Die Misswahl (Misbehaviour)

  Freitag, 06. November 2020 - 20:30 bis - 22:30
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Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, dem 13. März, einzustellen und nun, ihn am Freitag, dem 9. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 20 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter

 

Eintritt: 7,50 €

Tragikomödie Großbritannien 2020
Kinostart: 1. Oktober 2020
107 Minuten
FSK: ab 0; f

Regie: Philippa Lowthorpe
Drehbuch:
Rebecca Frayn · Gaby Chiappe
 
Kamera: Zac Nicholson 
Musik: Dickon Hinchliffe
Schnitt: Úna Ní Dhonghaíle 

Darsteller:
Gugu Mbatha-Raw (Jennifer Hosten) · Keira Knightley (Sally Alexander) · Greg Kinnear (Bob Hope) · Lesley Manville (Dolores Hope) · Daniel Tiplady (Archie) · Rhys Ifans (Eric Morley) · Keeley Hawes (Julia Morley) · Kajsa Mohammar (Eva Reuber-Staier) · Stephen Boxer (Professor Davidson) · Jessie Buckley (Jo Robinson) · Ruby Bentall (Sarah) · Suki Waterhouse (Sandra Wolsfeld - Miss United States) · Justin Salinger (Bärtiger Marxist) · John Heffernan (Gareth) · Amanda Lawrence (Miss Gilboy) · Phyllis Logan (Evelyn Alexander) · Alexa Davies (Sue) · Miles Jupp (Clive) · Emma Corrin (Jillian Jessup - Miss Südafrika) · Charlotte Spencer (Marjorie Jones) · Rupert Vansittart (Lord Bly) · Ria Zmitrowicz (Mair)


Kritiken:
Kritik von Birgit Roschy im Filmmagazin EPD (4 von 5 Sternen)
Kritik von Ingrid Beerbaum auf Kunst und Film (3 von 6 Sternen)
Kritik von Katharina Zeckau im Filmdienst (2 von 5 Sternen)
  
Kritik von Luitgard Koch auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)
Kritik von Peter Osteried auf Programmkino.de (Gilde deutscher Filmkunsttheater)
 

Trailer (161 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst  
Tragikomödie um die Miss-World-Wahl im November 1970, bei der feministische Aktivistinnen die Veranstaltung störten, während der Sieg für die aus Grenada stammende Jennifer Hosten ein emanzipatorischer Akt war.

„We are not beautiful, we are not ugly – we are angry!“, skandierten die Feministinnen, die 1970 gegen die Miss-World-Wahl in London demonstrieren: „Wir sind nicht schön, wir sind nicht hässlich, wir sind wütend!“ Das Aussehen soll keine Rolle spielen. So soll der Gegenentwurf zu einem Wettbewerb aussehen, bei dem die Erscheinung (fast) alles ist.

Der Film „Die Misswahl“ thematisiert Vorgeschichte und Umsetzung dieser spektakulären Aktion des „Women’s Liberation Movement“ (WLM). Viele Aktivistinnen hatten sich am 20. November 1970 inkognito unter die Zuschauer in der Royal Albert Hall gemischt und protestierten mit Rufen, Mehlgeschossen und Wasserpistolen gegen den „Viehmarkt“, das Patriarchat und die Unterdrückung der Frau. Zumindest vorübergehend sprengten sie die Veranstaltung und schafften es, den Entertainer und Moderator Bob Hope von der Bühne zu jagen. Ein Coup, der die Gruppe schlagartig bekannt machte: Medien in der ganzen Welt berichteten darüber.

Nur ein Teil der Wahrheit

Allerdings gäbe die Historie noch mehr her. 1970 war auch das Jahr, in dem erstmals eine schwarze Frau den Miss-World-Titel gewann. Jennifer Hosten aus Grenada siegte vor Pearl Janssen, der ebenfalls schwarzen Miss South Africa. Janssen war vom Apartheids-Regime, das zunächst nur eine weiße Miss Südafrika ins Rennen geschickt hatte, kurzfristig nachnominiert worden, um entsprechende Proteste zu besänftigen. Ein spektakuläres Ereignis, das im Nachgang noch für viele, teils auch rassistisch motivierte Proteste und Diskussionen sorgte. Der Film vertieft dies nicht weiter, wohl weil es seine Story gesprengt hätte. Trotzdem ist es schade, dass man über diese Querelen nichts erfährt; so dominiert nämlich vor allem der Eindruck, dass die Wahl von Hosten und Janssen ein großer Fortschritt in Sachen Diversität gewesen sei. Das aber ist eben nur ein Teil der Wahrheit. 

Die Drehbuchautorin Rebecca Frayn und Regisseurin Philippa Lowthorpe haben es sich mit dem in viele Richtungen ausufernden Stoff allerdings nicht leichtgemacht. Ihnen gebührt großer Respekt für den Versuch, das disparate Material mit seinen gesellschaftlich-politisch-ethnischen Bruchlinien in den Griff zu bekommen, auch wenn dies auf Kosten einer durchgehend fesselnden Handlung geht. Trotzdem war es die richtige Entscheidung, den Wettbewerb nicht nur aus der kritischen Außen-, sondern auch aus der Binnenperspektive zu spiegeln. Und zwar aus einer Position heraus, die auch die mit der Show einhergehenden Chancen berücksichtigt. „Die Misswahl“ macht nicht nur Sally Alexander und ihre Mitstreiterin Jo Robinson zu Hauptfiguren, sondern eben auch Jennifer Hosten und Pearl Janssen, zwei durch ihre Herkunft und Hautfarbe unterprivilegierte Frauen, für die der Wettbewerb eine Chance und überdies auch eine Art Anerkennung ist. So erzählt die noch immer ungläubig staunende Pearl einmal, wie die gesamte Belegschaft der Schuhfabrik in Südafrika, in der sie arbeitet, nur für sie geklatscht habe, um zur Nominierung zu gratulieren. Und Hosten betont mehrfach, dass der Protest von Sally & Co. nur aus einer privilegierten Haltung heraus möglich sei.

Nicht immer voraussagbare Konfliktlinien 

So verlaufen die Konfliktlinien von „Die Misswahl“ bei weitem nicht nur zwischen rückständigen Männern und fortschrittlichen Frauen. Sie trennen auch Weiß und Schwarz, Menschen aus einem Apartheidstaat von denen aus demokratischen Ländern – und mit den Diskussionen zwischen Sally und ihrer Mutter auch die Generationen. Das Anliegen, alle diese Positionen unter einen Hut zu bekommen, führt zwar mitunter zu interessanten Szenen, geht aber doch auch zu Lasten von Spannung und Figurenzeichnung. Ausgerechnet Sally, die schon durch ihre Besetzung mit Keira Knightley so etwas wie eine „Prima inter pares“ ist, bleibt eher blass und ist keine mitreißende Figur. Auch der proletarischen Jo mangelt es an Facetten, was nicht an der Schauspielerin Jessie Buckley, sondern am Drehbuch liegt. Die interessanteste unter den Protagonistinnen, Jennifer Hosten, strahlt in der Darstellung von Gugu Mbatha-Raw hingegen eine tiefe Ruhe als Mischung aus Selbstbestimmtheit und innerer Distanz aus.

Ohnehin sind die schauspielerischen Leistungen glänzend, sofern die Darsteller dazu Gelegenheit erhalten: Greg Kinnear als schlüpfriger Bob Hope, Lesley Manville als dessen frustrierte Gattin, Keeley Hawes als innerlich zerrissene „Miss World“-Geschäftsführerin und Rhys Ifans als in den 1950er-Jahren steckengebliebener „Miss World“-Gründer. Auch sonst macht „Die Misswahl“ vieles richtig: In manchen Szenen ist die Tragikomödie schlicht grandios, gerade wenn sie beiläufig die Misogynie jener Zeit skizziert und karikiert. Auch Kostüme und Settings sind stimmig. Was fehlt, ist ein dramaturgischer Zugriff, der „Biss“; die Ausgewogenheit gereicht der filmischen Erzählung nicht zum Vorteil, sondern lässt „Misbehaviour“, so der Originaltitel, ausgesprochen brav und glatt daherkommen.

Eine Kritik von Katharina Zeckau