Knives Out – Mord ist Familiensache

  Mittwoch, 12. Februar 2020 - 19:30 bis - 21:25
 

Eintritt: 5,00 €

USA 2019
Kinostart: 2. Januar 2020
112 Minuten
FSK: ab 12; f

Regie/Drehbuch: Rian Johnson 
Kamera: 
Musik: 

Schnitt:  
FBW: 

Darsteller: 
Daniel Craig (Benoit Blanc) · Chris Evans (Ransom Drysdale) · Ana de Armas (Marta Cabrera) · Jamie Lee Curtis (Linda Drysdale) · Michael Shannon (Walt Thrombey) · Don Johnson (Richard Drysdale) · Toni Collette (Joni Thrombey) · Lakeith Stanfield (Lieutenant Elliott) · Christopher Plummer (Harlan Thrombey) · Katherine Langford (Meg Thrombey) · Jaeden Martell (Jacob Thrombey) · Frank Oz (Alan Stevens) · K. Callan (Greatnana Wanetta) · Noah Segan (Trooper Wagner) · M. Emmet Walsh (Mr.

Filmhomepage, WIKIPEDIA  

Kritiken:
Kritik von Martina Knoben im Filmmagazin EPD (5 von 5 Sternen)
Kritik von Holger Heiland auf Kunst und Film (5 von 6 Sternen)
Kritik von Jörg Gerle im Filmdienst (3 von 5 Sternen)

Kritik von Rüdiger Suchsland auf artechock film
Kritik von Falk Straub auf Spielfilm.de (4 von 5 Sternen)
Kritik von Oliver Armknecht auf Filmrezensionen.de (8 von 10 Sternen)
Kritik von Christoph Petersen auf Filmstarts.de (4 von 5 Sternen)
Kritik von Anke Sternborg in der Zeit
Kritik von Anke Sternborg in der Süddeutschen Zeitung
Kritik von Bert Rebhandl in der FAZ (plus Videokritik)
Kritik von Bert Rebhandl im Wiener Standard
Kritik von Dieter Oßwald auf Programmkino.de (Gilde deutscher Filmkunsttheater)
Kritik von Ekkehard Knörer im Spiegel
Kritik von Gunda Bartels im Tagesspiegel
Kritik von Axel Timo Purr auf artechock film
Kritik von Jonas Nestroy auf critic.de
Kritik von Antje Wessels auf Wessels Filmkritik
Kritik von Joachim Kurz auf Kino-Zeit.de
Kritik von Denise Bucher in der NZZ am Sonntag


Trailer (223 Sekunden):



arteshots – mit Axel Timo Purr und Felicitas Hübner (4 Minuten):


ausführliche Kritik Filmdienst  
Augenzwinkernde Kriminalkomödie um den Mord an einem Familienpatriarchen, der an seinem 85. Geburtstag das Zeitliche segnet.

Ein Mord, ein Dutzend Verdächtige an einem Ort, und ein Meisterdetektiv, der den entlarvt, auf den man nie gekommen wäre. Diese Spielart des Krimis ist auf wundersame Weise gerade wieder sehr beliebt. Untrennbar verbunden mit dieser „Whodunit“-Dramaturgie (lautmalerisch für „Who hast done it?“, wer hat es getan) sind die Agatha-Christie-Figuren Miss Marpel und Hercule Poirot. Wenn ihre Fälle in den Wiederholungen des Fernsehens immer wieder „neu“ aufgerollte werden, tut das treue Publikum so, als wüsste es nicht, wer der Täter ist, was eindrücklich die These widerlegt, dass es im Krimi primär darauf ankäme, wer wen auf welche Weise um die Ecke gebracht hat. Der Erfolg dieses Genres liegt aber nicht am Ehrgeiz oder an der Befriedigung, den Mörder von „Mord im Orient-Express“ oder „16 Uhr 50 ab Paddington“ möglichst noch vor dem Detektiv zu enttarnen. Das Sujet ist vielmehr vor allem deshalb so beliebt, weil es so schön übersichtlich ist.

Ein wohliges Gruseln

Da alle potenziellen Täter am Tatort versammelt sind, müssen diese auch so lange dort ausharren, bis der Mörder überführt ist. Das erzeugt ein wohliges Gruseln; die Gewissheit, dass der Bösewicht unerkannt, aber dennoch zum Greifen nahe ist, sorgt für Gänsehaut. Zudem ist ein „Whodunit“-Krimi zumeist ein Ensemble-Stück, in dem sich beliebte Stars zum „High-Tea“ in Schale schmeißen, um als Baron oder Baroness ebenso konsequent wie unglaubwürdig die Täterschaft zu leugnen.

In „Knives Out“ sind es mindestens sechs Personen, die sich als mustergültige „Whodunit“-Familie zusammenscharen, ihr Oberhaupt um die Ecke bringen und einem Detektiv die Arbeit überlassen, das Schlamassel aufzuklären. Doch auch wenn eine thematische Verwandtschaft kaum zu leugnen ist, stammt das Drehbuch nicht von Agatha Christie, sondern vom Regisseur Rian Johnson, der das Genre belebt, ohne es zu revolutionieren.

Jeder hat ein Motiv

Harlan Thrombey (Christopher Plummer) ist ebenso reich wie unbeliebt. Deshalb ist es nicht sonderlich erstaunlich, dass jemand ausgerechnet Thrombeys 85. Geburtstag ausersehen hat, um ihn nachts mit einem gezielten Schnitt ins Jenseits zu befördern. Ungewöhnlicher ist es schon, dass ein anderer in rätselhafter Voraussicht einen Detektiv engagiert hat, der den Mord sogleich aufzuklären bereit ist. Deshalb kommt auch schnell ans Licht, dass Thrombeys Pflegekraft Marta Cabrera (Ana de Armas) ihm durch eine falsche Medikation noch vor seinem gewaltsamen Tod eine tödliche Dosis Morphium verabreicht haben könnte. Da Thrombey in seinem Testament ausgerechnet Marta als Alleinerbin des Hauses und seines beträchtlichen Vermögens eingesetzt hat, scheint die Recherche des Detektivs (Daniel Craig) schon bald zu einem eindeutigen Ergebnis zu führen.

Doch auch die Verwandtschaft hätte den ein oder anderen Grund für einen Mord. Denn Thrombey wusste von einer geheimen Affäre, mit der sein Schwiegersohn (Don Johnson) seine Frau, Thrombeys wenig geliebte Tochter Linda (Jamie Lee Curtis), betrogen hat. Der Familienvorstand war überdies informiert, dass Trombey von seiner Schwiegertochter Joni (Toni Collette) bestohlen wird. Und überdies hatte der Tote seinen Sohn Walt (Michael Shannon) aus seinem Unternehmen geworfen und seinen Enkel Hugh (Chris Evans) mit Wissen des Verwandten enterbt.

Das ist Stoff genug für zwei Stunden voller Wendungen und Wallungen, bis letztendlich der/die wahre Täter(in) im Showdown aus dem Hut gezaubert werden.

„Knives out“ (zu Deutsch etwa: gewetzte Messer) macht vor allem Spaß. Inbesondere die Kunst, die fein ausgearbeiteten Dialoge von illustren Schauspielern ins Szene gesetzt zu sehen, bereitet großes Vergnügen.

Ein turbulent-schräges Vergnügen

Regisseur Rian Johnson hat zwar schon mit seinem Debütfilm „Brick“ (2005) ein Gespür für Krimis signalisiert, doch dann eher im fantastischen Genre mit „Looper“ (2012) und „Star Wars: Die letzten Jedi“ (2017) von sich reden gemacht, zwei Werke, die nicht gerade durch dialogische Gewitztheit bestachen. Dass er sich aber auch auf scharfe Pointen versteht, beweist „Knives out“, ohne dass Johnson es damit übertreiben würde. Der Film ist im besten Sinne altmodisches, weil handwerklich versiertes und durchdachtes Kino, das eine moderne Attitüde besitzt, ohne dem Zuschauer Klimbim zuzumuten. Nicht zuletzt resultiert das kurzweilig-turbulente und mitunter auch abenteuerlich-schräges Vergnügen aus dem Charme der Schauspieler und deren Spaß am kostümierten Overacting.

Der Regisseur glaubt dabei nicht nur an seinen Film, sondern auch an den Erfolg des „Whodunit“, weshalb er für Wiederholungstäter einen besonderen Service lanciert hat. Unter der Website knivesout.movie kann man sich den englischen Audiokommentar von Rian Johnson als mp3-Datei herunterladen, dem man beim zweiten Besuch im Kino via Kopfhörer parallel lauschen kann. Das ist nicht nur wegen verwegener Plotpoints erhellend, sondern auch zur Veranschaulichung filmtechnischer Kniffe ein Gewinn. Und zudem ein cooler Gag für all jene, die nicht auf die Blu-ray warten wollen.


Eine Kritik von Jörg Gerle