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DESCRIPTION:Eintritt: 5\,00 €\nDänemark/Schweden\, 2012Kinostart: 28. März 
 2013 115 Minuten Verleih: Wild Bunch über Central\, Scope\, 100.723 Zuscha
 uer in 14 Wochen\nRegie: Thomas Vinterberg  (Das Fest)Drehbuch: Thomas Vin
 terberg und Tobias LindholmKamera: Charlotte Bruus Christensen    Musik: N
 ikolaj Egelund    Schnitt: Janus Billeskov Jansen\, Anne Østerud    Darste
 ller: Mads Mikkelsen (Lucas)\, Thomas Bo Larsen (Theo)\, Annika Wedderkopp
  (Klara)\, Lasse Fogelstrøm (Marcus)\, Susse Wold (Grethe)\, Anne Louise H
 assing (Agnes)\, Lars Ranthe (Bruun)\, Alexandra Rapaport (Nadja)\nMads Mi
 kkelsen\, Cannes 2012\, Bester DarstellerFerner erhielt der Film in Cannes
  den Preis der ökumenischen Jury. Bei der Verleihung des Europäischen Film
 preises 2012 erhielt Die Jagd fünf Nominierungen (bester Film\, beste Regi
 e\, Darsteller – Mads Mikkelsen\, Drehbuch\, Schnitt). Die Drehbuchautoren
  Tobias Lindholm und Vinterberg gewannen den Preis.\nWIKIPEDIA\, Programmk
 ino.de\, Filmhomepage\, Filmgazette       Pressespiegel    Filmtipp der Ze
 it als VideorezensionDer Standard: Interview mit Thomas Vinterberg 'Wir kö
 nnen Kinder nicht vor dem Leben schützen'  Die TAZ: Lynchmob-Stimmung in d
 er Provinz  Deutschlandfunk: Entlarvende Hexenjagd plus Link zu einen Inte
 rview mit Thomas Vinterberg   Die Süddeutsche Zeitung: Dein Feind\, die Ge
 meinschaft   Die FAZ: Dänen schlagen sich die Köpfe ein  Der Spiegel: Miss
 brauchsfilm 'Die Jagd': Der Mann muss ein Schwein sein    \nKurzkritik Fil
 mdienst\nIn einem dänischen Dorf wird ein introvertierter Mann des sexuell
 en Missbrauchs beschuldigt\, weil eine Fünfjährige aufgeschnappte Sätze na
 chplappert. Ehe er sich versieht\, bricht eine Welle der Aggression über i
 hn herein\, die seine bisherige Existenz unter sich begräbt. Das Pendant z
 u Thomas Vinterbergs früherem Film 'Familienfest' (1997) ist bar jeder 'Do
 gma'-Ästhetik und bemerkenswert eindeutig in seiner Haltung. Die ökonomisc
 he Inszenierung registriert aufmerksam die um sich greifende Paranoia der 
 Öffentlichkeit und verdichtet sich zusehends zu einer moralischen Parabel\
 , ohne dabei die gesellschaftlichen Mechanismen aus den Augen zu verlieren
 . - Sehenswert ab 14.\n \n{youtube}KfMyYyhRYjs{/youtube}\nausführliche Kri
 tik Filmdienst\n\nNach dem Inzestdrama „Das Fest“\, mit dem Thomas Vinterb
 erg 1998 die „Goldene Palme“ in Cannes gewann\, und seinem letzten Film „S
 ubmarino (2010)\, der das desaströse Schicksal zweier Brüdern verfolgte\, 
 die in ihrer Kindheit psychischen und körperlichen Misshandlungen ausgeset
 zt waren\, greift der dänische Regisseur mit „Die Jagd“ das Missbrauchsthe
 ma erneut\, aber unter umgekehrten Vorzeichen auf. Was passiert\, wenn sic
 h der wegen angeblicher pädophiler Neigungen zum Täter stigmatisierte Held
  als das eigentliche Opfer entpuppt? Der arbeitslose Lehrer Lucas\, von se
 iner Frau verlassen\, kämpft sich durch eine Lebenskrise und findet einen 
 neuen Job in einem Kindergarten. Als sein pubertierender Sohn den Wunsch ä
 ußert\, nach der Scheidung bei ihm einzuziehen und eine jüngere Geliebte a
 m Horizont auftaucht\, scheint es wieder aufwärts zu gehen. Ohnehin schein
 t der freundliche Mann in der Dorfgemeinschaft bestens integriert. Die Män
 ner des Ortes zelebrieren ihre Zusammengehörigkeit mit Vorliebe durch die 
 Teilnahme an trinkseligen Jagdausflügen\, bei denen das Töten wehrloser Ti
 ere für den sozialen Kitt sorgt und die Männer ihre Rangordnung vermessen 
 lässt. Das virile Provinzstandardprogramm\, das der introvertierte Lucas u
 nwillig absolviert. Wäre da nicht eine Fünfjährige\, die plötzlich Interes
 se für männliche Genitalien zeigt und bei einer Kindergärtnerin den Verdac
 ht weckt\, das sexualisierte Geplapper des Kindes könnte etwas mit dem neu
 en Erzieher zu tun haben\, zumal dieser auch der beste Freund des Vaters i
 st. Weitere perfide suggestive Befragungen lassen scheinbar keinen Zweifel
  daran\, dass das Mädchen sexuell missbraucht worden sein muss\; zu realis
 tisch sind ihre Angaben\, um lediglich als Fantasie abgetan zu werden. Das
 s die Ursache für die Erzählungen im näheren Geschwister-Umfeld zu suchen 
 wäre\, oder gar in einem latent amourösen Verhältnis der Kleinen zu ihrem 
 Betreuer\, auf diese nächstliegenden Spuren ein Augenmerk zu werfen\, sieh
 t sich niemand mehr genötigt\, selbst dann nicht\, als das Mädchen beginnt
 \, ihre geplapperten Anschuldigungen zurückzunehmen. Eine Hexenjagd beginn
 t\, angepeitscht von Menschen\, die gerade noch als Kollegen und Nachbarn 
 ein harmonisches Miteinander pflegten und auf puren Verdacht hin kurz davo
 r stehen\, zur Selbstjustiz zu greifen. Vinterberg seziert die einzelnen P
 hasen des kollektiven Sinneswandels behutsam und mit Sinn für sich langsam
  steigernde Dramatik. Von Anfang an ergreift er Partei für den Ausgestoßen
 en\, der fassungslos jede Verteidigung unterlässt und nicht nach Möglichke
 iten sucht\, seine Version zu äußern. Wozu auch. Das Urteil über seine Per
 son ist längst gefallen. Zu gut passt er ins Bild des unauffälligen und pä
 dagogisch begabten Kinderschänders. Daran kann auch seine natürliche Autor
 ität nichts ändern\, die ihn seine Unschuld viel zu lange lediglich durch 
 provozierende Passivität beteuern lässt. Andererseits ist der mögliche Tat
 bestand nicht von der Hand zu weisen. Die um sich greifende Paranoia kommt
  nicht von ungefähr und fußt auf kollektiven Erfahrungswerten\, die das re
 chtzeitige Reagieren und gerade nicht Wegschauen als logische Notwendigkei
 t erscheinen lassen. Ein Dilemma\, das die verängstigten Eltern ihre Urtei
 lskraft verlieren lässt\, bis weitere um sich greifende Missbrauchsfälle e
 ndlich die ernüchternde Wahrheit ans Licht bringen. Es ist neben der ökono
 mischen Inszenierung dem klugen Drehbuch von Tobias Lindholm zu verdanken 
 (der auch mit einigen Folgen der herausragenden Fernsehserie „Borgen“ sein
 e Fähigkeit unter Beweis stellte\, komplexe Gesellschaftskritik in ungemei
 n spannende Handlungsbögen zu packen)\, dass man am Geschehen dran bleibt\
 , obwohl der Ausgang früh zu erahnen ist. Eine weitere Moralparabel aus de
 m beneidenswerten Dänemark\, die nicht zuletzt dank der mitreißenden Schau
 spieler ins Mark allzu bequemer Gewissheiten trifft.\nAlexandra Wach\, Fil
 mdienst 7/2013\n \n \nPorträt von Mads Mikkelsen in der Ausgabe 7/2013 des
  Filmdienst:\n\n\nDer Prinz von DänemarkMads Mikkelsen und sein eindrucksv
 olles Rollenspektrum\n\nMads Mikkelsen ist derzeit einer der „heißesten“ m
 ännlichen Stars der Welt. Geboren 1963\, wird der Däne nicht nur als „The 
 Sexiest Man Alive“ gehandelt\, sondern ist vor allem der wichtigste Schaus
 pieler seiner Generation. In mindestens einem Dutzend Filmen wird er in de
 n nächsten Monaten zu sehen sein. Sein Geheimnis sind sein ungewöhnliches 
 Gesicht und dessen vollkommene mimische Ausdruckskraft. Mikkelsen strahlt 
 Härte aus und zugleich unglaubliche Zärtlichkeit. Wenn es darauf ankommt\,
  kann er Killer\, Mafia-Boss und Bösewicht in einem James-Bond-Film („Casi
 no Royale“) sein. Aber er kann ebenso fragil und verwundbar wirken. In „Di
 e Jagd“ von Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg spielt er einen Mann\, der s
 ich gerade erst von einigen Schicksalsschlägen erholt hat. Als Erzieher Lu
 cas wird er mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung eines Mädchens konfron
 tiert. Die kleine Klara erzählt hässliche Dinge über ihn. Wir\, die Zuscha
 uer\, wissen aber – und das ist der Suspense-Trick des Films –\, dass in W
 ahrheit nichts geschehen ist. Und erleben fassungslos eine moderne Hexenja
 gd\, der Lucas gerade als Sympathieträger wenig entgegen zu setzen hat. Wa
 s früher für ihn sprach\, wird nun zum Vorwurf. Lucas verliert seinen Job\
 , seinen Sohn darf er kaum noch sehen. Das Gerücht vom Missbrauch zieht se
 ine Kreise\, und bald wird für ihn schon ein Einkauf zum Spießrutenlauf. D
 abei hat sich Lucas nur den vorsexuellen unklaren Avancen von Klara entzog
 en. Dafür will sie ihn strafen. Und eine ganze Community zieht mit\, versc
 härft sogar die Vorwürfe\, bei denen das Kind bald keine Rolle mehr spielt
 . Natürlich sind die vielen Rollen\, in denen Mads Mikkelsen zuvor schille
 rnde Bösewichte spielte\, in Hintergrund immer anwesend – zuletzt traute i
 hm der amerikanische Fernsehsender NBC sogar den kannibalistischen Serienm
 örder Hannibal Lector zu und vertraute ihm die Titelrolle in der Serie „Ha
 nnibal“ an. Manchmal ertappt man sich beim Ansehen von „Die Jagd“ dabei\, 
 wie man sich kurzzeitig in den Kreis der Verfolger und Verdächtiger einrei
 hen möchte. An der Subtilität der falschen Fährten und gemeinen Verdächtig
 ungen\, an den Widersprüchen und dem Wandel der Sympathien und Solidarität
 en haben der Darstellungsstil und die Persönlichkeit von Mads Mikkelsen ge
 wiss einen großen Anteil.„Die Jagd“ ist Mikkelsens künstlerischer Triumpf\
 , für den er beim Festival in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet
  wurde. Acht Jahre lang war er als professioneller Tänzer tätig\, bevor er
  sich entschloss\, doch lieber Schauspieler zu werden. Mikkelsens frühe Ka
 rriere ist eng mit den Star-Regisseuren des neuen dänischen Films verbunde
 n\, etwa mit Nicolas Winding Refn (für den Mikkelsen in vier Filmen auftra
 t) oder mit Lone Scherfig und Susanne Bier\, deren Beziehungsgeschichte „O
 pen Hearts“ ihn 2002 einem internationalen Publikum bekannt machte. Als „P
 rince Denmark der Wandelbare“ wurde er fortan bezeichnet\, weil er neben i
 nternationalen Großproduktionen wie „Casino Royale“ – in dem er James Bond
 s Gegenspieler LeChiffre spielte – weiterhin in Autorenfilmen auftrat\, so
  zum Beispiel 2006 in den kleinen nachdenklichen Werken „Prag“ von Ole Chr
 istian Madsen und „Nach der Hochzeit“\, Susanne Biers Familiendrama. Den B
 ond-Gegenspieler LeChiffre hatten in früheren Verfilmungen Orson Welles un
 d Peter Lorre verkörpert – eine tolle Ahnenreihe. „Dänen lächeln nicht“\, 
 betitelte die SZ-Feuilleton-Autorin Rebecca Casati ihr Interview mit Mikke
 lsen im Jahr 2008. Es stimmt tatsächlich: Das Lächeln von Mads Mikkelsen i
 st dünn. Zähne zeigt er nie. Aber er hat eine ungeheure physische Präsenz\
 , die mitunter an Sean Connery erinnert. Immer wieder verkörpert er Figure
 n\, die uns anziehen\, die wir aber auch ein bisschen fürchten könnten. Wi
 e zuletzt in dem auf der „Berlinale“ 2013 gänzlich zu Unrecht untergegange
 nen Kintopp-Stück „The Necessary Death of Charlie Countryman“ von Frederik
  Bond\, in dem Mikkelsen herrlich chargierend einen gefährlichen Mafia-Bos
 s in Bukarest spielt. Manchmal liegt er bei seiner Rollenwahl auch mal völ
 lig daneben\, so beim Versuch eines Mystery-Thrillers durch den deutschen 
 Filmregisseur Anno Saul „Die Tür“ (2009) oder bei den digitalen Action-Abe
 nteuern der „Kampf der Titanen“-Serie. Gleichzeitig liebt Mikklesen engagi
 erte Projekte wie „Tage des Zorns“ (2008)\, das den Widerstand gegen die N
 azi-Kollaborateure in Dänemark zeigte\, oder „Die Königin und der Leibarzt
 “ (2012)\, Nicolaj Arcels Kostümfilm um das „Revolutiönchen der Dänen“ unt
 er dem Deutschen Leibarzt Johann Friedrich Struensee\, der dem schwachsinn
 igen König Christian VII. die Prinzipien der Aufklärung einbläute\, und da
 s mehr als 30 Jahre vor der französischen Revolution. In „Die Königin und 
 der Leibarzt“ kann man Mads Mikkelsen regelrecht ansehen\, was für einen S
 paß er an dieser „Revolution“ hat\, die Vernünftiges (Abschaffung der Leib
 eigenschaft) mit Unvernünftigem (einem allgemeinen Kutschendienst für die 
 Zecher\, die nicht nach Hause finden) kombiniert. Die Königin verführt der
  „Sexiest Man Alive“ selbstredend auch. In der Gegenwart angekommen\, wird
  Mikkelsen im Augenblick mit vielen Filmprojekten in Verbindung gebracht. 
 Abgedreht ist Arnaud de Pallières Verfilmung von Heinrich von Kleists „Mic
 hael Kohlhaas“ an der Seite von Bruno Ganz. Ein Film\, in dem Mikkelsen de
 n letzten Gerechten gibt\, der für die Gleichheit vor dem Gesetz alles opf
 ert. Der deutsche Stoff\, an dem Volker Schlöndorff schon einmal scheitert
 e. wird als deutsch-französische Co-Produktion beim diesjährigen Festival 
 in Cannes erwartet: Mikkelsen hoch zu Pferd und strenger Mimik in einem Le
 hrstück über Zivilcourage. Das passt zu ihm eigentlich besser als sein Han
 nibal Lector im US-Fernsehen\, so gut Mikkelsen die Rolle auch ausfüllt. B
 eim Europäischen Filmpreis wurde Mikkelsen so oft übersehen\, dass die Sti
 fter für ihn 2011 die Kategorie „Europäischer Beitrag zum Weltkino“ erfand
 en. Das ist Mikkelsen ohne Zweifel.  Josef Schnelle\, FILMDIENST 2013/7\n 
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 ========\n \nAlle gegen einenDas Sündenbock-Motiv und Thomas Vinterbergs „
 Die Jagd“Lucas duckt sich im Wald unter einem Schuss hinweg. Der Schütze s
 teht im Gegenlicht. Lucas ist geblendet\, sieht nur einen Schatten\, eine 
 Silhouette\, ein Nichts.Die Hauptfigur von Thomas Vinterbergs Film „Die Ja
 gd“ ist ein stiller Mann – eine Seele von Mensch. Lucas ist ein Lehrer\, d
 er jetzt im Kindergarten arbeitet\, hingebungsvoll\, mit viel Herz und Ver
 ständnis. Bis ein kleines Mädchen aufgeschnappte Sätze nachplappert\, die 
 von den Erwachsenen als sexueller Missbrauch gedeutet werden. Vinterberg n
 immt dazu eine erzählerisch bemerkenswerte Haltung ein: Er stellt sich kon
 trär zur öffentlichen Debatte über Kindsmissbrauch und Pädophilie und erzä
 hlt eine intensive Fabel vom zu Unrecht Beschuldigten – mit Bildern von Ly
 nch-Mob und Außenseitern\, die gänzlich anders sind als diejenigen\, die d
 as Kino weitgehend geprägt haben: Statt die Dynamik der Gewalt zu zelebrie
 ren\, schaut Vinterberg in Gesichter.Ein frühes Vorbild dafür ist Fritz La
 ngs Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931)\, der im Gegensat
 z zu Vinterbergs Film ein Werk des ästhetischen Exzesses ist. Peter Lorre 
 spielt einen Kindsmörder\, der einem Schauprozess vor der versammelten Gan
 gsterwelt unterzogen wird. Sein Gesicht ist ein einziges Zittern\, die Aug
 enlider flattern mal hektisch und glotzen dann wieder wie fassungslos in d
 ie Welt\, die Stimme bricht\, dann schreit sie\, schießt einzelne Wörter i
 n die Katakombe wie Gewehrsalven. Dem Angeklagten gegenüber sitzt ein Pulk
  aus Ganoven\, eine anonyme Masse eigentlich – doch den einen oder anderen
  hebt Fritz Lang in Großaufnahme hervor. Gesichter von der Straße\, manche
  seltsam berührt\, in Andeutung eines Nickens.Von Lang bis Vinterberg ist 
 das filmische Erzählen von Mob-Bildung und der Schaffung von Außenseitern 
 eine Geschichte von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit – und eine Geschichte 
 von reaktionären Geschlechterrollen und zweifelhafter Ermächtigung. Rund 4
 0 Jahre nach Fritz Lang beschrieben zwei gänzlich unterschiedliche Filmema
 cher\, Sam Peckinpah und Peter Fleischmann\, in ihren Filmen\, wie in eine
 r dörflichen Umgebung alle vermittelnden Instanzen in die unmittelbare kör
 perliche\, ungeteilte Gewalt der Einheimischen fallen. In Peckinpahs „Wer 
 Gewalt sät“ (1971) flieht der amerikanische Mathematiker David Sumner vor 
 den Studentenunruhen auf seinem Campus ins ländliche Cornwall\, in den Hei
 matort seiner Frau Amy. Diese provoziert die Dorfbewohner durch ihre eroti
 sche Präsenz\; Davids Intellektualität hingegen wird als Mangel an Männlic
 hkeit interpretiert. Doch dann wird ihm das Gesetz der Gewalt halb aufgezw
 ungen\, halb scheint er sich diesem lustvoll zu unterwerfen\, als er im Sh
 owdown sein Haus und einen flüchtigen\, geistig behinderten Affektmörder v
 or der Dorfmeute verteidigt. Dustin Hoffman hält seine Figur stets in der 
 Schwebe: Entsetzt schreckt er zurück\, als sich ein Eindringling in den Fu
 ß schießt\, obwohl er sich an diesen doch zuvor mit der bemerkenswerten Ru
 he und Präzision einer Tötungsmaschine herangeschlichen hatte.Es gehört zu
  den Stärken des Films\, dass er sich als Parabel auf die Gewaltneigung de
 s Menschen ebenso wie als offene Fragestellung verstehen lässt. Wesentlich
  eindeutiger hatte Peter Fleischmann 1969 seine „Jagdszenen aus Niederbaye
 rn“ angelegt. In das Dorf Unholzing\, wo Landshut schon als Großstadt gilt
 \, platziert er exemplarische Außenseiterfiguren: ein „leichtes Mädchen“ e
 twa und ein Trio türkischer Gastarbeiter. Doch dass der 20-jährige Abram M
 änner liebt\, provoziert das repressive Umfeld so sehr\, dass nicht einmal
  seine Funktion als Dorfmechaniker ihn vor Häme und Ausgrenzung bewahrt. M
 artin Sperr\, Autor der Bühnenvorlage\, spielt diesen Abram mit großer Ruh
 e\, beinahe schlafwandlerisch. Selbst der finale Mord ist hier kein Gewalt
 exzess\, weil die Gewalt ohnehin schon die Grundlage dieser Dorfgemeinscha
 ft ist. Je mehr der Mob im sexuell abweichenden Verhalten des Verstoßenen 
 sich selbst erkennt (ganz im Sinne der klassischen Freudschen Projektion)\
 , desto gewaltförmiger will dieses Andere bekämpft werden.Den allegorische
 n Aufbau\, der vielen der genannten dramaturgischen Strukturen innewohnt\,
  hat Lars von Trier in „Dogville“ (2003) radikal zu Ende gedacht. Die Häus
 er des titelgebenden amerikanischen Dorfs sind in einem bühnenhaften Aufba
 u nur Kreidestriche auf dem Boden. Alles ist hier sichtbar\, das Private a
 bgeschafft. Die – gerade auch sexuelle – Ausbeutung der jungen Grace\, die
  sich vor einer Verbrecherbande ins Dorf geflüchtet hat\, ist deutlich Aus
 druck eines Machtgefüges. Und ganz im Sinne der ästhetischen Abstraktion\,
  der sich von Trier verschrieben hat\, ist der finale Massenmord weniger e
 ine ekstatische Entgrenzung und Rachephantasie denn die Ausführung einer e
 iskalt imaginierten Notwendigkeit.Thomas Vinterberg geht in „Die Jagd“ im 
 Vergleich zum eher didaktisch-dramatischen „Dogville“ epischer vor: Er sch
 aut in jeden Winkel der dänischen Kleinstadt\, in jedes gesellschaftliche 
 Ritual. Im Kindergarten\, wo der von Mads Mikkelsen gespielte Lucas arbeit
 et\, duzen alle einander. Wenn Lucas mit seinen Freunden zum Schießen in d
 ie Wälder geht\, wird es zwar auch einmal etwas derber\, aber gute Familie
 nmenschen sind sie doch alle. Der falsche Vorwurf\, Lucas habe ein Mädchen
  missbraucht\, setzt eine Eskalation in Gang. Der Showdown ist allerdings 
 kein Schuss- sondern ein Blickwechsel\, an Weihnachten in der Kirche. Luca
 s\, sozial längst völlig isoliert\, duelliert sich über die Bänke hinweg m
 it seinem einst besten Freund\, dessen Tochter das verheerende Gerücht in 
 die Welt gesetzt hat. Die Augen glasig von Zorn\, Verletzung und Alkohol\,
  den Mund in zitternder Schieflage\, halb offen\, ständig im Begriff etwas
  zu sagen. Dann steht Lucas auf und stellt den Freund zur Rede. Den Effekt
  von Blut und Messern\, das Knallen von Schüssen ersetzt Vinterberg durch 
 die Intensität sozialer Interaktion. Gewiss: Der Mob als Manifestation kol
 lektiver Ablehnung und Aggression – er ist auch in der heutigen Konsensges
 ellschaft nicht verschwunden. Aber ein Schuss\, der Ausbruch beinahe tödli
 cher Gewalt gegen einen Ausgegrenzten\, ist in Vinterbergs Film nur noch a
 us der Deckung der grellen Sonne heraus riskierbar\, nicht mit dem Segen d
 er Öffentlichkeit. So gesehen\, ist „Die Jagd“ – gerade aufgrund seiner Sc
 hlussvolte – so optimistisch wie seit langem kein anderer Film mehr\, der 
 sich mit Rudelbildung und Ausgrenzung beschäftigt.Tim Slagman\, FILMDIENST
  2013/7  https://www.kino-achteinhalb.de/home/archiv/event/114-die-jagd.ht
 ml
DTSTART:20140103T193000Z
DTEND:20140103T213000Z
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 and (nicht Postanschrift!))
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