Schulkino: Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus – Regisseur Thomas Tielsch stellt seinen Film persönlich bei uns vor

  Freitag, 15. Februar 2019 - 10:30 bis - 12:05




Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus
Otto Haessler Stiftung
In Kooperation mit der otto haesler initiative e.V.
Celle Tourismus und Marketing GmbH: Entdecken Sie Neues Bauen im Bauhausstil in Celle


Eintritt: 3,50 €

Deutschland 2018
Kinostart: 26. April 2018
94 Minuten
FSK: ab 0; f

Regie/Buch/Schnitt: Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch
Kamera: Niels Bolbrinker
Musik: Jarii van Gohl 

mit
Torsten Blume, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Stiftung Bauhaus Dessau
Rosan Bosch, Designerin, Gründerin des Rosan Bosch Studios Kopenhagen
Christian Mio Loclair, Tänzer, Choreograf
Stephen Kovats, Kultur- und Medienwissenschaftler, Stadtplaner und Architekt
Alfredo Brillembourg, Architekt (ETH Zürich), Gründer Urban-Think Tank
Hubert Klumpner, Architekt (ETH Zürich), Gründer Urban-Think Tank
Van Bo Le-Mentzel, Architekt und Designer  

Filmhomepage, Presseheft, alle Daten zum Film auf Filmportal.de

Kritiken:
Kritik von Jens Balkenborg im Filmmagazin EPD
Kritik von Luitgard Koch auf Programmkino.de
Kritik von Kerstin Decker im Tagesspiegel
Kritik von Falk Strau auf Kino-Zeit.de
Kritik von Wibke Weishaupt auf Kunst und Film
Kritik von Rüdiger Suchsland auf artechock
Kritik von Rüdiger Suchsland auf SWR2
Kritik von Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung

Schulmaterial:
Vision Kino
Filmtipp
pädagogisches Begleitmaterial
Kinofenster

An diesem Vormittag können wir zwischen 8 bis 13 Uhr Buchungen von Schulen entgegennehmen.
Der Regisseur wäre dann anwesend.
Schulmaterial steht auf der Webseite zum Download bereit.
Die pädagogische Empfehlung liegt ab 9. Klasse aufwärts.
FSK: ohne Altersbeschränkung,  Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Themen: Kunst, Technik/Neue Technologien, Erziehung, Politik, Gesellschaft, Stadt, Armut
Unterrichtsfächer: Kunst, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Politik, Geschichte

SPON: So cool ist das Bauhaus
  

Kurzkritik Filmdienst: 
Im Jahr 2019 jährt sich die Gründung der Bauhaus-Hochschule zum 100. Mal, die Kunst, Gestaltung, Handwerk und Industrie im Dienst an einer modernen Lebenswelt vereinen wollte. Der Dokumentarfilm rekapituliert die Geschichte der bedeutendsten deutschen Design- und Kunstschule und geht ihren vielfachen Einflüssen und Spuren in der Gegenwart nach.
Ab 14
Esther Buss

Trailer (99 Sekunden):


ausführliche Kritik Filmdienst
„Ich lasse nichts auf die Bauart von damals kommen. Es war eine große Sache“, erklärt Frau Anton in bestimmtem Tonfall und bekräftigt gleich noch mal: „Ich lassen nichts auf Gropius kommen.“ Die inzwischen sehr alte Dame ist als kleines Mädchen mit ihren Eltern aus einer dunklen Arbeiterwohnung in eines der kleinen Reihenhäuser der Siedlung Törten in Dessau gezogen. Zwischen 1926 und 1928 war die Siedlung unter der Leitung des Architekten Walter Gropius als Lösung für preisgünstigen Massenwohnungsbau konzipiert worden – mit Wohnungen, die Elemente wie Licht, Luft und Sonne in den Entwurf miteinbezogen. Alle Häuser verfügten über Nutzgärten zur Selbstversorgung durch Gemüseanbau und Kleintierhaltung. Frau Anton lebt noch immer in der Törten-Siedlung. Bei allem Respekt für Gropius räumt sie aber ein, dass die Frauen die puristischen Räume doch lieber mit einer Tapete dekoriert hätten. Während sie im Türrahmen steht, sieht man in ihrem Zuhause ein Stück geblümte Wand hervorblitzen.

Wie wenig der Bauhaus-Gedanke manch anderem gilt, zeigt hingegen das grob verunstaltete Häuschen eines auf sein Heimwerkertum stolzen Bewohners. Er hat die originalen Fenster herausgerissen und durch neue ersetzt, den Balkon entkernt und ein Wohnzimmer wie auch einen Schuppen angebaut.

2019 jährt sich die Gründung des Bauhaus zum 100. Mal. Das Jubiläum wird schon seit Monaten als das große Kulturereignis des kommenden Jahres beworben, mit zahlreichen An- und Neubauten von Museen, Sonderprogrammen, Buchveröffentlichungen und Filmen; so plant der Regisseur Lars Kraume sogar eine Fernsehserie. Auch die von Niels-Christian Bolbrinker und Thomas Tielsch realisierte Dokumentation „Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“ strahlt die Atmosphäre eines Jubiläumsprodukts aus. Trotz eines ambitionierten Ansatzes scheint auch bei ihnen immer wieder ein leicht werbender Tonfall durch. Allein die zahllosen, mit feierlichen Streicherklängen unterlegten Drohnenaufnahmen der historischen Gebäude stehen der überhöht-fluiden Ästhetik eines PR-Films weitaus näher, als dass sie die Bauhaus-Architektur körperlich erfahrbar machen.

1919 als Staatliches Bauhaus in Weimar gegründet, zog die experimentelle Hochschule 1925 nach Dessau, wo das nach Plänen von Gropius gebaute Schulgebäude für die Kunst-, Design- und Architekturschule entstand. Namhafte Künstler, Architekten und Gestalter wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer wurden als Lehrer für das Bauhaus gewonnen. Hier sollte aus der Verbindung von Handwerk, Kunst, Technik und Industrie eine moderne Lebenswelt gestaltet werden. 1933 schlossen die Nazis die Hochschule; viele Bauhaus-Mitglieder mussten emigrieren. Die frühzeitige Schließung konnte den Einfluss der bedeutendsten Design- und Kunstschule indes nicht aufhalten. Bis heute prägt das Bauhaus das Bild modernistischer Strömungen.

Bolbrinker und Tielsch rekapitulieren die Geschichte der legendären Institution, schauen aber mehr noch auf das kulturelle und städtebauliche Erbe des Bauhaus, von den technisierten Choreografien des Tänzers Christian Mio Loclair, der sich auf Kandinskys Formenlehre bezieht, über die von dem Architekten Van Bo Le-Mentzel konzipierte 100-Euro-Wohnung (ein 6,4 Quadratmeter großer Raum mit Küche, Bad, Büro und Schlafplatz) bis hin zu den innovativen Projekten des interdisziplinären Kollektivs Urban Think Tank, das in kolumbianischen Favelas die Infrastruktur mit Seilbahnen, Rolltreppen und öffentlichen Orten erschließt.

So interessant und erhellend diese vielseitigen Unternehmungen auch sind, hätte man sich mitunter doch eine etwas kritischere Auseinandersetzung gewünscht. Auf den ersten Blick wirkt die von der Designerin Rosan Bosch konzipierte Schule in Stockholm beispielsweise eher wie ein Paradies für Kinder: keine Klassenzimmer, ein „Blauer Berg“ als eine Art Piazza, separate Häuser und höhlenartige „cave spaces“ für Gespräche, ein kleiner Teppich, den man herumtragen und zum temporären Standort ausrollen kann. Die Schüler sollen aktiv sein, auf die Zukunft vorbereitet werden, Lernen muss motivieren, so Bosch. Wie sehr ihre Rhetorik Flexibilisierung und Selbstoptimierung idealisiert und einer neoliberalen Agenda das Wort redet, scheint dabei weder ihr noch den Filmemachern aufzufallen.

Eine Kritik von Esther Buss