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achteinhalb
Kino & Kultur e.V.
FREITAG 12. Dezember um 20.30 Uhr SAMSTAG 13. Dezember um 20.30 Uhr
Eintritt: 5,00 Euro
50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.
In einer skurrilen Zeitreise, die von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre führt, erzählt Jirí Menzel vom Aufstieg und Fall eines tschechischen Kellners. Die kleinwüchsige Hauptfigur erinnert sich dabei an die Zeit der ersten tschechischen Republik, der deutschen Besatzung und des Nachkriegs. Politische Umbrüche und heftige Amouren erhalten in seiner Rückblende ein ähnliches Gewicht, wobei es dem Film vorrangig um das Charakterbild eines um Anpassung bemühten und primär am eigenen Fortkommen interessierten Kleinbürgers geht. Dabei nähert sich Menzel seinem Helden eher zärtlich als mit dem Gestus der Abrechnung, bevorzugt weiche Töne und sinnliche Bilder und jongliert lustvoll mit der Filmgeschichte. Der schöne, vielleicht etwas altväterliche Abschluss eines meisterlichen Lebenswerks.
Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bohumil Hrabal, Suhrkamp, 2003, 300 Seiten, ISBN 3-518-45502-8
FIPRESCI-Preis der Berlinale 2007 2007 vier Böhmische Löwe
Literaturverfilmung / Komödie Tschechien/Slowakei 2006 Kinostart: 21. August 2008 Drehzeit: März – Juni 2006 Länge: 118 Minuten
Verleih: Farbfilm Transport Bildformat: 35 mm, 1:1,85 FSK: ab 12; f Regie/Buch: Jirí Menzel Buchvorlage: Bohumil Hrabal (Roman " Ich habe den englischen König bedient") Kamera: Jaromír Sofr Musik: Ales Brezina Schnitt: Jirí Brozek
Darsteller: Ivan Barnev (junger Jan Dítê), Oldrich Kaiser (alter Jan Dítê), Julia Jentsch (Líza), Martin Huba (Skrivánek), Marián Labuda (Walden), Milan Lasica (Professor), Josef Abrhám (Hotelier Bradejs), Jirí Lábus (Hotelchef), Jaromír Dulava (Kellner Karel)
Film-Homepage vom deutschen Verleih mit Trailer (Farbfilm)
WIKIPEDIA über Ich habe den englischen Koenig bedient über Jiří Menzel über Julia Jentsch über Jiří Lábus
Das filmische Werk von Jirí Menzel ist eng mit dem erzählerischen von Bohumil Hrabal verbunden: Schon 1965 beteiligte sich der Regisseur, der kurz zuvor die Prager Filmhochschule absolviert hatte, an dem Episodenfilm „Perlen auf dem Meeresgrund“ nach Erzählungen des Dichters; später entstanden Adaptionen wie „Liebe nach Fahrplan“ (1966, fd 15 139), für die Menzel den „Oscar“ erhielt, „Kurzgeschnitten“ (1980, fd 23 214) oder „Das Wildschwein ist los“ (1983). Ein exemplarisches Schicksal erfuhr ihr gemeinsamer Film „Lerchen am Faden“ (1969, fd 28 815), eine Tragikomödie über den real existierenden Stalinismus, die auf den Index kam und erst 1990 uraufgeführt werden durfte. Nach dieser Arbeit wurde Menzel mit einem mehrjährigen Berufsverbot belegt; in jener Zeit wirkte er unter anderem als Darsteller für Rainer Simon, der ihn für die Hauptrolle seines subversiven Märchens „Sechse kommen durch die Welt“ (1972, fd 26 328) zur DEFA holte.
Die langjährige Freundschaft und Geistesverwandtschaft mit dem 1997 verstorbenen Hrabal bewog Menzel, sich nun auch um die Verfilmung des 1974 erstmals erschienenen Romans „Ich habe den englischen König bedient“ zu bewerben. Ein zunächst vorgesehener jüngerer Regisseur musste zurücktreten, weil Menzel, der nach eigenem Bekunden eigentlich längst vom Kino Abschied genommen hatte, mit aller Kraft um dieses Projekt rang. Der Erfolg in Tschechien, wo sein Opus im vergangenen Jahr in allen Kategorien mit dem nationalen Filmpreis ausgezeichnet wurde, aber auch bei der „Berlinale“, auf der es den Preis der internationalen Filmkritik erhielt, gab dem Regisseur Recht. Tatsächlich ist „Ich habe den englischen König bedient“ ein ansehnliches Alterswerk, in dem Menzel noch einmal alle thematischen und stilistischen Facetten bündelt, die sein Œuvre prägten. Es geht ihm um den sprichwörtlichen „kleinen Mann“, der dem Strudel der Zeitläufte ausgesetzt ist, sich anpasst und mitläuft, den eigenen Weg zum Glück sucht, zum Spielball der Politik wird und sie für sich ausnutzt, scheinbar naiv und doch auch wieder gewitzt. Die Hauptfigur in „Ich habe den englischen König bedient“, der vom Piccolo zum Millionär aufgestiegene Jan Díte, verkörpert dieses Heldenbild sowohl rein äußerlich – er ist einen Kopf kleiner als die anderen um ihn herum – als auch durch seinen Namen: „Díte“ bedeutet „Kind“. Hrabal und Menzel lassen ihn von den 1920er-Jahren, aus der ersten tschechischen Republik, bis in die Ära nach Stalins Tod stolpern; dazwischen liegt die Zeit der deutschen Okkupation, in der sich Díte auf ganz besondere Weise mit den Besatzern arrangiert und von ihnen belohnt wird. Roman und Film konterkarieren zwei Legenden, die in Tschechien gern gepflegt werden: Die Mär, dass alle im Grunde genommen doch mit dem braven Soldaten Schwejk verwandt seien, der sich dumm stellt, für nichts Verantwortung übernimmt und unbeschadet alle Eruptionen der Historie übersteht, wird ebenso kritisch hinterfragt wie die Saga vom Tschechen als ewigem Widerständler, der stets subversive Wühlarbeit gegen die jeweils Mächtigen geleistet habe. Díte ist das alles nicht; seine Überlebensstrategie heißt: Alles sehen, alles hören, nichts sagen und immer, sehr gezielt, an das eigene Fortkommen denken.
Menzel erzählt Dítes Biografie in Rückblenden, aus der Sicht des alt gewordenen, aus dem „volksdemokratischen“ Gefängnis entlassenen Helden. Diese subjektive Perspektive verleiht dem Film einen freundlichen, versöhnlichen Gestus: Dítes Blick zurück in den Spiegel der Erinnerung ist keiner im Zorn, sondern eher einer in weichen, nostalgischen Farben. Mitunter allerdings gibt es heftige Brüche: Wenn Díte mit einem Lächeln zusieht, wie jüdische Mitbürger und Vorgesetzte verschwinden, wenn er seinen Arm zum Hitlergruß hebt oder, nunmehr als Hoteldirektor, zuerst einem Objekt der SS-Fortpflanzungseinrichtung „Lebensborn“ vorsteht und dann einer Erholungsstätte für Kriegsinvalide, sind das Widerhaken, die durchaus schmerzen. Stark und unerwartet ist die Szene, in der Díte einem alten Bekannten, der ins KZ deportiert wird, Brot durch die vergitterte Tür eines Güterwagens zu reichen versucht. Die Rahmenhandlung spielt dann in einer Gegend, die ursprünglich von Deutschen bewohnt war; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bevölkerung vertrieben, das Dorf steht weitgehend leer: ein Raum sowohl der Geschichte als auch des Neuanfangs.
Wie in früheren Arbeiten, zum Beispiel „Die wunderbaren Männer mit der Kurbel“ (1978, fd 24 787), jongliert Menzel lustvoll mit formalen Zitaten aus der Filmhistorie. Das beginnt schon mit dem ersten Bild, in dem er die vom Stummfilm überlieferte Kreisblende einsetzt, die den Blick auf einen roten Stern freigibt. Die frühesten Reminiszenzen Dítes werden ohne Dialoge, dafür mit Klavierbegleitung, in Schwarz-weiß und Slapstickmanier erzählt. Später lässt die Choreografie der Hotelangestellten und -gäste, die sich nach Jazzklängen bewegen, an Revuen der frühen Tonfilmzeit denken. Das opulente Interieur, die Darstellerführung und Farbgebung der Szene, in der ein äthiopischer Herrscher in Dítes Hotel diniert, sieht aus wie ein Zitat aus Fellinis „Amarcord“ (fd 18 758). Der Darsteller des jungen Díte, der Bulgare Ivan Barnev, erinnert an Chaplin, aber auch an Václav Neckár, den Hauptdarsteller aus „Liebe nach Fahrplan“. Und wie in jenem Menzelschen Klassiker, so werden auch hier weibliche Verführungskünste und die Erotik des Essens genussvoll zelebriert. Insgesamt wirkt „Ich habe den englischen König bedient“ wie der schöne, vielleicht etwas altväterliche Abschluss eines meisterlichen Lebenswerks: zärtliche Farce mit bissigen Untertönen, skurrile Zeitreise, sinnliches Vergnügen. Ralf Schenk Sehenswert ab 14 Kritik aus film-dienst Nr. 17/2008
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