"Emmas Glück" - ausverkauft - keine Abendkasse

"Emmas Glück" - ausverkauft - keine Abendkasse

Sonnabend, 18. März 2017 - 20:00

Ort: Halle 19

http://www.freiebuehnewendland.de/wordpress/produktionen/emmas-glueck

Kategorien: 2017, Kooperation, oeffentliche Veranstaltung, Archiv, Theater, Halle 19, Freie Buehne Wendland, Schlosstheater

Treffer: 14155


"Emmas Glück", geschrieben von Kerstin Wittstamm (Schauspiel) und Caspar Harlan (Regie), ist die Bühnenfassung des gleichnamigen Erfolgsromans von Claudia Schreiber, der auch verfilmt wurde. Kino achteinhalb zeigt die Verfilmung am darauffolgenden Dienstag, den 21. März, um 19.30 Uhr.
Es handelt sich um ein Einpersonenstück, in dem alle zehn Figuren von Kerstin Wittstamm gespielt werden. Die Lichttechnik vor Ort wird von Regisseur Caspar Harlan bedient. 

             
Dauer: zwei Stunden inkl. 15-minütiger Pause
Einlass: ab 19 Uhr

Eintritt: 17,- Euro
Schüler/Studenten/Schwerbehinderte: 10,- Euro

Bezieher von SGB II und SGB XI: 5,- Euro

Karten sind über die Theaterkasse des Schlosstheaters erhältlich sowie im Kino achteinhalb.
Karten können ebenfalls über diese Webseite vorbestellt und dann an der Abendkasse oder im Kino achteinhalb abgeholt werden.
Es gibt 150 Karten. Die Karten sind nicht nummeriert.


Kurzfassung:

Emma züchtet und schlachtet Schweine auf ihrem heruntergekommenen, hoffnungslosl verschuldeten Bauernhof, der kurz vor der Zwangsversteigerung steht. Sie arbeitet und lebt dort allein. Seit Jahren betet sie vor dem Schlafengehen: “Lieber Gott mach mich reich oder glücklich” - von "und" war eigentlich nie die Rede: Aber eines Nachts wird sie von einem lauten Knall geweckt - nicht mal eine halbe Stunde später hat sie eine Tüte voller Geld unter der Matratze und einen bewusstlosen Mann nackt auf ihrem Bett liegen - Max. Max hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und ist auf der Flucht vor dem Sterben auf dem Weg nach Mexiko. Er hat seinem Freund und Arbeitspartner Hans fünfzigtausend Dollar Schwarzgeld und einen Ferrari geklaut, mit dem er in der Kurve von der Landstraße abgekommen und so auf Emmas Hof gelandet ist. Der Beginn einer skurrilen und herzzerreißenden Liebesgeschichte. Sie handelt vom Sterben, erzählt aber von der unbändigen Lust auf Leben.

Internetseite von Kerstin Wittstamm
Internetseite der Freien Bühne Wendland

Text der Freien Bühne Wendland:
Die Freie Bühne Wendland präsentiert:
EMMAS GLÜCK
Theaterstück für eine Schauspielerin von Caspar Harlan und Kerstin Wittstamm nach dem Roman von Claudia Schreiber.
Kerstin Wittstamm: Emma
Caspar Harlan: Regie & Technik

Wer den gleichnamigen Film kennt, wird sich mit Sicherheit an die verstörend schöne Eröffnungsszene erinnern: Emma liegt mit einem ihrer Schweine verträumt unter dem großen Baum im Hof, krault dem massigen Tier zärtlich Bauch und Rücken - um ihm dann mit einem einzigen schnellen Schnitt die Kehle durchzuschneiden. Schlachttag bei Emma: kein Gezerre, kein Gequieke, keine Todesangst. Gestorben wird trotzdem, schließlich bewirtschaftet Emma einen Bauernhof und muss von den Erträgen leben. Emma ist einsam, aber sie hat sich mit einem beinahe trotzigen Pragmatismus darin eingerichtet.

Es muss noch jemand sterben in dieser Geschichte: Autoverkäufer Max hat vom Arzt erfahren, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. In einer Kurzschlussreaktion klaut er das Geld seines einzigen Freundes, bucht einen Flug und will nur noch weit weg. Auf der Flucht mit einem ebenfalls geklauten Ferrari fliegt er aus der Kurve - und landet schwerverletzt auf Emmas Hof. Damit ist die Grundkonstellation dieser „skurrilen, herzzerreißenden und ganz und gar unkitschigen Liebesgeschichte“ (TZ, München) geschaffen. Emma fehlt die Liebe, aber mit dem Sterben kennt sie sich aus. So beginnt für sie und den todkranken Max eine kurze, sehr kurze Phase gemeinsamen Glücks.

Der Film 'Emmas Glück' erzählt die Geschichte anders als der Roman, der Vorlage für dieses von Caspar Harlan und Kerstin Wittstamm verfassten Ein-Personen-Stück ist. Und doch ist das Theaterstück, schon allein durch die neue Perspektive, wieder ganz anders als das Buch. Die gesamte Handlung wird ganz und gar subjektiv aus Emmas Sicht erzählt: der Zuschauer erlebt diese Geschichte wie Emma sie erlebt - in ihrer Erinnerung oder als dramatisch geschilderte Momentaufnahme.

Emmas Glück ist eine Geschichte über das Sterben, aber eigentlich erzählt sie von der Lust auf das Leben. Was kann der todkranke Max tun, um seine Krankheit zu akzeptieren? Seine heillose Flucht ist kläglich gescheitert, aber zu seinem und Emmas Glück ist er hier gelandet: bei einer Frau, die die Liebe ersehnt und sich mit dem Tod auskennt. Auch Max kann endlich lieben und muss in Emmas Armen den Tod nicht mehr fürchten.

Die Geschichte von der verarmten Bäuerin, der das Schicksal den schwer krebskranken Max - bei jedem geschlachteten Tier erkundigt er sich nach der Bauchspeicheldrüse - auf den Hof wirft, hat alles zu bieten an menschlichen Nöten und Sehnsüchten. Der Wunsch nach Liebe, nach finanzieller Sicherheit und Geborgenheit, die Angst vor dem Tod, vor Schmerzen und der Wunsch nach Erlösung: All diese Facetten werden so authentisch und stark wiedergegeben, dass es den Zuschauer manchmal gruselt. Wenn Emma erzählt, wie ihr Großvater sie als kleines Mädchen zwang, ihm beim Töten von Spatzenjungen zu helfen und mal als Emma, mal als Großvater spricht, dann ist man ganz in der Szene und fühlt mit dem hilflosen Kind. Und während der Einstieg in den Text noch eine Aneinanderreihung von lustigen Anekdoten ist, in denen Emma ihr Leben zwischen dicken Bauersfrauen und tumben Dorfpolizisten mit derben Scherzen beschreibt, verwandeln sich Frau und Stück mit dem Erscheinen von Max zusehends. Emma hatte jeden Tag am offenen Fenster zu Gott gebetet: »Lieber Gott, mach mich reich oder glücklich», und nun hat sie einen nackten Mann in ihrem Bett (»keine Schuppen, saubere Ohren, eher mitteldicke Speckschicht») und eine Tüte Geld hinterm Trog vom Eber versteckt. Die Dollars, die Max gestohlen und seit seinem Autounfall auf Emmas Hof für verloren hält, sollen sie und ihren Hof vor dem Bankrott retten. Zusehends verwandelt sich Emma. Das Mopedfahren bringt keine Lust mehr. Und während Max und Emma sich in einen wilden Glückstaumel stürzen und die gemeinsame Zeit genießen - man liebt sich, man kocht, man schreitet über Blumen - wird der Ton zunehmend ernster, denn Max liegt im Sterben. Wie die beiden gemeinsam die Idee entwickeln, dass Emma Max aktiv von seinen Schmerzen erlösen könnte, das ist gut und glaubwürdig inszeniert. Emma, die ihre Schweine beim Schlachten stets zärtlich im Arm hält und ihnen noch eine Geschichte erzählt, bevor das Tier sein Leben ganz langsam loslässt, soll Max töten. Sie soll das tun, »was man nicht mal denken kann». Ganz am Ende, als Emma Max in ihren Armen hält, um ihn von seinen Schmerzen zu befreien, ihm also die Halsschlagader mit ihrem Schlachtemesser zu zertrennen, da sind scherzhafter Anfang und trauriges Ende ganz nah beieinander: Bevor sie vollstreckt, erzählt sie auch Max noch eine Geschichte. Eine mit ordentlich derbem Humor, so dass das Publikum kichern muss. Und dann kommt der Tod, und für Emma die Freiheit. Sie, die sich durch ihre Tiere an den Hof gekettet fühlte, ist durch die Liebe zu einem Mann befreit. Sie nimmt das Geld und verschwindet - ohne Bitterkeit und ohne Reue.

Ein Rührstück? Nicht die Bohne! Das verhindern die Hauptfigur, eine gefühlvolle aber alles andere als sentimentale Emma und die lebendige, ganz offenkundig seelenverwandte Schauspielerin - sowie Regisseur Caspar Harlan, dem alle falschen Töne fremd sind: „Gefühl ja, aber bloss kein Pathos bei diesem Thema.“

Kerstin Wittstamm hat das Theaterhandwerk u.a. beim Zelttheater Compagnia Buffo gelernt und weiß, dass gutes Theater immer 'Theater im Kopf' ist, dass es auf Imagination, die Verzauberung des Zuschauers ankommt. In 'Emmas Glück' erzählt sie Emma nicht, sie ist Emma. So wie sie auch Max ist und all die anderen tragisch-komischen Figuren dieser Geschichte. Unversehens wechselt der Text von der Vergangenheit ins Präsens, wachsen aus der Rückschau Dialoge, werden Situation dramatisch zugespitzt: Drama, Krimi, Liebesgeschichte. Angetan hat es ihr dieser Stoff schon sehr lange. Als sie dann vor einem Jahr, zunächst zaghaft, bei der Autorin um die Rechte nachfragte, fand sie zu ihrem Erstaunen alle Türen offen. Claudia Schreiber empfindet offenbar großes Vergnügen daran, dass ihre 'Emma' in der künstlerischen Auseinandersetzung (Buch, Film, Hörspiel) immer neue Facetten bekommt und nun, in diesem Ein-Frauen-Stück, eine sehr persönliche, fast intime Stimme erhält.

Caspar Harlan ist Regisseur, Autor und Schauspieler. Er hat seit 1969 in vielen Bereichen, vom Theatertechniker und Beleuchter bis zum Dramaturgen für das Theater und für's Fernsehen gearbeitet.

Emmas Glück hatte Premiere am 13. Mai 2012 in Klein Witzeetze, Unter den Kastanien.

 

Ankündigungstext von Gwen Fähser:
Im Theater bedeutet Reduzierung manchmal größtmögliche Bereicherung. Das Ein-Frauen-Stück ‘Emmas Glück’ ist so ein Glücksfall. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Claudia Schreiber kommt es anders als die Verfilmung mit nur einer Darstellerin aus. Die aber hat es in sich! Mit Kerstin Wittstamm agiert eine ‘Emma’, die die literarische Vorlage förmlich in sich aufgesogen hat. Gemeinsam mit dem Regisseur Caspar Harlan hat sie auch das Textbuch geschrieben und bringt den bewegenden Stoff nun mit ebenso wilder wie zärtlicher Energie auf die Bühne.
Eine verschlossene Tür, die Andeutung eines Bettes, ein Kleiderhaken mit verschiedenen Kittelschürzen – mehr braucht es nicht. Doch, dies: eine von der Decke hängende Schaukel, auf der Emma die dramatischen Ereignisse sich immer wieder hochschaukeln lässt – mal kindlich-verspielt, mal raffiniert und bauernschlau, dann wieder ganz sinnlich, immer selbstbewusst weiblich.
Emma lebt alleine auf einem heruntergekommenen Bauernhof. Ihre Schweine behandelt sie liebevoll bis zum letzten Tag und schlachtet sie auf ihre ganz eigene, zärtliche Art. Sie ist einsam, doch dann kracht plötzlich Max in ihr Leben. Auf der Flucht vor sich selbst ist er in einem geklauten Ferrari aus der Kurve geflogen und auf Emmas Hof gelandet. Max hat Krebs, aber Emma kennt sich aus mit dem Sterben. Und so beginnt für die beiden eine kurze, intensive Phase gemeinsamen Glücks.
Emmas Glück ist intensives Erzähltheater, aber Kerstin Wittstamm erzählt ‘Emma’ nicht, sie ist Emma. So wie sie auch Max ist und all die anderen tragisch-komischen Figuren dieser Geschichte. Unversehens wechselt der Text von der Vergangenheit ins Präsens, wachsen aus der Rückschau Dialoge, werden Situation dramatisch zugespitzt: Drama, Krimi und Liebesgeschichte in einem, und immer wieder zum Heulen schön. ‘Emmas Glück’ ist eine Geschichte über das Sterben, handelt aber eigentlich von der unbändigen Lust auf Leben. Und ist dabei vor allem ein Beleg für die unbändige Lust am Theater.
Gwen Fähser

 

Vorgeschichte dieses Abends erzählt von Stefan Eichardt:
Wie sich einige noch erinnern mögen, feierten wir vor ca. 15 Jahren Theaterfeste mit dem legendären TAB aus Bremen. Insgesamt waren es elf Theateraufführungen - alle restlos ausgebucht. 2003 löste sich das TAB auf. Anke Engelsmann vom TAB wurde anschließend von Claus Peymann ans Berliner Ensemble berufen. Anke war übrigens 2016 die meist beschäftigste Schauspielerin am BE. Im August 2014 hatte ich einen Schriftwechsel mit Anke darüber, was „man“ unter gegebenen Umständen von Schauspielern „erwarten darf“. Sie schrieb mir in dem Kontext: „Ich empfehle Kerstin Wittstamm mit "Emmas Glück", Regie Caspar Harlan. Mit ihr/ihnen wollte ich Theater machen, dann kam das BE dazwischen. Klaus Benk aus Bremen hat dieses Stück gesehen und war begeistert.“ Auf Ankes Empfehlung hin habe ich „Emmas Glück“ bei nächstbester Gelegenheit gesichtet und war ebenfalls schwer angetan - fehlte „nur“ der geeignete Raum. Andreas Döring, der Intendant des Schlosstheaters, hat sich kürzlich die Zeit für ein Treffen im achteinhalb genommen und uns die Halle 19 für "Emma" angeboten. Danke im Namen aller - große Klasse! So viel Entgegenkommen, Unvoreingenommenheit und die Haltung, Dinge fair zu gestalten, begegnen einem selten. - Erst jetzt habe ich sein Credo auf der Internetseite des Schlosstheaters gelesen: "Wir wollen uns deshalb auch weniger über ein Spielzeitmotto erklären, als vielmehr uns für die kommenden Jahre der Haltung verpflichten, dass die Welt fair zu gestalten ist und Theater als Ort der Visionen, Kritik und Alternativen, aber auch der Gemeinschaft und Freude erfahrbar machen."

 

Email ans Publikum:

Liebes „Emma-Publikum“,
ich habe vergessen, eine nette wie vielsagende Begebenheit auf unserer Webseite anfzuführen. Natürlich bedarf es keiner Interpretationshilfen, um „Emmas Glück“ zu verstehen und seine Freude daran zu haben. Dennoch verhält es sich in der Regel so, dass es schön ist, von dem einen oder anderen drumherum Kenntnis zu erlangen.

Zum Unterschied zwischen Film und Bühnenfassung.:
Roman und Verfilmung waren beide erfolgreich. Der Film ist eher aus der Perspektive von Max gedreht, die Bühnenversion ganz aus der Perspektive von Emma. Daher fallen auch die reinen
Max-Geschichten weg. Was der Film zum Leidwesen der Autorin Claudia Schreiber unterschlägt, sind Emmas Kindheitserlebnisse und -traumata. Ich finde, dass gerade die der Bühnenfassung die nötige Tiefe und Dichte geben. Autorin Claudia Schreiber hat Kerstin erzählt, dass der Regisseur es ihr plausibel erklärt hätte, dass Vergangenheit und Rückblenden ungeeignet für seine Verfilmung seien, dafür wurde alles ein bisschen mehr verkitscht – wie das bei Filmen für ein breiteres Publikum nun mal üblich ist.
Roman und Bühnenfassung haben ausgesprochen märchenhafte Züge und da die Bühnenfassung aus einer Frauenperspektive agiert, ist sie, wenn ich es mal salopp sagen darf, erfahrungsgemäß mehr ein „Frauending“. Es soll angeblich schon eins-zweimal vorgekommen sein, dass der eine oder andere Mann sich zur Pause verdrückt haben soll. Wer realitätsversessen ist und für Märchenhaftes keine Ader hat, für den ist Kerstins "Emma" womöglich nicht die allererste Wahl.

Kerstin erzählte mir, dass ihre "Emma" einige "Bauern" im Wendland dazu motiviert hätte, ihre Tierschlachtung zu überdenken und ihre Tötungspraxis in Richtung "Emma" geändert haben.

Kerstin lässt übrigens mir zuliebe einen der letzten Sätze weg. Im Skript begleicht Emma ihre Schulden bei der Bank. Ich bin der Meinung, dass man den Leuten nicht ständig vorexerzieren sollte, dass Bankschulden Ehrenschulden seien. Mal sehen, ob sie ihn diesmal auch wieder weglässt...

Wer einen Auszug aus dem Theatertext lesen möchte, der renommierte Henschel Verlag hat die Rechte an dem Skript von Kerstin und Caspar gekauft und ein paar Seiten ins Netz gestellt:
http://www.henschel-schauspiel.de/de/media/media/theater/TI-4029_LP.pdf 

Übrigens, Kerstin und Caspar (der Regisseur von Emma, der in Celle Licht und Ton bedient) hatten gerade Premiere mit ihrer theatralen Lesung „Ist das die Liebe?“. Ich war ganz baff vor allem von einem zu meiner Überraschung überragenden Caspar. Es ist ausgemacht, dass das in naher Zukunft in Celle gespielt wird. Wir überlegen nur noch, in welchen Räumlichkeiten diese theatrale Lesung am besten zur Geltung kommt.

Aber zurück zu Emma und zu der eingangs besagten Begebenheit:
Auf der Webseite der Ratgeber-Community „gutefrage.net“ hat eine Schülerin, die ein Referat zu „Emma“ schreiben soll, um Unterstützung bei der Interpretation von "Emma" gebeten: „ … Ich brauche dringend Hilfe, es soll bis mittwoch alles fertig sein und es sollten mindestens 2 seiten interpretation sein! bitte helft mir - LG kleinenina"
Rat- und Antwortgeberin war die Autorin Claudia Schreiber höchstpersönlich:
Liebe Nina, glaub es oder nicht, aber ich bin die Autorin, ich bin Claudia Schreiber. So, und nun - Interpretation ... hm hm. Im Film gibt es ein Lied, das am Ende gespielt wird, kannst du bei youtube finden: Da singen sie: "Love is how it´s lost, not how it´s found." Liebe spürt man also besonders, wenn man jemanden verliert, nicht findet! Das kannst du sicher nachvollziehen - man ist von den Eltern genervt etc, aber wenn man Vater oder Mutter verliert, sieht das ganz anders aus, da spürt man, welche Bindung da war. Der Leser und die Protagonisten spüren die Liebe, als sie durch den Tod beendet wird. Und noch stärker: Emma ist in der Lage, ihn gehen zu lassen, ihm sogar in den Tod zu helfen, obwohl sie liebt. Sie liebt ihn so sehr, dass sie ihre Bedürfnisse nach Nähe zurückstellt und einzig in seinem Sinne handelt. Max erlebt die Liebe, spürt sie endlich, weil er weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Dann schau mal nach und beschreibe, wie ich Märchen andeute, z.B. als Emma zu Henner geht, der Rabe auf ihrer Schulter etc. - ich lasse anklingen, dass Emmas Glück ein Märchen ist. Sieh dann mal unter Märchen, was das bedeutet. Bei amazon hat ein Kritiker das toll herausgefunden und beschrieben, lies auch mal da (und schreib ab ;-).
Interpretation heißt nichts anderes als: Fühl du selbst mal nach, was du spürst, was du empfindest, wenn du das liest. Es gibt viele komische Szenen in dem Buch - weshalb mache ich das? Um den Tod, das Elend fortzulachen. Das ist der Sinn eines guten Witzes. Und man soll auch den Tod auslachen, als ihn zu fürchten. Ihn mit ins Leben holen, mit ihm rechnen, und lachen dabei. So, nun mach was draus, und grüß deine Klasse von mir. Ich freue mich, dass ihr ausgerechnet meinen Roman lest. Herzliche Grüße, Claudia Schreiber
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Zum Abschluss dieser nicht enden wollenden Mail, eine Mail von Kerstin an mich, in der sie mir ein bisschen "Emma" erklärt.

Gesendet: Samstag, 14. März 2015 um 22:38 Uhr
Von: "Kerstin Wittstamm"
An: Stefan.Eichardt

Lieber Stefan,
antworten würde ich ja lieber mündlich, puhhh, schreiben,.... aber klar: mach ich.

Den Brief von Claudia Schreiber kenne ich, auch ihre Meinung, dass ganz viel im Roman Märchenelemente hat und aus Emmas Gedankenwelt stammt.

Ich mag sehr sehr gern, wenn der Rabe ihr auf die Schulter geflogen kommt und sie zur Hexe animiert. Und auch diese verschrobene Geschichte, bevor Henner mit dem Polizeiauto und dem Lottoschein auf den Hof gefahren kommt. Dann fängt sie nochmal an, eine Hühnergeschichte zu erfinden: der Hahn ist nervös, die Hühner durcheinander, keine legt ein Ei... für das ganze Theaterstück komplett unwichtig, erzählt aber über Emmas Verschrobenheit und ihre Freude an Geschichten.

Emmas Glück ist ihre Fähigkeit, diesen Glücksfunken am Leben zu erhalten, der in ihr glüht. "Die Tiere sprechen zu mir, die Pflanzen wachsen und blühn für mich um die Wette." Das lässt das andere erst zu. (Die Liebe zu Max, Zuflucht bei den Schweinen,..)
Wenn die alte Sau stirbt, sagt Emma: "Ich fühle mich irgendwie frei.....Sie war die Kette". und vorher: "Seitdem wohn ich hier auf dem Hof, an ihn gekettet ganz ohne Kette." Sie schnallt dann - sicher nicht intellektuell, dass sie eigenverantwortlich für ihr Leben ist. Und kann gehen.

Wir haben überlegt, ob sie zurückkommen wird, ob's ein Urlaub wird oder ein Auswandern. Das wollten wir offen lassen, dass sie geht, finde ich richtig, weil es ein großer Schritt nach draußen ist. Erst in die Stadt, dann in die Welt.

Die ganze Geschichte ist echt, hat viel mit Claudia zu tun. Nicht dass sie Emma war, aber viel zu nah dran, deswegen hab ich einen großen Respekt davor.

Die kritische Meinung deiner Bekannten kann ich gut akzeptieren.
Dann merke ich: Unsere Inszenierung ist nicht zufällig, sondern sehr bewusst so, wie sie ist.

Liebe Grüße ins nahe weite Celle!
Kerstin

Am 12.03.2015 um 10:05 schrieb Stefan.Eichardt:

Liebe Kerstin,
diese realitätsvergleichende Kritik meiner Bekannten - ich stelle Dir daher noch mal per Mail ein paar Fragen bitte, die Du dann bei Gelegenheit vielleicht beantwortest.

By the way: Emmas Glück. Was ist für Dich ihr "Glück"?
Ihre Liebe mit Max, ihr Leben auf dem Hof, dass mit ihrer "Kindheit" leben können ...

Warum verlässt sie den Hof? Ist das rein theatralisch als Schlusspunkt oder auch inhaltlich zu verstehen? Man vermag sich kaum vorzustellen, dass sie "draußen" zurechtkommt.

Kennste das hier? - echt nett:
http://www.gutefrage.net/frage/buchpraesentation-emmas-glueck---claudia-schreiber
von SchreiberCL, 27.09.2011
Liebe Nina, glaub es oder nicht, aber ich bin die Autorin, ich bin Claudia Schreiber. So, und nun - Interpretation ... hm hm. Im Film gibt es ein Lied, das am Ende gespielt wird, kannst du bei youtube finden: Da singen sie: "Love is how it´s lost, not how it´s found." Liebe spürt man also besonders, wenn man jemanden verliert, nicht findet! Das kannst du sicher nachvollziehen - man ist von den Eltern genervt etc, aber wenn man Vater oder Mutter verliert, sieht das ganz anders aus, da spürt man, welche Bindung da war. Der Leser und die Protagonisten spüren die Liebe, als sie durch den Tod beendet wird. Und noch stärker: Emma ist in der Lage, ihn gehen zu lassen, ihm sogar in den Tod zu helfen, obwohl sie liebt. Sie liebt ihn so sehr, dass sie ihre Bedürfnisse nach Nähe zurückstellt und einzig in seinem Sinne handelt. Max erlebt die Liebe, spürt sie endlich, weil er weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Dann schau mal nach und beschreibe, wie ich Märchen andeute, z.B. als Emma zu Henner geht, der Rabe auf ihrer Schulter etc. - ich lasse anklingen, dass Emmas Glück ein Märchen ist. Sieh dann mal unter Märchen, was das bedeutet. Bei amazon hat ein Kritiker das toll herausgefunden und beschrieben, lies auch mal da (und schreib ab ;-).

Interpretation heißt nichts anderes als: Fühl du selbst mal nach, was du spürst, was du empfindest, wenn du das liest. Es gibt viele komische Szenen in dem Buch - weshalb mache ich das? Um den Tod, das Elend fortzulachen. Das ist der Sinn eines guten Witzes. Und man soll auch den Tod auslachen, als ihn zu fürchten. Ihn mit ins Leben holen, mit ihm rechnen, und lachen dabei. So, nun mach was draus, und grüß deine Klasse von mir. Ich freue mich, dass ihr ausgerechnet meinen Roman lest. Herzliche Grüße, Claudia Schreiber

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5.0 von 5 Sternen
Ein Märchen, 19. Dezember 2009'
Rezension bezieht sich auf: Emmas Glück: Roman (Taschenbuch)

 Emmas Glück - Ein modernes Märchen
Wenn ich mir die zum Teil beinahe hasserfüllten Rezensionen zu diesem Buch durchlese, dann scheint mir, dass diese Leser, die eine "unglaubwürdige Handlung" oder "schwache Charaktere" zu bemängeln glauben, dass also diese Leser nicht sehen, was dieses Buch ist: ein Märchen. Und so muss man es auch lesen und dann ist es auch wie im Märchen. Vieles ist konstruiert, scheint unmöglich, deckt sich nicht mit der Realität, widerspricht den gängigen Erfahrungen, scheint überaus grausam und unmenschlich - wie im Märchen eben! Aber neben der unmöglichen Konstruktion gibt es auch sehr reale Beschreibungen in diesem Buch, z.B. was das Landleben und speziell das Schlachten angeht. Hier hat Claudia Schreiber offensichtlich sehr genau hingesehen, sie beschreibt diesen Vorgang jedenfalls sehr gut, ich sah beim Lesen die Bilder meiner Kindheit wieder vor dem inneren Auge, eine Zeit, in der bei uns die Hausschlachtungen noch üblich waren und in der Schlachten und Fleischkonsum noch normal und ein Teil des Lebens waren. Nun mag jeder zum Thema Fleisch eine eigene Meinung haben, darüber zu streiten lohnt sich nicht, der Vorgang der Schlachtung wird aber in diesem Buch auf eine Art beschrieben, wie ich es noch nie gelesen habe, und daran misst man Literatur eben auch, an der Innovation, am Neuen, am Mutigen - und hier gelingt der Autorin vieles.

Aber das Buch ist auch poetisch und transportiert, wie im Märchen eben, auch einiges an Menschlichkeit, an Liebe und Lebensweisheit. Da ist die Hauptfigur, die mit ihrer brutalen Kindheit aufräumen muss und die das schafft mit Hilfe der anderen Hauptfigur, die erst im Sterben lernt, was sie übersehen und falsch gemacht hat. Und da sind die wunderbar skurrilen Randfiguren, die sich ebenfalls entwickeln. Der eine sieht erst in der Gefangenschaft, was ihm fehlt, der andere muss sich von seiner Mutter lösen - und wieder ein anderer macht im richtigen Moment das Richtige, setzt sich nämlich über das Gesetz hinweg, im Dienste der Menschlichkeit - und er ermöglicht so das märchenhafte Ende.

Das geht doch alles gar nicht, dass ist doch furchtbar konstruiert! Richtig, wie im Märchen eben! Mich erinnert die Geschichte in ihrem tragischen Komik ein wenig an Forrest Gump, an Hans im Glück, an Garp. Und ich glaube nicht, dass Literatur immer messbar sein muss am Realen und Denkbaren, sondern das gerade im scheinbar Unmöglichen oft viel Schönes zu entdecken - wie in diesem Buch!"

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Beste Grüße
Stefan