Swimming with men

  Freitag, 07. September 2018 - 20:30 bis - 22:30
Treffer: 264

Kritik des Filmkritikers Bert Rebhandl auf der Webseite der FAZ (188 Sekunden):

Eintritt: 5,00 €

Komödie Großbritannien 2018
Kinostart:  7. Juni 2018
103 Minuten
FSK: ab 0; f

Regie: Oliver Parker
Kamera: David Raedeker
Musik: Charlie Mole 
Schnitt: Liana Del Giudice 

Darsteller:
Rob Brydon (Eric) · Adeel Akhtar (Kurt) · Daniel Mays (Colin) · Jim Carter (Ted) · Rupert Graves (Luke) · Thomas Turgoose (Tom) · Charlotte Riley (Susan) · Jane Horrocks (Heather) · Nathaniel Parker (Lewis) · Christian Rubeck (Jonas)
 

Filmhomepage 

positive Kritiken:
Kritik von Alexandra Seitz im Filmmagazin EPD (4 von 5 Sternen)
Kritik von Dieter Oßwald auf Programmkino.de
Kritik von Bert Rebhandl in der FAZ
Kritik von Dörthe Gromes auf der Webseite Kunst und Film 

negative Kritiken:
Kritik von Jenni Zylka in der taz
Kritik von Simon Hauck auf Kino-Zeit.de
  
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Kurzkritik Filmdienst
Ein Steuerberater in der Midlife-Crisis schließt sich einer Gruppe von männlichen Synchronschwimmern an und bereitet sich mit ihnen auf die Weltmeisterschaft in Mailand vor. Die vorhersehbare und nur leidlich unterhaltsame Komödie nutzt den exotischen Sport als Metapher für Selbstbestätigung, Freundschaft und Toleranz, ohne diese Bedeutungsebenen konsequent auf die Figuren zu übertragen. Die einzelnen Charaktere bleiben lange verschlossen und auch die sportlichen Fortschritte der Männer sind eher Behauptungen des Drehbuchs, als dass sie sich in den Bildern manifestieren würden.
Jens Hinrichsen

Trailer (108 Sekunden):


ausführliche Kritik Filmdienst
Eric steckt in der Midlife-Crisis. Mit Anfang 40 hat er es nur zum gehobenen Steuerberater im Zentrum Londons gebracht. Seine Frau Heather hingegen engagiert sich erfolgreich in der Lokalpolitik und wurde in den Gemeinderat des Vororts gewählt, in dem sie leben. Erics einzige Leidenschaft ist das Schwimmen. Als er eines Abends im Hallenbad seine Bahnen zieht, fallen ihm sieben Männer auf, die sich als Synchronschwimmer versuchen. Sonderlich elegant sieht das nicht aus: kein Rhythmus, keine Leichtigkeit, jede halbwegs kunstvolle Schwebefigur fällt ins Wasser. Von der Symmetrie ganz zu schweigen: Sieben Männer, das ist entweder einer zu viel oder einer zu wenig; so landet Eric unversehens bei der illustren Truppe.

Zeit mitzumachen hat er genug: Wegen seiner Weigerung, die Steuern eines wichtigen Klienten zu frisieren, ist Eric seinen Job los, und wegen einer vermeintlichen Affäre hat er seine Frau verlassen. Susan, eine erfahrene Synchronschwimmerin, nimmt die acht Kerle unter ihre Fittiche, um ihnen Ausdauer, Musikgefühl und Beweglichkeit anzutrainieren. Ihr Ziel: die Synchronschwimm-Weltmeisterschaft der Männer in Mailand.

Nicht alles, was Männer so treiben, ist schön anzuschauen, und Synchronschwimmen gehört sicherlich nicht dazu. Wenn muskulöse, beharrte Männerbeine in die Höhe schnellen, ist das zunächst keine Attraktion. Synchronschwimmen hat mit Anmut, Grazie und Eleganz zu tun – Eigenschaften, die gemeinhin als „feminin“ gelten. Vielleicht ist aus diesem Grund nur das Synchronschwimmen der Frauen als olympische Disziplin zugelassen.

In dem Film von Oliver Parker kommt dem exotischen Sport eine andere Funktion zu – als Surrogat für Versagenserlebnisse: Acht Männer, die beruflich und privat in der Krise stecken, suchen an einem anderen Ort, an dem Arbeitskollegen und Familienmitglieder ausgeschlossen sind, nach Selbstbestätigung.

Mehr noch: Synchronschwimmen ist ein Mannschaftsport. Geselligkeit und Freundschaft, Zusammenhalt und das gemeinschaftliche Erreichen eines Ziels stehen im Vordergrund. Sobald auch nur einer ausschert, ist es mit der Synchronizität vorbei. Und da es eine vermeintlich feminine Sportart ist, geht es auch um Gleichberechtigung und Toleranz.

Dem Drehbuch von Aschlin Ditta gelingt es allerdings nicht, diese starke Metapher mit ihren vielen Bedeutungsebenen konsequent auf das Figurenensemble zu übertragen. Die einzelnen Männer sind nur Typen, die einander nicht näherkommen, zumal sie sich ein Schweigegelübde über ihre Vergangenheit auferlegt haben. Sehr viel Sinn macht das nicht. So kristallisieren sich erst gegen Ende so etwas wie Charakterkonturen heraus; und Fehlentscheidungen und Verletzungen manifestieren sich nur in ihren Lebensläufen.

Darüber hinaus zwingt die Regie dem Zuschauer einige unerklärliche Setzungen auf. So wird beispielsweise nicht ersichtlich, warum Eric seine Frau verlässt. Für einen Seitensprung gibt es keine Anzeichen. Die sportliche Wettbewerbssituation hingegen steckt voller Behauptungen, die von den Bildern und Dialogen nicht gestützt werden. Die acht Männer trainieren zu wenig, sie machen zu viele Fehler, sie haben zu wenig Zeit für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Trotzdem gelingt ihnen ebenso absehbar wie überraschungslos ein Achtungserfolg. Und dass die Truppe ihren ersten öffentlichen Auftritt bei einem Kindergeburtstag absolviert, ist so irritierend wie bizarr. Damit nicht genug: Susans Kolleginnen führen quasi als Kontrast parallel ein perfektes Wasserballett auf. Der direkte Vergleich führt die Bemühungen der Männer vollends ad absurdum. Eine ähnlich gelagerte Komödie aus Schweden, „Männer im Wasser“ (fd 40 016) von Måns Herngren, weckte da sehr viel mehr Verständnis für Männer, die in eine Frauendomäne einbrechen.
Michael Ranze