achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

Jerichow

FREITAG     3. April um 20.30 Uhr
SAMSTAG  4. April um 20.30 Uhr

Eintritt: 5,00 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Kurzkritik der führenden deutschen Fachzeitschrift für Filmkritik, der film-dienst:

Die Wege zweier Männer und einer Frau kreuzen sich im Nordosten Deutschlands. Sie könnten ihr Leben gegenseitig durchaus bereichern, finden jedoch keine tragfähige und loyale Haltung zueinander. Ein vielschichtiger, darstellerisch intensiver Film über Träume, Sehnsüchte und Leidenschaft, dessen Protagonisten ziellos durchs Leben driften und nur an Güter glauben, die mit den Händen greifbar sind. Auf der Grundlage eines Kriminalromans, den Luchino Visconti bereits 1942 verfilmte ("Ossessione"), entstand ein beeindruckender Film, der nicht nur deutsche Befindlichkeiten überzeugend spiegelt.
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Petzold gewann 2009 mit Jerichow den Preis der deutschen Filmkritik.
Petzold gewann bereits 2007, 2005 und 2001 mit seinen letzten 3 Filmen jeweils diesen Preis.

Filmdaten

Deutschland, 2008
Kinostart: 8. Januar 2009
Uraufführung 28.8.2008 Internationale Filmfestspiele Venedig 2008
(2. Platz)

Verleih: Piffl Medien in Berlin
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 12; f
Produktion: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber
Regie und Buch: Christian Petzold
Buchvorlage: James M. Cain (Motive aus "The Postman Always Rings Twice")
Kamera: Hans Fromm
Musik: Stefan Will
Schnitt: Bettina Böhler

Darsteller: Benno Fürmann (Thomas), Nina Hoss (Laura), Hilmi Sözer (Ali), André Hennicke (Leon), Marie Gruber (Kassiererin), Claudia Geisler (Sachbearbeiterin), Knut Berger (Polizist)

WIKIPEDIA
über Jerichow
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Kritiken & Infos zu diesem Film via URLs/Links

Presseschau:
angelaufen.de
Film-Zeit.de 

Filmzeitschriften :
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quer durch den Äther:


Presse:

Das WEB:
Gilde deutscher Filmkunsttheater über
kino-zeit.de :


FILMZ - umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de

ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst

Geld oder Liebe? Ist es Zufall, ist es Schicksal? Drei Menschen treffen im sommerlichen Nordosten der Republik aufeinander, die einander ein Halt sein könnten, die sich aber verraten. Der Türke Ali hat sich eine Imbisskette aufgebaut, der Frau Laura gibt er ebenso eine Chance wie dem Afghanistan-Veteranen Thomas, der ihm einmal aus der Patsche hilft. Alle drei Figuren sind zutiefst heimatlose Drifter, sozial nicht vernetzt und verortet – und haben gelernt, ihre Träume und Sehnsüchte pragmatisch herunter zu dimmen. Den Schlüsselsatz in Christian Petzolds Film sagt Laura: „Man kann doch nicht lieben, wenn man kein Geld hat!" Stimmt das? Und wie sieht das mit der Freundschaft aus? Über der Dreiecksgeschichte nicht vergessen sollte man die Exposition des Films, die wie der Schluss einer anderen Geschichte erscheint. Auch diese Geschichte handelt von Illoyalität und Geld. Petzold und sein ständiger dramaturgischer Berater Harun Farocki zeichnen eine Landschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, einen Transitraum voller Kreuzungen, aber ohne Verkehr, eine Infrastruktur ohne Verwendungszweck. In Alis Imbissbuden sieht man keine Kundschaft, sondern nur die Verrichtungen zur Vorbereitung von Dienstleistungen. Welche Ökonomie wird sich hier an der Stelle der Lohnarbeit etablieren? Alle Figuren wirken seltsam flottierend wie Gespenster, die sich von der Realität abgewendet haben, weil sie in dieser keine Wurzeln ausbilden konnten. Vor dem Leben kommt das Geschäft, aber kommt nach dem Geschäft auch das Leben?

Ganz abstrahiert nimmt sich Petzold, der gerne mit bekannten Vorlagen – Büchern oder Filmen – spielt, diesmal den Plot von James M. Cains Krimi-Klassiker „The Postman Always Rings Twice" vor, um daraus eine subtile, aber soziologisch bestens informierte Geschichte mit drei glänzend aufgelegten Protagonisten zu machen, die etwas über die Lebenswirklichkeit in Deutschland oder zumindest über den Nordosten des Landes zu erzählen hat. Mit bewundernswerter Präzision und Gradlinigkeit gewährt der Regisseur jeder Figur ihre Geschichte, was „Jerichow" immer komplexer werden lässt. Aus dem Buddy Movie wird ein Film noir, wird eine „Liebesgeschichte" ohne Zukunft, wird eine Geschichte von zwei Männern und einer Frau, die sich selbst als Prostituierte begreift, wird schließlich eine seltsame Tugendprobe, die Ali zeigen soll, ob er es im Leben zu etwas gebracht hat, auf das man bauen könnte. Eigentlich ein ziemlich absurder Gedanke in einem Film, der nie ganz klar macht: Wer ist hier Täter, wer Opfer?

Doch bevor das Verbrechen in den Film kommt, sieht man, wie Ali und Laura ihre Döner-Buden führen, wie Thomas zum Ernteeinsatz auf dem Gurkenfeld verpflichtet wird, wie ein Provinzpolizist den sauflustigen Ali drangsaliert, wie Ali Laura drangsaliert, wie Thomas im Haus seiner verstorbenen Mutter unterkommt, wie Ali seinem neuen Kumpel Thomas nicht ohne Stolz seine blonde, etwas verhärmte Frau Laura vorstellt – und dann zusieht, was sich zwischen den beiden entwickelt. Wenn sich ein Motiv wie ein roter Faden durch den Film zieht, dann ist es das stets auf den eigenen Vorteil bedachte Handeln. Ali muss ständig aufpassen, dass er von seinen Angestellten nicht betrogen wird. Aber er kennt auch alle Tricks und ist wachsam. Früh und wiederholt hat er Thomas klar gemacht, dass ihm sehr daran gelegen ist, stets die Kontrolle über das Geschehen zu behalten. Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, es werden Pläne geschmiedet, Dinge falsch eingeschätzt, Fehler gemacht; die Spannungen wachsen und auch die Widersprüche. Gerade, als man denkt, dass hier die Frau zu einem seltsam passiven Tauschobjekt zweier Buddys wird, erhält Laura ihre Geschichte, die die scheinbare Alternative von Geld oder Liebe zu Varianten desselben Gefängnisses werden lässt. Am Schluss dann buchstäblich die Vertreibung aus dem Paradies, wenn Laura und Thomas alle Chancen auf eine gemeinsame Zukunft besitzen und diese zugleich doch verspielt haben. Schon 1946 hat Tay Garnett die Geschichte vom zweimal klingelnden Postmann verfilmt; hierzulande lief der Film unter dem Titel: „Die Rechnung ohne den Wirt".
Sehenswert ab 16.
Ulrich Kriest
Kritik aus film-dienst Nr. 1/2009