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achteinhalb
Kino & Kultur e.V.
FREITAG 19. Dezember um 20.30 Uhr SAMSTAG 20. Dezember um 20.30 Uhr
Eintritt: 5,00 Euro
50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.
Der Mitinhaber einer Firma in Genua wird von seinen Partnern aus dem Job gedrängt, wodurch er und seine Ehefrau finanziell in solche Nöte geraten, dass sie ihre luxuriöse Wohnung verkaufen und in die Vorstadt ziehen müssen. Während es der Frau gelingt, auf die veränderten Lebensumstände zu reagieren, verliert der Ex-Manager zwischen Wut und Selbstmitleid zunehmend die Orientierung. Präzise beobachtetes Sozialdrama, das den Folgen sozialer Deklassierung in feinen Nuancen nachspürt, ohne fatalistisch zu sein.
Italien/Schweiz 2007 Originaltitel: Giorni e Nuvole Kinostart: 9. Oktober 2008 Erstaufführung: 3.4.2008 Schweiz Länge: 115 Minuten Verleih: Movienet
Regie: Silvio Soldini Buch: Doriana Leondeff, Francesco Piccolo, Federica Pontremoli, Silvio Soldini Kamera: Ramiro Civit Musik: Giovanni Venosta Schnitt: Carlotta Cristiani Darsteller: Margherita Buy (Elsa), Antonio Albanese (Michele), Giuseppe Battiston (Vito), Alba Rohrwacher (Alice), Carla Signoris (Nadia), Fabio Troiano (Riki), Paolo Sassanelli (Salviati), Arnaldo Ninchi (Micheles Vater), Antonio Francini (Luciano)
Film-Info vom deutschen Verleih mit Trailer (movienet)
WIKIPEDIA über Silvio Soldini über Giuseppe Battiston
Der Himmel hängt schwer über Genua, dicht gestaffelte Wolken tauchen das Panorama in diffuses Licht. Vom metaphorischen Gehalt der Eröffnungssequenz hat das illustre Auditorium (noch) keine Ahnung, vor dem Elsa, eine elegante Mittvierzigerin, die Thesen ihrer kunsthistorischen Dissertation verteidigt. Auch bei der anschließenden Überraschungsparty in ihrem geräumigen Altbau-Palais ist von Krise nichts zu spüren; im Gegenteil: die Ohrringe, die Elsa von ihrem Mann Michele geschenkt bekommt, zeugen wie das gesamte Interieur vom gediegenen Geschmack des gehobenen Mittelstandes. Doch der nächste Morgen hält außer leichtem Kater eine unangenehme Eröffnung bereit: Michele gesteht seiner Frau, dass er seit zwei Monaten ohne Arbeit ist, weil ihn seine Partner aus der gemeinsamen Firma geworfen haben. Die mittelbaren Folgen sind bestürzend. Da das Ehepaar und ihre inzwischen erwachsene Tochter gut und gerne gelebt und mit Freuden die Welt bereist haben, existieren kaum finanzielle Rücklagen; ein Verkauf ihrer kleinen Segeljacht ist unumgänglich, die Veräußerung ihrer mit viel Liebe ausstaffierten Wohnung ebenso.
Zwei Besserverdienende im freien Fall: Das ist der Ausgangspunkt von Silvio Soldinis präzise beobachtendem Sozialdrama, das als Film zur aktuellen Weltwirtschaftslage sein Interesse einmal auf jene richtet, die bislang kaum und vor allem nicht als erste von einer Rezessionen betroffen waren. Dabei stehen nicht die spektakulären Momente im Vordergrund, dramatische Szenen wie der Auszug oder drastische Erfahrungen mit der neuen Armut, sondern der Alltag und die Anstrengungen des Ehepaares, mit der bedrängenden Situation klar zu kommen. Was zunächst das verkrampfte Bemühen mit einschließt, die Notlage ja nicht öffentlich werden zu lassen. Elsa, gewohnt souverän verkörpert von Margherita Buy, erwacht jedoch relativ schnell aus der Schockstarre und bemüht sich, den veränderten Umständen ins Auge zu sehen. Für die unbezahlte Freilegung eines mittelalterlichen Deckenfreskos ist jetzt nicht mehr die richtige Zeit; stattdessen fängt sie ganz pragmatisch in einem Callcenter an und arbeitet abends dann als Sekretärin bis tief in die Nacht weiter. Michele hingegen tut sich weitaus schwerer mit der Deklassierung. Zunächst setzt er alles daran, den alten Status wieder zu erlangen. Doch ein ums andere Mal speist man ihn bei Vorstellungsgesprächen mit leeren Floskeln ab. Die teuren Anzüge und Krawatten, die er bei dieser Gelegenheit trägt, wirken immer fremder an seinem Körper, bis er gar nicht mehr aus Jeans und Sweater steigen will. Ein nicht nur äußerlicher Verfall, der im sichtbaren Kontrast zu Elsas weiterhin gepflegtem Erscheinungsbild steht.
Das fein gesponnene Drehbuch spart dabei nicht an leiser Komik, wenn sich Michele zwei ehemaligen Arbeitern seiner Firma anschließt, die mit Gelegenheitsjobs etwas Geld verdienen. Dann hilft auch er bei Transporten oder kleistert Tapeten an die Wand – bis seine Kumpel eine Anstellung finden und der Ex-Manager erneut zu Hause im anonymen Wohnblock in Depressionen versinkt. Während Elsa beharrlich um ihre innere Balance ringt und vielen Widrigkeiten mit Humor begegnet, verliert Michele als Spielball seiner Gefühle zwischen verzweifelter Wut und apathischem Selbstmitleid zunehmend die Orientierung. Die Handkamera rückt ihm dabei bedrohlich auf den Leib und sperrt ihn immer wieder in Gänge oder Winkel ein, aus denen Michele sich nur durch fluchtartige Aktionen zu befreien weiß.
Soldinis konzeptionelle Entscheidung, allen Hauptfiguren mit der Kamera über weite Strecken hautnah auf den Fersen zu bleiben, verbürgt zwar ein hohes Maß an Authentizität und lässt an ihrem Tunnelblick unmittelbar teilhaben; doch verfängt sich damit auch der Film auf Dauer im Netz aus Ratlosigkeit und Entbehrung. Der kammerspielartige Fokus konzentriert die Handlung auf Innenräume, Korridore oder verwinkelte Nischen, in denen nicht nur die Protagonisten die Ausblicke ignorieren, die sich in einer Hafenstadt wie von selbst ergeben; auch den Zuschauern dürfte es nicht leicht fallen, die Öffnungen im Hintergrund vieler Einstellungen als mögliche Horizonte zu antizipieren. Dabei will „Tage und Wolken“ durchaus nicht fatalistisch sein, sondern zielt bei allem Realismus auf Widerstand und dezente Katharsis, was in der schönen Schlussvolte zu einem eindringlichen Bild gerinnt. Denn die unterschiedlichen Reaktionen auf den Schicksalsschlag sind an der Ehe von Elsa und Michele nicht spurlos vorbeigegangen, die solchen Belastungen nicht gewachsen ist. Michele realisiert das erst, als es zu spät ist, erwacht dann aber aus seiner Lethargie und versöhnt sich mit Elsa unter dem restaurierten Fresko einer Verkündigungsszene. Vielleicht ein (Neu-)Anfang, fragil und verletzlich, dessen stille Anmut in der unprätenziösen finalen Einstellung durchaus hoffnungsvoll stimmt. Ab 14. Josef Lederle Kritik aus film-dienst Nr. 21/2008
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