The Piano Tuner (Der Klavierstimmer)

The Piano Tuner (Der Klavierstimmer)

  Mittwoch, 21. Oktober 2026 - 19:30 bis - 21:20

Ort: Kino achteinhalb

Kategorien: Kanada

Treffer: 38




arteshot (6 Minuten)
Filmgespräch zwischen Roderich Fabian und Axel Timo Purr:

 

Eintritt: 7,50 Euro

Kanada 2026   
Kinostart: 2. Juli 2026
108 Minuten
FSK: ab 14 Jahren

Regie/Drehbuch: Daniel Roher   

Darsteller:
Leo Woodall (Niki White) · Dustin Hoffman (Harry Horowitz) · Havana Rose Liu (Ruthie) · Jean Reno (Marius Maissner) · Lior Raz (Uri) · Tovah Feldshuh (Marla) · Nissan Sakira (Benny) · Gil Cohen (Yoni) · C.S. Lee (Yong) · Ellyn Jameson (Ellyn) · Jean Yoon (Dr. Madeline Richard) 
 
Wikipedia  
 

Kritiken: 
Kritik von Anke Sterneborg für EPD-Film (5 von 5 Sternen)
Kritik von Michael Ranze für den Filmdienst (4 von 5 Sternen) 
Kritik von Ursula Kähler für den Cicero 
Kritik von für Kino-Zeit.de (von 5 Sternen) 
Kritik von für Filmrezensionen.de  
Kritik von für Programmkino.de 
Kritik von für die Welt 
Kritik von Jörg Brandes für die CZ (RND/Madsack/HAZ)
 
Trailer (6 Minuten): 

     

Ausführliche Kritik von Michael Ranze für den Fi
lmdienst
Kriminaldrama um einen Klavierstimmer mit überempfindlichem Gehör, der sich auch als begnadeter Safeknacker erweist.

Beim Stimmen eines Pianos gehe es nicht um den einen perfekten Ton, sagt der Klavierstimmer Niki White (Leo Woodall) zu einer jungen Pianistin. Zudem lasse sich Perfektion nie erreichen. Es gehe vielmehr um das Zusammenspiel mit den anderen 87 Tasten. „Ein Piano zu stimmen, bedeutet, Harmonie ins Chaos zu bringen.“ Ein bisschen gilt das auch für „The Piano Tuner“. Der Dokumentarfilmer Daniel Roher, der 2023 einen „Oscar“ für „Nawalny“ gewann, erzählt in seinem Spielfilmdebüt ein Drama, eine Liebesgeschichte und einen Krimi. Dabei verknüpft er die einzelnen Handlungsstränge geschickt zu einem unterhaltsamen Ganzen, weshalb man am Ende zufrieden das Kino verlässt.

Safeknacken mit absolutem Gehör

Niki ist ein schüchterner junger Mann, der an einer besonderen Krankheit leidet. Seine Ohren sind so empfindlich, dass er zu jeder Tageszeit Kopfhörer tragen muss, um sich vor Lärm zu schützen. Deswegen musste er eine vielversprechende Karriere als Pianist aufgeben. Er hat jedoch das absolute Gehör; er kann jede Note, auch in einem Akkord, auf Anhieb erkennen. Als Pianostimmer ist er darum ein Vollprofi, der für jedes Problem eine Lösung findet. Zusammen mit seinem väterlichen Freund Harry Horowitz (Dustin Hoffman) fährt er, in einer schnellen Abfolge von kurzen Szenen, von Kunde zu Kunde. Als Harry einmal die Kombination für seinen Privatsafe vergisst, knackt ihn Niki wie selbstverständlich, dank seines übersensiblen Gehörs.

Es ist eine Entdeckung, die ihn mit osteuropäischen Safeknackern, die sich zunächst frech als Sicherheitsexperten ausgeben, in Kontakt bringt. Sie folgen einer eigenwilligen Philosophie: Ihre Opfer seien so reich, dass sie gar nicht merken, wenn im Safe etwas fehle. Man dürfe nur nicht alles nehmen. Zwischenzeitlich hat Niki die brillante Pianistin Ruthie (Havana Rose Liu) kennengelernt, die für eine wichtige Prüfung übt und eine Komponistin werden will. Vom neuen Hobby ihres Freundes ahnt sie nichts. Als Zuschauer aber weiß man, dass das Abgleiten in die Kriminalität nicht unentdeckt bleiben kann.

Ebenso ungewöhnlich wie originell

Ein junger Mann versucht, sein Privatleben mit seinen kriminellen Aktivitäten in Einklang zu bringen. Was zunächst nach vertrautem Genremuster klingt, entfaltet unter der Regie von Daniel Roher einen ganz eigenen Charme. Die Erzählprämisse eines zwar behinderten, gleichwohl genialen Klavierstimmers ist ebenso ungewöhnlich wie originell, und das Kennenlernen zwischen Niki und Ruthie sprüht nur so vor Kratzbürstigkeit. Die kurzen Vignetten reicher, aber desinteressierter oder schlecht gelaunter Pianobesitzer sind an Ironie kaum zu überbieten. Zudem verleiht ihnen der Cutter Greg O’Bryant einen fast schon schlafwandlerischen Rhythmus und hält die Erzählfäden geschickt zusammen.

Mit dem Auftritt der osteuropäischen Gangster, die keinen Spaß verstehen, bekommt der Film dann eine düstere, sogar brutale Note. Niki hat sich zwar auf die schiefe Bahn begeben, doch er versucht, mit Nina Simones berühmtem Song „Sinnerman“ auf der Tonspur, seine Fehler wieder einzurenken. Darum kann man sich weiter mit ihm identifizieren, was auch am klug geschriebenen Drehbuch liegt. Übrigens brauchen auch berühmte Pianisten einen Klavierstimmer; deshalb ist die 86-jährige Jazzlegende Herbie Hancock kurz in einer Szene zu sehen.

Mit kauzigem Humor

„The Piano Tuner“ ist überdies eine anrührende Hommage an Dustin Hoffman, der 2027 seinen 90. Geburtstag feiert und dann auf 60 Jahre im Filmgeschäft zurückblickt. Wie er hier in einer schönen Nebenrolle seinem jungen Kollegen einfach das Feld überlässt, mit kauzigem Humor brilliert und auch als Katalysator für die Liebesgeschichte fungiert („Jetzt trag ihr doch endlich die Bücher nach Hause!“), ist umwerfend gespielt. Hoffman ist so etwas wie der bescheidene Star dieses Films, und darum ist sein dreidimensionales Konterfei gelegentlich als Wackeldackel im Firmenwagen zu sehen.