dragus (Käthe), Emilia Pieske (Emma), Clara Lago (Isabel), Alex Brendemühl (Volker), Maren Eggert (Julie)a

Video-Interview mit Charly Hübner in ARD titel thesen temperamente (ttt)

FILMHOMEPAGE, Programmkino, alle Daten zum auf Filmportal 
Pressespiegel 
Die Zeit: "Eltern": Der gelungenste Film übers Elternsein
Der Spiegel: Beziehungsfilm "Eltern": Anarchie und Alltag   
Die Süddeutsche: Am Nerv des Zusammenhalts. Robert Thalheims brillanter neuer Film "Eltern" 
ttt - Bermudadreieck Beruf, Familie und Beziehung - Robert Thalheims Film "Eltern

Kurzkritik Filmdienst

Eine scheinbar perfekte moderne Vorzeigefamilie droht zu zerbrechen, als der bislang den Haushalt besorgende Vater aus der gemeinsamen Wohnung auszieht, um wieder als Theaterregisseur zu arbeiten. Solide inszenierte, gut gespielte Komödie, die munter und turbulent eine klassische Romanze mit Eifersüchteleien, Nebenbuhlern, Streit und Missverständnissen entwickelt und sie um die Kinder-Thematik erweitert.  - Ab 12.

ausführliche Kritik Filmdienst

Schon nach wenigen Minuten schwant einem Böses. Christiane Paul hat gerade in ihrer Rolle als Powermama Christine ihr argentinisches Au-Pair-Mädchen mit dem (Drehbuch-)Satz begrüßt: „Willkommen in unserer verrückten Familie.“ Davor musste die stille Isabel auf der Autofahrt vom Flughafen zur Altbauwohnung ihrer Gastfamilie schon mitanhören, wie der Vorzeige-Hausmann-Papa Konrad mit seiner fünfjährigen Tochter Emma den Punksong „Alles was ich will, ist nur die Regierung stürzen“ grölte, wobei Emma in etwa so klang wie die kleine Regan aus „Der Exorzist“, wenn der Dämon aus ihr spricht. Das war lustig. Auch, dass sie unterwegs in eine Brotzeitdose pinkelte, weil sie das „Pipi“ nicht länger anhalten konnte. Eigentlich ist es auch eine originelle Idee, die moderne Großstadtfamilie Emmas toten Hamster im Grünstreifen zwischen Straße und Gehweg begraben zu lassen. Alles zusammen genommen aber ist schlicht zuviel. Nachdem Robert Thalheims Regielaufbahn mit eigenwilligen Filmen wie „Netto“ und „Am Ende kommen Touristen“ recht verheißungsvoll begonnen hatte, heißt es diesmal: typisch deutsche Komödie. Die genreübliche plakative Unkonventionalität kann auf Dauer nicht darüber hinwegtäuschen, wie klischeeüberfrachtet und altbacken das Drehbuch im Grunde ist. „Eltern“ ist nichts anders als eine Rollentausch-Tragikomödie unter umgekehrten Vorzeichen. Bei Thalheim ist es der Vater, der fürs erste genug von seiner Hausmannrolle hat und endlich wieder seinem Beruf als Theaterregisseur nachgehen will. Weil Konrads Frau Christine als aufstrebende Anästhesistin aber keine Zeit hat, sich um die beiden Kinder Emma und Käthe zu kümmern, stellt er sie vor vollendete Tatsachen und zieht Hals über Kopf aus und ins Theater. Vom Au-Pair-Mädchen Isabel kann Christine keine Hilfe erwarten: Sie hat bei ihrer Bewerbung verheimlicht, dass sie schwanger ist, und liegt jetzt gebeutelt von Übelkeitsanfällen den halben Tag im Bett. Also bleibt Christine nichts anderes übrig, als ein paar Tage Urlaub zu nehmen und sich vorübergehend alleine um ihre Kinder zu kümmern. Getrennt voneinander versuchen Christine und Konrad sich in ihrem ungewohnten Alltag zurechtzufinden. Am Ende aber müssen sie gemeinsam neue Wege beschreiten, wenn sie als Familie noch eine Zukunft haben wollen. Über weite Strecken funktioniert „Eltern“ als klassische Romanze mit Eifersüchteleien, Nebenbuhlern, Streit und Missverständnissen. Die Kinder kommen dann eben auch noch dazu. Die pubertierende, türenknallende Käthe, die sich vom Vater zurückgewiesen fühlt und der Mutter die Schuld dafür gibt. Und die trotzige, rotzfrech quengelnde Emma, die gut zu „Kokowääh“ gepasst hätte. Die vierköpfige Reißbrettfamilie mit argentinischem Gast-Teenager wirkt trotz all der zur Schau getragenen Emotionen und Absonderlichkeiten enttäuschend steril. Auch der ungeheuer präsente Charly Hübner kann diesem Ensemble keine innere Glaubwürdigkeit verleihen, obwohl er es sichtlich mit aller Kraft versucht. Zwar gibt es für die Eltern unter den Zuschauern im familiären Leinwandchaos immer mal wieder herrlich komische Aha-Momente mit Wiedererkennungseffekt. Doch letztlich fügen sich die Pointen zu keiner organischen Einheit. Unterm Strich bleibt kaum mehr als eine bieder gefilmte Mainstreamkomödie: turbulent, unterhaltsam, gut gemeint und gut(bildungs)bürgerlich mit der nötigen Familienpatina für die „Nido“-Zielgruppe.
Stefan Volk