achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

The Cemetery Club

FREITAG

7. März

um 20.30 Uhr

SAMSTAG

8. März

um 20.30 Uhr

Eintritt: 4,50 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Wir zeigen diese Film in Kooperation mit
der Gedenkstätte Bergen Belsen
der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Celle.
Martina Staats von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist am Freitag zu Gast.

Zum Film:
Ein Langzeit-Projekt aus Israel. Fast fünf Jahre hat die Regisseurin daran gearbeitet. Der Film handelt von Zeitzeugen der Shoah. Seit Jahren treffen sich am Sabbat unter einer Pinie auf dem Herzl-Berg-Friedhof in Jerusalem ältere Menschen. Sie haben dazu einen Debattierclub gegründet, tauschen Ideen aus, haben vereinbart, sich nicht allein zu lassen, sondern sich gegenseitig zu unterstützen. Das Picknick fehlt dabei nie. Sie reden über Kant, über Hitler oder Stalin, über schöne, schlimme oder kuriose persönliche Erlebnisse, sie tragen Gedichte vor. Manchmal stirbt einer, denn jung sind sie nicht mehr.
Die Regisseurin stellte Angehörige ihrer Familie in den Vordergrund. Ein subjektives, vorrangig auf eine Familie konzentriertes Dokument. Ein in dieser Art unverzichtbares Dokument, da es die Zeitzeugen der Judenvernichtung zu Wort kommen lässt. Allzu viele gibt es davon nicht mehr.
Thomas Engel

"Ein zärtliches, subtil humorvolles Gruppenporträt, das ernste Themen mit einfühlsamer Anteilnahme aufgreift und einen durchaus vergnüglichen Blick auf das Leben und die Würde alter Menschen wirft." - film-dienst
"Mit The Cemetery Club gelingt der Regisseurin ein ergreifendes, sehr persönliches und unerwartet humorvolles Portrait der Holocaust Generation, wie wir es so noch nie gesehen haben." - GOLDENE TAUBE Dokumentarfilmfest Leipzig 2006

Filmdaten

Filmtitel: The Cemetery Club
Originaltitel: Moadon beit hakvarot
Produktionsland/- jahr: Israel 2006
Kinostart in Deutschland: 29. März 2007
Länge: 90 Minuten
Sprache: hebräisch und polnisch mit deutschen Untertiteln
FSK: ab 6
Altersempfehlung: empfohlen ab 14 Jahren, Klassenstufen: ab 9. Klasse
Format: 1:1,85
Verleih: Ventura Film
Transport: per Kurier bis Donnerstag ins Stift

Internationales Leipziger Festival für Dokumentarfilm 2006: Goldene Taube
Shanghai International TV Festival 2006: Magnolia Award (Bester Dokumentarfilm)
Mayor of Tel Aviv Award tor Promising Director & Best Cinematographer Award - Doc Aviv
Winner Best Documentary - Women's Film Festival Rehovot
Best of Fests, IDFA 2006
Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2006, bester Dokumentarfilm
Miami International Film Festival
Best Director Award - One World Film Festival, Prague

Produzenten: Assaf Amir, Guy Lavie
Regie & Drehbuch: Tali Shemesh - Foto von Tali Shemesh
Kamera: Sharon de Mayo
Musik: Rona Kenan, Eldad Gwetta
Schnitt: Aliza Esquira


Mitwirkende:
Minya Rubin, Lena Bar, Tali Shemesh u. a.

Kritik aus dem Lexikon des Internationalen Films

Zweitausendeins Online-Lexikon des Internationalen Films - FILMEvonAbisZ.de
Die israelische Filmemacherin beobachtet den Jerusalemer Seniorenclub "Mount Herzl Academy", dessen betagte Mitglieder sich jeden Samstag am Rand des gleichnamigen Nationalfriedhofs treffen, um aktuelle weltgeschichtliche Fragen zu debattieren, aber auch, um über Leben und Tod allgemein sowie und über den Holocaust zu reden. Ein zärtliches, subtil humorvolles Gruppenporträt, das ernste Themen mit einfühlsamer Anteilnahme aufgreift und einen durchaus vergnüglichen Blick auf das Leben und die Würde alter Menschen wirft. (O.m.d.U.)
Unsere Kritik:
Die israelische Filmemacherin Tali Shemesh, Jahrgang 1969, nähert sich in ihrem sehr persönlichen Dokumentarfilm dem Thema der Holocaust-Überlebenden mit unerwarteter Unbeschwertheit und wagt sogar, ihren Protagonisten, darunter auch die eigene Großmutter, mit ironischem Augenzwinkern zu begegnen. Aus diskreter Entfernung zeigt sie, wie jeden Samstag Morgen am Nationalfriedhof Mount Herzl die gleiche Prozession stattfindet: Ausgestattet mit Plastik-Klappstühlen und Snacks zieht eine Gruppe älterer Menschen an dem Grabstein des Wegbereiters des politischen Zionismus vorbei, um es sich am Rande des Friedhofs auf einer Wiese im Schatten einer Kiefer bequem zu machen. Bevor die agilen Senioren die "Mount Herzl Academy" tagen lassen, plaudert man unterwegs zum kühlen Plätzchen in der jeweiligen Muttersprache, zumeist Polnisch, und tauscht Neuigkeiten aus. Fünf Jahre lang hat Tali Shemesh die Gruppe in Jerusalem begleitet, deren Zweck, neben der Diskussion kultureller und zeitgeschichtlicher Fragen, laut Satzung darin besteht, der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. Lautstark und mitunter hitzig behandeln die gebildeten und mehrsprachigen Rentner in ihrem Debattierzirkel Fragen des Lebens und des Sterbens und stimmen auch schon mal darüber ab, ob man ein deutsches Gedicht im Original vorlesen sollte. Nicht selten eskalieren die Gespräche und müssen durch den schrillen Pfiff einer Trillerpfeife unterbrochen werden. Immer wieder drehen sich die Diskussionen auch um die Shoa, um den Verlust von Familie, Freunden und Bekannten. Im Mittelpunkt stehen Minya, die eher schweigsame und bescheidene Großmutter der Regisseurin, und Lena, deren dominante Schwägerin - zwei in ihrem Temperament gegensätzliche Frauen, die wohl nur das Schicksal zusammengeführt hat. Nach und nach kristallisiert sich ein latenter Konflikt zwischen den beiden Damen heraus, die gerne gemeinsam ausgiebige Meerbäder absolvieren und dabei auch schon mal über Gott und die Welt aneinander geraten. Diese mitunter wunderbar komischen Streitereien konterkariert Shemesh mit ergreifenden Erzählungen von der Zeit im Ghetto, der Ankunft in Auschwitz oder Aufnahmen von der Reise nach Polen, wo die Großmutter vor dem Haus ihrer Kindheit mit Tränen kämpfend der Kamera den Rücken kehrt. Wie ein unsichtbarer Beobachter bewegt sich die Regisseurin mit viel Taktgefühl innerhalb der Gruppe, von deren Mitgliedern einige nach und nach sterben. Im Zentrum von Shemeshs Interesse steht dabei das private Drama der selbstbewussten und wortgewandten Lena, die sie stellvertretend für die Kollektiverfahrung derer fokussiert, die den Nazi-Terror überlebt haben. Was Shemesh jedoch kritisch in Frage stellt, sind Momente, bei denen die traumatischen Berichte der Porträtierten in Schweigen umschlagen, ohne dabei die Einzigartigkeit ihrer schmerzlichen Erfahrungen anzuzweifeln. Vor allem bei Lena stößt die Regisseurin immer wieder auf heftige Abwehr. Auf der anderen Seite lässt diese auch sehr intime Momente zu, in denen sie sich verletzlich zeigt und gerade im Kontrast zu ihrer gelegentlichen Unnachgiebigkeit die in ihrer Jugend zurückliegenden Gründe für ihr Verhalten erkennen lässt. Dass sich Shemesh bei allem Respekt die Entscheidungsfreiheit über den Einsatz des gefilmten Materials nicht nehmen lässt, macht die Diskussion über den Filmtitel deutlich: Lena wehrt sich nachdrücklich dagegen, ihre "Mount Herzl Academy" als "The Cemetery Club" verunglimpft zu sehen und fordert einen anderen Titel. Einen Schnitt weiter flimmert die Überschrift "The Cemetery Club" über die Leinwand. Mit ihrem zärtlichen und subtil humorvollen Blick weist die Regisseurin über die Thematik des Holocaust hinaus. Das große Verdienst ihres unverbrauchten Ansatzes ist es, zu zeigen, wie man in Würde altern und im Fall der Clubmitglieder mit den Verlusten und Schreckenserinnerungen leben kann. Ihren Protagonisten gesteht sie ein ganzes Spektrum an Eigenschaften zu, zeigt ihre Schwächen und Stärken und vermeidet die üblichen Erwartungen an die Darstellung alter Menschen als starrsinnige, auf Hilfe angewiesene Opfer. Ein so einfühlsamer wie vergnüglicher Dokumentarfilm über ein ernstes Thema, der Shemesh zu Recht den ersten Preis beim Dokumentarfilmfestival in Leipzig und eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2006 einbrachte.