The Sisters Brothers

  Freitag, 10. Mai 2019 - 20:30 bis - 22:40
Ein ungewöhnlicher Western, der auf Philosophie, Realismus und Emotion setzt und im Gewand einer nur scheinbar geradlinigen Geschichte
notwendige Fragen nach dem Wesen von Helden und der Natur von Männergemeinschaften stellt.
Und der dann sogar auch noch mitten ins Herz nicht nur des Genres trifft: »The Sisters Brothers«

Eintritt: 5,00 €

Frankreich 2018
Kinostart: 7. März 2019
121 Minuten
FSK: ab 12; f

Regie: Jacques Audiard
Von Jacques Audiard lief im achteinhalb 2012 Der Geschmack von Rost und Knochen und 2016 Dämonen und Wunder 
Drehbuch: Jacques Audiard · Thomas Bidegain
Vorlage: Der gleichnamige Roman von Patrick DeWitt
Kamera: Benoît Debie 
Musik: Alexandre Desplat
Schnitt: Juliette Welfling

Auszeichnungen:
IMDB: 9 Filmpreise und 16 Nominierungen
Wikipedia (Auszug)
Venedig 2018: Beste Regie ("Silberner Löwe"), Jacques Audiard

Darsteller:
Joaquin Phoenix (Charlie Sisters) · John C. Reilly (Eli Sisters) · Jake Gyllenhaal (John Morris) · Riz Ahmed (Hermann Kermit Warm) · Rutger Hauer (Commodore) · Carol Kane (Mrs. Sisters) · Rebecca Root (Mayfield) · Allison Tolman (Mädchen im Mayfield-Saloon) · Jóhannes Haukur Jóhannesson (Oberster Trapper) · Raymond Waring (Mayfield-Bartender)

FilmhomepageWikipedia

Kritiken:
Kritik von Alexandra Seitz im Filmmagazin EPD (5 von 5 Sternen)
Kritik von Franz Everschor im Filmdienst (3 von 5 Sternen)
Kritik von Dieter Oßwald auf Programmkino.de
Kritik von Katrin Hildebrand in der Filmgazette (ebenfalls in der KONKRET 03/2019)
Kritik von Verena Lueken in der FAZ
Kritik von Philipp Stadelmaier in der Süddeutschen Zeitung
Kritik von Marietta Steinhart in der Zeit
Kritik von Hans-Georg Rodek in der Welt
Kritik von Hannah Pilarczyk im Spiegel
Kritik von Andreas Busche im Tagesspiegel
Kritik von Fatma Aydemir in der taz
Kritik von Daniel Kothenschulte in der Frankfurter Rundschau
Kritik von Sonja Hartl auf Kino-Zeit.de
Kritik von Claire Schleeger auf artechock
Kritik von Rüdiger Suchsland auf artechock
Kritik von Till Kadritzke auf critic.de
Kritik von Oswald Iten auf Filmbuelletin

  
Trailer (117 Sekunden):


ausführliche Kritik Filmdienst 
Die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die während des Goldrausches von 1851 für einen skrupellosen Auftraggeber die Schmutzarbeit erledigen.

Über diesen Film als jüngste, von französischer Genre-Verehrung inspirierte Wiederbelebung des Westerns wird das Publikum kaum einer Meinung sein, was es da eigentlich gesehen hat. Einen „modernen“ revisionistischen Western? Eine moralgetränkte Variante des uralten Genres? Oder eine Komödie? Vielleicht ein bisschen von allem. Denn der Regisseur Jacques Audiard ist kein Filmemacher, der es dem Publikum leicht macht.

Auch wenn die Auftaktszene so dunkel ist, dass man kaum etwas anderes als die von überall her aufblitzenden Schüsse erkennen kann, enthält sie bereits den Kern des ganzen Films. Nachdem die Schießerei abebbt, ist der Boden mit Leichen gepflastert; ein Haus brennt lichterloh, fliehende Pferde rasen panisch davon. „Well, we fucked that up pretty good“, hört man da Eli sagen, den etwas sensibleren der Sister-Brüder.

Die Suche nach dem Gold

Eli (John C. Reilly) und Charlie (Joaquin Phoenix) haben in ihrer Jugend unter ihrem gewalttätigen Vater gelitten. Nun arbeiten sie für den „Commodore“, einen fast ganz in der Anonymität belassenen Geschäftsmann. Was sie für ihn zu erledigen haben, ist meist mit Blut getränkt. Diesmal sind sie unterwegs, um einen Privatdetektiv (Jake Gyllenhaal) zu treffen, der für den Commodore einen Chemiker aus dem Osten aufspüren soll. Dieser Mann hat offenbar die Formel für eine chemische Lösung ausgeknobelt, mit deren Hilfe die Auffindung von Gold ein Kinderspiel sein soll.

Man schreibt das Jahr 1851, und die Jagd nach dem Edelmetall ist in vollem Gange. Doch von Oregon aus, der Heimat von Eli und Charly, ist es ein weiter Weg bis in die kalifornischen Berge, und der Film nimmt sich einige Zeit für die Reise – das erlaubt es, die beiden besser kennenzulernen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.  Und weil sich Audiard gern mehr um das Innenleben der beiden Revolverhelden kümmert als um den Fortgang der Handlung, verharrt der Film über weite Strecken bei der Ausmalung ihrer gegensätzlichen Charaktere.

Der Western alter Art, vor allem der Western der John-Wayne-Zeit, ist fern. Die gelegentliche Action kommt kurz und brutal daher, die Enthüllung zweier Seelen hingegen mit fast zu viel Beharrlichkeit, als dass die ohnehin mäßig spannende Geschichte nicht über lange Zeit durchhängen würde.

Es geht um die Psyche der Westerner

Es ist klar, dass Audiard mehr als einen modernen Western im Sinne hatte. Wer die Geduld aufbringt, den Gesprächen der redseligen Helden seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, wird bemerken, dass es eher um eine Hinterfragung der vom Genrestandard meist ignorierten Psyche jener Männer geht, die das unwirtliche Land westlich des Mississippi im 19. Jahrhundert besiedelt haben.

Die Bilanz fällt ziemlich negativ aus, obwohl es John C. Reilly erlaubt ist, seine Figur mit zunehmend menschlichen Zügen auszustatten. Überraschend versöhnlich gerät der Schluss der Films, mit einer Rückkehr in die Arme einer Mutter.

Eine Kritik von Franz Everschor