A Sad and Beautiful World

A Sad and Beautiful World

  Mittwoch, 28. Oktober 2026 - 19:30 bis - 21:20

Ort: Kino achteinhalb

http://www.neuevisionen.de/de/filme/a-sad-and-beautiful-world-187

Kategorien: romantische Liebeskomoedie , Libanon

Treffer: 8


 

Eintritt: 7,50 Euro

Libanon/USA/Deutschland 2025   
Kinostart: 20. August 2026
110 Minuten
FSK: ab 14 Jahren

Regie/Drehbuch: Cyril Aris   

Darsteller:
Mounia Akl (Yasmina) · Hasan Akil (Nino) · Julia Kassar (Oumaya) · Camille Salameh (Antoine) · Tino Karam (Chafic) · Nadyn Chalhoub (Leila) · Valentina Hachem (Amal) · Alex Choueiry (junge Yasmina) 

Filmwebseite 
Wikipedia, Presseheft, alle Daten zum Film auf Filmportal.de  

Gedanken zum Film auf Basis der hier verlinkten Filmkritiken:

Eine Liebesgeschichte und ein Land

Yasmina und Nino werden während des libanesischen Bürgerkriegs im selben Krankenhaus in Beirut geboren, nur wenige Augenblicke voneinander entfernt. Als Kinder lernen sie sich kennen und entwickeln eine eigene Fantasiewelt. Dann trennen sich ihre Wege. Erst viele Jahre später begegnen sie sich wieder.

Nino ist inzwischen Besitzer eines Restaurants. Er ist trotz allem überzeugt, dass man im Libanon leben kann. Yasmina dagegen hat Karriere gemacht und steht kurz davor, das Land zu verlassen. Sie sieht die Dinge nüchterner und ist von den Erfahrungen ihrer Kindheit geprägt.

Damit stehen sich nicht einfach zwei unterschiedliche Charaktere gegenüber. Nino und Yasmina verkörpern zwei Möglichkeiten, mit einem Land zu leben, das einem immer wieder Gründe gibt zu gehen und trotzdem Heimat bleibt.

Der Regisseur Cyril Aris spricht im Gespräch mit der FAZ selbst von einem „bipolaren“ Libanon: auf der einen Seite Lebensfreude, auf der anderen Gewalt und Traurigkeit. Beides existiert gleichzeitig. Genau diese Gleichzeitigkeit ist ein Schlüssel zum Film.

Das Schöne und das Schreckliche

Der Titel ist deshalb ziemlich wörtlich zu nehmen: A Sad and Beautiful World.

Aris versucht nicht, die Schönheit des Libanon gegen seine politische Realität auszuspielen. Der Film macht vielmehr beides gleichzeitig sichtbar. Yasmina und Nino können verliebt durch Beirut laufen, miteinander scherzen und sich über Kleinigkeiten streiten – während im Hintergrund die Folgen von Krieg und wirtschaftlichem Zusammenbruch präsent bleiben.

Der Filmdienst beschreibt diese Verbindung als ein Nebeneinander von romantischen Gefühlen, Situationskomik und dem Alltag eines Landes in der Krise. Der politische Zustand wird dabei nicht zum eigentlichen Gegenstand des Films. Er bestimmt vielmehr die Lebensmöglichkeiten der Figuren. 

Das lässt sich an vielen scheinbar nebensächlichen Dingen beobachten: Stromausfälle, geschlossene Banken, steigende Preise, fehlende Lebensmittel oder Schwierigkeiten, einen Pass zu bekommen. Der Krieg wird nicht ständig gezeigt. Er ist einfach Teil der Welt, in der diese Menschen leben.

Gehen oder bleiben?

Die eigentliche Frage des Films lautet deshalb vielleicht weniger: Kann diese Liebe funktionieren? Sondern: Wie lebt man in einem Land, in dem man keine verlässliche Zukunft erwarten kann?

Yasmina möchte weg. Nino möchte bleiben. Beide haben gute Gründe. Interessant ist dabei, dass der Film keinen von beiden als den Vernünftigeren ausstellt. Yasminas Wunsch nach Sicherheit und einem anderen Leben ist ebenso verständlich wie Ninos Verbundenheit mit Beirut. Der Film macht daraus auch keine politische Debatte. Er lässt diese unterschiedlichen Haltungen in der Liebesgeschichte aufeinanderprallen. Das ist eine der Stärken des Films: Die großen Fragen – Krieg, Migration, wirtschaftlicher Zusammenbruch, Heimat – werden nicht in langen Gesprächen abgehandelt. Sie tauchen im Leben der beiden auf.

Phantasie als Schutz

Schon als Kinder schaffen sich Yasmina und Nino eine eigene Gegenwelt. Sie stellen sich einen imaginären Zug vor, der sie aus dem Libanon wegführt. Die kindliche Phantasie ist dabei nicht bloß eine hübsche Erinnerung. Sie wird zu einer Möglichkeit, mit einer Wirklichkeit umzugehen, die sich kaum verändern lässt.

Auch als Erwachsene bleiben in dem Film solche Inseln der Phantasie, der Liebe und des Humors erhalten. Anke Sterneborg beschreibt sie bei radio3 ausdrücklich als eine Art Schutzschild gegen die Dunkelheit. Gleichzeitig bleibt die Realität immer präsent. Das ist wichtig, weil „A Sad and Beautiful World“ dadurch kein Eskapismus wird. Der Film sagt nicht: Liebe und Humor machen die Welt wieder gut.
Eher das Gegenteil: Vielleicht braucht man Liebe, Humor und Fantasie gerade deshalb, weil die Welt nicht gut ist.

Ein Film, der während eines Krieges entstand

Besonders interessant wird der Film, wenn man weiß, unter welchen Umständen er gedreht wurde. Regisseur Aris begann bereits 2019, an der Geschichte zu arbeiten. Dann kamen die Finanzkrise, die Explosion im Hafen von Beirut 2020 und schließlich der neue Krieg hinzu. Was zunächst eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer schwierigen politischen Situation sein sollte, wurde von der Wirklichkeit immer wieder eingeholt.

Gedreht wurde tatsächlich in Beirut. Während der Produktion wurde der Süden des Libanon bombardiert, Drehorte mussten aufgegeben werden. Aris erzählt im FAZ-Interview sogar davon, dass während der Dreharbeiten ständig Drohnen und Kampfjets zu hören waren. 
Das verändert den Blick auf den Film. Denn wenn Nino und Yasmina im Film versuchen, einen normalen Alltag zu leben, ist dieser Alltag nicht erfunden. Die Situation, gegen die sie sich behaupten müssen, war für die Menschen hinter der Kamera selbst Realität.

Besonders schön ist deshalb eine Bemerkung des Regisseurs: Während der Dreharbeiten erwartete seine Frau ihr erstes Kind. Am letzten Drehtag wurde sein Sohn geboren. Für ihn war das eine persönliche Antwort auf die zentrale Frage des Films, ob man dieser Welt noch Kinder zumuten kann.

Die Form erzählt mit

Auch formal lohnt es sich, genauer hinzusehen. 
Die Geschichte erstreckt sich über etwa drei Jahrzehnte und wird nicht einfach chronologisch erzählt. Der Film bewegt sich zwischen Kindheit, dem Wiedersehen der beiden als Erwachsene und ihrer späteren Beziehung. 
Die Kindheit ist dabei anders gefilmt als die Gegenwart. Der Filmdienst weist darauf hin, dass sich die Zeitebenen nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch Stimmung, Kamera und Farbgebung unterscheiden. 
Aris kommt vom Dokumentarfilm, und diese Herkunft ist spürbar. Die politische Wirklichkeit wirkt nicht wie eine Kulisse, die für die Liebesgeschichte aufgebaut wurde. Sie scheint in die Geschichte hineinzuwachsen. 
Das erklärt vielleicht auch, warum der Film trotz seiner romantischen Grundhaltung nicht wie eine gewöhnliche Liebeskomödie wirkt.

Und dann ist da noch die Küche

Ein schönes Detail, auf das man achten kann, ist Ninos Restaurant. 
Es ist zunächst einfach sein Arbeitsplatz und ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Doch die Küche wird zunehmend zu einem Bild für sein Verhältnis zum Libanon. Hier wird Wissen weitergegeben, hier treffen Menschen aufeinander, hier wird etwas bewahrt – und zugleich gerät dieser Ort durch die wirtschaftliche Situation immer stärker unter Druck.
Die FAZ bezeichnet die Küche sogar ausdrücklich als Symbolbild für die Generation von Nino und Yasmina.

„A Sad and Beautiful World“ gewann bei den Filmfestspielen von Venedig 2025  den Publikumspreis der Sektion Giornate degli Autori. 
Dass der Film beim Publikum so gut funktioniert, überrascht nicht. Er erzählt von Krieg und Krise, ohne den Zuschauer ständig mit deren Schrecken zu konfrontieren. Er erzählt von Verlust und Flucht, aber ebenso von Essen, Musik, Humor, Sex, Streit und Verliebtheit.

Das ist vielleicht die eigentliche Besonderheit dieses Films: Er zeigt ein Leben, in dem die Katastrophe nicht alles verdrängt. 
Die Menschen lachen trotzdem. Sie verlieben sich. Sie kochen. Sie machen Pläne. 

Kritiken: 
Kritik von Britta Schmeis für EPD-Film (4 von 5 Sternen)
Kritik von Christian Horn für den Filmdienst (3,5 von 5 Sternen) 
Kritik von Andreas Köhnemann für Kino-Zeit.de (4 von 5 Sternen) 
Kritik von Markus Solty für Filmrezensionen.de (8 von 10 Sternen) 
Kritik von Peter Osteried für Programmkino.de 
Kritik von Falk Straub für Spielfilm.de 
Kritik von Michael Pekler für die Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft
Kritik von Anna Wollner für NDR-Kultur 
Kritik von Pamela Jahn für Kunst und Film (4 von 6 Sternen) 
Kritik von Anke Sterneborg für radio3 (4 von 5 Sternen) 
Kritik von Antonia Krinninger für die FAZ 

Filmtipp von 3sat  Kulturzeit 
Interview mit Regisseur Cyril Aris für ND-aktuell  
Interview von Mariam Schaghaghi mit Regisseur Cyril Aris für die FAZ

schulpädagogisches Material:
Filmtipp von Vision Kino

Trailer (110 Sekunden): 

   

Ausführliche Kritik von Christian Horn für den Fi
lmdienst: 
Eine sich über drei Jahrzehnte entfaltende Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Mann, in deren Beziehung sich immer wieder auch die krisenhafte Geschichte des Libanon spiegelt. 

Das werden alle sagen: Der Titel „A Sad and Beautiful World“ passt perfekt zu diesem Liebesfilm. Denn die zunächst allgemeingültige Wendung von einer schönen und zugleich traurigen Welt durchzieht jede Szene, Wendung, Interaktion des Films. Das Schöne und das Tragische wechseln sich nicht nur ab, sondern finden in der Beziehung der gegensätzlichen Hauptfiguren gleichzeitig statt. Der libanesische Filmemacher Cyril Aris nutzt die Konstellation als Metapher für das Leben im zerrütteten Libanon, der ein gescheiterter Staat ist, aber auch Heimat.

Mit nur einer Minute Abstand geboren

Während draußen der Bürgerkrieg tobt, kommen Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) mit nur einer Minute Abstand im selben Beiruter Krankenhaus auf die Welt. Im Grundschulalter freunden sie sich an, empfinden bald eine erste Verliebtheit füreinander und verlieren sich dann im Zuge familiärer Umbrüche aus den Augen. Viele Jahre später treffen die beiden als Erwachsene zufällig wieder aufeinander. Nino, der inzwischen das Restaurant seiner verstorbenen Eltern betreibt, erkennt die karriereorientierte Yasmina zuerst wieder. Der trotz allem optimistische Nino sieht das Gute im Libanon und hofft auf eine Besserung der Umstände, die desillusionierte Yasmina steht hingegen kurz davor, das Land zu verlassen. Trotzdem sprühen die Funken. Der Auftakt einer Liebe, in der sich die unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben und der Heimat immer wieder aneinanderreiben.

Über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten folgen Cyril Aris und die Co-Autorin Bane Fakih dem Leinwandpaar. Die Erzählung entfaltet sich nicht chronologisch, sondern abwechselnd auf drei Zeitebenen: Die Kindheit und das erste Kennenlernen im Krieg, das erneute Aufeinandertreffen und die frische Liebe, zuletzt eine Beziehungskrise in der Gegenwart des Films.

Klar unterscheidbar sind die eingestreuten Rückblenden in die Kindheit, die immer wieder aufzeigen, wie frühe Traumata das spätere Leben prägen. „Bitte kein Krieg“, fleht die zusammengekauerte Yasmina als Mädchen, als sie ein Feuerwerk hört; als Erwachsene schreckt sie bei einem Überschallknall zusammen, den sie mit einem israelischen Angriff verwechselt. Die anderen beiden Ebenen sind subtiler voneinander getrennt, vor allem durch die gesetztere Stimmung im letzten Segment, die sich ästhetisch in einer nun oft statischen und distanzierten Kamera und einer gedeckten Farbgebung ausdrückt.

Mal läuft es besser, mal schlechter

Die krisenhafte Geschichte des Libanon ist als Hintergrund der Romanze stets präsent, steht aber nie im Vordergrund. Der Wirtschaftskollaps und die politischen Verwerfungen spiegeln sich beispielsweise in Ninos Restaurant, das mal besser, mal schlechter läuft und schließlich in seiner Existenz bedroht ist. Mehrfach wird erwähnt, dass es nachts keinen Strom gibt, einmal im Film machen alle Banken dicht, später muss Yasmina tagelang anstehen, um einen Pass zu organisieren.

Schon der dramatische Auftakt zeigt, wie die politischen Krisen die Lebenswege von Yasmina und Nino beeinflussen: Kurz vor der Geburt der beiden explodiert eine Bombe, danach verweben dokumentarische Archivbilder die Kindheit mit dem Kriegsgeschehen. In den Krisenerfahrungen, darunter auch der Verlust der Eltern, wurzelt der Grundkonflikt des späteren Liebespaars. „Mach dir keine Sorgen“, beschwichtigt Nino immer wieder, während Yasmina woanders neu anfangen will.

Ein Feelgood-Film in einem deprimierenden Rahmen

„A Sad and Beautiful World“ fühlt sich wie ein dem Leben zugewandter Feelgood-Film an, der aber in einem deprimierenden Rahmen spielt. Es gibt viele glückliche Augenblicke voller Situationskomik, intimer Nähe, sprühender Liebe – andererseits regelmäßig Ereignisse, die auf den Boden der Tatsachen schmettern. Wenn Yasmina für Nino ihren Flug nach Europa sausen lässt und ihn beim Liebesgeständnis mit Tellern bewirft, bringt das die zwischenmenschliche Spannung auf den Punkt – die beiden sind wie Magnete, die sich gleichermaßen anziehen und abstoßen.

Besonders in Erinnerung bleiben einige cineastisch mitreißende Momente, in denen die Verliebten wie in den Filmen der Nouvelle Vague die Straße entlanglaufen oder Aris einen Shuttereffekt einsetzt, der an die Handschrift von Wong Kar-wai erinnert. Die oft warme Farbgebung und das offenherzige Bekenntnis zur Romantik lässt auch an „Im Juli“ und „Solino“ von Fatih Akin denken. Dass die Musik etwas zu häufig als Gefühlsverstärker dient und die Geschichte zwischendurch stagniert, lässt sich leicht verschmerzen. Auch weil jederzeit durchscheint, dass Aris das Kino liebt.

Eine große Liebe, die mit den Verhältnissen ringt

Sein Film erzählt von Zufall und Schicksal, von Verlusten, dem Alltag in einem kaputten Land, das schön sein kann, und von einer großen Liebe, die mit den Verhältnissen ringt. Nicht zuletzt die wunderbar natürlich wirkende Dynamik zwischen dem Schauspielduo Mounia Akl und Hasan Akil trägt zum Charme bei. Wenn die beiden spielerisch miteinander flirten, sich lieben oder streiten und dann doch gemeinsam durch das Chaos schreiten, knistert es gewaltig auf der Leinwand. Ein vermeintlich kleiner Film, der großes Kino ist.