achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

Thomas Harlan - Wandersplitter

FREITAG

22. Februar

um 20.30 Uhr

SAMSTAG

23. Februar

um 20.30 Uhr

Eintritt: 4,50 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Wir zeigen Wandersplitter in Kooperation mit der christlich-jüdischen Gesellschaft Celle
im Rahmen der Ausstellung "Jud Süß" Geschichte(n) einer Figur
in der Celler Synagoge vom 11. Januar bis 2. März 2008

Kurzkritik aus dem Film-Dienst:
Thomas Harlan, Sohn des Regisseurs Veit Harlan und späterer Vorbereiter von Prozessen gegen NS-Kriegsverbrecher, blickt im Gespräch auf sein ebenso bewegtes wie aufregendes Leben zurück. Dabei verkrampfen die Erinnerungen nicht im Privaten, sondern reflektieren Geschichte aus einer persönlichen Sicht und gewähren erhellende Einblicke. Das faszinierende Porträt einer schillernden Figur der Zeitgeschichte, das sich fast ausschließlich auf seinen Protagonisten konzentriert und nur durch gelegentliche Schnitte eine Raumatmosphäre schafft.

Filmdaten

Deutschland, 2006
Erstaufführung: 30.8.2007
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 12; f
Verleih: RealFiction in Köln
Versand in die Schuhstr.
Regie/Produktion/Buch/Kamera: Christoph Hübner
Schnitt: Gabrielle Voss
Das Filmplakat

Thomas Harlan in Wikipedia
Veit Harlan in Wikipedia
Der Film "Jud Süß" in Wikipedia
Wanderausstellung zu "Jud Süß"

Jud Süß - Ein Film als Verbrechen?
Deutschland, 2001
Erstaufführung: 21.9.2001
Länge: 104 Minuten

Kritiken & Infos zu diesem Film via URLs/Links

Filminfo vom deutschen Verleih (Real Fiction)
Schnitt.de
Filmportal.de
moviemaze.de
Kino-Zeit.de
critic.de
die Kinokritiker

angelaufen.de
Film-Zeit.de


taz
FAZ

umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de

die ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst

„Links, das ist der Obersalzberg! Hitler hätte mich hier sehen können“, erklärt Thomas Harlan gleich zu Beginn dieses faszinierenden Filmporträts von Christoph Hübner und Gabriele Voss. „Hitler“ ist wahrscheinlich das beste Stichwort, um Thomas Harlans Erzählfuror zu aktivieren. Thomas Harlan, geboren 1929, Sohn des umstrittenen Regisseurs Veit Harlan („Jud Süss“, Kolberg“, „Opfergang“) und der Schauspielerin Hilde Körber, der nach dem Krieg zu einem rebellischen Bohemien wurde und mit Klaus Kinski Paris und die Bundesrepublik Deutschland unsicher machte. Es folgten die Hinwendung zum Kommunismus und Reisen in die Sowjetunion. Später ging Harlan für einige Jahre nach Polen, finanziell unterstützt vom italienischen Verleger Giangiacomo Feltrinelli, um in Zusammenarbeit mit der Zentalen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher vorzubereiten. Weitere Lebensstationen Harlans waren die Lotta Continua-Gruppe in Italien, das Chile Salvatore Allendes, die Nelkenrevolution in Portugal. In den 1970er- und 1980er-Jahren drehte er einige Filme, darunter das Double-Feature „Wundkanal/Notre Nazi“. Zuletzt reüssierte Harlan mit den Romanen „Rosa“ und „Heldenfriedhof“. Seit 2001 lebt er in einem Lungensanatorium bei Berchtesgarden.

Dort haben ihn die Dokumentaristen Hübner und Voss besucht und ausführlich interviewt. Geradezu professionell erklärt Harlan zu Beginn des Films, dass er – wie üblich – keineswegs beabsichtige, über sich in der Ich-Form zu sprechen: „Meine Lebensvorstellung ist immer auf eine wundersame und von mir für gut empfundene Weise gestört worden. Und dadurch haben sich in meinem Leben so viele Sachen zugetragen, dass jemand, der denkt, er hat das geplant, der sagt, er hat so ein reiches Leben gehabt ... alles Quatsch! Mein Leben ist reich an Unfällen, die ich sehr selten provoziert, meistens aber akzeptiert habe.“ Deshalb – langer Vorrede kurzer Sinn – transportieren „lächerliche“ biografische Erzählungen „ganz viel Leerlauf“. „Privatzeugs“ sollte es auch in „Wandersplitter“ nicht geben; die Filmemacher haben sich darauf eingelassen. Andererseits: Harlan ist ein glänzender Erzähler, der über ein grandioses Gedächtnis verfügt, und er spricht über nichts anderes als sich, wenngleich er das „Ich“ dabei explizit ausstreicht: „Wenn sich Geschichten aus der Geschichte herausschälen, von denen sie annehmen, dass, weil sie dabei waren, es erwähnenswert werden könnte, darüber zu reden in manchen Fällen, ist es am besten bestellt um Geschichten, die überhaupt nicht dafür gebraucht werden können, sie in den Vordergrund zu bringen.“ Wobei er dann kurz und schelmisch – beeindruckt von der bewältigten Komplexität dieser Reflexion – in die Kamera blickt. Harlan erzählt anekdotisch, mit einem bewundernswerten Gespür fürs randständige Detail, von Moskau 1953, von seiner Poetik, von einer Begegnung mit Hitler, von der Befreiung Berlins durch die Rote Armee, vom Verhältnis zu seinem Vater, von der politischen Arbeit an deutscher „Schuld und Verantwortung“, von der Recherche von Nazi-Verbrechen in Polen um 1960, von der Notwendigkeit des Aussprechens der Wahrheit, von Nazi-Karrieren in der BRD. Hübner und Voss geben ihm den nötigen Raum, bleiben aber präsent, vielleicht, weil Harlan befragt sein will. Reiner Vortrag würde das „Ich“ gefährlich profilieren. Behutsam setzen die Dokumentaristen ihre wenigen Schnitte, setzen wenige Blicke auf die alpine Landschaft und etwas Klinikatmosphäre hinzu – bewahren ansonsten die Stimme eines charismatischen Erzählers mit einer schillernden Biografie.

Es gab offenkundig mehr Gespräche, als in „Wandersplitter“ zu hören sind. Wer sich für die „Gegen-Geschichte“ des 20. Jahrhunderts interessiert, wird auf Fortsetzungen hoffen. „Wandersplitter“ bricht leider um 1968 ab; man würde gerne noch stundenlang zuhören.
ab 16
Ulrich Kriest
Kritik aus film-dienst Nr. 18/2007