Sauerkrautkoma (unser Beitrag zur Bayernwahl)

  Freitag, 12. Oktober 2018 - 20:30 bis - 22:15
Treffer: 293

Eintritt: 5,00 €

Komödie Deutschland 2018
Kinostart: 9. August 2018
97 Minuten
FSK: ab 12; f

Regie: Ed Herzog  
Drehbuch: Stefan Betz  
Vorlage: Rita Falk
Kamera: Sebastian Edschmid
Musik: Martin Probst
Schnitt: Stefan Essl

Darsteller:
Sebastian Bezzel (Franz Eberhofer) · Simon Schwarz (Rudi Birkenberger) · Lisa Maria Potthoff (Susi) · Eisi Gulp (Papa Eberhofer) · Siegfried Zimmerschied (Dienststellenleiter Moratschek) · Enzi Fuchs (Oma Eberhofer) · Nora Waldstätten (Thin Lizzy) · Philipp M. Franck (Damian) · Gerhard Wittmann (Leopold Eberhofer) · Gedeon Burkhard (Karl-Heinz Fleischmann) · Daniel Christensen (Flötzinger) · Max Schmidt (Wirt Wolfi) · Stephan Zinner (Metzger Simmerl)
 

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Franz-Eberhofer.de

Kritiken:
Kritik von Luitgard Koch auf Programmkino.de
Kritik von Philipp Bovermann in der Süddeutschen Zeitung
Kritik von Thomas Assheuer in der Zeit 
Kritik von Bianca Piringer auf Kino-Zeit.de
Kritik von Antje Wessels
Kritik von Oliver Armknecht auf Filmrezensionen.de
  
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Kurzkritik Filmdienst
In der fünften Verfilmung der Regionalkrimis von Rita Falk wird ein niederbayerischer Dorfpolizist nach München versetzt, wo er weder in der Wohnung seines Kumpels noch in der Mordkommission richtig heimisch wird. Als im Auto seines Vaters eine Leiche gefunden wird, kehrt er deshalb nur zu gerne in sein Dorf zurück, um die Ermittlungen zu übernehmen. Routinierte Krimikomödie, die zwar Klischees weitgehend vermeidet, es aber auch nicht zu hintergründigem Charme bringt. Spielfreudig und komisch präsentiert sich erneut das hervorragende Ensemble.
Julia Teichmann

Trailer (178 Sekunden):


ausführliche Kritik Filmdienst

So muss die Hölle aussehen. Es hat ja ein jeder irgendwie seine persönliche Hölle; und die Polizeiinspektion in München kommt derjenigen von Franz Eberhofer wohl ziemlich nahe. Es könnte sich bei der Mordkommission in der großen Stadt auch um ein hippes Architekturbüro handeln: Junge, modisch gekleidete Menschen stehen an weißen Tischen, gedämpftes Sprechen bricht sich in loftartigem Ambiente, stromlinienförmige Laptops runden das Bild ab. Eberhofer, der hier seine Leberkässemmel nebst Senf auspackt, wirkt wie das – staunend beäugte – Relikt einer vorsintflutlichen Vergangenheit.

„Sauerkrautkoma“, die fünfte Verfilmung eines Regionalkrimis der Bestsellerautorin Rita Falk, beginnt mit der Beförderung der Hauptfigur Franz Eberhofer. Von Niederkaltenkirchen nach München zur Mordkommission – eine steile Karriere. Er wolle doch nicht etwa hier weiterhin „seine Zeit verplempern“, frohlockt sein Intimfeind, der Bürgermeister. Doch genau das war natürlich der Plan. Effektive Teamarbeit dagegen, gegebenenfalls sogar am Computer, liegt dem Dorfpolizisten von lakonischer Leidenschaftlichkeit eher nicht, noch dazu unter dem strengen Regiment der von Nora Waldstätten vorbildlich biestig verkörperten Kommissarin „Thin Lizzy“. Die Beförderung ist also eine notdürftig maskierte Strafversetzung. „Sauerkrautkoma“ dreht sich im Wesentlichen darum, wie der Topf Franz Eberhofer wieder zu seinem Deckel Niederkaltenkirchen kommt ­– oder andersherum.

Das Personal ist bekannt: Der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsene Sebastian Bezzel spielt kongenial komisch den Franz Eberhofer, der Österreicher Simon Schwarz den mäßig erfolgreichen und umso höher stapelnden Privatermittler Rudi Birkenberger. Zunächst stehen die beiden im Zentrum, kommt doch der frisch versetzte Eberhofer notbehelfsmäßig bei seinem Kumpel in einer sündhaft teuren, gleichwohl insgesamt gewöhnungsbedürftigen Wohnung unter. Es gibt Dosenravioli und ein Fass titelgebendes Sauerkraut von der Oma. Das Crocodile-Dundee-Potential, das dieses ungleiche Gespann in der Großstadt hat, wird allerdings nicht ausgeschöpft, der „Clash of Cultures“ fällt zu brav und ein wenig zäh aus.

„Dampfnudelblues“  Teil eins der Reihe, war hinreißend charmant, Teil zwei („Winterkartoffelknödel“) und drei („Schweinskopf al dente“) rutschten ab ins Bayernklamaukige. „Grießnockerlaffäre“ konnte schließlich wieder an „Dampfnudelblues“ anknüpfen, der Kriminalfall wurde ernst genommen und offenbarte Abgründe in der ländlichen Idylle – die Balance zwischen Tragik und Komik gelang und Bezzel bekam viel Raum, sein Potential auszuspielen.

Auf Klamauk baut „Sauerkrautkoma“ nicht. Aber es wird nicht so ganz klar, auf was der Film stattdessen setzt (ausgenommen auf Bezzel natürlich, der auch schon die Klamauk-Orgien gerettet hatte) und wo der Film hin will. Der Kriminalfall entfaltet sich wie in „Grießnockerlaffäre“ im ländlichen Milieu, entwirrt sich aber eher unspektakulär. Bleiben neben dem erwähnten „Clash of Cultures“ noch die privaten Verstrickungen: Während Eberhofers Freunde in biergeschwängerten Aktionen versuchen, die Verbrechensrate in Niederkaltenkirchen nach oben zu treiben, um ihren Kumpel endlich aus München zurückzuholen, muss Eberhofer um seine Susi kämpfen, die von einem reichen Schönling im pfirsichfarbenen Anzug umworben wird. Das ist alles recht nett, aber auch berechenbar. Überraschungen, unerwartete Pointen gibt es hier kaum. Das mag mit der Buchvorlage zusammenhängen – doch hätte es ja vermeintlich genügend filmisch ausbaufähiges Potenzial gegeben.              

Trotzdem ist „Sauerkrautkoma“ durchaus sehenswert. Das ist neben Sebastian Bezzel auch Simon Schwarz, Eisi Gulp (als Eberhofers kiffender Vater) und dem übrigen Ensemble zu verdanken. Es macht einfach Spaß, ihnen beim Spielen zuzuschauen. Selbst wenn die Witze schon mal mehr gezündet haben und die Dramaturgie schlüssiger respektive entschlossener daherkam. Außerdem bleibt ja die Hoffnung: auf Teil sechs mit dem vielversprechenden Titel „Leberkäsjunkie“.
Julia Teichmann