achteinhalb

Kino & Kultur e.V.

AlleAlle

FREITAG

19. September

um 20.30 Uhr

SAMSTAG

 20. September

um 20.30 Uhr

Eintritt: 5,00 Euro

50% der Karten sind reservierbar, mindestens 50% gehen auf jeden Fall über die Abendkasse in den freien Verkauf. Reservierungen sind möglich per Mail an achteinhalb@web.de bis 15 Uhr am Tag der Vorstellung. Sie erhalten auf jeden Fall eine Rückmail entweder mit einer Reservierungsbestätigung oder einer Info, dass Ihre Reservierung nicht mehr möglich war. Das achteinhalb öffnet spätestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Die Karten bitte bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen, da diese ansonsten - sorry - in den freien Verkauf gehen. Bitte sprengen Sie nicht unsere Kasse, bezahlen Sie möglichst nicht mit 50 Euro Scheinen.

Kurzbeschreibung

Ein alkoholsüchtiger Gerüstbauer im "Wilden Osten" muss die Fürsorge für einen geistig behinderten Mann übernehmen. Dabei hat er sein eigenes Leben nicht im Griff und würde lieber die Zuneigung seiner starken, spröden Nachbarin gewinnen. Allmählich kommen sich die drei grundverschiedenen Menschen näher und geben sich gegenseitig Halt. Mischung aus Sozial-Drama und neoromantisch-skurrilem Märchen, die trotz des Blicks auf Existenzen am Rand der Gesellschaft hoffnungsvolle Akzente setzt und sowohl durch die Leistung seiner Hauptdarsteller als auch die sorgfältige Bild- und Tongestaltung überzeugt.
Kurzkritik des Film-Dienst

Filmdaten

Deutschland 2006
Kinostart: 26. Juni 2008
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Kino: It Works! Medien GmbH in Berlin und Dresden
Produktionsfirma: It Works! Medien/Koppfilm/Kulturzentrum Das Haus/K13 Tonstudios

Produktion:

Annekatrin Hendel, Jürgen Grimmer, Sven Boeck, Lutz Längert, Michael Kaczmarek

Regie/Buch:

Pepe Planitzer

Buchvorlage:

Oliver Bukowski (Bühnenstück)

Kamera:

Uwe Mann

Musik:

Peter Liljeqvist, Calexico

Schnitt:

Katrin Ewald

Darsteller: Eberhard Kirchberg (Hagen), Milan Peschel (Domühl),
Marie Gruber (Ina),  Simone Frost (Magda), Christina Grosse (Caroline), Teo Vadersen (Lulle), Peter Kurth (Otto), Petra Kelling (Pastorin), Udo Kroschwald
(Heimleiter), Eckard Becker (Hagedorn)

Oliver Bukowski in Wikipedia
Milan Peschel in Wikipedia
Milan Peschel im Spiegel-Interview
Alle Filmdaten (credits/Abspann) bei Filmportal
Der Trailer bei Youtube
Das Presseheft
Das Filmplakat
Filmhomepage

Kritiken & Infos zu diesem Film via URLs/Links

Presseschau:
angelaufen.de
Film-Zeit.de

quer durch den Äther:
Deutschlandradio Kultur: der wohl poetischste Film der Berlinale...
arte: Sozialdrama aus deutschen Brachlandschaften
Bayrisches Fernsehen: Dramödie

Presse:
junge Welt: AlleAlle hat Witz und Schönheit
Freitag: AlleAlle von Pepe Planitzer
Der Tagesspiegel 1: Fisch sucht Windrad
Der Tagesspiegel 1: Das stille Leben
Hamburger Abendblatt: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos
Berliner Zeitung: Sehnsucht im Blick
Zitty: AlleAlle

Das WEB:
KFs1
Kino-Zeit.de: Gestrandete des Lebens
Blog zur Berlinale: Ein glückliches Leben ist möglich aber unwahrscheinlich
Fluter: Zwischen Müll und Träumen
infomedia: In der Einöde des Bewusstseins


Festival des deutschen Kinos Ende November08 in Mainz

umfangreiche Linksammlung zu Artikeln über diesen Film: FilmZ.de

Kritik aus dem Film-Dienst

ausführliche Kritik aus dem Film-Dienst:
Der Titel bezieht sich auf den kindlichen Sprachduktus, den eine der Hauptfiguren, der heruntergekommene Gerüstbau-Unternehmer Domühl, anschlägt, wenn er mit dem geistig behinderten Hagen spricht. „AlleAlle“ sagt er im letzten Drittel des Films und streckt ihm die geöffneten, leeren Hände entgegen, was soviel heißen soll wie: fertig, am Ende – rien ne va plus. Gerade, als es aussah, als würde der auf den beruflichen wie persönlichen Ruin zusteuernde, alkoholsüchtige Domühl seinem Leben dank einer neuen Liebe eine bessere Wendung geben können, hat er wieder alles verloren. Aber Hagen ist noch da, übergroß, robust und sanftmütig, und nicht zuletzt durch ihn bekommt die Kleine-Leute-„Tramödie“ aus dem sozialen Nirgendwo südlich von Berlin märchenhafte Züge: Er tritt wie ein netter Riese ins Katastrophengebiet von Dohmühls Existenz, ein naives Kind und zugleich ein mächtiger Fels in der Brandung.
Pepe Planitzer vereinigt zwei Strömungen des aktuellen deutschen Films: das Sozialdrama, das sich mit den Lebensbedingungen von Existenzen an den zerfledderten Rändern der Wohlstandsgesellschaft befasst, und die „Neo-Romantik“ mit ihren Naturbildern und ihrer zwischen Skurrilität und Poesie schwingenden Erzählhaltung. Eine Symbiose, die dank hervorragender Darsteller und einer bestechend sorgfältigen Bild- und Tongestaltung bestens gelingt. Hagen und Domühl lernen sich kennen, als der Behinderte sein Pflegeheim verlässt, weil er zukünftig bei einem Verwandten leben soll. Stattdessen landet er bei dem Unternehmer, der längst kaum noch Aufträge bekommt und wohl nur deswegen noch nicht kapituliert hat, weil er sich ständig Mut antrinkt bzw. seinen Frust im Suff soweit betäubt, dass er damit leben kann. Die Gründe für sein Scheitern erfährt man nur sporadisch; klar wird jedoch, dass er ein später Wende-Verlierer ist, dessen Hoffnungen und Träume auf ein besseres Leben in der angeblich sozialen Marktwirtschaft gescheitert sind – sie stehen nun rührend kümmerlich in Form eines lebensgroßen Sportauto-Holzmodells auf dem alten Kasernen-Gelände herum, das sein Vater einst für den symbolischen Preis von einer Mark kaufte, das mittlerweile aber überhaupt nichts mehr Wert ist. Mit der Verantwortung für einen Behinderten fühlt sich Dohmühl überfordert; er konzentriert sich lieber auf Ina, eine ebenso starke wie abweisende Frau in mittleren Jahren, die gerade auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde und in die Wohnung über ihm eingezogen ist. Allmählich raufen sich die drei Menschen, die alle auf ihre Art gesellschaftliche Außenseiter sind, zusammen und machen die Erfahrung, dass man manchmal gewinnt, wenn man bereit ist, etwas von sich zu geben. Die Hauptakteure Maria Gruber, Milan Peschel und Eberhard Kirchberg geben ein prächtiges Trio kontrastierender Charaktere ab. Vor allem Milan Peschel, dessen Rolle als kauziger, grantelnder Trinker allzu leicht zur bloßen Karikatur hätte geraten können, legt eine bemerkenswerte Leistung ab: Wenn Domühl etwa im Getränkeladen, wo er sich seinen „Stoff“ besorgt, erkennt, dass dort seit Neuestem Ida an der Kasse steht, und ihm dann auch noch das Geld zum Bezahlen fehlt, kriecht einem seine Scham gnadenlos unter die Haut.

Rauschende Blätter, zwitschernde Vögel, Grillengezirp und dazwischen ein wohl dosiert eingesetztes, melancholisches Gitarrenthema geben den akustischen Rahmen des stillen, langsam inszenierten, aber umso mitreißenderen Films ab, der sein Sujet mit feinem Humor und großer Liebe zu den beschädigten Protagonisten angeht. Die Bilder der flachen Landschaft, die immer wieder in lang gehaltenen, weiten Totalen die Handlung „erden“, vermitteln dabei nicht nur den Eindruck der Strukturschwäche dieser Region. Die Kamera sowie die Soundgestaltung lenken vielmehr die Aufmerksamkeit immer auch auf die Naturschönheiten des „Wilden Ostens“, seine Felder, Bäume, Seen, sodass die Endzeitstimmung, die etwa das alte Kasernengelände vermittelt, durch einen Hauch von Aufbruch, Hoffnung und Pioniergeist aufgefangen wird: Da ist doch noch alles voller Leben.
Felicitas Kleiner
Kritik aus film-dienst Nr. 14/2008