Space Dogs

  Freitag, 30. Oktober 2020 - 20:30 bis - 22:15

Kino achteinhalb hatte beschlossen, seinen Betrieb am Freitag, dem 13. März, einzustellen und nun, ihn am Freitag, dem 9. Oktober, wieder aufzunehmen. 
Folgende Änderungen haben wir vorgenommen:
Solange die Corona-Vorschriften gelten, haben wir keine Abendkasse, sondern vergeben unsere wenigen Karten via Reservierung. Sie können Ihre Karten entweder über unsere Reservierungsfunktion oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! reservieren. Bis 18 Uhr des Veranstaltungstages sind Reservierungen möglich. Laut Verordnung sind Gruppen bis zehn Menschen zulässig, daher können von einer Person maximal zehn Karten reserviert werden. Aufgrund der Abstandsregelung bieten wir weniger Plätze an: Sehr wenige Plätze für den Fall, dass alle einzeln kommen und dementsprechend mehr Plätze, wenn die Leute zu zweit, dritt, viert, etc. kommen, da innerhalb dieser Konstellationen (von 2 bis 10) kein Abstand gewährt werden muss, zwischen den diversen Konstellationen aber schon. Wir haben eine Reihe komplett rausgenommen, so dass insgesamt acht rote Sessel weniger im Kino stehen als vor Corona. Auch wenn wir unter den aktuell gültigen Abstandsregeln maximal 26 Plätze (vorausgesetzt es gäbe genügend Dreier-Gruppen) vergeben dürften, haben wir beschlossen, die maximale Anzahl für das Jahr 2020 auf 18 Karten zu begrenzen. Wenn Sie Ihre Reservierung nicht wahrnehmen können, wäre eine rechtzeitige Absage per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bis spätestens 18 Uhr für uns das Beste. Einlass ist ab 20 Uhr. Ihre Karten zahlen Sie bitte bar im Kino.
Da wir gemäß Verordnung wesentlich weniger Plätze anbieten können als vorher, haben wir den Eintrittspreis von 5 auf 7,50 Euro erhöht.
Im Sitzen besteht in Kinos keine Maskenpflicht; im Stehen und Gehen besteht Maskenpflicht.

Die RWLE Möller Stiftung hat uns für ca. 4.500 Euro einen zertifizierten (EU-Norm EN1822-1) H14-Schwebstofffilter finanziert. (Wir haben ausschließlich Raumluftreiniger in Betracht gezogen, die zertifiziert sind und sich einer neutralen wissenschaftlichen Studie unterzogen haben und somit auch eindeutige Aussagen treffen, über die Filterleistung und wie viel Kubikmeter in der Stunde umgewälzt werden.) Das ist, was Viren, Bakterien, Keime (und Staub!) angeht, effektiver als Lüften, da nachweislich 99,995 % aller Viren aus der Luft herausgefiltert werden. Selbst die besonders schwierig abzuscheidenden Aerosolpartikel zwischen 0,1 und 0,3 µm Durchmesser (also  Viren) werden zu 99,995 Prozent aus der Luft abgeschieden. Mit anderen Worten: von 100.000 Viren verbleibt nur eins in der Luft. Da wir Menschen aber mehrere hundert Viren einatmen können, ohne uns zu infizieren, wäre dieses etwaige eine von hunderttausend verbliebene völlig ungefährlich. Das Gerät verbrennt (als einziges Gerät weltweit), anschließend das Filtersubstrat bei 100 Grad, so dass es nicht als "Virenschleuder" fungieren kann. Der Hersteller Trotec (pikanterweise aus Heinsberg) produziert von diesem Raumluftreiniger ca. 1000 Geräte die Woche, von denen zahlreiche in den Export gehen. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Entwickelt wurden die Filter über Ostern und sind bereits im Mai in Produktion gegangen. Wir erfuhren davon, als der Heinsberger Landrat Stephan Pusch am 19. März bei Markus Lanz davon erzählte und haben uns dann nach Heinsberg aufgemacht und Trotec besucht. Wir sind laut Trotec das erste Kino mit so einem Filter sowie ihr erster Kunde im Landkreis Celle. Laut Spiegel soll übrigens in Schweden mittlerweile so gut wie jedes Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein ... Unseres Wissens ist bisher aber eh keine einzige Infektion in Kinos belegt vermutlich da in Kinos weder feuchtfröhlich und laut gesprochen, noch sich sonderlich in den Armen gelegen wird. Das wird auch der Grund sein, warum Kinos und Theater von den Schließungen im September in  z. B. Frankreich oder auch in Hamm nicht betroffen sind.
("Nicht von aktuellen Maßnahmen betroffen sind Kulturveranstaltungen und das Kino sowie alle Sporteinrichtungen inklusive der Bäder. Als Grund führt der OB an, dass diese Orte bislang nicht als Infektionsherde aufgefallen sind." – Westfälischer Anzeiger aus Hamm vom 22. September)
Laut der niedersächsischen Corona-Verordnung vom 25. September ist der Besuch des Kinos nur statthaft, wenn Sie uns Ihre Kontaktdaten anvertrauen. Ihre Kontaktdaten verwahren wir in einem verschlossenen Kuvert, das mit Filmtitel und Tagesdatum sowie dem Datum, an dem es verschlossen geschreddert wird, beschriftet ist. Bei Filmbeginn wird das Kuvert zugeklebt. Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von drei Wochen, danach wird das verschlossene Kuvert umgehend geschreddert. Es wäre schön, wenn Sie unser Kontaktformular ausdruckten und ausgefüllt mitbrächten. Wir haben Kopien dieser Formulare natürlich auch im Kino vorrätig.

Artikel der CZ vom 8. Oktober über den Restart des achteinhalbs und den Raumluftfilter
Spiegel vom 17. Oktober: "In Kählers Studie testeten die Forscher den Raumluftfilter eines Gerätes der Firma Trotec und kamen zum Schluss, dass dieser Aerosolpartikel bis auf eine Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometern sehr zuverlässig abfangen kann."

 

Eintritt: 7,50


Dokumentarfilm
Österreich/Deutschland 2019
Kinostart: 24. September 2020
91 Minuten
OmdU
FSK: ab 0; f

Regie: Elsa Kremser · Levin Peter
Drehbuch: Elsa Kremser · Levin Peter 

Kamera: Yunus Roy Imer 
Musik: John Gürtler  
Schnitt: Stephan Bechinger · Jan Soldat
FBW: Prädikat besonders wertvoll


Filmwebseite, Filmseite des Verleihs, WIKIPEDIA, Facebook, Presseheft,  Produktionsfirma Raumzeitpunk, alle Daten zum Film auf Filmportal.de    

Kritiken:
Kritik von Alexandra Seitz im Filmmagazin EPD (5 von 5 Sternen)
Kritik von Karsten Munt im Filmdienst (4 von 5 Sternen)
  
Kritik von Gaby Sikorski auf Programmkino.de (Gilde der Filmkunsttheater)
Kritik von Matthias Pfeiffer auf artechock film
Kritik von Rüdiger Suchsland auf artechock film
Kritik von Patrick Kokoszynski auf critic.de
Kritik von Joachim Kurz auf Kino-Zeit.de

Podcast Deutschlandfunk: Rüdiger Suchsland im Gespräch mit Henning Hübert    

Süddeutsche Zeitung vom 8. April 2016:
Tiere im Weltall: Diese Weltraumhunde verdienen unsere Liebe


Trailer (100 Sekunden):



ausführliche Kritik Filmdienst  

Essayistischer Dokumentarfilm, der auf den Spuren der Weltraumhündin Laika dem Mythos ihres Ruhms und den mit ihm verknüpften Ideen der Menschen nachgeht.

Das entscheidende Ereignis der ersten Raumflüge war für den Philosophen Günther Anders nicht das Erreichen des Kosmos, sondern die Möglichkeit, dass die Erde sich selbst betrachtet. Laika, eine Straßenhündin aus Moskau, war das erste Lebewesen, das vom All aus auf die Erde zurückschaute. Auf diesen Blick in Richtung ihres Heimatplaneten folgte für Laika ein qualvoller Hitzetod. Ihre Raumkapsel umkreiste die Erde wie ein kosmisches Grab, bis es beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zusammen mit dem Körper der Hündin verglühte.

Der Legende nach, die in „Space Dogs“ in einem poetischen Voice Over anklingt, fand Laikas Geist den Weg zurück auf die Straßen von Moskau. Dort beobachtet der Film Laikas Nachfahren und die Menschen, die in deren unmittelbarer Umgebung leben. In gewisser Weise schaut „Space Dogs“ auf die Menschheit aus der Perspektive derer, die von ihren Abfällen leben, und ist damit weniger ein Film über jene Tiere, die für den politischen Wettlauf um wissenschaftlichen Vorsprung ins All entführt und getötet wurden, als vielmehr ein Film über jene, die über sie verfügen. Elsa Kremser und Levin Peter entwickeln einen anthropologischen Blick, der vom Kosmos hinab- und von der Straße hinaufschaut.

Auf Augenhöhe mit den Hunden

Die Kamera von Yunus Roy Imer bewegt sich auf Augenhöhe der Vierbeiner. Zwei von ihnen, eine Hündin mit lahmendem Vorderbein und ein größerer Rüde, finden die Welt der Menschen als einen Lebensraum vor, der sich ihrem Verständnis entzieht. Moskaus ist ein so gewohntes wie verwirrendes Durcheinander aus Lärm, Licht, Bewegung und eigentümlichen Gerüchen. Bereits die erste Szene von „Space Dogs“ zeugt vom rätselhaften Leben der Hunde im Habitat der Menschen. Der Geruch, der von einer Motorhaube aufsteigt, lockt einen der Streuner an. Seine Nase fährt am Radkasten entlang, seine Zunge versucht erfolglos dem unwiderstehlichen Duft unter die Haube zu folgen, bis die Alarmanlage des Autos ertönt und der Neugier vorerst Einhalt gebietet.

Die Straßen sind eine fremde Heimat. Mal wirft ein alter Mann den müden, von der Krätze angefressenen Hunden ein paar Fleisch- und Knochenreste zu. Mal werden sie bedroht und verjagt. Mal zeigt sich die Metropole als Feind, mal gibt sie sich zutraulich. Oft aber herrscht eine überwältigende Gleichgültigkeit. Von ihr zeugen auch die Archivbilder, die zwischen den Eindrücken aus dem Streunerleben montiert sind. Wissenschaftler und Veterinäre sedieren, verkabeln und testen die auf den Straßen eingefangenen Hunde. Festgeschnallt in der Zentrifuge und später im Weltall harren die Hunde panisch zitternd aus, während das Personal ihre Vitalwerte studiert. Ihr Leben ist auf ihren Herzschlag reduziert, der im Raumflug als einziges und oft letztes Zeichen aus der Schwerelosigkeit bis zur Erde dringt.

Die Leere wird mit Spektakel gefüllt

Was in ihnen vorgehen mag, was sie gesehen haben und wie die Berührung mit dem dunklen Vakuum des Kosmos sie verändert hat, fabuliert die Stimme von Alexej Serebrjakow aus dem Off dazu. Die Mythen, die er wie ein von Reue erdrückter Zeitzeuge erzählt, verbinden das Leben im Labor und mit dem Leben auf der Straße. Die ferne Welt des Fortschritts und das unerbittliche Naturgesetz der Straße produzieren gänzlich unterschiedliche Schreckensbilder, hinter denen die gleiche Erfahrung steht. Eine Katze, die von den Streunern gefangen und zwischen ihren Kiefern zerquetscht wird, macht mit bereits leerem Blick ihre letzten Atemzüge, als die Hunde kurz von ihr ablassen. Das gleiche Vakuum scheint der Kosmos in die Augen der „space dogs“ gebrannt zu haben, die man dabei beobachtet, wie sie hilflos stolpernd, aber lebendig das Gefängnis ihres Raumanzugs wieder verlassen.

Eine Leere, die der Mensch mit dem Spektakel füllt. Laika wird von der Propaganda zur Märtyrerin erklärt, die Moskauer „space dogs“ zu zähen sowjetischen Unikaten. Die Bilder des Films aber verweigern sich diesem in die Welt getragenen Heldenmythos. Die eigentliche Erfahrung von „Space Dogs“ ist nicht das Spektakel des Mythos, sondern seine Melancholie. Kremser und Peter füllen das Vakuum der Gleichgültigkeit, indem sie den Blick nicht auf, sondern am Spektakel vorbei lenken. Einmal trennt sich die Kamera von den Straßenhunden, um einen kleinen Schimpansen zu folgen. Der Affe, den seine Besitzer in einen Anzug mit goldenem Hut gesteckt haben, soll bei einem Kindergeburtstag auftreten. Die Kamera begleitet ihn auf seinem traurigen Weg zum tristen Hochhaus und verharrt vor dessen Tür, während die Kinder auf der Tonspur die Kunststücke des Affen beklatschen.

Inmitten einer verwilderten Wiese

Die Melancholie ist dort am eindrücklichsten zu spüren, wo die Tiere, die so tief im Lebensraum des Menschen gefangen sind, ein Refugium finden, fernab der Schwerelosigkeit und des Lärms der Stadt. Auf einer kleinen verwilderten Wiese tollen die Hunde umher, bis sie erschöpft nebeneinander liegenbleiben. Einer von beiden will die kurze Pause der Freiheit noch nicht aufgeben. Sehnsüchtig knabbert er am Bein des anderen, bis die Tiere auch im Liegen weiterspielen, auf ihrer kleinen Insel in der endlosen, gleichgültigen Dunkelheit des Kosmos.

Ei
ne Kritik von Karsten Munt

Filmdienst: Hunde im Weltall

Ob beim (professionellen) Reden über Filme der eigene Geschmack vorangestellt werden kann, sei dahingestellt. Lili Hinstin, die neue Direktorin von Locarno, tut es nahezu unablässig. Was sie nicht mag, so weiß man deswegen nun, sind Filme mit konventioneller Erzählung. Was sie hingegen mag, sind Filme, die überraschen. Das bisherige Programm zeigte zwar durchaus viel Konventionelles; allerdings gelang die ein oder andere Überraschung tatsächlich, im Guten wie im Schlechten. Zu den positivsten darunter gehörte in den ersten Tagen des Festivals „Space Dogs“ von Elsa Kremser und Levin Peter in der Sektion „Cineasti del presente“.


Ob die Hündin Laika, die die Sowjetunion 1957 in den Weltraum schickte, tatsächlich das erste Lebewesen ist, das je ins All geschickt wurde, mag man nach dem Dokumentarfilm „Space Dogs“ nicht beschwören. Doch es ist nicht so wichtig. Wichtig hingegen ist – und darauf baut der Film auf – dass der Weltalltrip der herrenlos in Moskau aufgegriffenen Hündin Russlands Straßenkötern einen bizarren Heldenstand verlieh. Denn als Laika nach 100 Tagen bei der Rückkehr aus dem All in ihrer Raumkapsel verglühte, soll ihr Geist auf die Erde zurückgekehrt sein. Seit damals, sagt man – es wird solches in Kremsers und Peters Dokumentarfilm vom Schauspieler Alexey Serebryakov in poetischer Prosa vorgetragen – ziehe ihr Geist mit den streunenden Hunden durch Moskaus Strassen.

Moskau aus Hunde-Perspektive

Mythisch klingt das und mag mit ein Grund sein, wieso man in Russlands Hauptstadt noch heute rudelweise Streuner trifft. In angeblich monatelanger Recherche haben Kremser und Peter aus diesen Rudeln zwei Tiere als Protagonisten erkoren. Der eine, im Fell etwas struppig, leicht lendenlahm und träg, scheint schon etwas älter, der andere, munterer und quirliger, ist jünger. Das Verhältnis der beiden oszilliert zwischen Anhänglichkeit und Konkurrenz, aufmerksamer Obacht und knurrendem Kampf, sofern sich solch tierisches Miteinander in menschlichen Beziehungsbegriffen überhaupt fassen lässt. „Space Dogs“ folgt den Hunden über viele Wochen. Bei ihren trollenden Gängen durch die meist dämmerdunkle Stadt an Zwischenorte, wo Hund und Mensch sich kaum in die Quere kommen, beziehungsweise tierische und menschliche Streuner traut zusammenfinden: überwachsene Straßenränder, verlassene Parks, Brachen; rund um Abfallsammelstellen; vor Clubs und Imbissbuden, wo man sie manchmal vertreibt, ihnen manchmal was zuwirft.

Der Film verharrt oft minutenlang. Hält fest, wie der eine Hund döst, der andere wacht, bis plötzlich knurrend die Lefzen hochgezogen werden oder ein wartendes Rudel, von fernem Bellen aufgeschreckt, unverhofft losstürmt. Hart anzuschauen die Szene, in welcher eine unvorsichtige Katze frühmorgens zur Beute wird und spielerisches Balgen zum Kampf ausartet: Als beobachtender Tierfilm weitgehend aus der Augenhöhe von Hunden gedreht – Kameramann Yunus Roy Imer hat Tolles geleistet –, ist „Space Dogs“ schlicht sensationell.

Unfreiwillige Weltraumpioniere

Über diese Gegenwartsebene, belegt mit zum Teil bisher nie öffentlich gezeigten Aufnahmen aus dem Moskauer Institut für biomedizinische Probleme, legt sich die Geschichte der Hunde, die Russland zu Versuchszwecken in All schickte. Laika war, erfährt man, lange nicht der einzige Hund, den die Russen ins All schickten, auch sind Hunde nicht die einzigen Tiere, die im Orbit kreisten. Man sieht, wie die Tiere getestet, für die Reise zurechtoperiert, verkabelt werden. Eindrücklich – und letztlich aufschreckend – ist das Bild zweier Hunde, die von der Fahrt in der Kapsel durchgeschüttelt mit großen Augen in die Kamera schauen. Was haben sie gesehen, fragt der Film, wovon geträumt? Dem Zuschauer zwingt sich dabei unmittelbar die Frage auf, ob der Mensch solcherweise überhaupt über Tiere verfügen darf.

Ein Beitrag von Irene Genhart