Butenland

  Donnerstag, 12. November 2020 - 19:30 bis - 21:00

Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, dem 13. März, einzustellen und nun, ihn am Freitag, dem 9. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Auch wenn wir unter den aktuell gültigen Abstandsregeln maximal 26 Plätze (vorausgesetzt es gäbe genügend Dreier-Gruppen) vergeben dürften, haben wir beschlossen, die maximale Anzahl für das Jahr 2020 auf 18 Karten zu begrenzen. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 19 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter
Spiegel vom 17. Oktober: "In Kählers Studie testeten die Forscher den Raumluftfilter eines Gerätes der Firma Trotec und kamen zum Schluss, dass dieser Aerosolpartikel bis auf eine Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometern sehr zuverlässig abfangen kann."


In Kooperation mit der ARIWA (Animal Rights Watch) Ortsgruppe Celle 


Eintritt: 7,50 €

Deutschland 2019
Kinostart: 6. Februar 2020
82 Minuten
FSK: ab 12; f

Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt: Marc Pierschel   
Musik: Alice Bacher 


Filmwebseite, alle Daten zum Film auf Filmportal.de

Kritiken:
Kritik von Reinhard Lüke im Filmdienst (3 von 5 Sternen)
  
Kritik von Gaby Sikorski auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)
Kritik von Susanne Plöger auf Kino-Zeit.de
Kritik von Oliver Armknecht auf Filmrezensionen.de (4 von 5 Sternen)

Webseite von Mensch Tier Bildung e.V.
pädagogisches Begleitmaterial zum Film

Trailer (147 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst  
Ruhiger Dokumentarfilm über einen ehemaligen Bio-Bauer, der sich von der Nutztierhaltung verabschiedet hat und nun mit seiner Lebensgefährtin als überzeugte Veganer eine Art Altersheim für Kühe führt.

Wie sterben eigentlich Kühe und andere Nutztiere, wenn sie nicht geschlachtet werden? Eine Frage, zu der es wenig Anschauungsmaterial gibt, weil der Fall eines natürlichen Todes dieser Kreaturen so gut wie nicht vorkommt. Es sei denn, die Rindviecher haben ihre letzten Jahre auf Butenland zugebracht. Auf dem Hof, den Jan Gerdes und seine Partnerin Karin Mück an der deutschen Nordseeküste betreiben, hat man sich von der Nutztierhaltung verabschiedet und ein Altersheim für Kühe ins Leben gerufen. Ende der 1970er-Jahre hatte Jan den konventionellen Betrieb von seinen Eltern übernommen und auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Zwanzig Jahre später machte er, inzwischen Veganer, auch damit Schluss, weil er keine Tiere, auch keine gesunden, mehr zur Schlachtbank führen wollte. Damals hatte die Krankenschwester Karin bereits eine Vergangenheit als militante Tierschützerin, die mit Gesinnungsgenossen Tiere aus Labors befreit und dafür wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“, so die Anklage, vor Gericht gestanden hatte, aber letztlich mit einer Bewährungsstrafe davongekommen war.


Der Dokumentarfilm, dessen plattdeutscher Titel so viel meint wie „Land weit draußen“, porträtiert die beiden Tierschützer und reiht sich damit in die kaum noch zu überschauende Reihe von Dokumentationen der letzten Jahre ein, die sich mit dem Themenspektrum Ökologie und Ernährung beschäftigen. Was ihn von vielen der anderen Filme unterscheidet, ist seine Machart. Weder wird da im Kommentar explizit vor den drohenden Gefahren der globalen Massentierhaltung gewarnt, noch werden mit Hilfe von Statistiken und Prognosen drohende (Horror-)Szenarien ausgemalt. Vielmehr konzentriert sich Autor und Regisseur Marc Pierschel, schon mehrfach mit Büchern und Filmen (The End of Meat) zum Thema Veganismus in Erscheinung getreten, darauf, die beiden Betreiber des Gnadenhofes und ihre Motive in den Fokus zu stellen.

Seite an Seite in ruhigen Worten

Die beiden Tierschützer erzählen Seite an Seite in ruhigen Worten, was sie waren und wie sie wurden, was sie sind. Wo Jans Vergangenheit mit einem Foto aus dem Familienfotoalbum illustriert wird, sind es bei Karin (Bild-)Dokumente aus ihrer Zeit als militante Aktivistin. Hinzu kommen Statements ehemaliger Mitstreiter und aktueller Sympathisanten wie etwa der Schriftstellerin Karen Duve.


Daneben zeigt der Film den Alltag des noch immer landwirtschaftlichen Kleinbetriebs, der sich, inzwischen eine Stiftung, über die Vermietung von Ferienwohnungen und vornehmlich durch Spenden finanziert. Und natürlich übernehmen auch die Kühe, die alle einen Namen haben, in dem Film einen wichtigen Part. Mal sieht man sie in Totalen friedlich im Morgennebel grasen, mal ausgelassen auf Wiesen umhertollen oder mit den Betreibern genüsslich im Gras kuscheln. Szenen von hohem emotionalem Schauwert, die nie zum anthropomorphen Kitsch verkommen. Da in Altenheimen der Tod allgegenwärtig ist, kommt es auch hier zu herzzerreißenden Sterbeszenen. Wobei der Tod durchaus nicht immer ein natürlicher ist. Da die meisten Tiere an den Folgen langjähriger Stallhaltung ohne Bewegungsfreiheit laborieren, bleibt ihnen auch auf Butenland oft nur der „Gnadentod“ durch die Spritze eines Tierarztes.

Nicht die Lösung für alle Probleme

Bis auf ein paar wenige Sequenzen von einer Auktion von Hochleistungskühen oder einer Messe für Melkroboter spielt sich das Geschehen des unkommentierten Films ausschließlich auf dem Bauernhof ab. Und weder der Filmemacher noch seine beiden Protagonisten tun so, als wäre dieser Gnadenhof die Lösung für alle erdenklichen Probleme von der Massentierhaltung bis zum Klimawandel. In ruhigen Einstellungen kommt der Film seinen Menschen und Tieren dabei sehr nahe. Geradezu logisch, dass auch die Kühe im Abspann namentlich als Mitwirkende aufgelistet werden.


Eine Kritik von Reinhard Lüke