achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

Tödliche Entscheidung - Before the Devil knows you’re dead

FREITAG

30. Mai

um 20.30 Uhr

SAMSTAG

31. Mai

um 20.30 Uhr

Eintritt: 4,50 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Mit fabelhaften Hauptdarstellern aufwartender Thriller um den Versuch zweier Brüder, sich durch einen Überfall auf den elterlichen Juwelierladen aus der finanziellen Misere zu retten. Der Genrefilm entwickelt sich zur klassischen Tragödie, in der sich alle Entscheidungen letztlich fatal auswirken. Ein meisterliches Alterswerk, das an die Blütezeit des New Hollywood anknüpft.
Film-Dienst

Er was u.a. fünfmal für den Oscar nominiert, erhielt diesen aber erst im Alter von 80 Jahren für sein Lebenswerk. Sidney Lumet ist zweifellos einer der ganz Großen seines Fachs. Das untermauert er auch mit seiner jüngsten Arbeit Tödliche Entscheidung – Before the Devil knows You’re Dead, in der er eine erschütternde Familientragödie vor dem Hintergrund eines klassischen Heist-Plots ablaufen lässt. Das Drehbuch von Kelly Masterson blickt mit beängstigender Klarheit tief in menschliche Abgründe. In der Hauptrolle brilliert einmal mehr Philip Seymour Hoffman.
Programmkino

Der Titel entstammt dem irischen Trinkspruch „May your glass be ever full. May the roof over your head be always strong. And may you be in heaven half an hour before the devil knows you're dead“.

Filmdaten

Kritiken & Infos zu diesem Film via URLs/Links

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/filme/766607/

umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de

Kritik aus dem Film-Dienst

ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst:
„Hoffentlich bist du schon eine halbe Stunde im Himmel, bevor der Teufel merkt, dass du tot bist.“ Dieser irische Trinkspruch steht als Motto am Anfang des neuesten Films von Sidney Lumet, dem mittlerweile 83-jährigen Meister anspruchsvoller Spannungsunterhaltung. Dieser schuf u.a. mit „Die zwölf Geschworenen“, „Hundstage“, Prince of the City“ und „The Verdict“ Meilensteine der (Genre-)Filmgeschichte, die alle mehr oder weniger um die Themenkomplexe Schuld und (unschuldig) Schuldigwerden kreisen. So auch sein neuer Film. Schon jetzt sei vorausgeschickt: Der fromme Wunsch des Mottos wird für keinen der Beteiligten des rabenschwarzen Films in Erfüllung gehen. Lange bevor sie überhaupt ans Sterben denken, schmoren sie längst in ihrer eigenen Hölle.
Am Anfang steht ein einfacher Plan: Andy Hanson, dem es als Wirtschaftsprüfer mit hohem Einkommen eigentlich gut gehen sollte, lebt auf zu großem Fuß. Bislang hat er seinen aufwändigen Lebensstil und den Koks-Konsum durch Unterschlagungen finanzieren können, doch jetzt steht dem Unternehmen selbst eine Wirtschaftsprüfung bevor. Andy hat vier Tage Zeit, seine negative Geschäftsbilanz auszugleichen, und hat die „geniale“ Idee, das Juweliergeschäft der Eltern, die nicht mehr selbst arbeiten, auszurauben. Einige hunderttausend Dollar würde der Coup bringen; die Versicherung wird die Eltern entschädigen, die betagte Verkäuferin im Vorstadt-Geschäft wird gewiss keine Probleme machen. Den Überfall soll der kleine Bruder Hank durchführen, der lebenslange Versager, der zögerlich einwilligt, da auch seine Geldsorgen unüberwindlich erscheinen. Hank braucht zwar Geld, sieht sich jedoch nicht in der Rolle des skrupellosen Gangsters und heuert den Kleinkriminellen Bobby an, der an seiner Stelle den Überfall durchführen soll. Und hiermit beginnt eine Verkettung tragischer Irrtümer und Entscheidungen, die geradewegs in die Hölle führen: Bobby trifft nicht auf die Angestellte, sondern auf Mutter Hanson, mit der er sich ein Feuergefecht liefert. Bobby stirbt am Tatort, Mutter Nanette, fällt in Folge ihrer Schussverletzung ins Koma. Zwei mehr oder weniger verzweifelte Söhne und der in seinen Grundfesten erschütterte Vater Charles bleiben zurück. Letzterer muss bald entscheiden, ob die Geräte, die seine Frau am Leben halten, abgeschaltet werden. Nach diesem entscheidenden Schritt fasst Charles den fatalen Entschluss, die Überführung des Täters und die Rache in die eigenen Hände zu nehmen. Das Glück – eigentlich müsste man in diesem Fall sagen: das Pech – steht auf seiner Seite. Der ehemalige Diamantenschleifer sucht einen Juwelenhändler auf, der auch als Hehler einen gewissen Ruf hat. Dort stößt er auf die heiße Spur, die direkt zu Andy führt, der seinerseits alle Hände voll zu tun hat, um die Spuren des missglückten Überfalls zu beseitigen.
„Tödliche Entscheidung“ ist ein Meisterwerk, dessen drei hervorragende Protagonisten dank des überwältigenden Drehbuch-Debüts von Kelly Masterson mit diabolischer Präzision ins Verderben schlittern, weil sie an jedem Wendepunkt des Films die denkbar falscheste Entscheidung treffen und sich ihre eigenen Gräber schaufeln. Dabei funktioniert Lumets Film gar nicht so sehr auf der reinen Genre-Ebene, sondern erinnert an eine arktische Tiefenbohrung, die in einen Kern längst überwunden geglaubter (Familien-)Geschichten vordringt. Dabei spielt ein zerrüttetes Vater-Sohn-Verhältnis ebenso eine Rolle wie eine lebenslange Hassliebe zwischen den Brüdern und der Wunsch, im Familienverband wenn schon nicht geliebt, so doch akzeptiert zu werden. Der Regisseur bedient sich dabei einmal mehr einer a-chronologischen Inszenierung, die die Ereignisse der vier entscheidenden Tage als zeitliches Patchwork darstellt und Parallelitäten und Gleichzeitigkeiten signalisiert, um Zustände zu beschreiben, die sich zwar im Hier und Jetzt abspielen, die ihre gemeinsamen Wurzeln jedoch in der Vergangenheit haben. Lumet, der trotz seiner großen Verdienste nie mit einem regulären „Oscar“ ausgezeichnet wurde, sondern 2005 einen „Ehren-Oscar“ für sein Lebenswerk erhielt, scheint sichtlich Spaß an der Inszenierung dieses Films gehabt zu haben. Nicht Modernismen und Effekte bestimmen diesen, sondern eine gewisse Bodenständigkeit und Abgeklärtheit, die die Ruhe schafft, um die Psychologie der Hauptcharaktere auszuloten. Der Look erinnert an die Filme des New Hollywood der frühen 1970er-Jahre. Darüber hinaus scheint es, als wolle Lumet, dem das Etikett des „New-York-Regisseurs“ anhaftet, seine Kritiker bestätigen und gleichzeitig Lügen strafen: „Tödliche Entscheidung“ spielt natürlich in New York, aber in einem so abgelegenen Vorort, dass das Zentrum der Tragödie, zu der sich die anfängliche Farce in atemberaubendem Tempo verdichtet, überall in der amerikanischen Provinz liegen könnte. Lumets Film ist ein Glücksfall für ein Genrekino, das nicht nur Oberfläche, sondern auch psychologischen Tiefgang bieten will: Er zeigt verzweifelte Menschen, die immer größere Schuld auf sich laden und längst schon innerlich zerbrochen sind, während sie fieberhaft nach Auswegen aus der Krise suchen. Ein fabelhafter, rabenschwarzer Thriller, der dank seiner prominenten Besetzung auch Chancen an der Kinokasse haben sollte.
Hans Messias
Kritik aus film-dienst Nr. 8/2008