Lockdown light

  Freitag, 27. November 2020 - 20:30 bis - 22:30

Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, dem 13. März, einzustellen und nun, ihn am Freitag, dem 9. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 20 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter
Spiegel vom 17. Oktober: "In Kählers Studie testeten die Forscher den Raumluftfilter eines Gerätes der Firma Trotec und kamen zum Schluss, dass dieser Aerosolpartikel bis auf eine Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometern sehr zuverlässig abfangen kann."

 

Eintritt: 7,50 €

Komödie Frankreich
Kinostart: 8. Oktober 2020
104 Minuten
FSK: ab 12; f

Originaltitel: LA DARONNE
Regie: Jean-Paul Salomé  
Drehbuch: Antoine Salomé · Jean-Paul Salomé 

Kamera: Julien Hirsch 
Musik: Bruno Coulais 
Schnitt: Valérie Deseine 


Darsteller: 
Isabelle Huppert (Patience Portefeux) · Hippolyte Giradot (Philippe) · Farida Ouchani (Kadidja) · Liliane Rovère (Madame Portefeux) · Iris Bry (Hortense Portefeux) · Rebecca Marder (Gabrielle Portefeux) · Nadja Nguyen (Colette Fo) · Rachid Guellaz (Scotch) · Mourad Boudaoud (Chocapic)

Filmwebseite  

Kritiken:
Kritik von Gerhard Midding im Filmmagazin EPD (3 von 5 Sternen)
Kritik von Stephanie Grimm auf Kunst und Film (3 von 6 Sternen)
Kritik von Marius Nobach im Filmdienst (2 von 5 Sternen)
  
Kritik von Luitgard Koch auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)


Trailer (135 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst  
Komödie um eine Übersetzerin der Polizei in Paris, die unverhofft ins Rauschgift-Geschäft einsteigt.

Patience fällt es schwer, einfach abzuschalten. Während ihre Kollegen von den Pariser Drogenfahndern nach Dienstschluss ihre Arbeit ausblenden, sitzt Patience auch zuhause noch stundenlang am Schreibtisch und lauscht den Dialogen auf den Abhörbändern. Die Gespräche auf Arabisch scheinen für sie so etwas wie eine eigene private Audio-Doku-Soap zu sein, bei der sie sich nach Belieben über die Dummheiten der Dealer mokieren kann. Doch darin erschöpft es sich nicht. Immer wieder stößt Patience auf Stellen, die keine Abgebrühtheit oder kriminelle Energie verraten, sondern jugendlicher Unerfahrenheit geschuldet sind oder einem naiven Glauben an den großen Durchbruch im Drogengeschäft. Mitunter tauschen die Abgehörten sich auch unvermittelt über ihr Privatleben aus. In solchen Momenten kann Patience auch Rührung nicht verbergen und stoppt ihre Übersetzung; fürs Protokoll notiert sie dann nur „irrelevante Unterhaltung“.

Ein wichtiges Rädchen bei der Verbrecherjagd

Patience Portefeux hat in der französischen Komödie „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ eine Aufgabe, die in Krimis sonst kaum eine Rolle spielt. Als Übersetzerin und Dolmetscherin im Dienst der Polizei ist sie zwar auch an Zugriffen und Verhören beteiligt, bleibt aber immer etwas außen vor. Gelegentlich bekommt sie zwar den gewaltsamen Widerstand von Kriminellen zu spüren, doch meistens kann sie ihre Arbeit im sicheren Büro ausführen. Da sie einzige im Team die Sprache der arabischen Dealer versteht, darf sie sich als wichtigstes Rädchen beim Aufspüren der Verbrecher fühlen. Ohne sie läuft nichts.

Ein gewisser Stolz auf die eigene Bedeutung lässt sich daher bei der Übersetzerin voraussetzen; zudem ergänzen Regisseur Jean-Paul Salomé und seine Co-Autorin Hannelore Cayre autobiografische Motive, um das besondere Interesse von Patience an den Schicksalen mancher Dealer zu erklären. Als Tochter eines maghrebinischen Einwanderers war sie als Kind selbst daran beteiligt, wenn ihre Eltern mit kleinkriminellen Aktionen die bescheidene Lebenssituation aufbesserten; ihr früh verstorbener Mann nahm es mit dem Gesetz ebenfalls nicht ganz genau.

Zu ihren Bedingungen

Derart vorbelastet, trifft Patience eines Tages eine Entscheidung gegen ihren Beruf und für den eigenen Vorteil. Beim Abhören eines Gesprächs erkennt sie in einem Drogenkurier den Sohn von Khadidja, der Pflegerin ihrer dementen Mutter. Nach einem Hinweis an Khadidja kann deren Sprössling seine Lastwagenladung mit Haschisch verstecken, ehe er festgenommen wird. Nun schlägt die Stunde von Patience. Sie ist noch vor ihren Kollegen und den mächtigen Drogenbossen zur Stelle und bringt das Rauschgift an sich. Später macht sie sich daran, den „Stoff“ mit ihrem Wissen über das Milieu auf den Markt zu werfen. Zuvorderst will sie das Geld für das Heim der Mutter zusammenbekommen; doch sie ist es auch leid, ständig fast pleite zu sein.

Die zierliche Isabelle Huppert mit forsch gebundenem Hidschab und dunkler Sonnenbrille, die vielfach größere und weit schwerere Drogenhändler nach Belieben herumkommandiert, ist die Attraktion, auf die der Film hinauswill. Wenn man sich nicht bereits an den ersten - gewaltigen - Unwahrscheinlichkeiten bei Patience’ Einstieg ins Drogengeschäft stört, entwickelt diese Prämisse durchaus Reize. Der schroffe Tonfall und das resolute Auftreten stehen Huppert gut zu Gesicht, und auch der Aufstieg zur gewieften Kriminellen lässt sich mit einiger Faszination verfolgen. Die Überrumpelung der Berufsverbrecher durch die Erscheinung ihrer neuen Geschäftspartnerin hat Witz, und wenn Polizei und die Drogen-Konkurrenz allmählich die Schlinge um die Quereinsteigerin zuziehen, gelingen Jean-Paul Salomé auch ein paar beachtliche Spannungssequenzen. Sein Faible fürs Thriller- und Abenteuergenre, in denen sich der Regisseur bislang zuhause fühlte, macht sich auch hier bezahlt.

Fast immer wird der Zufall bemüht

Allerdings reicht das nicht, um „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ zu einem gelungenen Film zu machen. Harmlose Normalbürger, die die Welt des Schwerverbrechens aufmischen, sind schon allzu oft als Komödienstoff verwendet worden, um noch als originell zu erscheinen. Selbst Isabelle Huppert kann sich in diesem Fall lediglich brav hinter Vorgängerinnen wie Brenda Blethyn in „Grasgeflüster“ und Bernadette Lafont in „Paulette“ einreihen. Die Chance, das Versteckspiel von Patience auch komödiantisch stärker zu nutzen, vertut der Film, da ihre kriminellen Aktivitäten kaum je zwingend erscheinen und für Fortschritte fast immer der Zufall bemüht wird.

Auch die anderen Figuren helfen nicht, sondern bleiben blass, was vor allem bei zwei Frauen enttäuscht: Die Pflegerin Khadidja und Patience’ chinesische Vermieterin Madame Fo sind an sich in einer ähnlichen Lage wie die Hauptfigur und hätten Potenzial für mehr Entwicklung besessen; doch der Film verbannt sie nach ihrer Einführung gleich wieder in den Hintergrund. In Erinnerung bleibt in erster Linie, dass sie, wie alle arabisch-, nordafrikanisch- oder ostasiatisch-stämmigen Charaktere des Films, mit der Welt des Verbrechens zumindest gut vertraut, wenn nicht sogar ein Teil von ihr sind. Eine Setzung, die man im besten Fall als unglücklich interpretiert. „Berauschend“ ist es eher nicht.

Eine Kritik von Marius Nobach